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© Martin Harvey / WWF-Canon
Feuer: Warum seine Zerstörungskraft in der Natur sehr wichtig sein kann


von Carina
09.05.2014
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79 P

USA. Strahlend blauer Himmel. Graslandschaft und Bäume so weit das Auge reicht. Ein wunderschöner Herbsttag im Naturschutzgebiet.
Doch was ist das? Steigt da hinten Rauch auf? Ein Brand! Und wer läuft da rum? Ein Mann im orangefarbenen Anzug. Gott sei Dank – direkt ist ein Feuerwehrmann zur Stelle! Doch Halt, der Typ hat keineswegs vor, den Brand zu löschen – er legt ihn sogar!

Herbstliche Prärie im Badlands National Park

Dieses kleine Szenario könnte man in den weitläufigen Prärien Nordamerikas tatsächlich so beobachten. Würde man den Herrn jedoch aufgeregt zur Rede stellen, würde er wahrscheinlich erst mal relaxt lächeln und „Take it easy, dude“, sagen. Und dann würde er wohl Folgendes erklären:

Bei der augenscheinlichen Brandstiftung handelt es sich nämlich um sogenannte Schutzgebiets-Managementmaßnahmen. Brände sind in Graslandschaften tatsächlich nicht nur natürlich, sonder sehr wichtig. Zum einen halten sie die Landschaften offen, verhindern also die Ausbreitung von Gehölzen. Zum anderen gewährleisten sie einen guten Nährstoffkreislauf.

Savanne in Burkina Faso

Ohne Feuer würden sich viele Graslandschaften wie die Prärie in Nordamerika oder Savannen in Afrika gar nicht bilden können. Ohne Brände, die immer wieder Bäume zerstören, würden sich dort Wälder ausbreiten und der Lebensraum der Graslandschaften ginge verloren. Warum das so ist? Gras ist viel besser an Brand angepasst. Gräser wachsen sehr schnell und verwenden dabei wenig „Kraft“ darauf, besonders kräftig zu werden. Es geht nur darum, hoch hinaus zu wachsen. Wenn sie verbrennen, haben sie noch ganz viel sogenannte Biomasse als Wurzeln im Boden und können einfach nachwachsen. Bäume hingegen, trifft es viel härter, wenn sie mühsam aufgebaute Biomasse zerstört wird, und sie regenerieren lange nicht so schnell.

Der zweite Punkt sind die Nährstoffe. Viele davon sind in der Pflanzenmassen festgelegt. Verbrennen die Pflanzen, gehen sie zurück in den Boden und machen die Erde wieder fruchtbarer. Besonders für Stickstoff und Phosphor ist dies wichtig.

Aber nicht nur Gras ist an Feuer angepasst. In Kalifornien z.B. finden sich die sogenannten Chaparrals: Dicht wachsende Hartlaubgewächse, für die Feuer ebenfalls ein wichtiger Faktor ist. Das europäische Gegenstück dazu wären die sogenannten Macchien im Mittelmeerraum. Auch Eukalyptuswälder in Australien sind von Feuer beeinflusst. Hier haben sich ganz verrückte Anpassungen gebildet: Manche Eukalyptusbäume sondern besonders gut brennende Öle ab. Ragen sie in Nachbarbäume anderer Arten hinein, gehen sie auf jeden Fall sicher, dass diese mit verbrannt werden: Die Konkurrenz soll schließlich nicht unbeschadet davon kommen! Eukalyptusbäume treiben nach einem Brand sofort wieder aus und wachsen besonders gut weiter – aufgrund der neu verfügbaren Nährstoffe und des geschaffenen Platzes.

Chaparral in den Santa Ynez Mountains, Kalifornien

Unser gutgelaunter amerikanischer Schutzgebiets-Pfleger hat also sehr wohl recht mit seinen Brandmaßnahmen – falls es nicht natürlicherweise genug gebrannt hat. Jahrelang hatte man nämlich gedacht, dass es schlau wäre, Waldbrände zu unterdrücken. Doch das Problem dabei ist, dass sich daraufhin sehr viel Biomasse akkumuliert (also sehr viele Pflanzen wachsen) und dann viel größere, unkontrollierbare und verheerendere Brände ausbrechen.

So hat man zum Beispiel auch die Sequoia-Bestände gefährdet. Für diese größten Bäume der Erde ist es wichtig, dass die Bodenvegetation von Feuer dezimiert wird. Unterdrückt man die Brände, bildet sich schnell eine zweite Baumschicht unter den Sequoias. Bricht nun doch einmal ein Brand aus, kann dieser über die kleineren Bäume – ein bisschen wie über eine neu geschaffene Treppenstufe – in den Kronenraum der Sequoias übergreifen.

 Feuer ist in einigen Ökosystemen also ein ganz wichtiger Faktor, an denen sich die Pflanzen im Laufe der Evolution angepasst haben. Es klingt verrückt, ist aber wirklich so: Manche Pflanzen wollen gerne ab und zu verbrannt werden. Mit eurer Zimmerpflanze allerdings, würde ich das vorher lieber nochmal absprechen ...

 

 

 

 

Sequoia (Mammutbaum)

 

Bildquellen: Wikimedia Commons
 

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Kommentare (11)
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15.05.2014
Line hat geschrieben:
wow! ich bin total fasziniert von diesem Artikel :)
total interessant und echt neue dinge. ich hatte davor null Ahnung davon.....
vor allem das mit dem Eukalyptus finde ich lustig und sehr interessant :)
13.05.2014
Kerstin hat geschrieben:
Danke für den interessanten Artikel! Das nenne ich mal wirklich lehrreich!
13.05.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Hier gibt es auch immer wieder neues zu lernen :)

Werden durch selbst gelegte Brände nicht auch Brandschneisen gezogen, um Flächenbrände einzudämmen?
11.05.2014
Franzi hat geschrieben:
Klasse Bericht Carina und sehr anschaulich geschrieben :-) Danke!
11.05.2014
Morgentau hat geschrieben:
Hey, das ist ja wirklich mal interessant! dass es Bäume gibt, die verbrannt werden wollen, hätte ich auch nicht gedacht. Danke!
11.05.2014
MinhoPrincess hat geschrieben:
Sehr guter Bericht !
10.05.2014
Carina hat geschrieben:
@4lexSchneegans: Gute Frage. ;) Es ist so, dass bei der Verbrennung der Pflanzen nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie sie im Laufe ihres Wachstums aufgenommen haben. Es wird also kein zusätzliches CO2 freigesetzt. Daher ist das Heizen mit einem Holzofen ja auch so klimafreundlich - vorausgesetzt, man hat einen Filter. :)
10.05.2014
Jayfeather hat geschrieben:
Interessanter Bericht!
Ich habe mich schon oft gefragt,warum Waldbrände immer unbedingt gelöscht werden müssen (außer natürlich, wenn da in der Nähe Häuser stehen) Schließlich würde es auch ohne Menschen zu Bränden kommen, die dann keiner bekämpfen würde.
10.05.2014
4lexSchneegans hat geschrieben:
Das ist mir wirklich ( wieder ) neu :) danke (was ist dem mit dem Co2, ist das in dem Fall egal ?)
10.05.2014
Sophie1 hat geschrieben:
Ich hätte jetzt absolut nicht damit gerechnet, dass Pflanzen absichtlich verbrennen wollen um neu zu wachsen :)
10.05.2014
midori hat geschrieben:
Cool, das Thema hatten wir noch gar nicht hier in der Community. Das ist echt spannend und interessant. Das ein Feuer reinigend auf die Natur wirken kann, war mir klar, aber dass es in manchen Gebieten so dringlich nötig ist, wusste ich nicht! Danke!!
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