Regelmäßige Updates zur Kampagne


Wir: Teil einer globalen


Bewegung!


© Timothy Shivers / WWf Intl.
...und es wird noch heißer! Das 2°C Ziel


von regentag
14.10.2015
2
11
100 P

Zwei oder drei Grad wärmer? Ist eigentlich kein großer Unterschied. Ob es nun 16°C, 18°C oder 19°C hat, ist mir relativ egal, ich greife trotzdem zur gleichen Jacke. Aber für unsere Erde ist jedes einzelne Grad von erheblicher Bedeutung. Mit jedem Grad mehr verändert sie sich und mit ihr verändert sich unsere Lebensgrundlage.

Das 2°C Ziel beschreibt die Bestrebung der internationalen Klimapolitik, die weltweite Erwärmung durch den anthropogenen Klimawandel auf höchstens 2°C gegenüber der weltweiten Durchschnittstemperatur vor Beginn der Industrialisierung einzuschränken. Als Referenzwert dient damit die Zeit um 1850, als Dampfmaschinen und Eisenbahnen die Wirtschaft komplett umkrempelten - und durch den steigenden Bedarf an Energie immer mehr Treibhausgase aus Holz und Kohle in die Atmosphäre geblasen wurden.

Das 2°C Ziel basiert auf einem Gutachten aus dem Jahr 1995 des „wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU), der die deutsche Bundesregierung wissenschaftlich in Umweltfragen berät. Der WBGU schrieb, dass bei einer Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur um mehr als 2°C sog. tipping points überschritten werden würden, die zu dramatischen Klimaveränderungen führen würden und nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten (so z.B. das Abschmelzen des antarktischen Eisschilds). Seit dem Dritten Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) aus dem Jahr 2001 ist das 2°C Ziel der internationalen Politik bekannt. Doch erst bei der UN-Klimakonferenz 2010 in Cancún wurde es offiziell anerkannt.

Warum eigentlich 2°C Ziel? Ist es denn erstrebenswert, die weltweite Durchschnittstemperatur um 2°C zu erhöhen? Nein, ist es nicht. Eigentlich sollte der Mensch das Klima überhaupt nicht beeinflussen. Wissenschaftler sprechen daher auch lieber von der 2°Grenze. Grenzen sollten schließlich nicht überschritten werden.

Die Entwicklung der Konzentration einiger Treibhausgase in der Atmosphäre. Der Trend geht nach oben.

Denn auch wenn niemand so genau weiß, was bei einer Erderwärmung von über 2°C geschehen wird - dass es gefährlich wird, darüber sind sich alle einig. Deutlich höhere Risiken von Umweltkatastrophen und eine wesentlich schlechtere Nahrungs- und Wasserversorgung sind nur der Anfang.

Also muss die 2°C Grenze gewahrt werden. Doch ob das beim heutigen Stand der Dinge überhaupt noch möglich ist, wird bezweifelt. Problematisch ist vor allem, dass der genaue Zusammenhang zwischen der Treibhausgaskonzentration der Atmosphäre und der Erderwärmung nicht bekannt ist. Will man die 2°Grenze mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% einhalten, darf die Treibhausgas-Konzentration nicht über 450 ppm (parts per million) steigen. Setzt man sich jedoch das ehrgeizigere Ziel, den Grenzwert mit 70%iger Wahrscheinlichkeit nicht zu überschreiten, soll die Konzentration nicht einmal 400 ppm erreichen dürfen. Und diesen Wert haben wir zu manchen Jahreszeiten an einigen Orten bereits überschritten.

Bisher ist die weltweite Durchschnittstemperatur schon um über 0,8°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau gestiegen. Zwar läuft unser Leben hier in Deutschland weiterhin in geregelten Bahnen ab, doch dieser scheinbar so kleine Temperaturunterschied wirkt sich bereits fatal aus: die Eiskappen an den Polen nehmen ab, die Meere werden saurer und ihre Pegel steigen, die Atmosphäre über den Ozeanen speichert mehr Wasser wodurch die Bildung von Hurrikans gefördert wird. In Deutschland nimmt der Starkregen zu. Es drohen Hitzewellen und Dürren. Gletscher, die auch als Trinkwasserressourcen dienen und ganze Flüsse speisen, verschwinden. Klimazonen verschieben sich.

 

Eine Grafik aus dem IPCC Bericht, die zeigt, wie verschiedene Risiken sich durch die Erwärmung um unterschiedlich viele Grad erhöhen. 

Wenn es so weitergeht wie bisher, wird die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um 3,7 bis 4,8°C steigen. Was das für uns Menschen bedeuten würde, wagt man sich nicht auszumalen. Und alles deutet daraufhin, dass es so weitergehen wird, wie bisher. Oder sogar noch schlimmer wird. Die weltweiten CO2-Emissionen steigen jährlich. 2013 betrugen sie unglaubliche 35,1 Milliarden Tonnen, 2010 waren es noch 31,6 Mrd. t.

Einige Modelle ergeben, dass die Grenze von 2°C nicht mehr erreicht werden kann. Selbst, wenn ab jetzt überhaupt kein CO2 mehr ausgestoßen werden würde, sollen die Temperaturen noch um weitere 0,8°C ansteigen. Damit würden wir unterhalb dem riskanten Limit bleiben, aber eine so abrupte Kehrtwende ist illusorisch. Und selbst wenn das 2°C Ziel utopischerweise noch eingehalten werden würde, wären die Folgen des Klimawandels damit nicht gestoppt. Denn auch auf einer „nur“ 2°C wärmeren Erde würden die Arktis und die Gletscher weiter schrumpfen und die Meeresspiegel fortschreitend steigen.

Jede Zahl über einem Grad sei ein Glücksspiel, schrieb Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology, der Hurrikans erforscht. NASA Wissenschaftler James Hansen, einer der berühmtesten Klimatologen der Welt ist noch direkter: „Das 2°C Ziel ist eine Verordnung für ein langfristiges Desaster.“ Auch die Vertreter kleiner Inselstaaten warnen, dass viele von ihnen einen Anstieg der Temperatur um 2°C nicht überleben würden. Von der Desertifikation und den anhaltenden Dürren in Afrika ganz zu schweigen.

Das klingt alles zum Verzweifeln. Aber den Kopf in den Sand zu stecken und nichts zu tun ist auch keine Option, denn die mit der Klimaerwärmung einhergehenden Risiken wachsen mit jedem zusätzlichen Grad. Auch wenn die 2°C Grenze nur noch symbolische Kraft hat, müssen wir alle daran mitarbeiten, den Klimawandel so weit es geht einzuschränken und mit seinen unvermeidbaren Folgen zu leben. Insbesondere gilt das für die Politiker, die sich in etwas mehr als einem Monat zur UN-Klimakonferenz in Paris treffen werden. Ein radikal Nachfolger für das Kyoto-Protokoll muss her und zwar unverzüglich.

 

Letzte Woche an dieser Stelle: Ein toller Kommentar zur Energiewende.

 

Quellen:

Europäische Kommission, Klimawandel- was bedeutet das? Eine Einführung für Jugendliche, Luxemburg 2009.

Wikipedia, Zwei-Grad-Ziel, Stand: 11.10.2015. 

Klimaretter.info, Rekordmonat bei CO2-Konzentration, Stand: 11.10.2015. 

Spiegel online, Emissionhandel: EU-Staaten wollen Treibhausgas-Ausstoß teurer machen, Stand: 12.10.2015. 

BMUB/BMBF/UMB/De-IPCC, Fünfter Sachstandsbericht des IPCC - Synthesebericht, November 2014. 

IWR, Rekord: Weltweiter CO2-Ausstoß steigt 2013 erstmals auf über 35 Milliarden Tonnen, Stand: 12.10.2015. 

Spiegel online, CO2-Ausstoß weltweit, Stand: 12.10.2015. 

Neue Zürcher Zeitung, Ordnungsruf an die Klimaforscher, Stand: 12.10.2015. 

Umwelt Bundesamt, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland, Stand: 13.10.2015. 

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
16.10.2015
Luke24 hat geschrieben:
Ein äußerst interessanter Bericht mit einer genau richtigen Länge :-) .

Ich fürchte leider, dass viele das Problem "Erderwärmung" als nicht sehr erheblich betrachten, weil sie insgeheim oder offen denken, dass dies eine "Zeit nach ihnen" betrifft und sie damit nichts mehr zu tun haben werden.
Ohnehin neigt der Mensch häufig dazu, erst anzufangen zu handeln, wenn es schon richtig schlimm ist. Was beim Klimawandel - wie oben beschrieben - deutlich zu spät ist.
14.10.2015
Tierfreundin hat geschrieben:
Vielen Dank für diesen informativen Bericht !
Traurig, was wir mit unserem Planeten machen ! Der einzige Ausweg sind, meiner Meinung nach, rigorose Gesetze zum Schutz der Erde. Ich hoffe, dass die Politik ENDLICH mal vernünftige Entscheidungen trifft !!!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_221.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen