WWF Jugend Wolfsretter


Den Wölfen


auf der Spur!


Die Wölfe kehren zurück nach Deutschland. © WWF
Schafe schützen, um Wölfe zu schützen


von LaLoba
14.09.2011
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Nicht alle Menschen haben eine gute Meinung von Wölfen. Die meisten haben aber auch keinen richtigen Grund dafür. Bei einer besonderen Berufsgruppe sieht es jedoch ganz anders aus. Schäfer werden durch Wölfe in ihrer Gegend direkt beeinflusst. Es passiert fast nie, aber zumindest ist es möglich, dass sie morgens mehrere ihrer Tiere tot auffinden. Damit gehören sie wohl zu den wenigen Menschen, die wirklich Gründe haben, wegen der Rückkehr der Wölfe skeptisch zu sein.

Dass das jedoch nicht sein muss, haben wir heute bei einem Besuch bei einem Schäfer erfahren. Schäfer Neumann hatte seit der Rückkehr der Wölfe ungefähr 40 Schafe verloren. Am Anfang vermutete er noch, sie waren von einem streunenden Hund gerissen worden, doch nach ein paar eindeutigen Spuren im Matsch wurde der Übeltäter Wolf benannt. Spätestens nach 33 toten Schafen in zwei Nächten wusste er, es muss etwas geschehn. Mit Unterstützung des Staates hatte er bald einen guten Elektrozaun und Flatterbänder. Die Bänder mit Stofffahnen, die im Wind wehen, werden über den Elektrozaun gespannt. Durch das Flattern verwirren sie den Wolf, der sich nicht mehr sicher ist, ob er drüber oder drunter durch gehen soll. Im Zweifelsfall entscheidet er sich für drunter durch, wo er mit dem Zaun in Berührung kommt. Das ist zwar schmerzhaft, aber nicht tödlich und der Wolf lernt: „Schafe jagen tut weh“.

Somit machen Wölfe dem Schäfer aber auch mehr Arbeit. Das Flatterband jedes Mal neu aufspannen, wenn die Schafe auf das nächste Stück Weide umziehen, ist anstrengend. Auch muss jedes Mal kontrolliert werden, wenn es geregnet hat, denn wenn das Band durchhängt, spring der Wolf einfach drüber. Dadurch ist es auch nicht gerade die sicherste Methode. Dessen war sich Schäfer Neumann auch bald klar und er probierte es auf eine neue Art: „Mein erster Herdenschutzhund kam aus der Schweiz.“

Damit er die Schafe richtig bewacht, muss der Herdenschutzhund von Geburt an ständig Kontakt mit ihnen haben. Dadurch „wird der Hund von klein auf Kumpel der Schafes“, erklärte Schäfer Neumann. Das Beschützen der Herde machen sie dann von ganz alleine. Da Menschen sich um die Schafe kümmern und die Hunde füttern, gewöhnen sie sich auch an uns. Auf keinen Fall darf ein Hund gegen Menschen aggressiv sein. Sonst ist er nicht für einen Schutzhund geeignet.

Bevor Neumanns neuer Vierbeiner seine Herde effektiv bewachen konnte, musste der Schäfer noch eine wichtige Erfahrung machen: Man braucht immer mindestens zwei Herdenschutzhunde. Wölfe sind schließlich auch nicht dumm. Bei Schäfer Neumann erwischten sie ein weiteres Schaf, indem zwei den Hund ablenkten und der Dritte von der anderen Seite zu den Schafen durchkam. Diese können Wölfe im Dunkeln übrigens nicht von ihrem Kumpel Hund unterscheiden und reagierten deswegen auch erst nicht auf die Gefahr.

„Seit ich meine Herde mit den Hunden und dem Zaun schütze, habe ich keine Probleme mehr“, sagte Schäfer Neumann. Er ist zuversichtlich, dass auch die anderen Schäfer einsehen, ihren Berufstand am besten zu sichern, wenn sie die Rückkehr des Wolfes akzeptieren. Und die Polizik habe dies ja auch schon eingesehen - zumindest gibt es eine Unterstützung für Schäfer.

Denn wenn einem Schäfer trotz gutem Schutz ein Schaf gerissen wird, bekommt er den Schaden vom Staat bezahlt. Auch der Erwerb von Flatterband, Zaun und Hütehund wird bei erster Anschaffung unterstützt. Dennoch reicht diese Unterstützung noch nicht aus. Ein Hütehund bringt ungefähr 1000 Euro Haltungskosten mit sich, von der zusätzlichen Arbeit ganz zu schweigen. Für Schäfer Neumann sind Herdenschutzhunde also eine gute Lösung, aber die Unterstützung dürfte ruhig größer ausfallen.

Uns Wolfsrettern kam da direkt eine Idee: Wie wäre es mit einem Gütesiegel für Schafsprodukte, die von Schäfern mit Schutzmaßnahmen gegen Wölfe kommen? Darauf könnte etwa stehen: „Dieses Schaf schützt die Wölfe“. Das würde zum Einen den Schäfer unterstützen, aber auch Aufmerksamkeit für die Wölfe erregen. Was haltet ihr von dieser Idee?

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Kommentare (8)
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18.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Ich finde es auch super, das es anscheinend auch viele schäfer gibt, die dem Wolf gegenüber ein bisschen positiver stehen bzw. den schutz ihrer schafe selbst in die Hand nehmen und nicht einfach sagen "Der Wolf muss weg!" Das mit dem Gütesiegel ist auch ne super Idee!!! :-) Das sollte man wirklich mal durchsetzen!
15.09.2011
ConcariaWolf hat geschrieben:
Ich mag Schäfer Neumann, er ist echt total einsichtig, es sollte echt mehr von solchen Schäfern geben. Ich kenn da ganz andere, als ich letztens im Auftrag vom NABU im Zoo unterwegs war um Unterschriften zum dortigen Wolfsprojekt zu sammeln hab ich (wusst ich natürlich nicht als ich die Leute sah) zwei Schäfer angesprochen und naja die haben sich aufgeregt das die Gelder die ihnen der Staat zahlt nicht wirklich ausreichen (is wirklich wenig) und so weiter, lange haben sie mir auch nicht zugehört. Meiner Meinung nach gibts schon viele Methoden um die Herden zu schützen (ich glaub in Polen war das wo die mal erfolgreich ein Wolfrudel von ihren Nutztieren abgehalten haben indem sie einfach ganz laut Wolfsgeheul abgespielt haben, die richitgen Wölfe haben sich ferngehalten weil sie dachten da wäre schon ein anderes Rudel)
Also die Gütesiegel-Idee ist richtig toll =)
Es gibt echt viele leute die auf solche Siegel achten und man schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Infoarbeit für die Wölfe und Einkommenserhöhung für die Schäfer weil mehr Leute ihre Produkte kaufen, womit sie wiederrum besser diese Schutzmaßnahmen zahlen könnten ;D Das ist ne gute Wechselwirkung find ich.
15.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
15.09.2011
Nils93 hat geschrieben:
Echt klasse das es Schäfer gibt, die trotz der Probleme die ihnen die Wölfe bereiten, diese nicht absolut ablehnen und versuchen das Problem auf einigermaßen friedliche Weise zu lösen :).
Ich finde die Idee mit dem Gütesiegel nicht schlecht, denke aber auch, dass es dafür noch zu wenig Wolfe in Deutschland gibt. Außerdem denke ich das sich viele Leute unter einem solchen Siegel nur wenig vorstellen könnten, vor allem wenn man bedenkt, das ein Großteil der Bevölkerung immernoch glaubt, dass es in Deutschland keine Wölfe gibt. Der Ansatz ist aber echt gut.

Macht weiter so. Die Berichte sind echt klasse :).
14.09.2011
Usagi hat geschrieben:
Ich kann mich meinen Vorrednern auch nur anschließen.

Auch von der Ansicht des Schäfers war ich sehr überrascht. Aber ist wahrscheinlich auch nur ein Vorurteil, dass alle Schäfer so denken.

Ob ein Gütesiegel sich durchsetzen kann, bin ich mir alelrdings nciht sicher, klar muss war gemacht werden und auch gezeigt werden, dass Schäfer den Schutz des Wolfes unterstützen, allerdings ist dieses Siegel ein Nachteil für Regionen, in denen sich keine Wölfe ansiedeln werden, aus dem Grund keine Unterstützng vom Staat bekommen, weil es nichts eh keine Wölfe geben wird. Daher ist es auch niicht nötig Schutzmaßnahmen für den Wolf zu unternhemen und diese Schafe bekommen kein Gütesiegel und haben dann bei Verbrauchern, die den Wolf helfen wollen einen Wettbewerbsnachteil.

Trotzdem finde ich eine weitere Unterstützung vom Staat UND vom Verbraucher sehr wichitg, da besonders der Verbraucher viel dazu beisteuern könnte, Schäfer wie Herrn Neumann zu unterstützen.

Ich bedanke mich bei euch für diesen super Artikel und hoffe, dass mein Kommentar nicht zu lang gewurden ist ...
Vielen Dank
14.09.2011
midori hat geschrieben:
Ich finds super, dass es auch Schäfer mit positiver Einstellung zu Wölfen gibt! Spitze! :o) Aber stimmt schon.. Herdenschutzhunde sind teuer. Einer allein kostet 3000?. Die hat man nicht mal nebenbei. Die Schäfer müssen dringend besser unterstützt werden, sonst wird auch die Akzeptanz für den Wolf nicht wachsen..

ps: ich finde eure Idee mit dem Siegel echt cool!
14.09.2011
Viveka hat geschrieben:
toller bericht!
ich kann mich Phoenix nur anschließen, eure idee ist gut. dann fangen vielleicht mehr menschen an, über den wolf nachzudenken und erkennen, dass sie eigentlich nicht gefährlich sind...
ich finde die einstellung des schäfers toll, eigentlich hört man ja immer nur negative rückmeldungen zu wölfen...
14.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Also deine am Ende genannte Idee finde ich absolut genial! Das könnte richtig erfolgreich werden! Ansonsten hat der Schäfer recht, auch wenn es bereits seitens des Staates Unterstützung gibt, ist diese nicht ausreichend. Hoffen wir, dass in Zukunft alle Schäfer denken, wie euer interviewter. Und übrigens.. der Titel eures Berichtes gefällt mir richtig gut :D Diese Grundidee kam mir letztens auch.. wenn wir den Wolf effektiv schützen wollen, müssen wir dafür sorgen, dass es nichts mehr gibt, was seinen Schutz nicht rechtfertigen würde... also müssen die Schafe geschützt werden :D
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