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© Martin Harvey / WWF-Canon
Ein Medizinboot im Kongo


von Anais
02.09.2014
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Was haben Medikamente und Verbände mit Umweltschutz zu tun?

Johannes Kirchgatter hat sich mit genau dieser Frage beschäftigt. Er ist Afrika-Spezialist beim WWF und hat festgestellt, dass die Versorgung von Grundbedürfnissen notwendig ist, um im Umweltschutz erfolgreich zu sein. Umweltschutz hat nämlich keine Chance, so Johannes‘ Fazit, sofern nicht auch die Grundbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt werden. Das heißt also ganz konkret: Umweltschutz muss Menschen mit einbeziehen!


Johannes Kirchgatter, WWF Afrika-Referent © Percy Vogel / WWF


Die Bevölkerung hat mit tropischen, wie Malaria und anderen an sich gut behandelbaren Krankheiten, zu kämpfen und keine ausreichende Versorgung. Da haben die ganz andere Sorgen als etwa den Umweltschutz.
Das Ngiri-Schutzgebiet ist von großen Sumpfwäldern geprägt und bietet Lebensraum für verschiedenste Arten. Viele dieser Arten (wie beispielsweise Affen, oder auch Waldantilopen) wurden jedoch in großem Stil gejagt, so dass nun nur noch wenige Lebewesen übrig sind. In diesem Zusammenhang spricht man vom „Empty Forest Syndrom“. Die Ursache dafür ist zum einen der rasante Bevölkerungsanstieg (in 16 Jahren wird ein Wachstum von 200%, also eine Verdoppelung erwartet) und zum anderen wurde auch durch den Bürgerkrieg vieles zerstört, weshalb die Menschen nun stärker, denn je von den Ressourcen abhängig sind und auf Kosten der Natur leben.

Die betroffenen Dörfer liegen teilweise bis zu 300km von der nächsten Klinik entfernt und hier kommt das Medizinboot ins Spiel. Das Medizinboot des WWF und des Kirchenkreises Dortmund ist ein Klimaschutzprojekt, welches vom Bundesministerium für Umwelt (BMU) finanziert wird. Es ist wie eine kleine Arztpraxis mit Ärzten und Krankenschwestern, welche den Kongo entlang fährt und auch für die abgelegenen Gegenden eine medizinische Grundversorgung gewährleistet. Das ist total wichtig für die Zusammenarbeit, denn das schafft Akzeptanz, Anerkennung und Vertrauen.


Medizinboot Kongo © Matthias Dehling / WWF


Im Zentrum des Schutzgebietes gilt inzwischen ein striktes Jagdverbot unter strenger Kontrolle und mit der einzigen Ausnahme von Einwohnern am Rande des Gebietes, welche aber nur bestimmte Arten jagen dürfen und auch nur mit nachhaltigeren Methoden. Maniok und Palmöl bieten eine Alternative zum Fleischverkauf und durch verfeinerte Techniken könne die Produktivität wohl auch noch gesteigert werden. Der WWF fördert beispielsweise den Gebrauch von Maniok- und Palmöl- Mühlen. Das ist gut für den Wald, denn das Mahlen bringt höhere Erträge, als es zu stampfen und somit wird weniger Fläche verbraucht. Der Druck auf den Wald wird also gelindert, indem auf naturverträglichere Methoden zurückgegriffen wird und durch die Steigerung der Produktivität, wodurch weniger Fläche für den Anbau benötigt wird.
Es ist nötig Alternativen zu bieten und Verständnis für Regeln zu schaffen, da es sonst nicht funktioniert. Im „modernen Umweltschutz“ ist es wichtig die Bevölkerung mit einzubeziehen und ein Bewusstsein für Umweltschutz zu schaffen, damit es auch langfristig funktioniert.


 

Mehr über Johannes' Arbeit in der Region erfahrt ihr hier

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Kommentare (5)
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08.09.2014
Puma hat geschrieben:
Ich finde den Ansatz echt klasse!Den Menschen zu helfen und dadurch den Umweltschutz vorranzubringen ist das beste,was man machen kann!
06.09.2014
Anais hat geschrieben:
@Ronja96: Absolut, es ist ein langer Weg und da gibt es noch einiges zu tun ;)
@Luke24: Genau darum geht's. Wobei das jetzt nicht heißt, dass man sich erstmal Umweltschutz schenken kann und alle Kräfte auf das Erfüllen von Grundbedürfnissen setzen sollte. Beides ist unheimlich wichtig und muss hand in hand gehen, damit es funktioniert. Anders gesagt: auch, wenn die medizinische Versorung noch längst nicht reibungslos läuft zeigen bereits viele Maßnahmen für den Umweltschutz tolle Resultate. Die Mischung macht's! :))
04.09.2014
Luke24 hat geschrieben:
die Kernaussage ist für mich, dass effektiver Umweltschutz nur möglich ist, wenn die Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt werden. Wenn man selbst am verhungern ist, hat man - um es ein bisschen plump zu formulieren - anderes zu tun, als sich um den Erhalt der Umwelt zu kümmern ....
02.09.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den interessanten Bericht! Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber das ist auf jeden Fall ein super Ansatz, den man auf jeden Fall noch ausbreiten sollte.
02.09.2014
JohannesB hat geschrieben:
Spannender und vielversprechender Ansatz.
Danke für den interessanten Bericht, Anais!
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