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© Timothy Shivers / WWf Intl.
Calling for Paris – Global Climate March in Köln


von Sunlight
02.12.2015
3
11
100 P

„Ö-ko-strom, statt Kohle und Atom“ so tönt es um den Kölner Dom. Rund 800 Menschen haben sich hier versammelt, um vor Beginn der Verhandlungen in Paris für einen erfolgreichen Klimagipfel, für ein ambitioniertes Klimaabkommen und für einen lebendigen Planeten zu demonstrieren.

Aber der Reihe nach erzählt. Bei Nieselregen leuchtet mir am Bochumer Hbf Ronjas rote Jacke entgegen und zusammen machen wir uns auf den Weg nach Köln. Leider können wir beide nicht in Berlin beim Global Climate March dabei sein, aber untätig Zuhause sitzen, wollen wir auf keinen Fall an diesem wichtigen Klimaaktionstag. Am Kölner Hbf stößt noch Jenny zu uns und zu dritt machen wir uns bei anhaltendem Regen weiter auf den Weg zum Demo-Treffpunkt.

Sofort springen uns bunte Plakate und gute Laune entgegen. Auch wenn es zunächst nur ca. 100 Leute sind, wirken sie umso entschlossener. Zwischen all den Menschen entdecken wir dann auch noch ganz unerwartet Mayan und Anna aus der WWF Jugend!

Und auf geht’s durch die Kölner Innenstadt, für ein besseres Weltklima - in allen Dimensionen. Pünktlich hört sogar der Regen auf ;) Immer mehr Menschen schließen sich uns an. Erstaunt drehen wir uns um (wir laufen direkt hinter dem Frontbanner) und stellen fest, dass wir das Ende gar nicht sehen können!

Los geht’s mit Liedern und Sprechchören:
„We are calling for Paris in 2015!
 We are calling for Paris in 2015!
 We are calling for Paris in 2015!“

Auf die Melodie von „Bruder Jakob“:
„Klimawandel, Klimawandel,
fünf vor 12, fünf vor 12,
hörst Du nicht die Glocken,
hörst Du nicht die Glocken,
ding, dang, dong,
ding, dang, dong!“

Und immer wieder:
„Ö-ko-strom, statt Kohle und Atom!
 Ö-ko-strom, statt Kohle und Atom!
 Ö-ko-strom, statt Kohle und Atom!“

Auch wenn wir im Vergleich zu Berlin, Melbourne oder Sao Paulo nicht viele sind, gibt es doch ein Gänsehaut-Feeling in dieser Meschengruppe mitzulaufen und zu wissen, dass uns alle die gleichen Zielen verbinden.

Während wir so laufen und ein Zeichen setzen, denke ich darüber nach, warum ich eigentlich hier bin. „Ja, ich weiß, eigentlich wollte ich in Paris sein und ein „richtiges“ Zeichen setzen. Na ja, warum ich da nicht bin, ist auch klar. Aber warum dann jetzt das hier? Sieht das überhaupt jemand? Interessiert das überhaupt jemanden?“
Aber während wir so marschieren, bekomme ich eine Ahnung, davon, dass es da wahrscheinlich gar nicht drum geht. Es geht gar nicht darum, wer uns sieht oder hört. Wahrscheinlich geht es einfach um jeden Einzelnen, der aufsteht und was tut. Ob im Großen oder Kleinen, bei sich Zuhause oder in der weiten Welt. Hauptsache JEDE*R fängt bei sich an!

Schließlich ist unser Zug auch schon am Dom angekommen. Während wir uns so auf den Treppen versammeln, um den Redner*innen zu lauschen, kommt noch einmal ein tolles Gemeinschaftsfeeling auf. Denn erst jetzt können wir wirklich sehen, wie viele wir sind.

Trotz allem machen mich die Reden ein bisschen traurig. Die Redner*innen sind von lokalen Bürgerinitiativen, wie „Tschö Rheinenergie“ (die sich übrigens über Unterstützung und Verbreitung ihrer Petition „Stoppt Braunkohle in Köln-Merkenich“ freuen würden), von Greenpeace Köln, aus dem Hambacher Forst und von „Ende Gelände“. All diese Initiativen finde ich großartig und unterstützenswert. Aber immer wieder geht es um den Kohleausstieg, um die Umsiedelungen vor Ort und um Anklagen. Anklagen gegen RWE, Anklagen gegen „die“ Politik, Anklagen gegen „den“ Kapitalismus und sogar Anklagen gegen den WWF... So viele Anklagen. Aber was helfen die uns eigentlich? Was helfen sie der Erde? Wäre nicht so Vieles so viel einfacher, wenn wir einfach alle zusammenarbeiten? Mit RWE, mit der Politik, mit dem Kapitalismus und auch... mit uns? Können wir uns nicht endlich klar machen, dass niemand allein die Erde retten kann? Dass wir JEDE*N auf der ganzen Welt mit ins sprichwörtliche Boot nehmen sollten? Und dass uns gegenseitige Schuldzuweisungen nicht weiter bringen? Letzlich haben wir doch sowieso alle das gleiche Ziel... Letztlich sind wir alle Menschen, die ihre Heimat nicht verlieren und nicht aussterben wollen. Hoffentlich ist das den Verhandelnden in Paris deutlicher...

Zum Schluss ergreift noch spontan WWF Jugend Mitglied Mayan das Wort und sie fasst unser aller Motivation noch einmal schön zusammen: „Wir haben nur diese eine Erde und wollen auch weiter auf ihr Leben – mit unseren Kindern und Enkeln.“ Abschließend singen wir noch ein paar umgedichtete Karnevalslieder mit „Tschö Braunkohle“ gegen den Klimawandel, überlegen, was jeder Einzelne tagtäglich für das Klima tun kann und feiern die Zahlen, die aus aller Welt kommen: 60.000 Demonstrant*innen in Melbourne, 15.000 in Berlin und so weiter und so fort... Man spricht von der größten Klimaschutz-Mobilisierung aller Zeiten... Absolut pandastisch!

Da ist dann auch meine Traurigkeit wieder weggeblasen ;) Während sich so langsam der Himmel wieder verdüstert, machen Ronja und ich uns auf den Heimweg. Doch in unseren Köpfen hallen noch all die Sprüche und Lieder, all die Gesichter und die gute Stimmung nach. All die Menschen, die weltweit an diesem Tag auf der Straße waren, können in Paris einfach nicht ignoriert werden. Wir sind gespannt auf die nächsten Tage. „We are calling for Paris in 2015!“

*****************

Bilder: 
J. Middendorf & eigene Aufnahmen

Weitere Bilder findet Ihr hier!

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
03.12.2015
luisa2412 hat geschrieben:
Super Aktion!! Schade, dass ich nicht dabei sein konnte. :)
02.12.2015
johannesS hat geschrieben:
Danke für Euren Einsatz bei einer so wichtigen Sache :) Gemeinsam können wir etwas bewirken !
02.12.2015
Cookie hat geschrieben:
So ein toller Bericht, man fühlt sich, als ob man mitten in der Demo steht! ^_^
Total genial, dass die WWF Jugend auch in Köln vertreten war. Das Bild von allen Menschen zusammen vor dem Dom und die WWF Jugend Flagge mittedrin ist echt klasse!
Ich finde es aber auch gut, dass du dir kritische Gedanken machst, was die Reden angeht. Ich hatte bei den Redebeiträgen in Berlin manchmal auch gemischte Gefühle, weil viele auf mich sehr aggressiv gewirkt haben. Ich stimme dir zu, dass es nichts bringt, nur die anderen anzuklagen. Wir müssen gemeinsam Lösungen finden.
Wirklich schade, dass auch der WWF wieder Kritik abbekommen hat. Grade die Umweltverbände sollten doch zusammenhalten! Wir haben doch alle das gleiche Ziel!
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