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© Martin Harvey / WWF-Canon
Das Waldelefanten-Paradies versinkt im Chaos


von Marcel
21.05.2013
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Das UNESCO-Weltnaturerbe Dzanga-Sangha ist nach dem Putsch in der Zentralafrikanischen Republik stärker bedroht als je zuvor. Wilderer nutzen die Anarchie und machen Jagd auf Elfenbein. Im Nationalpark Dzanga-Ndoki kam es bereits zu einem schrecklichen Angriff bei dem 26 Waldelefanten getötet wurden.

"Nicht Dzanga-Sangha, oder?" Seit Dezember 2012 war das die bange Frage, die Johannes Kirchgatter fast täglich stellte. Er fragte vor Ort nach, ob es schon etwas Neues gäbe. Kirchgatter ist Referent für das Kongobecken beim WWF Deutschland. "Nicht Dzanga-Sangha, oder?", lautete auch die bange Frage bei seinen Kollegen im Berliner Büro. "Nein, bislang haben wir Glück gehabt" - war die Antwort noch bis März diesen Jahres.

 

Seit 1990 schützt der WWF Deutschland gemeinsam mit der Landesregierung der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) den Nationalpark Dzanga-Ndoki. Hier im Regenwald leben zahlreiche Waldelefanten und Berggorillas. Der Park ist Teil des länderübergreifenden Schutzgebietes "Trinationale de la Sangha", seit 2012 UNESCO-Weltnaturerbe und bekannt als "Dzanga-Sangha". Nirgendwo sonst können noch über 150 Waldelefanten auf einer einzigen Urwaldlichtung beobachtet werden.

Im Dezember 2011 jedoch begann eine Revolte gegen den Präsidenten François Bozizé und eine Tragödie nahm ihren Lauf. Die ehemaligen Waffenbrüder des Staatschefs, der sich im Jahr 2003 selbst an die Macht geputscht hatte, wendeten sich nun gegen ihn. Sie bezeichnen sich als Séléka, benannt nach dem Sangha-Wort für Union.

Inzwischen ist die Zentralafrikanische Republik im Chaos versunken. Am 24. März 2013 hat die Séléka die Macht gewaltsam an sich gerissen. Banguí, die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, wird vom neuen Präsidenten Michel Djotodia regiert. Über 200.000 Menschen sind auf der Flucht. Die UN-Sonderbeauftragte Margaret Vogt erklärte, die Zentralafrikanische Republik würde in der Anarchie versinken. Gerichtsgebäude und Gefängnisse wären zerstört worden - das Justizsystem ist außer Kraft. Weder Polizei noch Militäreinheiten würden zur Verfügung stehen. Gewaltexzesse, Hinrichtungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und Flüchtlingsströme seien an der Tagesordnung.

Und mitten in diesem Chaos versucht der WWF die Elefanten zu beschützen. Während in vielen Nationen in ganz Afrika die Wilderei seit ein paar Jahren zunehmend eskaliert, galt das einzigartige Schutzgebiet Dzanga-Sangha bislang als sicher. "Die Programme, die wir aufgesetzt haben, zielten immer darauf ab, die lokale Bevölkerung in den Naturschutz einzubeziehen, zum Beispiel als EcoGuards. Der Park ist eine Einkommensquelle für die Leute. Bislang ging dieses Konzept auf. Wenn die Situation aber derart außer Kontrolle gerät, dann sind die besten Konzepte machtlos", sagt Johannes.

Immer wieder kam es im vergangenen März und April zu methodisch geplanten Plünderungen der Büros des Nationalparks und des WWF, erklärt Bas Huijbregts, Leiter der internationalen WWF-Kampagne gegen die illegale Jagd auf Elefanten. "Wir mussten unsere Mitarbeiter evakuieren, denn die Situation wurde völlig unkontrollierbar. In einer solchen Krise sind wir erst einmal machtlos", sagte er dem Magazin National Geographic.

Das, was WWF-Mitarbeiter Johannes am meisten fürchtete, trat im Mai 2013 ein: "Eine Gruppe Wilderer hatte sich Zugang zum Dzanga-Ndoki-Nationalpark verschafft. Sie waren mit Kalaschnikows bewaffnet und gaben sich als Angehörige der Séléka aus. Niemand konnte sie aufhalten. Wir können derzeit nur Vermutungen anstellen. Wir denken, dass sie teilweise aus dem Chad kamen. Von einer Plattform aus haben sie Jagd auf die Elefanten gemacht. Unsere Mitarbeiter und die EcoGuards mussten flüchten. Wir haben insgesamt 26 Elefantenleichen gefunden. Allen waren die Stoßzähne entfernt worden." Wie der illegale Elfenbeinhandel dazu beiträgt, Terrorismus in instabilen Regionen zu finanzieren, konnte der WWF mit der Studie "Fighting Illicit Wildlife Trafficking" nachweisen.

Endlich, auf starken internationalen Druck auch des WWF, hat die neue Regierung nun zugesagt, eine "Conjoint Mission" nach Dzanga-Sangha zu entsenden - einen Konvoi mit bewaffneten Vertretern des Forstministeriums, der Präsidententruppe und des Nationalparks, begleitet von Spezialisten des WWF. Gemeinsam soll vor Ort die Kontrolle wieder hergestellt werden. Mit einem Teil der regional stationierten Séléka-Truppen funktioniert inzwischen auch die Kooperation, Kriminelle können sich nicht mehr so einfach als Séléka-Angehörige ausgeben und werden zur Rechenschaft gezogen. Doch noch ist die gemeinsame "Conjoint Mission“ nur ein Lippenbekenntnis. Schwerbewaffnete Wildererbanden könnten jederzeit wieder einfallen. Im ganzen Süden des Landes tauchen internationale Rohstoffhändler auf, die z.B. Diamantenminen im unberührten Regenwald vorantreiben.

Der WWF wendet sich daher an die Weltöffentlichkeit, sich für die Rettung des einzigartigen Paradieses einzusetzen: "Die Rebellenregierung lässt die kostbaren Regenwälder des Nationalparks und seiner Umgebung von Wilderern und Rohstoffhändlern plündern - womit auch die einheimische Bevölkerung und insbesondere die indigenen BaAka-Pygmäen ihrer Lebensgrundlage und einzigen Entwicklungschancen beraubt werden. Wir fordern die Weltgemeinschaft auf, diese einzigartige Stätte des UNESCO-Weltnaturerbes zu schützen und das Chaos und die Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik zu beenden", sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland.

Wir werden nicht aufgeben und euch weiter auf dem Laufenden halten.

Fotos: © naturepl.com; © WWF

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Kommentare (17)
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13.11.2013
Makanie hat geschrieben:
Die armen Elefanten. Ist den Wilderern eigentlich bewusst, was sie den Tieren da antun?
04.06.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
04.06.2013
Himbeere hat geschrieben:
Ich glaube, dass die Medien auch nicht gerne darüber berichten, weil die USA und Europa die Hauptschuld daran trägt, dass die Zustände in Afrika sind wie sie sind. Afrika wurde jahrelang ausgebeutet und wird es auch heute noch. Vernüpftige Preise für afrikanische Prdukte und Bildung würde viel mehr helfen als Spenden....

Ich frage mich auch wie es den Menschen dort geht - wahrscheinlich ähnlich wie den Elefanten. Ich finde es schade, dass eigentlich nie über Afrika berichtet wird, außer es wird dort grad ein neuer Naturfilm gedreht mit nie dagewesener Hochleistungskamera...
26.05.2013
Puma hat geschrieben:
Wieso??Wie kann man so was tun?Ich hoffe,dass es noch gut geht.Hoffentlich können sie die Wilderei wieder stoppen und die Zerstörung des Regenwaldes verhindern!!
23.05.2013
Chamaeleonmuetze hat geschrieben:
Das ist so schrecklich...einfach nur grausam...
23.05.2013
Nick97 hat geschrieben:
f_ck ... wenn das mit der spendenaktion klappt und wirklich was bewirken kann bin ich natürlich dabei :)
23.05.2013
Marcel hat geschrieben:
Wir haben natürlich unter anderem mithilfe unseres Presseteams alle Medien mit Infos, Bildern und Interviewangeboten versorgt. Der WWF versucht, das Thema so intensiv wie möglich in die Medien zu bringen. Das Problem ist tatsächlich, dass die Zentralafrikanische Republik sowohl für die Politik, als auch die wirtschaft und auch die Medien kaum interessant ist, weil das Land keine klassischen Terroristen beherbergt, keine lukrativen Rohstoffe bietet und sich geopolitisch nicht als wichtiger Standort erweist. Das macht es bedauerlicherweise schwer, Interesse für die Menschen und die Natur in diesem Land zu wecken. Aber wir geben unser Bestes.

Zur Frage, was jeder tun kann: Wir bauen gerade eine schnelle Spendenkampagne vor, um möglichst rasch materielle Hilfe leisten zu können und den Wiederaufbau des Schutzgebiets möglich zu machen. Infos dazu werdet ihr auf jeden Fall hier auf wwf-jugend.de bekommen.
23.05.2013
MatthiasAdler hat geschrieben:
@LSternus der Text ist nur für den WWF gewesen.
22.05.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Was kann ich denn von hier aus konkret tun außer halt Leute informieren?
22.05.2013
LSternus hat geschrieben:
Na das nenn ich mal eine Katastrophe - na wenn alles bestens wäre würden wir uns wohl kaum damit auseinander setzen.

@Matthias: Hattest du die Artikel an mehrere Zeitungen/Fernsehsender geschickt und wenn ja an welche?
22.05.2013
MatthiasAdler hat geschrieben:
Wahrscheinlich gibt es noch ne ganze Menge auf Französisch - ist aber nicht gerade meine Stärke. Im Deutschsprachigen Raum ist es wirklich sehr, sehr wenig, was berichtet wird.
22.05.2013
Janine hat geschrieben:
@Matthias: Vielen Dank. Ich lese mir die Artikel später durch. Ich finde es echt krass, dass das wirklich die einzigen Quellen sind.
22.05.2013
MatthiasAdler hat geschrieben:
22.05.2013
Anais hat geschrieben:
Das ist so traurig :(

p.s. es gibt übrigens diverse theorien, weshalb die medien kein oder zumindest wenig interesse daran haben über krisen in afrika zu berichten. eine wäre die, das es die meisten einfach nicht mehr hören wollen und sich nicht betroffen fühlen..
22.05.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Es macht mich unfassbar traurig, dass so ein schöner Kontinent, über den es so viel tolles zu berichten gäbe, von Geld- und Machtgier zerfressen wird.

Ich muss Janine Recht geben. In der gängigen Medien wird nicht über das Thema Wilderei an sich oder die neuesten Übergriffe berichtet. Generell wird über die Krisengebiete Afrikas kaum berichtet. Regierungsputsche, die ganze Gebiete in ein nicht enden vollendes blutiges Chaos stürzen, machen anscheinend nicht so gute Schlagzeilen.
22.05.2013
Janine hat geschrieben:
Ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht und hoffe nur auf das Beste! Ich verstehe allerdings nicht, warum die WWF Jugend Seite scheinbar die einzige Quelle für diese Informationen ist. Ich habe woanders noch nichts gehört und im Fernsehen kommen auch keine Beiträge zum Thema. Vielleicht ist es zu chaotisch, um Reporter hinzuschicken? Hm, oder für mich ist diese Sache einfach persönlich wichtig und deshalb berichtenswerter als andere, aber im Medienrummel eigentlich doch nur eine kleine Nachricht am Rande? Nee, das wäre die pure Ignoranz...
21.05.2013
isabella hat geschrieben:
Oh mein Gott o_O

Wie können Menschen nur soooo weit sinken und Tieren weh tun...
Elefanten sind so schlaue Tiere und müssen getötet werden und das auch noch so qualvoll.
Elefanten, Nashörner, Haie, Wale und Delfine werden sterben qualvolle Tode täglich!
Ich bekomme jedes Mal nasse Augen, wenn ich solche Berichte lese, das lässt mich nicht gerade auf besserung hoffen:-(

Zum Glück gibts den WWF und weitere Organisationen, die es verhindern wollen:-)
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