WWF Jugend Wolfsretter


Den Wölfen


auf der Spur!


Die Wölfe kehren zurück nach Deutschland. © WWF
Der Wolf in der Literatur


von Carina
20.09.2011
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Es ist so weit: Unsere fünf Wolfsretter sind aus der Lausitz zurückgekehrt und die WWF Jugend Wolfskampagne kann starten. Das oberste Ziel soll es sein, dass die Menschen Wölfe in Deutschland akzeptieren. Warum aber ist es immer noch so tief im menschlichen Bewusstsein verankert, dass der Wolf ein Tier ist, das man fürchten und bekämpfen muss? Ich habe mich einmal auf die Suche nach Spuren des Wolfs in der Literatur gemacht und dabei wahrscheinlich einen Teil der Antwort gefunden.

Tatsächlich hat wohl kaum ein anderes Tier die Fantasie des Menschen derart angeregt und in seiner Kulturgeschichte eine so große Rolle gespielt wie der Wolf. Aus unseren Sagen, Mythen und Legenden ist er nicht wegzudenken. Ein paar frühe Beispiele: In der griechischen Mythologie wird die Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus, sollen von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Selbst in der Bibel wird der Wolf erwähnt und als herdenreißendes, gefährliches Tier dargestellt.

In der ganzen Welt bekannt sind natürlich die Märchen der Gebrüder Grimm. Hier kommt der Wolf bedauerlicherweise auch nicht besonders gut weg. In „Rotkäppchen“ und „Der Wolf und die sieben Geißlein“ ist der Wolf „Der Böse“ und möchte die Helden der Geschichte fressen. Es gelingt ihm in beiden Fällen, doch am Ende wird ihm der Bauch aufgeschnitten und seine Opfer werden befreit. Bei den „Sieben Geißlein“ werden ihm am Ende Steine in den Bauch eingenäht und als er etwas aus dem Brunnen trinken möchte, fällt er hinein und muss jämmerlich ertrinken. Die letzten Zeilen dieses Märchens lauten: Als die sieben Geißlein das sahen, da kamen sie herbeigelaufen, riefen laut: „Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot!“ und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum.

Mutter Schaf schneidet dem bösen Wolf den Bauch auf, um ihre Kinder zu retten.

Auch in Fabeln ist der Wolf vertreten. Isegrim ist sein Fabelname und er kommt beispielsweise in der Erzählung „Reineke Fuchs“ vor. Seine kennzeichnenden Eigenschaften sind Eitelkeit, Dummheit, List und Gier.

In dieser Illustration von 1592 wird Isegrim Wolf gerade das Fell abgezogen.

Nicht wegzudenken aus den Mythen und Sagen ist außerdem die Kreatur des Werwolfs. In den frühesten Versionen sind das Männer, die einen Pakt mit dem Teufel eingingen und von ihm einen Gürtel aus Wolfsfell erhielten, mit dessen Hilfe sie sich in einen Wolf verwandeln konnten. Bekannter ist heute die Version, dass ein Werwolf ein Mensch ist, der sich einmal im Monat – nämlich bei Vollmond – in einen Wolf verwandelt. Dieses Schicksal erleiden meist Menschen, die von einem Werwolf gebissen wurden.

Durch zwei bekannte Werke der Jugendliteratur erhielten die Werwölfe in den letzten Jahren so etwas wie ein Come-Back. Das ist einmal natürlich die sogenannte „Bis(s)-Reihe“ von Stephenie Meyer. Ihre Interpretation der Werwölfe ist allerdings etwas anders: Zum Beispiel können sie sich zu jeder Zeit verwandeln, nicht nur bei Vollmond, und tun dies meist aus freiem Willen. Die andere Buchreihe, an die ich gedacht habe, ist Harry Potter: Joanne K. Rowling beschreibt die Werwölfe nach der herkömmlichen Überlieferung. Remus Lupin zum Beispiel wurde als Junge von einem Werwolf gebissen und muss sich seitdem jeden Monat in einen Wolf verwandeln. Dabei ist er nicht mehr er selbst und greift sogar seine eigenen Freunde an. (Glücklicherweise weiß Dumbledore einen Weg, wie er trotzdem die Zaubereischule Hogwarts besuchen kann.) Aber es gibt auch einen weniger netten Werwolf in den Harry Potter-Büchern: Fenrir Greyback hat es sich zur Aufgabe gemacht, so viele neue Werwolf-Kinder zu erschaffen, wie nur möglich. Außerdem entwickelte er eine Vorliebe für Menschenfleisch, selbst wenn er selbst nicht verwandelt ist.

Gibt es denn gar nichts Positives über die Wölfe in der Literatur? Doch, das gibt es! Denn glücklicherweise schrieb Rudyard Kipling gegen Ende des 19. Jahrhunderts „Das Dschungelbuch“. Die bekannteste Erzählung aus dieser Geschichtensammlung handelt von Mogli, der von einer Wolfsfamilie vor dem Tiger Schir Khan gerettet wird. Mit der Hilfe von Balu dem Bären und dem Panther Baghira, überzeugt die Familie das Wolfsrudel, Mogli bei sich aufzunehmen. Und obwohl es Schir Khan gelingt, einige der jüngeren Wölfe gegen das Menschenkind aufzuwiegeln, bleiben seine Wolfsbrüder ihm doch immer treu und helfen ihm in Notlagen.

Die Wölfe beraten bei einer nächtlichen Zusammenkunft darüber, ob Mogli in dem Rudel aufgenommen werde soll.

Abgesehen davon gibt es natürlich noch zahlreiche modernere Romane, in denen der Wolf eine druchaus positive Rolle spielt. „Wolfsblut“ ist ein Abenteuerroman von Jack London, der in Kanada und Alaska spielt und aus der Sicht von Wolfsblut geschrieben ist, der Sohn einer roten Hündin und eines grauen Wolfes. Oder aber der Jugendroman „Der weiße Wolf“ von Käthe Recheis. Ein wunderbares Fantasy Buch, das ich selbst vor Jahren gelesen habe: Thomas wird von einem weißen Wolf in den Wald gelockt und taucht in einer fremden, märchenhaften Welt wieder auf. Zusammen mit Onari und Eldar macht er sich auf eine abenteuerliche Reise, um das Verbotene Land vom Bann des Schwarzen Königs zu befreien. Eine schöne Geschichte, die auch von Erwachsenen immer wieder gern gelesen wird.

Zwischen den Fichtenstämmen leuchtete es. Ein weißer Hund stand dort, reglos, und sah ihn an. Es war kein Hund aus dem Dorf, er war anders als alle Hunde, die Thomas kannte. Er glich einem Schäferhund, aber der Kopf war breiter und die Schnauze spitzer. Wie bei einem Wolf, dachte Thomas.

Illustration aus "Der weiße Wolf"

Ein Klassiker ist selbstverständlich das Buch „Der mit dem Wolf tanzt“ von Michael Blake. Der Titel des Buches ist der Indianername der Hauptperson Leutnant John Dunbar. Die Indianer nennen ihn so, weil ein wilder Wolf sich ihm gegenüber ungewöhnlich zutraulich verhält.

Oder lieber etwas nicht Fiktives? In dem Buch „Der Philosoph und der Wolf“ erzählt Mark Rowlands davon wie er sich einen Wolf als Haustier anschaffte und fortan eng mit ihm zusammenlebte. Der Autor reflektiert sehr philosophisch über Denkanstöße die ihm das Verhalten dieses Wolfes gaben. Unter anderem beschäftigt er sich mit der Frage, was uns Menschen von Wölfen unterscheidet. Und auch Tanja Askani, Falknerin im Wildpark Lüneburger Heide, gelang es, eine enge Beziehung zu Wölfen aufzubauen. Von ihren Erfahrungen berichtet das Buch „Wolfsspuren – Die Frau, die mit den Wölfen lebt“.

Zu guter Letzt gibt es natürlich noch zahlreiche Sachbücher über Wölfe. Als Beispiel soll hier nur einmal der Bildband „Der Wolf – Mythos und Wahrheit“ genannt werden. 200 Fotografien und zahlreiche Verhaltensstudien zweier Wolfsexperten geben Einblick in die „wahre Natur der Wölfe“.

Es wurde schon so viel über die Wölfe geschrieben, dass es den Rahmen dieses Artikels bei Weitem sprengen würde, alles aufzuzählen. Falls ich aber dein persönliches Lieblingsbuch oder ein anderes wichtiges Werk in Bezug zu Wölfen vergessen habe, dann bin ich dankbar für eine Ergänzung per Kommentar! :)
 

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Kommentare (8)
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09.10.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Ich habe neulich eine Beschreibung von einem interessanten Buch namens "Wolfsnacht" gelesen, ein kinderbuch, das sich mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland auseinandersetzt. Ich habs leider noch nicht gelesen, also hier mal den link zu einer buchbesprechung: http://www.kinderbuch-couch.de/paluch-andrea-wolfsnacht.html
27.09.2011
Nivis hat geschrieben:
Danke für den Bericht.
Wie schon erwähnt wurde, hat der Wolf - wie seine Leidensgenossen Bär oder Hai - durch Literatur und Medien ein schlechtes Ansehen erhalten. Ich hoffe aber, dass die positive Literatur Anklang findet und es immer mehr Positives zum Wolf berichtet und geschrieben wird.
Weißt du vielleicht zufällig, ob es auch positive Märchen oder Fabeln zu ihm gibt?
23.09.2011
fcstpauligab hat geschrieben:
Die Geschichten sind Schuld, dass der Wolf sein Image als "Böse" hat. Aber auch Menschen bringen andere Tiere um. Deshalb sollte man den Wolf in Frieden lassen. Er muss ja auch was fressen.
21.09.2011
Seestern99 hat geschrieben:
Das ist ein super Artikel . Ich weis nicht was ich sagen soll . Sowas habe ich noch nicht über die Wölfe gelesen und nach meiner Ansicht hast du das auch echt super gemacht .

Meine Meinung ist das Wölfe nicht als "böse" angesehen werden sollen , aber der Mensch einen gewissen respekt vor ihm hat !
20.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Es stimmt leider, dass es offensichtlich vielen Menschen schwer fällt einen Unterschied zwischen dem Märchenwolf und dem echten Wolf zu machen.. Hier muss mensch ansetzen, um die veraltete Meinung loszuwerden..
20.09.2011
WolfGirl hat geschrieben:
Der Bericht ist echt klasse!
Ich finde es echt schade, dass soviele Menschen die Wölfe nach diesen Geschichten beurteilen.
Und wegen den Werwölfen: Ich finde in Harry Potter den Kontrast zwischen Remus und Greyback toll. Der eine versucht seine "Krankheit" zu verstecken und der andere nutzt diese schamlos aus um andere Menschen in Werwölfe zu verwandeln. :O Das ist dann sozusagen ja genau diese Vorstellung die Menschen im Mittelalter von Werwölfen hatten. (Ich meine die Art werwolf wie Greyback, ich sag nichts gegen Remus :O )
Außerdem müsste man den Menschen doch klarmachen können, dass "echte" Wölfe keine sieben Geißleich fressen oder die Häuser von Schweinen umpusten oder was weiß ich...
20.09.2011
LSternus hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht. Übrigens: So wie (zu) viele Leute heute noch über Wölfe und auch Haie denken, so haben die meisten Leute noch um 1850 über Wale gedacht. Im Buch "Mobi Dick" (1851) wird der weiße Pottwal Mobi Dick als Monster aus der Tiefe dargestellt, dass Seefahre verschlingt.
20.09.2011
midori hat geschrieben:
Woah! Echt sehr schöner Bericht! Danke Carina! :o)
Der Wolf ist eben ein sehr vielseitiger Zeitgenosse! ;o)
Er bietet für jeden was! :D

ps.: Wolfsblut kann ich nur empfehlen!! :o)
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