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© Martin Harvey / WWF-Canon
Reise in den Regenwald - Ankunft (1/15)


von Janine
13.12.2011
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Liebe Community,
heute starte ich eine fünzehnteilige Berichtreihe, in der ich euch täglich von meiner Reise nach Zentralafrika berichten werde.


Am Anfang des Jahres war ich in Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik umterwegs, um mir ein paar WWF Projektgebiete anzusehen und die Naturschutzarbeit vor Ort kennenzulernen.
Eine Station meiner Tour war der Dzanga-Sangha Nationalpark, den Silke, Oliver und ich schon bei der WWF Jugend-Expedition 2009 besucht hatten. Hier sollte ich erfahren, ob wir durch unsere Expedition etwas verändern und den Naturschutz vorantreiben konnten.

Jetzt drehe ich die Uhr um einige viele Stunden zurück. Es ist der 18. Mai 2011. Abreisetag.

Seit sieben Monaten stehe ich in Kontakt mit Julia. Sie ist Doktorandin und zur Zeit sammelt sie Wasser-, Pflanzen-, und Bodenproben für ihre Arbeit. Dazu reist sie in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und dem Kongo umher, wo sie Lichtungen untersucht und sich mit Proben für ihre Arbeit eindeckt.
Julia hat mich eingeladen sie zu begleiten und so den Lobeke Nationalpark in Kamerun kennenzulernen, der ein Projektgebiet des WWF Deutschland und WWF Kamerun ist.

Ich sitze im Flugzeug. Weit unter mir ist der Boden von Beton zu Sand übergegangen. Die Sahara breitet sich als ein nicht enden wollender roter Teppich aus. Mein Ziel ist Yaoundé, die Hauptstadt von Kamerun.
Als das Flugzeug aufsetzt ist es dunkel. Von jetzt an heißt es Französisch sprechen. Meine Französischkenntnisse sind nicht die Besten. Ich hoffe einfach darauf mich im Notfall mit Zeichen verständigen zu können.
Nachdem ich mein Gepäck vom Laufband gefischt habe, gehe ich Richtung Ausgang. Hier wird nicht nur der Impfpass kontrolliert (jeder Einreisende braucht eine Gelbfieberimpfung), sondern auch das Gepäck und ob man mit dem eigenen Koffer den Flughafen verlässt. Dadurch entsteht ein Menschenknubbel und um an die Reihe zu kommen, muss man mit seinem Gepäckwagen allen anderen Leuten in die Hacken fahren und so auf Seite schubsen. Nachdem ich das System durchschaut habe, winken mich auch schon zwei freundlich blickende Kameruner zu sich. Ich soll von einem WWF Auto abgeholt werden. Da ich die einzige Weiße hier bin, bin ich leicht zu erkennen. Ich begrüße die zwei und sie nehmen mir gleich meinen Rucksack und mein Zelt ab und verstauen es auf einem Gepäckwagen, um Richtung Ausgang zu fahren. Als wir dort ankommen sagt einer der beiden ganz unerwartet zu mir, dass ich seinem Kumpel 20€ geben soll. Ich bin verdutzt und frage nach dem Auto, das mich zum Hotel bringen soll. Die Antwort verstehe ich nicht – ich höre nur etwas, das klingt wie „velo“ (Fahrrad). Ob wir mit dem Fahrrad zum Hotel fahren, frage ich entsetzt. Mit dem ganzen Gepäck und den Lichtverhältnissen stelle ich mir das sehr mühsam vor. Ich habe ihn aber scheinbar falsch verstanden, denn der Mann wird sehr wütend. Er brüllt immer wieder, dass ich seinem Kumpel jetzt das Geld geben soll.


Eine weitere Person, Natascha, saß mit mir im Flugzeug. Auch sie soll von dem WWF Auto abgeholt werden. Wir hatten uns zuvor Fotos zugeschickt, damit wir uns am Flughafen erkennen können. Da ich sie nirgends entdecken kann, frage ich nach ihr. Einer der Männer antwortet, dass sie ganz in der Nähe sei und ich nur noch ein Stück mitkommen und seinem Freund endlich das Geld geben soll. Danach würden sie mich zu ihr bringen. Da ich keine bessere Idee habe, suche ich meine letzten Euros zusammen und reiche sie ihm. Er verschwindet keine Sekunde später in einer Gruppe von Passagieren. Der Andere führt mich tatsächlich zum Treffpunkt, wo Natascha und eine WWF-Kelle auf mich warten.

„Ich wurde gerade ausgeraubt“ berichte ich Natascha auf der Fahrt. „Du musst hier wirklich aufpassen! Der Sicherheitsdienst am Flughafen ist nicht zu gebrauchen!“
Nach einer halben Stunde erreichen wir mein Hotel, in dem ich eine Nacht bleiben werde.
Ich verabschiede mich und checke ein.
Ich habe mich für den nächsten Morgen mit Tim verabredet, der von Yaoundé nach Yokadouma fahren wird. Denn dort findet ein Kongress statt, an dem er teilnimmt. Und von Yokadouma ist es nicht mehr weit bis zu Julia und zum Lobeke Nationalpark (Bild: Sicht auf Yaoundé).

Der weitere Verlauf meiner Reise ist ungewiss. Ich weiß weder wie viele Tage ich in Yokadouma verbringen werde, noch wie ich von dort aus nach Lobeke komme. Aber das ist mir erstmal egal. Denn es hat schon lange genug gedauert, die Fahrt vom Flughafen zum Hotel und von dort weiter nach Yokadouma zu planen. Eine dritte Station hätte wohl das Organisationstalent aller Beteiligten gesprengt.

Am nächsten Morgen holt mich Tim ab. Zusammen mit seinem Fahrer Simon. Wir verstauen mein Gepäck und begeben uns auf die elfstündige Fahrt Richtung Süden.
Nachdem wir Yaoundé verlassen haben, liegt der nackte rote Boden Afrikas unter uns. Die Straße ist von Schlaglöchern gesäumt und mein Sitz hat keine Federung. Wir fahren durch den Regenwald. Immer wieder kommen wir aber auch an Flächen vorbei, die durch Brandrodung ganz schwarz und kahl sind. Ich bin sehr müde aber kann meine Augen einfach nicht von diesem Anblick lassen. Beeidruckend ist vor allem der grüne Urwaldmantel, der uns umgibt.
Als wir eine Pause einlegen, höre ich zum ersten mal seit der Expedition 2009 die Stimmen des Urwaldes. Es pfeift und sirrt und gluckert. Jetzt bin ich ganz eingenommen von den Geräuschen und komme erst wieder in die Realität zurück, als Tim mir bedeutet, dass wir weiterfahren.

Auch bei unserer Ankunft in Yokadouma ist es schon dunkel. Der Tag-Nacht-Rhythmus hier liegt bei je zwölf Stunden. Die Sonne geht gegen 06:00 Uhr auf. Sonnenuntergang ist um 18:00 Uhr.
Wir suchen nach einem Hotel für mich und nach anderthalb Stunden werden wir fündig. Ich checke ein und erfahre, dass ich die nächsten drei Tage hier verbringen werde.

Die Zeit in Yokadouma ist – lang. Ich habe nichts zu tun, draußen ist es heiß und andauernd sprechen mich irgendwelche Männer an, oder pfeifen mir hinterher. Die ersten Heiratsanträge habe ich auch schon bekommen. Also bleibe ich die meiste Zeit über im Hotel und lese. Oder ich gehe zu Suzanne, die ein kleines Restaurant besitzt, in dem wir frühstücken, zu Mittag und Abend essen.

Nach drei sehr langen Tagen und etlichen SPIEGEL-Artikeln ist endlich Abreisetag! Jetzt sind Julia und ich nur noch vier Autostunden voneinander getrennt!
Anourou ist heute mein Fahrer. Er wohnt in Mambele, einem kleinen Dorf direkt am Lobeke Nationalpark. In Mambele befindet sich auch das Camp Kombo, wo sich Julia aufhält.
Als ich zu Anourou ins Auto klettere (diesmal habe ich einen gefederten Sitz), merke ich wie meine Aufregung steigt. Nur noch vier Stunden bis zum ich Julia zum ersten Mal in meinem Leben treffe...

 

Fotos: (C) Florian Niethammer, Janine Koch; Karte: (C) WWF

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Kommentare (5)
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18.12.2011
Oekojule hat geschrieben:
Super spannend geschrieben! Die Reihe werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen. Hoffentlich ist das mit den Hühnchen nichts schlimmes... :(
15.12.2011
Marcel hat geschrieben:
Wow, das fängt schon so spannend an! Ich finde, dass Du mal wieder unglaublich packend schreibst, Janine! Als wäre man dabei! Wie cool, dass wir nun täglich Deine Erlebnisse aus diesem Jahr mitverfolgen können!
14.12.2011
FabianN hat geschrieben:
Danke für die tollen Eindrücke ;)
Freu mich schon auf mehr!
13.12.2011
Janine hat geschrieben:
Ja, die Hühnchen kommen auch noch.. :o(
13.12.2011
midori hat geschrieben:
Ach Schanini! Erzählst Du auch von den Hühnchen auf der Autorückbank? Bitte xD
Freu mich schon sehr auf all die anderen Teile :o)
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