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© Martin Harvey / WWF-Canon
Die BaAka - ein ganz besonderes Volk


von HannaS
18.11.2009
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Fandet ihr die Aufnahmen aus dem Lager der Ureinwohner Dzangha-Sanghas auch so faszinierend?
Wahnsinn, wie dieses Volk schon seit Jahrhunderten in völligem Einklang mit dem Wald lebt. Da fragt man sich, genau wie Janine in ihrem Text, wie es eigentlich mit uns „modernen“ Menschen so weit kommen konnte – leben im Überfluss, aber (etwas überspitzt dargestellt) ausgerottet, sobald die Supermärkte fünf Wochen lang geschlossen hätten.


Ich habe noch ein wenig weiter recherchiert und für euch einige Details zu dem Volk der BaAka-Pygmäen zusammengetragen.


Woher kommt der Name der Pygmäen?


Bei den alten Griechen hieß „Pygme“ Faust und stellte ein Längenmaß dar. Der Name weist also schon auf eine Besonderheit der Pygmäen hin: Es sind Zwergvölker, dessen Mitglieder meist nicht viel größer als 1,50m werden.
BaAka bezeichnet die Gruppe der Pygmäen, die im kongolesischen Regenwald leben. Aka ist die Einzahl (also der einzelne Mensch), die Vorsilbe“ Ba“ zeigt an, dass es um mehrere geht.


Kann man überhaupt von Volk sprechen?


In der Geo 2002:72 kann man lesen: „Sie sind weder ein Volk noch eine Nation, sondern leben in losen Gruppen von 20 bis 30 Personen, ohne Hierarchie, egalitär. Im modernen Sinne vereint sie gar nichts: keine verbindlichen Gesetze, keine festen territorialen Grenzen, keine gemeinsame Regierung“.
Dass sie keine einheitlichen, festgeschriebenen Gesetze in unserem Sinne haben, bedeutet für mich aber nicht, dass sie kein Volk sind. Im Gegenteil, sie haben einen starken Zusammenhalt (zumindest in den einzelnen Gruppen), da sie sehr aufeinander angewiesen sind. Sie haben sehr viele, unglaublich alte Bräuche und verfügen über einmaliges Wissen. Ihre Kultur mag uns zuerst fremd erscheinen, aber wir könnten so vieles von ihnen lernen.
Die Pygmäen gehören sehr wahrscheinlich zu den ältesten Bewohnern Afrikas und sind mit den ersten Menschen nahe verwandt.
Ungefähr 1% der Bevölkerung im Kongo sind BaAka-Pygmäen. In Zahlen ausgedrückt: 35.000 – 40.000 der Ureinwohner gibt es noch.


Wie leben die Pygmäen?


Wenn ihr es genau wissen wollt, fragt ihr am besten Olli, Silke und Janine.
Fest steht: Die BaAka sind perfekt ans Leben im afrikanischen Regenwald angepasst. Sie gehen so sicher und zielstrebig durch den Wald wie wir durch einen Supermarkt. Meist leben sie als Nomaden, das heißt sie ziehen immer weiter und bauen als Schutz Blätterhütten. Alles was sie haben, passt in einen Korb, den die Frau beim Umzug auf dem Rücken trägt. Kein Vergleich zu uns, wenn man bedenkt, dass schon Babys über ganze Schränke voller Besitz verfügen.
Bemerkenswert ist, dass (wie schon auf dem Foto zu sehen) die Männer in der Kinderversorgung und –erziehung eine wichtige Rolle spielen. Eine Selbstverständlichkeit dort, um die sich von der Leyen und Co. hierzulande doch recht vergeblich bemühen…
BaAka wachsen im Wald auf und verfügen über ganz besondere Sinne und Fähigkeiten, die unter anderem sehr nützlich für die Schutzprojekte des WWF sind – Angelique Todd hat ja erzählt, dass ohne die Kenntnisse der Ureinwohner eine Habituierung von Gorillas kaum möglich ist.
Aber nicht nur das: Sie kennen viele Heilpflanzen des Regenwaldes, stellen eigenen Schmuck her, schaffen kunstvolle Körperbemalung, sie musizieren und tanzen, verständigen sich über Entfernungen hinweg, können feinste Spuren lesen… Kurzum, sie leben im und vom Regenwald, und zwar schon seit Jahrtausenden.


Sind die BaAka in Gefahr?


Es findet aktuell zwar kein Krieg gegen sie statt, wie man das von vielen anderen Naturvölkern kennt.
Trotzdem: Sie werden von vielen Menschen als minderwertig angesehen und behandelt, was ihre Chancen (z.B. in der Schule) sehr verschlechtert – Olli hat ja davon berichtet.
Die noch viel größere Gefahr ist aber die irrsinnig schnell voranschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes. Ob Wilderei, Brandrodung oder Holzeinschlag – alles trägt dazu bei, den BaAka ihre Heimat schleichend wegzunehmen.


Wie schlimm das sein muss, kann sich unsereins gar nicht richtig vorstellen – ein allenfalls hinkender Vergleich: die schrittweise Schließung aller Supermärkte, Freizeiteinrichtungen etc. um uns herum und schließlich der Rausschmiss aus der Wohnung.
Wie machtlos, wütend und verzweifelt muss so etwas machen.


Umso besser, dass der WWF sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetzt und die BaAka dabei sehr stark einbezieht – schließlich kennt sich keiner so gut aus wie sie und keinem ist der Wald so wichtig.


Viel Spaß noch beim weiteren Kennenlernen der Heimat dieses Faszinierenden Volkes!
Hanna
 

Copyright Bild: Martin Harvey

Quellen: Ulrike Tremmel: Die BaAka Pygmäen - Leben im Regenwald.

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Kommentare (5)
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29.11.2009
forest hat geschrieben:
dein artikel hat mich richtig gefesselt ...echt super geschrieben
Danke, für die wertvollen infos!!
21.11.2009
Makah hat geschrieben:
Hey, danke für den tollen Bericht!!! Ich bewundere Menschen, die so mit der Natur leben können!
19.11.2009
stini hat geschrieben:
ne menge sehr interessante infos...ich glaub auch dass wir sehr viel von den BaAka lernen können und sollten...
19.11.2009
lolfs hat geschrieben:
Ich finde es gut, dass du dich weiter informiert hast :)
19.11.2009
Gerry hat geschrieben:
Super Bericht. Auch endlich mal einer, den ich komplett durchgeselen habe. Gefällt mir super, Klasse Arbeit. :)
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