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Hoffnung sähen – Die kraftvolle Botschaft von Jane Goodall


von Madamsel
21.06.2015
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Sie ist berühmt geworden durch ihre bahnbrechenden Studien über Schimpansen in den 1960er Jahren und noch immer lassen ihre Vision und ihre Lebensgeschichte die Menschen nicht los. Im Alter von 81 Jahren tourt Jane Goodall momentan durch Europa; vor allem um der Welt deutlich zu machen, wie unglaublich wichtig der Natur- und Klimaschutz ist und welche Verantwortung ein jeder Einzelne von uns in dieser Mission trägt. Wie sie es schaffte trotz all der negativen Berichte, die uns täglich erreichen, einen Saal voll 1400 Menschen mit der Hoffnung zu füllen, dass es eben doch etwas bewirkt, wenn du und ich uns für die Umwelt einsetzten, möchte ich gern mit euch teilen.


Allein die Lebensgeschichte der Wissenschaftlerin wäre eine Berichtreihe für sich wert. Jedoch werde ich es ähnlich halten wie Jane Goodall in ihrer Lesung und vor ihrer eigentlichen Botschaft kurz davon erzählte, wie es dazu kam, dass sie ohne Studiumsabschluss das Angebot bekam Schimpansen im Gombe Reservat in Tansania zu erforschen, und warum ihre Ergebnisse die damalige Sichtweise auf Mensch und Schimpanse veränderten.


Den Willen, sich in ihrer Faszination für Tiere und in ihrem Wunsch mit diesen zu arbeiten nicht unterkriegen zu lassen, habe sie vor allem ihrer Mutter zu verdanken, die ihre kindliche Neugierde nach allem was lebte und in ihrer Umgebung umherstromerte, nicht unterdrückte sondern förderte – und zwar in einer Zeit, in der solche Interessen nicht als „mädchenhaft“ angesehen wurden. Doch da das Geld für ein Studium nicht reichte, beschloss Jane nach ihrem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung kurz Sekretärin zu machen. Die Worte ihrer Mutter „Damit findest du auf der ganzen Welt Arbeit“, sollten sich später bewahrheiten.

Jane (vorne links) mit ihrer Mutter Vanne, und Schwester Judy. Das Foto wird aufgenommen kurz bevor ihr Vater Mortimer seinen Dienst im Zweiten Weltkrieg antritt.


Im Alter von 23 bekam Jane die Möglichkeit, um eine Freundin in Kenia zu besuchen, die dort mit ihrer Familie auf einer Farm lebte. Eine lange Schiffsreise im Alleingang zu dem entfernten Kontinent entsprach natürlich noch weit weniger den Erwartungen an eine junge Frau. Dennoch beschloss Jane, mit der Ermutigung ihrer Mutter, ihren Job in London zu kündigen und in Kenia auf Arbeitssuche zu gehen. Durch glücklichen Zufall traf sie in Afrika den berühmten Paläontologen Dr. Louis Leakey. Dieser war von Janes Kenntnissen über das afrikanische Tierreich, die sie sich über die Jahre dank unstillbarem Wissensdurst angelesen hatte, so beeindruckt, dass er ihr einen Job als Assistentin anbot. In der kommenden Zeit reiste Jane mit auf Expeditionen, um gemeinsam mit Leakey nach Fossilien in Tansania zu suchen.

Jane und Dr. Louis Leakey 

Nachdem Dr. Leakey und sein Team eines Tages die versteinerten Überreste eines frühen menschlichen Vorfahrens, Australopithecus robustus, auf einer Expedition fanden, wurde Leakey von der Vorstellung begeistert, mit Hilfe einer Studie an Schimpansen mehr über die Lebensweise unserer steinzeitlichen Vorfahren herauszufinden. Nachdem einige bürokratische Hürden genommen waren, bekam Jane 1960 tatsächlich die Erlaubnis, um eine Schimpansenpopulation im Gombe Reservat zu erforschen.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und wenigen Einheimischen lebte Jane zunächst zwei Jahre in Gombe. Während dieser Zeit stellte sie die interessantesten Dinge über das Verhalten der Schimpansen und ihre Lebensgemeinschaft fest. Eine der wichtigsten Entdeckungen war die Tatsache, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und gebrauchen konnten, um an beispielsweise Termiten aus ihrem Hügel zu fischen. Da bislang angenommen wurde, dass der Mensch sich vor allem durch die Fähigkeit zur Nutzung von Werkzeugen von allen anderen Tieren unterschied, sprach Leakey die berühmten Worte: „Nun müssen wir entweder die Begriffe ‚Werkzeuge‘ und ‚Mensch‘ neu definieren oder Schimpansen als Menschen akzeptieren.“

Jane im Camp von Gombe zusammen mit dem Schimpansen Greybeard.

Da Janes Arbeit in Gombe weltberühmt ab 1962 wurde, bekam die kurze Zeit später die Möglichkeit an der Universität Cambridge einen Doktor zu machen – obwohl sie nie studiert hatte. Manche Wissenschaftler kritisierten ihre Arbeit als unseriös, da Jane nicht vertraut war mit den wissenschaftlichen Standardmethoden und beispielsweise den Schimpansen Namen gab anstelle von Nummern. Damals musste Jane die Schlussfolgerungen aus ihren Observationen, Schimpansen hätten Emotionen, Verstand und Charakter, noch hart verteidigen.

In den kommenden Jahren errichtete Jane mit dem Jane Goodall Institute ihre eigene Einrichtung zur Verbesserung der Lebensumstände für Schimpansen in Gefangenschaft. Erst nachdem Jane 1986 auf einer Konferenz in Chicago hörte, in welchem Ausmaße der Lebensraum der Schimpansen inzwischen durch Abholzung bedroht war, rief sie ein Programm ins Leben, das Entwicklungshilfe mit Umweltschutz in Afrika kombinierte, da das eine untrennbar mit dem anderen zusammenhängt. Ein Beispiel ist das Programm TACARE, welches den Menschen am Tanganyika-See hilft eine nachhaltige Landwirtschaft sowie ein funktionierendes Bildungswesen aufzubauen. Hilfe zur Selbsthilfe wird großgeschrieben, ebenso wie die Tatsache, dass man den Menschen deutlich machen muss, wie wichtig ein gesunder Wald für sie wirklich ist. Auch die Jugendgruppen Roots and Shoots wurden aufgebaut, mit dem Ziel, die Beteiligung von Jugendlichen am Naturschutz zu vergrößern.

Mit dem Programm Roots and Shoots versucht Jane stärkeres Umweltbewusstsein bei Kindern und Jugendlichen zu kreieren

Für mich persönlich war vor allem Janes Optimismus und ihr nimmer schwindender Mut sich den Problemen, vor denen wir heute stehen, zu stellen eine große Quelle an Inspiration. Wer von uns kennt dieses Gefühl nicht, angesichts unserer klein scheinenden Möglichkeiten zu echten Veränderungen manchmal mutlos zu sein. Nicht den Eindruck zu haben, dass das, was man selbst tun kann, wirklich etwas nutzen würde. Was bringt es schon, wenn ich die Plastiktüte an der Kasse ablehne, während man in Zeitungen liest, dass pro Stunde mehr als 500 Fußballfelder Regenwald abgeholzt werden? Doch Tatsache ist: Wir sind nicht die einzigen, denen die Natur am Herzen liegt und bewusster mit ihr umgehen. Auch Jane selbst sagt, dass eine ihrer größten Hoffnungen das Durchsetzungsvermögen und der Enthusiasmus unserer Generation ist. Erinnere dich, wie es war, als du zum ersten Mal von der Erderwärmung hörtest und was es für Möglichkeiten gibt, etwas zum Umweltschutz beizutragen. Waren wir nicht dabei, über unseren eigenen Lebensstil nachzudenken und ihn zu ändern, angesichts der Möglichkeiten, die wir hatten, und dem Austausch mit Menschen, die es ähnlich sahen wie wir? Warum sollte es bei anderen Kindern und Jugendlichen nicht ähnlich sein? Es bleibt nicht bei der einen Plastiktüte, die wir ablehnen. Genauso wie Jane Goodall eine Inspiration sein kann, erzählt sie von den Menschen, die sie inspirieren und die einer der Gründe sind, warum sie Hoffnung hat. Solange wir bei unserem kritischen Blick und unseren Bemühungen positiv bleiben und den Fokus auf all die Dinge legen, die sich bereits verbessert haben, dann tun wir nicht nur uns selbst einen Gefallen, sondern können auch viel leichter andere Menschen mit dem was wir tun berühren und erreichen.


„Lasst uns der Zukunft also voller Hoffnung entgegen sehen. Denn ohne Hoffnung bleibt und nichts anderes übrig als die letzten natürlichen Quellen aufzubrauchen, während wir zuschauen wie unser Planet langsam stirbt. Lasst und stattdessen an uns selbst glauben, an unser eigenes Können, unseren Verstand. Wollen wir lernen alles Lebendige zu respektieren. Lasst uns probieren, Ungeduld und Intoleranz durch Verständnis und Anteilnahme zu ersetzen. Und durch Liebe.“

 

Ihr könnt euch Janes Lesung hier vollständig auf Englisch anhören.

 

Quellen:

Google Bilder

http://www.janegoodall.nl/

http://www.ru.nl/soeterbeeckprogramma/terugblik/terugblik-2015/terugblik-2015/jane-goodall/goodall/verslagbezoekgoodall/

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
28.06.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Danke für den Bericht, ich finde Jane Goodall auch sehr inspirierend und bewundere sie für ihren Optimismus und ihre Entschlossenheit.
22.06.2015
peacemeinfreund hat geschrieben:
Danke fure diesen wunderbaren Artikel. Sie ist echt eine sehr inspirierende Persoenlichkeit, die einen wunderbar ermuntert weiter unsere Ziele zu verfolgen. :D
21.06.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Danke, für den tollen Artikel und den Link zu der vollständigen Lesung. Ich habe sie mir gerade komplett angehört und bin einfach nur begeistert. Ich kann es echt nur jedem empfehlen, sich die Lesung auch einmal anzuhören. Danke!
21.06.2015
jan_muecher hat geschrieben:
Eine starke Frau, die viel bewegt hat! Pfoten hoch
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