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© Martin Harvey / WWF-Canon
Langer Atem zahlt sich aus


von Marcel
09.09.2011
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Bilanz nach mehr als 20 Jahren WWF-Projektarbeit:

Das Kongo-Becken ist nach Amazonien das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Dort wurden bisher über 400 verschiedene Säugetierarten, über 1.000 Vogelarten und mehr als 10.000 unterschiedliche Pflanzenarten nachgewiesen. Die Wälder sind zudem Heimat und Lebensgrundlage für Millionen von Menschen und tragen als Kohlenstoffspeicher zur Stabilisierung des globalen Klimas bei. Nach 20 Jahren Projektarbeit wollen wir Bilanz ziehen - was hat der WWF dort erreichen können?

Welche Gefahren bestehen:

• Das für den Globus lebenswichtige Ökosystem mit seiner einzigartigen Vielfalt ist durch illegale Abholzung, Brandrodung und den Abbau von Bodenschätzen stark bedroht.

• Selbst auf den ersten Blick noch intakt scheinende Wälder sind durch massive Wilderei und kommerziellen Handel mit „Bushmeat“ (Wildtierfleisch) oft völlig leer gejagt. Dieses „Empty Forest Syndrom“, bedroht zum Beispiel durch fehlende Samenverbreiter das ganze System.

• Für die Menschen der Region gibt es kaum Arbeitsplätze sowie kaum Gesundheitsversorgung und Zugang zu Bildung. Besonders schwer haben es die hier heimischen BaAka-Pygmäen: Sie werden von der Mehrheitsbevölkerung der Bantu oft als rückständig angesehen und benachteiligt.

Das ist unser Ziel:

Eine Netto-Entwaldungsrate von null Prozent bis zum Jahr 2020

Das sind unsere bisherigen Erfolge:

• 1999 brachte der WWF die Staatschefs der sechs zentralafrikanischen Staaten an einen Tisch: ein Ergebnis war der Beschluss, 15 Prozent der Landfläche unter Schutz zu stellen. An der schrittweisen Umsetzung dieses ambitionierten Zieles ist der WWF maßgeblich beteiligt.

• Rund 4,5 Millionen Hektar Wald außerhalb von Schutzgebieten werden mittlerweile nachhaltig nach den strengen Regeln des FSC (Forest Stewardship Council) genutzt. Der WWF fördert und überwacht die Einhaltung dieser Standards, arbeitet hierzu mit verschiedenen Holzfirmen zusammen und finanziert über das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit Naturschutz- und soziale Maßnahmen auf den Holzkonzessionsflächen.

• Als Ergebnis jahrzehntelanger Naturschutzarbeit ist die WWF-Projektregion Dzanga-Sangha in der Zentralafrikanische Republik heute Teil des riesigen trinationalen Sangha-Schutzgebietskomplexes, das sich auch über die Länder Kamerun und Republik Kongo erstreckt. Vier Nationalparks bilden die zusammenhängende, fast 8.000 Quadratkilometer große Kernzone, in der jegliche Nutzung verboten ist. Die sie umgebende Pufferzone mit nachhaltiger Waldnutzung ist mit 36.000 Quadratkilometern größer als Baden-Württemberg.

• Der WWF hat sich erfolgreich für den Aufbau eines Trust Funds eingesetzt, dessen Erträge in Zukunft die vier Nationalparks am Sanghafluss zu großen Teilen finanzieren können. Das Grundkapital dieses Umweltfonds von mittlerweile fast 30 Millionen Euro bleibt dabei unangetastet. Neben den Beiträgen verschiedener Partner, darunter insbesondere der deutschen Bundesregierung, tragen fast vier Millionen Euro Stiftungskapital der Regenwaldstiftung – gegründet von der Brauerei Krombacher mit dem WWF Deutschland – maßgeblich zur Schutzgebietsfinanzierung bei. Der gesamte Kapitalgrundstock in Form des Trust Funds finanziert heute nicht nur Naturschutzmaßnahmen im Regenwaldschutzgebiet von Dzanga-Sangha, sondern auch in den angrenzenden Nationalparks Lobeke (Kamerun) und Nouabalé-Ndoki (Republik Kongo). Dazu gehören der Einsatz von Antiwildererbrigaden, die Umweltbildung für die heimische Bevölkerung und der Ausbau des naturnahen Tourismusprogramms.

• Darüber hinaus hat die Brauerei Krombacher zusätzliche Einzel-Maßnahmen finanziert. So wurde 2009 die mit mehr als 250 Quadratmeter größte Solaranlage der Zentralafrikanischen Republik in Dzanga-Sangha errichtet. Damit sind nun die gesamte Nationalparkverwaltung, die Mitarbeiterunterkünfte, die Gorilla-Forschungscamps und die gesamte Projektinfrastruktur von Gästehaus bis Kfz-Werkstatt energetisch unabhängig. Pro Jahr werden so bis zu 30.000 Liter Diesel und entsprechende CO2-Emissionen eingespart. Die WWF Jugend berichtete über das "Päckchen":

• Heute profitieren nicht nur die BaAka-Pygmäen, sondern alle Menschen der Region von den Erfolgen des Naturschutzes in Dzanga-Sangha. Ein Drittel der gesamten Bevölkerung des Gebietes – das sind Tausende von Menschen – erzielt ein regelmäßiges Einkommen aus dem Ökotourismus und anderen Projektaktivitäten. Dadurch hat die Akzeptanz für den Naturschutz beträchtlich zugenommen. Und nur mit Hilfe der BaAka waren und sind die Erforschung und der Schutz des Regenwaldes sowie der erfolgreiche Aufbau des Ökotourismus überhaupt möglich.

• Eine Gesundheitsstation und mobile Helfer sichern die medizinische Grundversorgung. Öffentliche Wasserstellen sorgen für sauberes Trinkwasser. Schulen werden gebaut und unterstützt. Auch die WWF Jugend hat hierfür Hilfe mobilisiert! Dank unseres ersten großen Projekts, der "Expedition nach Dzanga Sangha", konnten wir 10.000 Euro Spenden zusammentragen, die in Schulhefte für die Kinder vor Ort sowie in die Ausrüstung der Anti-Wilderer-Einheit flossen. Außerdem gewannen wir durch die Expedition einmalige Eindrücke, so als wäre jeder von uns live dabei gewesen. Ein wichtiger Schritt, um auch andere Menschen für diese Region zu begeistern. Und das schaffen diese Aufnahmen auf jeden Fall:

Janine, eine der drei WWF Jugend Regenwaldbotschafter, war in diesem Jahr nochmal in Dzanga-Sangha, um sich ein Bild davon zu machen, wie die Arbeit im Projektgebiet vorangeht. Sie hat ein weiteres Beispiel miterlebt, dass sich der Naturschutz dort lohnt, wie Du hier nachlesen kannst.

• Die Regierung des größten Staates Zentralafrikas, die Demokratische Republik Kongo, hat sich auf Betreiben des WWF verpflichtet, 15 Prozent ihres Landes – das sind etwa 15 Millionen Hektar – unter Naturschutz zu stellen. Der WWF leitet, finanziert vom deutschen Umweltministerium, die Auswahl, Planung und Ausweisung dieser neuen Schutzgebiete in den ökologisch wertvollsten Gebieten.

• Im Jahr 2010 wurde nach WWF-Vorarbeit das Ngiri-Schutzgebiet in der Demokratischen Republik Kongo ausgewiesen. Statt der ursprünglich geplanten 350.000 Hektar wird das Gebiet nun sogar doppelt so groß sein. Dadurch sind artenreiche Tropenwälder und Feuchtgebiete am Kongofluss gesichert – die Heimat der Bonobos, die nur hier vorkommen.

• Der Bestand der seltenen Berggorillas im Grenzgebiet von Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo hat sich trotz Bürgerkrieg und Unruhen stabilisiert. Insgesamt gibt es wieder mehr als 720 Tiere. Der WWF konzentriert sich derzeit darauf den Verbrauch an Holzkohle – die Hauptursache für die Entwaldung in diesem Gebiet – massiv zu reduzieren. Ein Projekt zur Verbreitung effizienter Öfen, Brennstoffalternativen und Aufforstungen ist hier sehr erfolgreich.

Fotos: Waldelefanten © David Rouge / WWF; Flachlandgorilla. © Angelique Todd / WWF; Dzanga-Fluss. © M. Gunther / WWF; BaAka leben im und vom Wald, ohne ihn zu zerstören. © M Gunther; Waldelefanten © Martin Harvey / WWF

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Kommentare (6)
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03.01.2012
tobi19 hat geschrieben:
sehr guter artikel :)
11.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist wirklich ein toller Bericht und die Videos machen das alles noch viel realer. Es ist fast unglaublich was schon alles geschafft wurde. :-)
10.09.2011
Maikaefer hat geschrieben:
Toller Bericht - Danke :)
09.09.2011
Seestern99 hat geschrieben:
Super guter Artikel und ich hoffe auch dass das erst der Anfang war . Ich bin sehr für den Schutz vom Regenwald weil wir sonst nicht leben könnten !
09.09.2011
Juliaaa hat geschrieben:
Wieder mal ein Zeichen dafür, wie viel der WWF verändern kann (: Coole Sache ;P
09.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Es freut mich zu hören, dass Erfolge erzielt werden. Und auch wenn es jetzt nach viel Fläche klingt, ist es doch nicht viel.. aber immer noch besser, als wenn sich nicht engagiert wird. Von daher kann mensch durchaus stolz auf das Erreichte sein! Hoffen wir, dass das erst der Anfang war :)
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