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© Timothy Shivers / WWf Intl.
KlimaWende! - Tornados, wirbelnde Naturgewalten!


von midori
12.08.2015
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Es scheint eine ganz normale Nacht mitten im Oktober zu sein. Ich schlafe friedlich bis ich plötzlich von einem starken Windstoß geweckt werde, der durch das gekippte Fenster und unter meiner Tür hindurch scharf durchs Haus zieht. Es dauert nur wenige Sekunden, dann ist der Spuk vorbei. Ich bin ein wenig irritiert, schlafe aber schnell wieder ein. Ich konnte ja nicht ahnen, was am nächsten Morgen in aller Munde sein würde...

Und tatsächlich - keine drei Orte von uns entfernt, hat mitten in der Nacht ein Tornado getobt! Glücklicherweise ist niemand verletzt worden, aber der Windwirbel hat die Bewohner des Dorfes Quirla dennoch getroffen. Der Tornado hat nicht nur zahlreiche Dächer abgedeckt und das Dorf verwüstet, sondern auch eine breite Schneise der Zerstörung durch ein angrenzendes Waldgebiet gezogen. Dort sind die meterhohen Kiefern wie Streichhölzer abgeknickt. Die Szenerie mutet beinahe absurd an.

Vom Tornado selbst hat mitten in der Nacht natürlich niemand etwas gesehen. Dennoch bin ich erstaunt, dass mich der starke Windzug so viele Kilometer weiter entfernt, geweckt hat. In Quirla selbst muss die Hölle los gewesen sein! Aber auch wenn man meint, das wäre ungewöhnlich - Tornados in Deutschland sind keinesfalls eine Seltenheit. Erst in diesem Jahr haben zwei Ereignisse kurz nacheinander Angst geschürt...

Am 5.Mai wirbelte ein Tornado über die Kleinstadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern. 30 Personen wurden verletzt, es gibt Schäden im zweistelligen Millionenbereich. Aber der Tornado in Bützow war nur einer von sechs, die sich aus einem Gewitter entwickelten und über das Land fegten.

Nur wenige Tage später erleiden einige Städte und Ortschaften in Schwaben das gleiche Schicksal. Auch hier dauert alles nur wenige Sekunden - aber die Schäden sind enorm! Die wenigsten haben eine Versicherung gegen derartige Naturgewalten abgeschlossen und stehen fassungslos vor ihrem zerstörten Hab und Gut. Die Sturmböen bis zu 250 km/h haben sieben Menschen verletzt.

Die meisten Menschen hier in Deutschland sind wohl der Ansicht, dass Tornados bei uns ein ziemlich seltenes Wetterphänomen darstellen - eine Laune der Natur. Aber dem ist nicht so. Pro Jahren ziehen mehrere Dutzend der Windhosen über die Bundesrepublik. In ganz Europa sind es an die 300 Wirbelstürme im Jahr. Den Meldungen zufolge könnte man davon ausgehen, dass die Zahl der Tornados in Deutschland zugenommen hat. Es ist aber auch möglich, dass einfach nur weitaus mehr Tornados gesichtet und dann auch gemeldet werden, als das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Betrachtet man die Aufzeichnungen, so kann man sagen, dass die Mehrheit der Tornados in den warmen Sommermonaten, insbesondere im Juli, auftritt.

Hört man von einem Tornado, hat man meist solche Bilder aus Nordamerika im Kopf...

Oftmals handelt es sich bei solchen monströsen Stürmen um Tornados der Kategorie F5. Zusammen mit den F4 Tornados zählen sie als verheerend. F2 und F3 Tornados gelten als stark, Tornados der Stärke F1 und F0 als schwach. Die Kategorien richten sich nach der Windstärke. F5 Tornados können bis zu 500 km/h erreichen. In Deutschland treten vor allem Tornados bis zur Stärke F3 auf, aber auch hin und wieder in Abständen von einigen Jahrzehnten Tornados der Kategorie F4 und F5. Trotzdem.. auch die kleinsten sollte man nicht unterschätzen, wie sich im Mai in Bützow zeigte...

Keine Frage - selbst ein F3 Tornado, wie der in Bützow, hat eine gigantische Zerstörungskraft. Aber wie kommt ein Tornado eigentlich zustande? Dafür braucht es mehrere grundlegende Voraussetzungen: bodennahe, feuchtwarme Luft, trockene und kühle Luftmassen direkt darüber und die sogenannte Windscherung. Die trockenen und kühlen Luftmassen treffen auf die feuchtwarmen und sehr energiereichen Luftmassen am Boden. Ein schweres Gewitter bildet sich. Gewaltige Aufwinde bilden Quellwolken, die zu Superzellen heranwachsen. Ändert sich in luftiger Höhe dann die Windrichtung - als Windscherung bezeichnet - kann das den gesamten Wolkenkomplex in Rotation versetzen: ein Tornado wird geboren. Der rotierende Luftwirbel wird als 'Funnel' bezeichnet.

Müssen wir denn nun Angst haben, dass die globale Klimaerwärmung zu mehr derartigen Wetterereignissen auch in Deutschland führt? "Was die Auswirkung der Klimaveränderung auf Sturmaktivität in Europa betrifft, herrscht bislang große wissenschaftliche Unsicherheit. Plausibel, aber nicht gesichert, scheint eine Zunahme der Anzahl von Stürmen in der nördlichen Erdkugel zu sein. Unter der Voraussetzung eines ungebremsten Klimawandels ist anzunehmen, dass es in Norddeutschland zu 1. einer steigenden Anzahl von Winterstürmen, 2. einer höheren Anzahl von Tagen mit extrem hohen Windgeschwindigkeiten und 3. höheren maximalen Windgeschwindigkeiten kommt.

Dennoch gibt es durchaus eine Plausibilität, dass es durch den Klimawandel häufiger zu Tornados kommen könnte. Diese Erwartung lässt sich dadurch erklären, dass durch den Temperaturanstieg mehr Wasserdampf in der Atmosphäre gespeichert wird, was ein höheres Energieangebot für Gewitter mit sich führt. Da heftige Gewitter als Voraussetzung zur Entstehung von Tornados aufgrund ihrer sehr speziellen und kleinräumigen Gegebenheiten schwer zu berechnen sind, ist eine Modellierung schwierig. Aus methodischen Gründen lässt sich die plausible Vermutung eines Zusammenhangs zwischen dem Klimawandel und der Tornadohäufigkeit in Deutschland bisher nicht absichern." (Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland, Germanwatch)

Es ist bislang also noch nicht abschließend geklärt, ob wir in Zukunft häufiger und vor allem mit stärkeren Tornados in Deutschland zu rechnen haben. Ohne Panik und Angst schüren zu wollen, so sollten wir doch vorgewarnt sein. Tornados sind unberechenbare und unaufhaltbare Naturgewalten, die viel Zerstörung mit sich bringen. Wir sollten nicht unnütz Zeit vergeuden und abwarten, ob die Wissenschaft Beweise hervorbringen kann. Wir müssen die Herausforderung wagen und uns dem Klimawandel stellen!

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Du findest Tornados zwar echt faszinierend, möchtest sie aber lieber doch nicht in Deinem Vorgarten haben? Dann engagiere Dich im Alltag und verringere Deinen CO2 Fußabdruck, um das Klima zu schützen. In der letzten Folge von 'KlimaWende!' erklärt Dir Anja, wie es geht!

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Bilder Quirla © LaNaServ. , D.Stremke
Bild Ortsschild © Lukas Barth
Luftaufnnahme Gemeinde Affing © DPA
Karte Vorkommen Tornados © TorDACH Deutschland
Bild Superzelle & Tornado © iStock / Getty Images

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Kommentare (3)
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12.08.2015
midori hat geschrieben:
@Luke24 Ganz genau. Man kann sie leider auch nur sehr schlecht vorhersagen, womit Warnungen praktisch unmöglich sind.
12.08.2015
Luke24 hat geschrieben:
Ich habe auch den Eindruck, in den vergangenen Jahren deutlich mehr von Tornados in Deutschland gehört zu haben als früher noch.
Die Bilder im Bericht sind jedenfalls echt krass.
Wenn ich es richtig verstanden habe, sind Tornados nicht nur wegen ihrer Zerstörungskraft, sondern auch wegen ihrer Unberechenbarkeit gefährlich.
12.08.2015
RichardParker hat geschrieben:
Ich habe keine Scheuklappen an meinen Augen, aber ich habe meinem Bruder nie wirklich gelaubt, als er sagte das in Deutschland auch Tornados entstehen können... :o Aber dreihundert Stürme pro Jahr, dass ist krass!

Danke für den informativen Bericht :)
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