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© Martin Harvey / WWF-Canon
Reise in den Regenwald - Aufregung und rascher Aufbruch (5/15)


von Janine
17.12.2011
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Wenige Tage nach unserer letzten Mission zieht es uns schon wieder in den Wald. Da wir den zweiten Satz Kamerafallen wegen der Wilderer nicht aufstellen konnten, hat sich Julia eine neue Lichtung dafür ausgesucht.
Morgens holt uns ein Auto ab und bringt uns zum „Parkplatz“, von dem aus man zur Petite Savane kommt, das Bai, um das herum wir die Kameras anbringen wollen.
Wir steigen aus und laufen los. Unterwegs sehen wir wieder unglaublich viele interessante Pflanzen und Tiere. Unter Anderem einen Pilz, der aus einem gelben Netz besteht, das wie ein Ei aus dem Boden wächst. Als wir weitergehen entdecken wir sogar Bongo-Antilopen. Das ist ein absoluter Glücksfall, weil sie sehr scheu sind und sich immer gut versteckt halten. Sie fressen gerade neben dem Pfad im Wald, als wir an ihnen vorbeikommen. Irgendwann bemerkt uns aber eines der Männchen. Es hebt seinen großen Kopf mit dem gewaltigen Geweih in unsere Richtung und dreht die Ohren zur Seite. Und schon ist die Herde im tiefen Dschungel verschwunden. Die Bongos sind wirklich riesiggroß. Braunrot sind sie und haben dünne weiße Streifen auf dem Rücken.

Gerade denke ich noch an die schönen großen Antilopen, als sich ganz plötzlich etwas riesiges im Gebüsch aufstellt. Ein gewaltiger Schrei, der lauter ist als ihn ein Mensch je von sich geben könnte, schallt durch den Wald. Ich erkenne ein Gorilla-Männchen, das nur etwa 20 Meter von uns entfernt steht und jetzt wirklich nicht beim Essen gestört werden will. Maryntho und Broadway fangen sofort an, die Macheten auf den Boden zu schlagen und zurückzubrüllen. Das beeindruckt den Gorilla leicht und er verzieht sich nach einigen Minuten. Erst jetzt merke ich, wie aufgeregt ich bin. Uns allen ist ein Schrecken in die Glieder gefahren, als der Gorilla so unerwartet losgebrüllt hat. Wir laufen vorsichtig weiter. Ein paar Meter später schreit das Männchen erneut. Jetzt ist es aber zum Glück schon weiter entfernt. Wenn ein Gorilla dich (schein)angreift, darfst du nicht wegrennen. Das weckt seinen Jagdinstinkt und das Resultat wäre vermutlich schlimmer, als seinen Angriff einfach abzuwarten.

Nach zwei Stunden erreichen wir die Lichtung. Auch hier gibt es einen Mirador, also einen Hochsitz. Wir können einen Büffel entdecken, der uns schnell wittert und dann verschwindet. Als es anfängt zu regnen verlassen wir den Mirador. Denn es wartet noch viel Arbeit auf uns. Heute sollen sechs Kamerafallen installiert werden.

Der Regen wird immer stärker und es dauert nicht lange bis über unseren Köpfen der Donner tobt. Da wir nicht viel Zeit haben, arbeiten wir im Regen weiter. Der sumpfige Boden wird immer matschiger. Jetzt lohnt es sich nicht mehr nach kleinen Inseln und Ästen zu suchen, über die man trockenen Fußes balancieren kann. Wir laufen einfach durch den Schlamm. Das macht uns aber nichts aus, wir wussten sowieso schon, dass es regnen würde - und daran bin ich schuld. Auf dem Weg zur Lichtung haben wir ein paar Blätter zu Bechern geformt, um mit ihnen aus einem kleinen Bach zu trinken. Mein Blatt habe ich nach dem Trinken aber im Bach liegenlassen. Maryntho klärt mich schnell auf und erzählt, dass die Blätter nach Gebrauch nicht im Wasser zurückgelassen werden dürfen, weil sonst der regen kommt! Er nimmt das Blatt zwar noch heraus, aber da ist es natürlich schon zu spät.

Nach einigen Stunden sind alle Kamerafallen angebracht und wir treten den Rückweg an. Jetzt laufen wir schneller. An der Straße angekommen warten wir auf das Auto, das uns abholen soll. Wieder zwei Stunden später kommt es an. Auf dem Heimweg sehen wir zwei kleine Eulen, die gemütlich auf der Straße sitzen und scheinbar keine Angst vor schnellen, lauten Wagen haben.

Als es dunkel ist erreichen wir das Camp Kombo. Ich bin schon total müde. Um mich herum fliegen Motten und Fledermäuse. Hier im Camp gab es die letzten zwei Tage Strom, also auch Licht am Abend! Heute ist dem Generator aber das Benzin ausgegangen und so haben wir mit Taschenlampe im Bach geduscht und zu Abend gegessen.

Am nächsten Tag laufen wir vom Camp Kombo zur Basisstation des WWF. Wir sind ungefähr eine Stunde unterwegs. Dann schnappe ich mir das Internetkabel. Als ich meine Mails durchstöbere finde ich heraus, dass ich heute schon in die Zentralafrikanische Republik aufbrechen soll, wo mich das Gorilla-Camp, ein Container aus Deutschland mit Ausrüstung für die Ökoguards und Steffen Heyn vom WWF Deutschland erwarten. Es bleibt mir nur eine Stunde um alle meine Sachen zu packen. Dann steige ich wieder zu Anourou ins Auto und er bringt mich bis an den Sangha-Fluss, der Kamerun von der ZAR trennt (Foto: WWF Basisstation am Lobeke Nationalpark).

 

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Kommentare (5)
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18.12.2011
Janine hat geschrieben:
@Schulli: Die Bongo-Antilopen sind wirklich sehr hübsch! Aber ich wollte sie lieber ansehen, statt nach meinem Fotoapparat zu kramen ;o)

@Marcel: Es hat nicht jeden Tag geregnet und ich war ja zur Regenzeit da. Aber wenn es regnet, dann richtig heftig! Allerdings haben sich Regen- und Trockenzeiten durch den Klimawandel schon verschoben..
Ja, genau der Container ist es. Das kommt auch später noch, den Bericht von damals baue ich nochmal ein, wenn es an der Zeit ist ;o)
Und ich wäre ja gerne daei, wenn ihr beide Gorilla spielt :D
18.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
18.12.2011
MarcelB hat geschrieben:
Ich hab mal gehört, dass es garnicht jeden Tag am Äquator regnen soll..das hat aber meinen geographischen Kenntnissen widersprochen. Was ist denn nun richtig? Regnet es wirklich jeden Tag extrem kräftig? Oder gibt es in den Trockenperioden auch regenfreie Tage?

Wiedermal super Bericht, gleich mal als lesenswert markiert!! ;) Ich hab mal nach Fotos von den Bongo Antilopen gesucht und kann mich Uli nur anschließen, wunderhübsch!!! :o wahnsinniges Glück scheint ihr echt gehabt zu haben. :)
Ist das dieser Container in der Basisstation aus der die Videobotschaft stammt??

Danke auch für den Tipp beim Gorilla, wenn ich demnächst mal in der Uni wieder meinen Seminarleiter extrem laut rumbrüllen höre, brülle ich einfach zurück! :D
18.12.2011
midori hat geschrieben:
Die Geschichte mit dem Blatt ist so niedlich! :o)
Schade, dass Du kein Bild von den Bongo-Antilopen hast machen können. Die sind wirklich sehr hübsch :o)
18.12.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Wow, echt super spannend, was du erlebt hast :) !!! Ich finde deine Berichte total faszinierend und freue mich auf die nächsten :)
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