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© Martin Harvey / WWF-Canon
Arbeit des WWF in Tansania - Ein Interview (Teil 2)


von Sarah25
26.02.2014
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Dies ist der zweiter Teil eines spannenden Interviews mit Isaac Malungu, Koordinator des Waldprogrammes beim WWF Tansania. Im ersten Teil ging es bereits um seine Position beim WWF Tansania, Projekte und Herausforderungen. In diesem Teil sprechen wir über Erfolge des WWF Tansania, einen Lieblingsort und die Zukunft der Natur in Tansania! Viel Spaß beim Lesen!

Möchten Sie uns etwas mehr von den Erfolgen in der Arbeit des WWF erzählen?

Viele! Ich werde nicht viel von den anderen Bereichen reden, aber wenn man den Bereich der Wälder betrachtet, glaube ich, haben wir viel gemacht. Wir haben mit verschiedenen Interessengruppen zusammengearbeitet, um die Waldpolitik voranzubringen, welche 1998 verabschiedet wurde. Diese Politik rief zu einer Beteiligung der Gemeinden auf, um Ressourcen der Wälder und Waldgebieten zu besitzen. Wir haben jetzt mehr als eine Millionen Hektar, welche in Tansania durch verschiedene Projekte, die im Besitz und unter Kontrolle der lokalen Gemeinden sind, gefördert wurden. Und es gibt eine signifikante Verbesserung in ihrem Management. Im Gegensatz dazu, war der Zugang zu den Ressourcen vorher offen, Leute haben einfach Bäume gefällt. Jetzt gibt es ein Management, welches von den Gemeinden festgelegt wurde.
Wir arbeiten mit Partnern zusammen, um Zertifizierungsqualifikationen für nachhaltiges Waldmanagement einzuführen. Wir arbeiten mir dem Mpingo Conservation Project zusammen. Jetzt gibt es in Tansania ein Zertifikat, FSC Zertifikat, welches den Gemeinden gehört. Wir haben es geschafft, nationale FSC Standards einzuführen.
Natürlich gibt es auch andere effektive Projekte, für die wir uns mit verschiedenen Interessengruppen einsetzen in Bezug auf Wildlife Management Areas¹, im Bereich Wildlife. Natürlich wurden viele der WMAs vom WWF eingeführt oder ermöglicht. Jetzt sind sie im Besitz der Gemeinden. Gemeinden profitieren von den WMA und es gibt ein ziemlich interessantes Projekt: „Geld für Arbeit“. Erinnert ihr euch, dass es 2010 in Europa eine Wirtschaftskrise gab und deswegen kamen immer weniger Touristen diese Wildlife Management Areas besuchen. Also gab es ein innovatives Projekt, das „Geld für Arbeit“ hieß. Es war so etwas wie ein Ausgleich für die Gemeinden, die Einnahmen aus dem Tourismus verloren.

                                             Besucherausweis des WWF Tanzania

Zum Thema Frischwasser sind die Erfolge, denke ich, die Einrichtung von Wassernutzerverbände, den WUAs. In den größten Flussregionen, der Great Ruaha Fluss, der Mara Fluss gibt es viele Wassernutzerverbände. In allen Eingriffen bemerkten wir, dass das Thema des Lebensunterhalts ein großes Thema ist. Denn wenn man von Arten redet, wenn man von Elefanten redet, vielleicht einer interessanten Fledermausart, reden die Menschen aber über Lebensunterhalt. Sie brauchen ihr tägliches Brot zum Essen. Folglich führten wir in allen unseren Projekten einen Bestandteil bezüglich der Lebensgrundlage ein. In all unseren Projekten haben wir einen sogenannten Gemeinschaftserhaltungfonds. Sie sind relativ klein, es gibt einen Kredit, wo die Gemeinden ihre Ersparnisse anlegen können. Sie benutzen das Geld, um in andere einkommensschaffende Maßnahmen zu investieren. Und das war der Weg ihre Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen zu verringern. Früher haben Leute ihr Geld vielleicht durch Holzkohleproduktion oder Holzsammeln verdient.
Oh, ich habe ganz vergessen das Programm zu Fischerei zu erwähnen, das Meeresprogramm. Wir haben ein großes Meeresprogramm, das auf Mafia Island und anderen Insel durchgeführt wird. Sie arbeiten mit den lokalen Fischern zusammen. Im Großen und Ganzen ist es ein partizipativer Ansatz mit den Fischergemeinden beispielsweise zur Reduzierung oder Beseitigung der Dynamitfischerei und zur Verwendung der geeigneten Ausrüstung für Fischerei.

Wie viele Leute arbeiten beim WWF Tansania?

Wie viele Mitarbeiter? Ich würde euch an unseren Personalmanager verweisen, ich habe keine Ahnung. Aber wir haben Leute im Außendienst, in all den Projekten haben wir Leute, Projektmanager. Aber in diesem Raum sind wir vier. Warum seid ihr in der Anzahl interessiert?

Nur um eine Idee von der Größe zu bekommen und um es mit dem WWF Deutschland zu vergleichen, der ungefähr 200 Mitarbeiter hat.

Okay, wenn ihr darin interessiert seid, kann ich den Personalmanager anrufen... Wir haben 106 Mitarbeiter, Hilfspersonal, also Fahrer, Putzkräfte, all die sind mit eingeschlossen.

                          Großer Panda am Tor des WWFs - das Büro war so leicht zu finden

Wissen sie wie WWF Tansania finanziert wird?

Ja, durch biliterales Engagement² und durch das WWF Netzwerk, einschließlich des WWF Deutschland. Ich erinnere mich, dass sie uns im November besucht haben. Leider habe ich das Treffen verpasst, aber zwei Mitarbeiter von WWF Deutschland sind gekommen. Ich glaube es war eine Diskussion über ein Projekt unten in Selous, Selous-Nyassa, wir haben ein Projekt, das sich über Mosambik und Tansania erstreckt, wisst ihr der Nyassa-Korridor, ein Korridor für Elefanten.

Können Sie uns Ihren Lieblingsort in Tansania nennen, ihren liebsten Fleck Natur?

Die Region Lindi. Lindi ist im südlichen Teil Tansanias. Dort findet man Selous, dort findet man Wald, einschließlich des Rondo Naturschutzgebiet. Also in Lindi kann man nach Süden zum Selous reisen und im Selous kann man viele Wildtiere sehen, einschließlich Nashörnern, wenn man Glück hat.
Und dann Morogoro, in den Bergen, Eastern Arc Mountains, wandern. Der Wald dort ist fantastisch. Also wenn ich euch etwas empfehlen soll, Lindi. Es ist ein Gebiet, was nicht sehr exponiert wurde, im Gegensatz zum nördlichen Teil Tansanias, zum Beispiel Arusha. Viele Leute gehen dort hin, um Tiere zu sehen und natürlich ist es dort etwas teurer. Aber dort im Süden kann man sogar für 100$ viel sehen. Möchtet ihr dort gerne hingehen?

Ja, vielleicht.

"Das Selous-Ökosystem beherbergt die zweitgrößte Population afrikanischer Elefanten, auf einer Fläche der Größe der Schweiz."

Eine letzte Frage: Wie wünschen Sie sich die Zukunft für die tansanische Natur? Was ist Ihr Traum? Was wollen Sie erreichen?

Es ist der gleiche Traum, der jeder andere euch erzählen wird, der in Umweltschutz interessiert ist. Es geht alles darum zu sehen, dass Ressourcen nachhaltig genutzt werden, so dass man sie auch nach unserer Generation vorfinden kann. Ich möchte die Wälder gedeihen sehen und dass keine Flora und Fauna verschwindet und dass alle in Harmonie mit den Ressourcen leben. Leider ist die Welt nicht so, weil die Welt Ressourcen braucht. Ich denke, ihr habt unseren Living Planet Report vom letzten Jahr gesehen. Es ist ein Weltreport und er besagt, dass wir 2020 eineinhalb Planeten zum Leben bräuchten.
In Tansania möchte ich sehen, dass sich die Abholzungsgeschwindigkeiten reduziert, da es im Moment 300.000 Hektar pro Jahr ist. Das ist schockierend, schrecklich. Es würde nicht lange dauern bis wir keinen Wald mehr sehen würden. Es würden nur noch Büsche sein. Das ist nicht gut. Diese Anzahl zu reduzieren, das ist mein Traum.

Ein großes Dankeschön an Isaac Malungu und den WWF Tansania für dieses interessante Interview!

Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Dann hinterlasst doch einfach einen Kommentar :)

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¹Wildlife Management Areas (WMAs) geben Gemeinden innerhalb ihres Landes eine gewisse Kontrolle über die Nutzung natürlicher Ressourcen und ermöglichen ihnen, direkt von diesen Ressourcen zu profitieren. Zurzeit gibt es 33 WMAs in Tansania mit einer Gesamtfläche von 29,120 km2 innerhalb 262 Gemeinden.

² Mit biliteralem Engagement ist eine Zusammenarbeit des WWF Tanzanias mit anderen NGOs zum Beispiel USAid gemeint, wodurch auch Geld anderer NGOs in diese, zusammen durchgeführten, Projekte fließen.

Bilder 1-3: © Malte Gallee

Bild 4: © Steve Morello / WWF-Canon

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Kommentare (4)
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27.02.2014
Cookie hat geschrieben:
Vielen Dank auch für diesen zweiten Interview-Teil, der mindestens genauso interessant ist wie der erste! Es ist wirklich spannend, einen solchen Einblick in die Arbeit des WWF in Tansania zu bekommen und ich finde, man hört aus jedem Satz heraus, wie begeistert Isaac von seiner Arbeit und der Natur in Tansania ist.
27.02.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Es ist klasse, welche Erfolge schon erzielt werden konnten! Vielen Dank für das interessante Interview!
27.02.2014
Westernpferdle hat geschrieben:
Ich finde es auch super, ich bewundere diese Menschen einfach!!:)
Danke!
26.02.2014
LaLoba hat geschrieben:
Vielen Dank für das spannende Interview! Es ist total interessant mal aus erster Hand zu erfahren, was der WWF im Ausland so alles erreicht!
Viel Spaß noch in Tansania! :D
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