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© Martin Harvey / WWF-Canon
Blood Lions - die gefährliche Täuschung beim "Voluntourismus"


von Marcel
31.03.2016
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Freiwilligenarbeit in einer Löwenaufzuchtstationen im südlichen Afrika - das klingt doch perfekt, oder? Doch leider wird die Hilfsbereitschaft vieler junger Menschen für ganz andere Ziele missbraucht.

Im Tourismus boomt seit Jahren der "Voluntourismus" - Helfen und Urlaub machen in einem. Besonders die Arbeit auf Löwenfarmen im südlichen Afrika, wo man Löwenbabies füttern und pflegen darf ("Predator Interactive Voluntourism") sind beliebt. Den meist jugendlichen Volunteers wird erzählt, dass es sich um verwaiste Löwenjungen handelt und sie einen Beitrag für den Naturschutz leisten.

Solche touristisch geprägten Freiwilligendienste werden mittlerweile auch von vielen Reiseveranstaltern angeboten. Ihre Prospekte versprechen spannende Erlebnisse, zum Beispiel ein Spaziergang gemeinsam mit einem größeren Löwenjungen ("Walk with a lion"). Die jungen Löwen, so die Behauptung, werden angeblich in ihren Tierheimen wieder auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet.

Die Wahrheit ist, dass nach den vielen menschlichen Kontakten ein Leben in der Wildnis gar nicht mehr möglich ist. Stattdessen werden die Löwen weitergereicht und für das nächste touristische Produkt genutzt, die Gatterjagd („canned hunting“), und für sehr viel Geld an Trophäenjäger zum Abschuss verkauft. Oder die Knochen landen illegal auf chinesischen Märkten, wo man sie als Ersatz für Tigerknochen anbietet und große Gewinne machen kann. Allein in den vergangenen 12 Monaten wurden in Südafrika über 1.000 Löwen für diese Zwecke aufgezogen und getötet - ein Millionengeschäft.

Viele Freiwillige sind ahnungslos und auch die Veranstalter meistens nicht ausreichend informiert, um das perfide System zu durchblicken. Dabei sollte einen so eine Löwenfarm schon stutzig machen, denn Löwen und anderen Wildtieren sollte man nur aus respektvoller Distanz und nach strengen Vorgaben begegnen und sie beobachten. Die meisten Volunteers bezahlen Geld für ihren Einsatz und werden in dem Glauben gelassen, dass die Jungtiere nach Erreichen des Erwachsenenalters ausgewildert werden. 

Auf der ITB (Tourismus Messe in Berlin) im März wurde der Film "Blood Lions" angekündigt. Die Dokumentation, die unter großen Gefahren entstanden ist, hat direkt eine heftige Diskussion angestoßen. Wir vom WWF hoffen, dass durch diesen Film ein Ende des "Canned Hunting" und des Missbrauchs des Voluntourismus erreicht werden kann.

Jedes Jahr kommen 20.000 Volunteers für Löwenfarmen aus Europa, davon sehr viele aus Deutschland. Die Tourismus-Zertifizierungsorganisation Fair Trade Tourism South Africa arbeitet momentan an Revision der Kriterien und entwickelt ein Label für Freiwilligen-Anbieter, damit jeder einfacher beurteilen kann, ob das Volunteer-Angebot wirklich seriös ist.

Fallt nicht auf solche Angebote rein. Informiert euch beim WWF und anderen anerkannten Organisationen, wie ihr wirklich der Tierwelt helfen könnt.

Titelbild © Florian Schulz / visionsofthewild.com

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Kommentare (13)
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22.08.2016
Frank_wwFreiwillig hat geschrieben:
@Puma Es ist toll, dass du einen einjährigen Freiwilligendienst machst. Und dass du dich im Bewerbungsverfahren gegen die anderen Bewerber durchsetzen konntest. Denn, wo es mehr Kandidaten als Plätze gibt, wie bei den geregelten Freiwilligendiensten wie weltwärts, gibt es immer auch Leute, die leer ausgehen, und die sich dann teilweise entschließen, flexible Freiwilligenarbeit zu machen. Deswegen finde ich es ungerecht, wenn du allen, die das machen, rein egoistische Motive unterstellst. Die Sozial-Forschung hat schon lange dokumentiert, dass bei Engagement bei weitem nicht nur altruistische Motive eine Rolle spielen. So wirbt auch weltwärts auf der Seite "Was bringt's?" als erstes mit "Mit weltwärts kannst Du Deine Sprachkenntnisse verbessern, Arbeitserfahrungen sammeln und interkulturelle Kompetenzen erwerben." http://www.weltwaerts.de/de/was-bringt-es.html Nur geschätzte 0,2% des weltweiten Reise-Aufkommens sind Freiwillige. Aus meiner Sicht sollte es eher das Ziel sein, die restlichen 99,8% dazu zu bewegen, etwas zu tun, als die wenigen, die es machen, so pauschal zu kritisieren.
21.08.2016
Puma hat geschrieben:
Ok, ich finde Voluntourismus generell nicht gut, egal ob jetzt für Wildtiere oder im sozialen Bereich. Für 2-3 Wochen hinfliegen, Lebenslauf aufmöbeln und wieder zurückfliegen. Ich finde das ist alles andere als nachhaltig. Nicht persönlich und schon gar nicht für die Umwelt... Ich mach ab Ende August einen Freiwilligendienst in Afrika, der ein ganzes Jahr lang geht. Das finde ich viel sinnvoller, weil man näher dran ist und evtl auch eigene Projekte machen kann.
Aber das der Voluntourismus so ausgenutzt wird... Ich weiß, dass Menschen grausam sind, vor allem wenn's um's Geld geht und deshalb auch keinen Skrupel haben, adere auszunutzen, aber so... Ich bin wirklich richtig schockiert...
06.04.2016
Franzichen hat geschrieben:
Das schockiert mich jetzt wirklich, ich habe eine Zeitschrift von "praktikawelten" hier und dort werden auch solche "Wildlife" Angebote für Afrika angeboten, was ich wenn ich 18 bin gerne machen würde. Nun hoffe ich inständig das es sich bei diesem Anbieter um einen seriösen handelt, denn ich würde das wirklich gerne machen. Ich hoffe diese Revisionen kommen so schnell wie es geht heraus. :o
04.04.2016
Marcel hat geschrieben:
@Jayfeather & Johannisbeere1502: Missbrauch in dieser extremen Form in Auffangstationen für andere Tierarten ist uns nicht bekannt. Allerdings gibt es sehr viele schwarze Schafe unter den Anbietern für Freiwilligen Tourismus (Voluntourismus). Dies ist auch der Grund, warum wir vom WWF sehr zurückhaltend mit der gesamten Branche sind.

Der WWF selbst bietet ein tolles Programm: WWF’s global volunteer Internship Programme unter http://wwf.panda.org/how_you_can_help/volunteer/volunteer/
Allerdings muß man hierfür mindesten 3 Monate aufbringen. Ein 1-2 Wochen Trip lehnen wir grundsätzlich ab, schon wegen des hohen CO2 Fußabdruckes der Anreise mit dem Flugzeug.

Wenn man sich speziell im Bereich Artenschutz / Wildtiere engagieren möchte, bitte an den Fair Trade South Africa wenden http://www.fairtrade.travel/ und sich einen Anbieter empfehlen lassen.
03.04.2016
LSternus hat geschrieben:
Das ist das aller letzte! Ich sehe und lese hier praktisch täglich Berichte von Leuten hier aus der Community die als Volunteers in unterschiedlichsten Teilen der Welt waren oder noch sind. Den Willen von Menschen auszunutzen die aktiv helfen wollen und sie dazu zubringen im Prinzip das Gegenteil von dem zu tun was sie erreichen wollen, ist widerwertig.
02.04.2016
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Schon der Trailer ist extrem aufwühlend daher hoffe ich, dass der Film einige Menschen für das Thema sensibilisieren und wachrütteln kann, wie mich gerade. Denn ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass freiwillige Helfer da sonst auf Kosten der Löwen betrogen werden. Das ist einfach nur schrecklich und erschütternd. Ein Label für Freiwilligen-Anbieter wäre daher sehr nützlich.
Sind Fälle bekannt bei denen das auch bei anderen Wildtieren oder in anderen Ländern so ist?
01.04.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
Da sieht man mal woeder ganz genau, wie gemein manche Menshen sind. Sie nutzen den guten Willen jugendlicher für sich. Die Betroffenden Personen werden irgentwann herausfinden, dass sie hintergangen wurden, und dann werden sie nie wieder zu irgendwelchen Angeboten oder Organisationen gehen, bei denen sie helfen können. Das ist auf der einen Seite gut, weil sie dann nicht mehr auf diese Art und Weise hintergangen werden können, aber auf der anderen Seite ist es schreklich, weil sie dann auch nie wieder zu Organisationen gehen werden, die gutes tun.
Aber: Was ist das? Die Löwen sind auch Tiere, die man respektierten sollte! Nur weil der Mensch ihnen mit seinen ganzen Waffen im Kampf überlegen ist, heißt das nicht, dass man sie grundlos abschlachten darf. Was würden wir tun, wenn wir die ganzen Waffen nicht hätten? Ja, wir würden ihnen mit Respekt begegnen, anstatt sie zu quälen, und um zu bringen. Jeder, der bewusst eine solche Organisaton unterstützt, ist echt unter aller Würde. Das ist echt traurig, dass die Menschheit teilweise solche Sachen macht.
01.04.2016
Frank_wwFreiwillig hat geschrieben:
Danke, dass ihr über dieses wichtige Thema berichtet. Zum Glück haben viele Freiwilligen-Organisationen die Zusammenarbeit mit Löwen-Zucht-Farmen mittlerweile gekündigt. Die Problematik ist gleichzeitig aber noch vielschichtiger.
Zum einen haben/hatten nicht nur Reiseveranstalter solche Angebote im Programm. Auch gemeinnützige Vereine sind/waren betroffen. Deswegen auch Augen auf, wenn ihr bei Freiwilligen-Organisation anfragt, die gemeinnützig sind.
Darüber hinaus gilt ähnliches auch für andere Raubkatzen-Arten wie Leoparden oder Geparden. Wenn immer direkte Interaktion mit Raubkatzen-Jungen regelmäßig zu den Freiwilligen-Aufgaben gehört und damit geworben wird, ist das sehr verdächtig. Auf wegweiser-freiwilligenarbeit.com ist das das Ausschluss-Kriterium.
Und schließlich ist es wichtig, auch um angebliche Auswilderungs-Projekte einen Bogen zu machen. Deren Argumentation: Die Tiere, mit denen Freiwillige Kontakt haben, werden in ein großes Gehege ausgesetzt, um sich "natürlich" zu vermehren. Und erst die zweite oder dritte Generation wird dann ausgewildert. Tatsächlich ist aber noch kein Löwe aus solchen Projekten wieder ausgewildert worden. Deswegen auch dort Finger weg.
31.03.2016
Akatsuki hat geschrieben:
Vielen Dank für den Bericht. Hätte im Traum nicht gedacht das sowas gemacht wird. Wieder einmal bestätigt was für rücksichtslose Kreaturen Menschen sein können.
31.03.2016
Hummelelfe hat geschrieben:
Oh mein Gott!!!
Wie schrecklich ist das denn!
Was kann man dagegen tun? Man muss das doch stoppen können.
Löwen für so einen Zweck fürsorglich aufzuziehen und dann qualvoll zu töten ist ein HORROR!!!!!! :*(
31.03.2016
Jayfeather hat geschrieben:
Ein Label wäre echt super!
Sind denn nur Löwenfarmen betroffen oder auch Auffangstationen für alle Arten von (afrikanischen) Wildtieren?
Echt traurig, dass Menschen, die eigentlich helfen wollen, so hintergangen werden. :(
31.03.2016
B0uld3r hat geschrieben:
Echt erschreckend, wie der gute Wille von Jugendlichen so perfide ausgenutzt wird:(
Ich hoffe wirklich, dass der Film mehr Aufmerksamkeit auf dass Thema lenkt.
@Squirrel: Problematisch ist, dass selbst die Veranstalter oft nicht wissen, was hinter der "Löwenfarm" steckt. Bei Freiwilligendiensten musst du generell aufpassen. Ich habe eine Bekannte die leider sehr schlechte Erfahrungen in Südamerika machen musste.
Such am besten etwas in Europa;)
31.03.2016
Squirrel hat geschrieben:
Wow, vielen Dank für diesen erschütternden Bericht! Ich habe selber schon nach Projekten gesucht, an denen ich teilnehmen könnte und ich muss leider ehrlich zugeben, dass mir nie aufgefallen ist, welche abstoßenden Ziele dahinterstehen könnten. Nach deinem Bericht frage ich mich wirklich, wie ich so naiv sein konnte...
Eine verlässliche Kennzeichnung der Angebote wäre aufjedenfall sehr wünschenswert und hilfreich, aber sollte ich nochmal in Erwägung ziehen etwas in die Richtung zu machen werde ich mich ohnehin sehr gründlich informieren.
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