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© Martin Harvey / WWF-Canon
Die Dzanga Bai


von Janine
09.11.2009
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Ich bin unglaublich müde und habe die Hoffnung, einen Elefanten zu Gesicht zu kriegen, schon fast aufgegeben. Seit acht Stunden laufen wir nun rastlos durch den Dschungel. Ich bin verschwitzt, meine Hose hängt von der letzten Flussdurchquerung schwer an meinem Körper. Meine Füße stecken in Schuhen aus denen massenweise Schlamm quillt. Wir klettern über ein paar flache Holzstümpfe, die geordnet vor uns liegen. Gerade ist mir alles egal, ich laufe nur noch, bin zum Herdentier geworden. Die ständige Geschwindigkeitserhöhung bemerke ich schon gar nicht mehr.

Der nächste Baumstumpf liegt vor mir, dahinter der Nächste und dahinter der Nächste. Um sie herum befindet sich massenhaft Wasser. Beim Laufen trete ich daneben, rutsche ab und meine Füße versinken zum hundertsten Mal im Schlamm. Der nächste Baumstumpf und der Nächste … und dann bleibe ich stehen. Ich kann meinen Blick nicht mehr senken. Nur ein paar Meter von uns entfernt erkenne ich die Bai. Eine riesige Lichtung mitten im Urwald. Auf ihr sehe ich das, wonach wir den ganzen Tag gesucht haben. Elefanten - überall Elefanten! Bei ihrem Anblick füllen sich meine Augen mit Tränen. Den ganzen Tag schon waren wir auf der Suche. Wir sind gestolpert, hingefallen, durch Flüsse gelaufen, an Sträuchern hängen geblieben, durch Schlamm gewatet und haben schmerzende Füße. All das vergesse ich in dem Moment, als die Elefanten vor uns auftauchen. Durch den heftigen Umschlag von totaler Erschöpfung hin zu dem Anblick, der sich uns nun bietet, bricht ein Gefühl der Überwältigung über mich herein.

Wir stehen hinter einem riesigen Hochsitz. Stufen führen hinauf auf eine ca. zehn Meter hohe Aussichtsplattform. Schnell gehen wir nach oben, um die großen Säuger nicht zu lange zu stören. Auf der Terasse angekommen schnäuze ich in mein verschmutztes Hemd. Meine Taschentücher haben den heutigen Tag nicht überlebt. Von hier oben sehen wir die großen Säugetiere in ihrer vollen Pracht. Ungefähr fünfzig von ihnen befinden sich auf dem Boden unter uns. Sie beschmeißen sich mit Erde und heben ihre Rüssel.

Einige Stühle stehen bereit. Sie sind direkt an der Barriere nach unten aufgestellt. Wir gehen ans Geländer und sind mehr als glücklich, diesen Anblick genießen zu dürfen. Einige Tiere sind noch im Jungtieralter ein paar andere haben eine weißliche Färbung, die durch getrocknete Erde entsteht. Ein paar von ihnen trompeten.

Die Geräusche, die sie von sich geben, lassen den Boden beben. Sie sind so unglaublich laut, dass ich sofort voller Respekt bin.

Nachdem wir die Elefanten einige Zeit beobachtet haben, dürfen wir sogar noch einmal herabsteigen und uns ein wenig näher heranwagen. Wir stehen gerade mal zwei Minuten auf dem Boden, da macht sich eine kleine Gruppe auf, uns zu erkunden. Als sie nur noch zwanzig Meter entfernt ist, machen wir uns langsam, aber schnell auf den Rückweg in unser sicheres Dachgeschoss. Wir wollen nicht stören und wir wollen nichts riskieren.

Es beginnt zu dämmern. Langsam bedecken Sterne den Himmel. Der Tag wird noch einmal schöner, als wir erfahren, dass wir heute auf dem Hochsitz übernachten werden. Anicet teilt uns mit, dass nun die letzte Möglichkeit besteht auf die Toilette zu gehen. In der Nacht ist es zu gefährlich, weil zu viele Elefanten im Wald sind. Eine Dusche bekommen wir heute nicht mehr. Wir liegen zusammen mit Schweiß und Dreck in unseren Schlafsäcken. Das nehmen wir alle aber gern in Kauf.

Die Sonne ist nun vollständig verschwunden und wir können die Elefanten immernoch glasklar hören. Jetzt wo wir sie nicht mehr sehen, machen sie einen noch viel massigeren Eindruck.

Die Elefanten der Dzanga Bai werden uns heute in den Schlaf begleiten. Sie schnauben und atmen und brüllen. Sie stapfen durchs Wasser und das Alles machen sie in einer solchen Lautstärke, dass es von allen Seiten widerhallt. Teilweise geben sie auch Knurrgeräusche von sich und manchmal hören sie sich sogar an wie heulende Wölfe.
Ich bin müde und erschöpft. Aber vor allem bin ich glücklich.

 

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