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© Martin Harvey / WWF-Canon
"Ich mag es, auf Patrouille zu gehen." - Naturschutz in Tansania: Ein Interview


von Sarah25
20.01.2014
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24.11.2013: Es war ein Sonntag. Doch wir trafen Said Hassan Mnkeni in seinem Büro an. Er hieß uns mit einem herzlichen Lächeln willkommen und wir betraten das klimatisierte Büro. Er hatte uns zu einem Treffen und Interview eingeladen und ich war sehr gespannt, was ich in den nächsten Stunden aus erster Hand über den Naturschutz in Tansania erfahren würde, im Allgemeinen, aber auch im Speziellen.

Seit Ende August bin ich nun in Tansania. Nähere Infos darüber findet ihr hier. Das folgende Interview führte ich zusammen mit Jan, meinem Mitfreiwilligen, sowie unserem Arbeitkollegen Pierre. Behaltet beim Lesen des Interviews bitte im Hinterkopf, dass es sich bei dem Gesagten lediglich um die persönlichen Meinungen von Said Hassan Mnkeni handelt und dies nicht als Meinung der Tansanier verallgemeinert werden kann.

Seit Juli 2013 arbeitet Said Hassan Mnkeni als Manager des Swagaswaga Game Reserves¹ in Tansania. Er studierte Statistik und "Wildlife Management" und hat bereits viel Berufsserfahrung. Zum Beispiel arbeitete er als regionaler Officer für Game Reserves, Anti-Wilderei-Officer und Officer für Touristen-Jagd und Service. Auch als Lehrer hat er Erfahrung. Jetzt arbeitet er für das Swagaswaga Game Reserve. Dort ist er für das Personal, die Finanzen und das Equipment zuständig. Er muss sicherstellen, dass die Ranger auf Patrouille gehen und niemand illegal das Game Reserve betritt.

Das Swagaswaga Game Reserve wurde 1997 gegründet. Es liegt im Norden der Region Dodoma, in Tansania, und erstreckt sich über eine Fläche von 871 km². Die Gegend beherbergt eine Vielzahl von Spezien. Unter anderem große Säugetiere wie Elefanten, Giraffen, Zebras, Pferdeantilopen, Löwen, Leoparden, Kuhantilopen, Klippspringer, Paviane, Grüne Meerkatzen und Hyänen.

          Said Hassan Mnkeni

Jan: Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Mnkeni: Ich mag es, auf Patrouille zu gehen. Als Manager arbeite ich manchmal draußen und manchmal im Büro. Aber meine Lieblingsaktivität ist es, draußen mit den Rangern auf Patrouille zu gehen. Dadurch kann man den Arbeitsbereich verstehen. Wenn man die Gegend kennt, kann man die Ranger sehr gut anweisen, was sie in der Gegend oder mit diesem oder jenem Problem machen sollen.

Sarah: Was ist am Swagaswaga Game Reserve besonders?

Mnkeni: Zuerst einmal ist es eine einmalige Gegend in Dodoma. Dort gibt es 'Miombo Woodland', wohingegen in Dodoma und Singida überall nur dichtes Buschland zu finden ist. Miombo ist ein spezieller Baum. Er ist nicht besonders groß. Er ist eine Wasserquelle für Menschen in der Region. Und er schützt auch die natürlichen Ressourcen, die wir haben – wilde Tiere.

Sarah: Welches ist Ihr Lieblingstier oder Ihre Lieblingspflanze?

Mnkeni: Es ist wahrscheinlich der Elefant. Er ist das größte Landsäugetier der Welt. Viele Menschen interessieren sich für dieses Tier. Wenn man Menschen sagt, dass wir hier Elefanten haben, sind sie interessiert. Dadurch können wir auch andere Tiere schützen.
Wenn ihr mich nach einem zweiten Tier fragt, dann sind es Nashörner, denn es ist eine vom Aussterben bedrohte² Tierart. In Arika haben wir viele wildlebende Tiere. Wir benötigen viel Energie, um sie zu schützen. Wenn man Radio hört, hört man, dass viele Menschen festgenommen werden, weil sie Elefanten töten. Wenn man die Aufmerksamkeit nicht auf Elefanten lenkt, werden sie in 10 oder 20 Jahren wahrscheinlich so selten sein wie Nashörner heute.

    Lage des Swagaswaga Game Reserves

Sarah: Wie wird das Game Reserve finanziert?

Mnkeni: Es wird durch die Regierung finanziert.

Jan: Bis jetzt gibt es keinen Tourismus in Swagaswaga?

Mnkeni: Nein, es gibt keinen Tourismus. Wisst ihr warum? Die Leute kennen die Gegend nicht. Wir haben keine Werbung für die Gegend gemacht. Deswegen denken wir darüber nach: “Wie können wir es besser machen?”. Denn wenn Swagaswaga bekannt ist, kann es zur Beobachtung von Wildtieren dienen, auch wenn es nicht so viele Tiere gibt wie im Serengeti Nationalpark.Leute aus Tansania oder aus anderen Gegenden fragen uns: “Wo sind die Tiere?”. Denn man kann in der Gegend einen ganzenTag umherlaufen ohne ein großes Tier zu sehen.

Pierre: Ich war eine Woche da und habe kein Tier gesehen.

Mnkeni: Aber wir versuchen den Menschen zu erklären, dass man es genießen kann in der Wildnis zu sein, in einer Gegend mit frischer Luft, ein paar Vögeln und Bäume und die Natur und die Wildnis. Doch die Leute können sich nicht vorstellen, dass sie es genießen werden. Aber wir versuchen sie zu überzeugen nach Swagaswaga zu kommen.

Sarah: Gibt es Tierarten, die man in Swagaswaga jagen darf?

Mnkeni: Es gibt zwei verschiedene Arten von Jagdaktivitäten. Es gibt die Einheimischen, die jagen, und es gibt den Jagdtourismus. Es gibt spezielle Tierarten, die die Einheimischen jagen dürfen. Sie jagen aber nur wegen des Fleisches und nicht wegen Trophäen. Es ist ihnen erlaubt Büffel, Elenantilopen, Kuhantilopen, Topis, Impalas und Thomson-Gazellen zu jagen. Aber in Game Reserves ist es den Einheimischen nicht erlaubt zu jagen. Ein Game Reserve dient nur für den Jagdtourismus und zur Tierbeobachtung.

Sarah: Jagdtourismus ist erlaubt?

Mnkeni: Wenn man Jagdtourismus betreiben möchte, dann muss man die Gegend für 5 Jahre an eine Jagdtourismusanbieter verpachten. Sie sind dann dafür verantwortlich, dass Leute zum Jagen in die Gegend kommen. Es gibt verschiedene Jagdtouren (7, 14, 16 oder 21 Tage). In jeder Jagdtour dürfen unterschiedliche Tiere gejagt werden. In einer 7 -tägigen Jagdtour darf man zum Beispiel keine Löwen, Leoparden und Große Kudus jagen. In 14- und 16-tägigen Jagdtouren darf man eine bestimmte Anzahl davon jagen: Büffel, Elenantilopen und andere kleine Tiere. In einer 21-tägigen Jagdtour darf man alle Tierarten jagen, die man will.

                                                                     Großer Kudu

Sarah: Auch Elefanten?

Mnkeni: Auch Elefanten, aber wenn du Elefanten jagen willst, musst du eine Importlizenz deines Heimatlandes mitbringen, die bestätigt, dass du die Erlaubnis hast einen Elefanten zu jagen. Das ist die erste Bedingung. Zweitens muss man über Elefantenjagd einige Besonderheiten wiessen. Ein professioneller Jäger muss das Gewicht der Stoßzähne eines Elefanten abschätzen können. Es sollte nicht weniger als 25 Kilogramm sein.Außerdem haben wir eine Jagdquote. Das bedeutet, dass meine Ranger und ich die Anzahl der Tiere abschätzen müssen, die wir während der Patrouille sehen. Dann können wir einschätzen wie viele Tiere wir ungefähr haben und den Leiter für “Wildlife” darüber informieren, dass wir beschlossen haben, dass dieses Jahr, zum Beispiel 10 Büffel, 15 Elenantilopen etc. gejagt werden können, ensprechend der beobachteten Situation. Zu Beginn der Jagdsaison muss er eine Jagdquote für die Saison für jedes Gebiet festlegen. So kontrollieren wir die Jagd.

Sarah: Gibt es Jagdtourismus in Swagaswaga?

Mnkeni: Zur Zeit gibt es kein Jagdtourismus. Das letzte Mal war es 2006.

Sarah: Gilt die Informationen, die Sie uns zum Thema Jagd gegeben haben, für ganz Tansania?

Mnkeni: Ja, das gilt für Tansania im Allgemeinen.

Der nächste Teil des Interviews folgt morgen! Darin geht es um Aufklärung in den lokalen Gemeinden,  um Wilderei und die Bekämpfung dieser Herausforderungen.

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¹Ein Game Reserve ist ein Schutzgebiet. Der wesentliche Unterschied zum Nationalpark besteht darin, dass Jagdtourismus zulässig ist.

² In Tansania gibt es noch 113 Nashörner (Stand 2010), Tendenz weder steigend noch sinkend. Das in Afrika einschließlich Tansania heimische Spitzmaulnashorn wird auf der Roten Liste als „Critically Endangered Specie“ aufgeführt, eine Kategorie über in freier Wildbahn ausgestorben. Insgesamt gibt es nur noch 4.880 Tiere dieser Spezies. Das in Tansania nicht heimische Breitmaulnashorn ist als „near threatened“ eingestuft, es gibt noch 20.170 Exemplare.

Bild 1: Copyright Said Hassan Mnkeni

Bild 3: Copyrigtht Frank Vassen

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Kommentare (9)
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22.01.2014
Nina1505 hat geschrieben:
Ich finde den Bericht super, und auch das Interview ist sehr gut gelungen
21.01.2014
Sarah25 hat geschrieben:
@midori: Zum Thema Jagdtourismus. In Nationalpark ist das verboten, in Game Reserves und sonstigen Gebieten aber erlaubt. Dort gibt es eine Jagdquote, basierend auf dem Tierbestand, die eingehalten werden muss. In diesem Teil des Interviews hat Mnkeni uns lediglich erklärt wie es mit Jagdtourismus in Tansania aussieht. Dort ist nicht seine eigene Meinung enthalten, aber im letzten Teil des Interviews wird deutlich werden, dass er persönlich gegen Trophäenjagd ist, da gesunde Tiere mit "guten" Genen dadurch getötet werden, sich so der Genpool verringert und es weniger starke Tiere gibt, die Nachkommen zeugen können.

25% der Gebühren für ein gejagtes Tier gehen außerdem an den Tanzanian Wildlife Protection Fund, der wiederum die Schutzgebiete unterstützt. In der Hinsicht leistet der Jagdtourismus einen kleinen Anteil zum Schutz, obwohl es natürlich fraglich ist, ob das lebendige Tier nicht schützenswerter ist.

Mnkeni möchte gerne, dass mehr Menschen nach Swagaswaga kommen zum sogenannten "Game Viewing" also Wildtierbeobachtung. Jagdtourismus gibt es in der Gegend ja auch gar nicht (zurzeit).

Wie erwähnt braucht man, um die Trophäen von Elefanten (und wahrscheinlich auch anderen großen Tieren) zu exportieren Importlizenzen seines Heimatlandes. Deswegen kann man gar nicht "einfach so" einen Elefanten jagen. Exportquoten für Trophäen und ähnliches wird durch CITES geregelt (http://www.cites.org/eng/resources/quotas/index.php).
Laut dieser Quoten war es 2013 erlaubt 400 Stoßzähne von Elefanten aus Tansania zu exportieren, entsprechend 200 getöteten Elefanten.
Viel erschreckender ist jedoch die Anzahl der illegal getöten Elefanten. Man schätzt sie in Tansania auf ca. 30 pro Tag - 10000 pro Jahr. Die Gesamtpopulation von Elefanten wird auf 100.000 bis 140.000 Tiere in Tansania geschätzt. Aus diesen Zahlen wird deutlich wie bedroht Tansanias Elefanten sind. Aber es wird auch deutlich das Jagdtourismus, wenn überhaupt, nur ein geringfügiges Problem für Elefanten darstellt. Auch wenn ich persönlich Trophäenjagd nicht gutheiße.

@Lisa18: Ich hoffe, deine Frage beantwortet sich schon aus dem oben genannten. Der Jagdtourismus stellt eine Einkommensquelle für die Regierung, die Schutzgebiete und auch die lokale Bevölkerung dar. Laut der Roten Liste der IUCN ist der Populationstrend für den Afrikanischen Elefanten insgesamt wohl ansteigend (http://www.iucnredlist.org/details/12392/0). Trotzdem kann ich deine Sorge gut verstehen.

Insgesamt ist Jagdtourismus, die Regulationen, Einkommen und so weiter ein sehr komplexes Thema, für jede einzelne Tierart, bei dem man schwer verallgemeinern kann. Um reflektiert darüber zu urteilen, muss man sich glaube ich tiefgründiger damit beschäftigen. Dabei hilft auf jeden Fall die CITES Webseite weiter: http://www.cites.org

Ich freue mich auf weitere Fragen und Anmerkungen :)
20.01.2014
Lisa18 hat geschrieben:
Vielen Dank für den Bericht! Ich frage mich allerdings, warum überhaupt gejagt werden darf, wenn doch die Bestände stetig sinken?!
20.01.2014
Sunny97 hat geschrieben:
danke für den Bericht, aber bei dem Thema Jagdtourismus bin ich ganz midoris Meinung. Vorallem das es erlaubt ist Elefanten zu jagen wobei man die doch besonders schützen soll.
20.01.2014
Himbaerchen hat geschrieben:
Tolles Interview! Interessant, mal die Meinung eines Rangers dazu zu hören ;)
20.01.2014
midori hat geschrieben:
Danke für diesen tiefgreifenden Einblick Sarah!! Aber mal ernsthaft - dient der Jagdtourismus in irgendeiner Weise dem Erhalt des Ökosystems? Sicherlich nur der Unterhaltung, oder? Wie kann er das mit seinem Gewissen verantworten, wo er doch sieht, dass die afrikanische Tierwelt derart bedroht ist? Und wenn noch mehr Menschen in dieses Gebiet kommen, gibt es dann noch mehr Jagdtourismus? Oder denkt er dabei an 'friedlichen' Ökotourismus?

Bin gerade ein bisschen entsetzt, dass soetwas von der Regierung finanziert wird :/
20.01.2014
Sarah25 hat geschrieben:
@Carina: Also die Zahlen, die er für Büffel und Antilopen genannt hat, waren rein fiktiv. Er wollte uns damit nur veranschaulichen wie das abläuft ;) Das ist aus dem geschriebenen Interview villeicht nicht so deutlich geworden. Die Jagdquote variiert jedes Jahr pro Gebiet, je nachdem wie groß die Population der Tierart in diesem Gebiet ist.
20.01.2014
Westernpferdle hat geschrieben:
Sehr tolles Interview, vielen Dank!
Ich finde es sehr interessant die Meinung von solchen Leuten zu hören, und was für mich auch ganz neu war, war der Teil mit dem Jagen.
20.01.2014
Carina hat geschrieben:
Vielen Dank, Sarah, das ist echt spannend! Was mich noch interessieren würde: Für Büffel und Antilopen hatte er eine Beispielanzahl genannt an Tieren, die pro Saison gejagt werden dürfen. Wie hoch läge die Zahl denn bei Elefanten? Weißt du das zufällig?
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