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© Martin Harvey / WWF-Canon
"Gemütlich - Höhle - Auf Wiedersehen"


von Carina
18.07.2014
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Koko kann reimen. Sie reimt zum Beispiel do auf blue oder squash auf wash. Koko macht Witze und Aussagen mit Zeitbezug. Sie beherrscht über 1000 Begriffe aus der amerikanischen Gebärdensprache und circa 2000 englische Wörter. Sie hat einen IQ von 75 bis 90 – zum Vergleich: Ein IQ von 100 bescheinigt eine normale Intelligenz.

Was das Besondere daran ist? Nun, Koko ist ein Gorilla.

Genauer gesagt eine Gorilla-Dame, geboren am 4. Juli 1971 und mehr als vier Jahrzehnte lang von Wissenschaftlern der Stanford University darauf trainiert, mit Menschen zu kommunizieren. Zwar gab und gibt es ähnliche Experimente und Erfolge auch mit Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos, doch Koko übertrifft sie alle. Sie bildet Sätze aus drei bis sechs Worten und antwortet auf Fragen. Was sagt sie zum Beispiel, wenn sie danach gefragt wird, warum sie nicht wie andere Menschen sei? „Koko Gorilla“. Laut der Wissenschaftlerin Francine Patterson könnten wir von KoKo viel über die Psychologie von Gorillas lernen. Was sagen Gorillas, wenn sie sich freuen? „Gorilla umarmen“. Und was sagen sie, wenn sie sich ärgern? „Toilette Teufel“.

Doch das Training mit Koko ist nicht nur dazu gut, mehr über die Psyche dieser faszinierenden Affen zu erfahren, sondern auch dazu da, Argumente für ihren Schutz zu sammeln. Koko ist Teil des Great Ape Projects, dessen Vertreter der Ansicht sind, dass Eigenschaften wie Intelligenz, Selbstbewusstsein, komplexe Kommunikationsformen, soziale Systeme sowie das Verfolgen von Wünschen und Absichten, Menschenaffen zu Personen machen. Folglich sollten sie auch den gleichen Schutz und die gleichen Rechte haben wie Menschen: Menschenaffen hätten das Recht, nicht für Tierversuche missbraucht zu werden, nicht in Zoos zur Schau gestellt zu werden und in einem unversehrten Lebensraum leben zu können. Nicht Artenschützer sollten sich um sie kümmern, sondern die UNO.

Das klingt toll, ist jedoch schwierig umzusetzen. Wie zum Beispiel sollte man vorgehen, wenn Menschenaffen gegen die Rechte und Gesetze verstoßen, deren Schutz sie genießen würden (ohne ihnen zugestimmt zu haben)? Was sollte man unternehmen bei Kämpfen, Morden und Kannibalismus unter Menschenaffen? Verurteilt man sie dann auch nach unserem menschlichen Maßstab?

Doch das ist nicht die einzige Schwierigkeit, die man in der Argumentation des Great Ape Projects finden kann. Denn zum einen sind die Tierrechtler verzweifelt darum bemüht, die Grenzen zwischen Mensch und Tier zum verschwimmen zu bringen und dem Menschen seine erhabene Stellung als Krone der Schöpfung abzuringen. Auf der anderen Seite jedoch begründen sie die bevorzugte Behandlung von Gorilla, Orang-Utan und Co. damit, dass sie uns Menschen doch so ähnlich seien.

Trotz dieser logischen Fehlschlüsse, finde ich jedoch den Ansatz grundlegend richtig, die Intelligenz von Menschenaffen anzuerkennen, den Menschen von seinem goldenen Thron zu stürzen und allen Lebewesen auf diesem Planeten – egal welche Art oder welcher IQ – Schutz und Freiheit zu gewähren. Die Kommunikation mit Koko ist faszinierend und lässt ein wenig alte Kinderträume wahrwerden – denn wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, mit Tieren sprechen zu können und ihre Gedanken zu erfahren? Ich bin sicher, dass wir dabei noch einiges lernen könnten. Zum Beispiel so niedliche und irgendwie beruhigende Einsichten, wie diese:

Von ihrer Trainerin Francine Patterson danach befragt, was der Tod sei, überlegte Koko eine kleine Weile. Schließlich deutete sie auf drei Symbole: „Gemütlich – Höhle – Auf Wiedersehen“.

 

Quellen:
http://www.koko.org/about-us
Richard-David Precht: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“
http://de.wikipedia.org/wiki/Koko_%28Gorilla%29
Bild: Berggorilla © Michael Poliza / WWF

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Kommentare (14)
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29.07.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Ich bin ja voll mit euch einer Meinung, hab selber gerade ca. 2 Stunden auf koko.org verbracht und finds mega interessant, aber auf eins muss ich mal hinweisen:

Koko "sagt" nicht "Koko Gorilla" sondern zeigt die Wörter in der Gebärdensprache. Gorillas können allein wegen ihrer Mundform schon nicht die gleichen Laute produzieren wie wir. Koko kann 1000 Zeichen der Gebärdensprache und versteht ca. 2000 Wörter gesprochenes Englisch. Wenn sie für ein Wort, dass sie versteht, kein Zeichen weiß, erfindet sie auch mitunter neue Wortkombinationen.

Formulierungen wie "Koko sagt", "Koko beherrscht 2000 englische Wörter" usw suggerieren hier einfach ein falsches Bild, und jemand der sich nicht noch auf den Original-Quellen schlau macht, speichert nur ab "Boah geil, ein Affe der sprechen kann, höhö!" und geht weiter. Auch wenn ich mich über den Artikel an sich sehr gefreut hab, das darf nicht sein finde ich ;)
25.07.2014
gelöschter User hat geschrieben:
@Rhino
Ich hatte beim lesen die gleichen Gedanken wie du
Bin auch sehr gespannt auf den Artikel
22.07.2014
Himbaerchen hat geschrieben:
Echt faszinierend und sehr interessant!
21.07.2014
Carina hat geschrieben:
@Rhino: Richtig, in freier Wildbahn lernen Affen so etwas nicht, denn es ist ja auch einfach komplett artfremdes Verhalten, dass ihnen im Wald nicht beim Überleben hilft.

Auf den Artikel zum Great Ape Project von dir bin ich schon sehr gespannt!
20.07.2014
Rhino hat geschrieben:
Die enorme Wortschatz ist einfach nur faszinierend :)

Aber was das Great Ape Project angeht ... schon interessant, dass diese Initiative Propagande mit Koko macht und die Tatsache, dass Koko in Gefangenschaft aufgewachsen ist und durchgehend von Menschen trainiert wurde (was für diese Organisation ja eigentlich gegen zig Grundrechte verstößt) da nur kleinlaut bemerkt wird ...

Ein Gorilla in freier Wildbahn lernt keine 1000 Worte in Gebärdensprache, er ist intelligent genug, sich mit sinnvolleren Dingen zu beschäftigen ... Koko ist ein vom Menschen dressiertes Tier, das sollte nicht vergessen werden ...

Ich werd demnächst mal'n Kommentar zum Great Ape Project machen, da gibts noch einiges an Klärungsbedarf ...
20.07.2014
Pandafreundin hat geschrieben:
Wow... sehr faszinierend! Unfassbar - es ist wirklich so dass niemand glaubt dass sowas möglich ist, bis es jemand macht! Ich bin auch der Meinung dass die Grundgedanken richtig sind, denn wie man sieht sind diese Tier auch intelligent! Jedoch gibt es wirklich Probleme wenn man sein Ziel erreicht .. Aber eine wirklich interessante Arbeit!
19.07.2014
thogie hat geschrieben:
Letztens habe ich im Zoo eine interessante Situation beobachten können. Ein Bonobo lag vor einer Gehegescheibe und döste vor sich hin. Das kleine Kind fand dies sehr langweilig und klopfte gegen die Scheibe, um den Affen zu animieren, etwas zu machen. Der Bonobo fing laut an zu kreischen. Er wusste anscheinend, was das Klopfen zu bedeuten hatte und regte sich darüber auf. An dem Beispiel sieht, wie gut Affen ihre Umwelt verstehen und wie nahe sie dem Menschen wirklich sind und sie geben auch Zeichen, dass sie aus den Gehegen herausmöchten.
18.07.2014
Line hat geschrieben:
wow! ich komme grade aus dem Staunen fast nicht mehr raus......
Ich war schon immer der Meinung, dass Tiere ebenfalls intelligent sind. jedes auf seine Weise und der Mensch sich nur eine bestimmte Intelligenz definiert hat. Dass Menschenaffen uns teilweise verstehen liegt meiner Meinung daran, dass sie uns eben sehr ähnlich sind und ähnliche Hirnwindungen haben. Schön, dass es dafür so tolle Beweise/Beispiele gibt .
18.07.2014
AmyNew hat geschrieben:
Besonders faszinierend finde ich, wie Koko und Kanzi beide eigene Wortkombinationen finden, um sich die Welt zu erklären, so wie Koko den Tod erklärt! Und das Kanzi bspw versucht hat, als Übersetzer den anderen Mitgliedern seiner Gruppe zu helfen, sich mit den Pflegern zu verständigen. Gerade bei diesem Projekt ging es nicht nur darum, Sprachforschung zu treiben, sondern auch andere menschliche Entwicklungen zu erforschen. So lernte Kanzi z.B. wie man Feuer macht, während der Rest seiner Bonobo-Gruppe im Forschungszentrum noch immer Angst vor Feuer hat. Was zeigt, dass Instinkt eher Prägungsverhalten ist, das sich durch Sozialisierung bildet und nicht unbedingt angeboren sein muss, wie man bisher dachte....oje, da geht schon wieder die Ethologin mit mir durch, sorry Leute ;) aber das Thema ist auch einfach zu spannend!
18.07.2014
AmyNew hat geschrieben:
Was die Haltungsbedingungen angeht, die sind in beiden Fällen wohl weniger optimal. Aber bei naturnahen Haltungsbedingungen wird auch niemand versuchen, Primaten Gebärdensprache o.ä. beizubringen. Tatsächlich funktioniert so etwas nur dann gut, wenn die Tiere mit Menschen aufgewachsen sind und von ihnen sozialisiert wurden. Das ist zwar nicht naturnah, und man kann darüber lange diskutieren, ob dies für die Tiere so gut ist, aber für diese Art von Forschung sind solche Bedingungen notwendig.
Und wenn die Menschen durch solche Ergebnisse mehr über Primaten lernen und sie so auch hoffentlich mehr respektieren, kann dies den freilebenden Artgenossen von Kanzi, Koko und Co doch hoffentlich nur helfen!
18.07.2014
AmyNew hat geschrieben:
Faszinierend! Vielleicht habt ihr auch schonmal von Kanzi gehört, einem Bonobo, der über ein Lexigram gelernt hat, mit seinen Betreuern zu kommunizieren. Von dem habe ich gelesen, dass ihm Videos von Koko gezeigt wurden, von denen er sich wohl Zeichensprache abgeguckt hat. Denn als eine Anthropologin, die zuvor mit Koko gearbeitet hatte, ihn besuchen kam, signalisierte er ihr in Gebärdensprache "You, Gorilla, Question". Er hatte sie wohl von den Videos wiedererkannt...
Was auch etwas über die Fähigkeiten von Menschenaffen aussagt :)
18.07.2014
SarahU hat geschrieben:
Danke für den wirklich interessanten Bericht! :) Ich habe davon noch nichts gewusst ;)
Das ist ja echt beeindruckend :D
Ich denke auch, dass die Menschheit sich nicht als die "Krone der Schöpfung" sehen sollte. Die Menschheit ist zwar das intelligenteste Lebewesen, jedoch führt die Intelligenz meiner Meinung nach zu Zerstörung der Natur, Kriegen, Tierquälerei,... :/
Es sollte viel mehr für den Schutz der Natur und die Rechte der Tiere getan werden! Zum Glück gibt es Organisationen wie der WWF ;) , PETA usw.
18.07.2014
Carina hat geschrieben:
@Jayfeather: Danke für den Kommentar. Auf Kokos Haltung und die Frage, ob sie artgerecht leben kann, bin ich bewusst nicht eingegangen, weil ich den Fokus des Berichts auf etwas anderes legen wollte. Gut, dass du es erwähnst. :)
18.07.2014
Jayfeather hat geschrieben:
von Koko hab ichb schon gehört und auch videos gesehn.
was ich nur schade finde ist, dass sie zumindest am anfang (meiner meinung nach) nicht so schön gehalten wurde. Sie hatte keinen Kontakt zu Artgenossen.
Aber irgendwann, als sie den wunsch nach anderen Gorillas geäußert hat, kam dann ein junges Gorilla männchen dazu. ich glaube sie sind dann auch irgendwann in ein naturnahes gehege gekommen.
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