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© Martin Harvey / WWF-Canon
Abschied von der Zentralafrikanischen Republik - eine Reflexion


von Janine
20.11.2009
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 Meine Beine sehen vor lauter Insektenstichen aus wie Himbeeren. Meine
Füße haben in wenigen Tagen lernen müssen, sehr schnell sehr viel Weg
zurück zu legen. Ich habe mich daran gewöhnt, immer eine Wasserflasche
bei mir zu tragen. Am Abend schlucke ich meine Malariatablette. Ich
bade in Flüssen und Bächen und benutze seit zwei Wochen täglich das
selbe Mikrofaserhandtuch. Morgens um halb sechs beginnt mein Tag und
geht über den Sonnenuntergang um achtzehn Uhr hinaus. Ich spreche
täglich ein wenig Französisch und viel Englisch. Am Morgen suche ich
mir keine frische Wäsche aus, sondern die, die am wenigsten müffelt.
Ich schlafe unter Moskitonetzen und meistens auf hartem Boden.
Die Zeit ist natürlich viel zu schnell vergangen. Wir hatten oft nur
wenig Freizeit. Meistens waren wir unterwegs, manchmal haben wir euch
SMS Nachrichten gesendet. Wir haben gegessen und geschlafen.
Ich persönlich habe in den letzten drei Nächten, die wir in der Doli
Lodge verbracht haben, nicht gut geschlafen. Vielleicht lag das an der
Matratze unter mir, vielleicht lag es an den stechenden Insekten in
meiner Bettdecke. Gestern Abend haben sie meine Wade überfallen. Ich
konnte vor lauter Juckreiz nicht mehr einschlafen und habe mich dann
auf die Terrasse gesetzt wo ich dann doch noch eingeschlafen bin. Ich
bin erst wieder aufgewacht, als sich eine Mücke zu nah an mein Ohr
heran gewagt hat.
Ich sitze wieder auf der Terrasse unter dem Sternenhimmel, den man
hier besonders gut sehen kann und höre ein paar Kröten, die am Sangha
sitzen. Die Nacht ist erfüllt von einem pausenlosen Gezirpe.
Auf unserer Reise haben wir viele interessante Menschen kennen
gelernt. Da wären zum Beispiel Anicet, Andrea, Angélique, Daniela,
Bruce, Arno und Louis. Jeder dieser Menschen führt ein ganz eigenes
und besonderes Leben. Irgendetwas hat sie aus verschiedensten Gründen
hierher verschlagen. Und dieses Etwas ist wohl die Einzigartigkeit,
die Dzanga-Sangha zu einem so wertvollen Ort macht.
Auf unserer Reise haben wir viele Seiten des Gebiets entdecken können.
Wir sind tagelang durch den Dschungel gelaufen und haben dabei
Waldelefanten und Flachlandgorillas in ihrem natürlichen Lebensraum
erleben können. Wir haben die BaAka getroffen und durften für kurze
Zeit ein Teil ihres Lebens sein. Wir haben die Probleme des
Regenwaldes am eigenen Leib erfahren können, als wir mit Arno die
Wilderer entwaffnet haben. Wir haben die Gerüche und Geräusche des
Waldes in unsere Erinnerungen aufgenommen.
Unsere Zeit hier ist beinahe vorbei. Morgen früh geben wir unsere
Notebooks ab. Dies ist mein letzter Bericht.
Ich weiß, dass die Reise fast zu Ende ist sobald ich ins Bett gehe.
Morgen früh fliegen wir zurück nach Yaoundé, dorthin, wo unser
Abenteuer begonnen hat.
Den Afrikanischen Regenwald werden wir dann noch einmal von oben
betrachten können. Ob wir ihn wohl mit anderen Augen sehen werden?
Mein Favorit auf unserer Reise war Bai Hokou. Das lag sicherlich nicht
zuletzt an der besten Dusche der Welt. Dort haben wir, neben unserem
Aufenthalt in der Doli Lodge, auch die meiste Zeit verbracht. Doli
bedeutet übrigens Elefant.
Bei Angélique und Daniela habe ich mich richtig wohl gefühlt. Außerdem
führten unsere Wege von diesem Camp zu den Gorillas.
Ich werde von Deutschland aus noch einmal einen ausführlicheren
Bericht schreiben. Das kann ich gerade noch nicht. Erstens ist die
Reise noch nicht vorbei und Zweitens kann ich noch gar nicht alles
reflektieren, was wir erlebt haben. Ich brauche ein wenig Zeit.
Außerdem wird mir in Deutschland bestimmt die ein oder andere Sache
nochmal die Augen öffnen.
Wenn wir wieder zurück sind, fängt die Arbeit für uns erst richtig an.
Wir wollen alles daran setzen, diesem Fleckchen Erde eine Zukunft zu
geben. Mit Vorträgen und Spendenaktionen wollen wir genügend Mittel
sammeln, um unser Ziel zu verwirklichen.
Ich möchte mich bedanken, Vielen Dank an alle, die uns auf unsere
Reise gefolgt sind. Danke für eure Worte und eure Unterstützung. Und
danke an all diejenigen, die das Dzanga-Sangha Projekt bisher mit
ihrer Spende unterstützt haben.

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