Aktuelles zur Wilderei


Wie steht's


um die Tiere?


Breitmaulnashörner am Nakuru-See, Kenia © Michael Poliza / WWF
„Eindrücke statt Andenken“ – ein Zöllner im Interview über Schmuggel und Souvenirkauf


von Rhino
11.08.2015
2
9
100 P

Am 01. Und 02. August fanden im Zoo Dortmund die Artenschutztage statt, mehrere Organisationen wie der NABU, der BOS Deutschland e.V. und auch der Zoo selbst waren an diesen sonnigen Tagen auf dem ganzen Zoogelände verteilt mit Infoständen vertreten und informierten die Besucher über ihre Artenschutzarbeit und über Möglichkeiten, sich selbst für Tiere und Natur einzusetzen.

Auch das Hauptzollamt Dortmund war an beiden Tagen mit einem Infostand mit allerlei Exponaten und Infobroschüren zum Thema tierische Schmuggelware präsent. Ein aus Elfenbein geschnitztes Nashorn, eine Tasche aus Krokodilleder und eine Reihe von Korallen und Muscheln sind nur einige der am Stand ausgestellten Funde des Zollamts. Mit Hauptzollamtsinspektor und Pressesprecher Uwe Jungesblut, der den Stand mit zwei seiner Kollegen betreute, sprach ich über seine langjährigen Erfahrungen mit geschmuggelten Souvenirs und unwissenden Reisenden:

Hr. Jungesblut, können Sie ungefähr verraten, wie oft Ihre Kollegen bei Kontrollen am Flughafen etc. auf geschmuggelte Tierprodukte treffen?

Das ist so pauschal nicht möglich. Das sind immer … ich will sie jetzt nicht Zufalls- oder Glücksgriffe nennen, aber auch wenn die Beamten und Beamtinnen am Flughafen sehr gut wissen, wo sie mitunter mal genauer hinschauen sollten, ist es am Ende immer noch ein Stück weit eine Glücksfrage, ob man da wirklich auf die richtige Spur kommt.

Die Funde von illegal eingeführten Produkten aus dem Bereich Artenschutz haben in letzter Zeit ein wenig nachgelassen, das muss aber nicht heißen, dass jetzt tatsächlich viel weniger geschmuggelt wird, es kann auch sein, dass wir einfach derzeit nicht so viel aufgreifen konnten.

Eine leichte Rückläufigkeit bei der Einfuhr verbotener Tierprodukte kann man aber im Moment definitiv feststellen.

Wie erklären Sie sich diese Rückläufigkeit?

Grundlegend dafür ist sicherlich auch unsere Öffentlichkeitsarbeit, da wir die Leute dafür sensibilisieren, was sie mitbringen dürfen und was sie lieber liegen lassen sollten.

Besonders sensibel sollte man gerade im Strandurlaub bei Muscheln und Korallen sein, am Sichersten ist man da, wenn man einfach alles liegen lässt – ich sage da immer: Eindrücke sammeln statt Andenken!

Treffender Spruch – ich würde schätzen, dass Meeres-Mitbringsel, wie Muscheln und Korallen zu den am häufigsten eingeführten Tierprodukten zählen, stimmt das?

Ja, im Muschel-Bereich hat man z. B. immer wieder die so genannte Mördermuschel (Bild ganz oben), die eigentlich aussieht wie eine normale, unscheinbare Muschel, sie unterliegt aber dem Artenschutz.

Bis zu zwei Kilo darf man davon mitbringen, sowie nicht mehr als drei Exemplare – ist man also über zwei Kilo oder hat gar ein Schmuckstück, dass aus zig Mördermuscheln gefertigt wurde , ist man sogleich im Strafbereich.

Es gibt bei den meisten geschützten Arten strenge spezifische Einfuhr-Regelungen, die vielen Touristen nicht bewusst sind, aber Unwissenheit schützt immer noch nicht vor Strafe.

Das stimmt - hier am Stand sieht man ja eine große Auswahl unterschiedlichster, vom Zoll beschlagnahmter, Tierprodukte – wissen Sie, aus welchen Ländern die meisten illegalen Mitbringsel nach Deutschland kommen?

Ja, meistens aus dem südamerikanischen, nordafrikanischen und asiatischen Bereich. Aus Asien kommen sehr häufig Schlangenleder-Produkte und auch „Allheilmittel“, wie z. B. Bärengalle werden immer wieder eingeführt.

Bärengalle gilt in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Heilmittel für Lebererkrankungen. Sie wird in Ostasien in Bärenfarmen meist von Kragenbären gewonnen. Die Bären werden in winzigen Käfigen gehalten. Dort bekommen sie bei lebendigem Leib ein Loch in den Bauch, um die Gallenflüssigkeit abzuzapfen. Das führt häufig zu Infektionen, an denen die Bären meistens qualvoll sterben.

Da Kragenbären eine gefährdete Tierart sind, ist die Einfuhr von Bärengalle fast weltweit strengstens verboten.

Und es gibt immer noch Menschen, die solche „Heilmittel“ mit nach Deutschland schmuggeln?

Ja, immer wieder … es gibt auch Menschen, die sich unbedingt einen Snake Wine in die Vitrine stellen wollen, dann haben sie da eine Flasche, wo eine Schlange mit Skorpion im Maul drin steckt und finden das unfassbar schick, aber das ruft uns dann auf den Plan und dann gibt’s für sie erstmal eine fachmännische Beratung …

Wie hoch würden Sei den Anteil der ausversehen geschmuggelten Produkte schätzen … also der Mitbringsel, die von Reisenden für völlig harmlose und legale Souvenirs gehalten wurden?

Ich würde den Anteil der Unwissenden tatsächlich bei über 90% ansiedeln, denn … die meisten wissen’s wirklich nicht.

Es wird ja auch in den Reiseländern als legal angeboten, die Leute dort wollen schließlich was verkaufen. Wenn man bei den Händlern dann nachfragt, ob man dies oder das auch wirklich nach Deutschland mitbringen darf, kommt einhellig: „Kein Problem, das können Sie ruhig alles mitnehmen“ und die Leute glauben es dann.

Was sind denn Ihrer Meinung nach die wichtigsten Tipps, damit Schlangenleder, Mördermuscheln usw. gar nicht erst im Koffer landen?

Ganz wichtig natürlich: Wenn man sich nicht sicher ist, auf jeden Fall da lassen und sich am besten noch vor dem Urlaub erkundigen. Es gibt auch die Möglichkeit, bestimmte geschützte Tiere und Tierprodukte einzuführen mit einer CITES-Bescheinigung. Diese bescheinigt dann, dass die Tiere aus Aufzuchtfarmen kommen und nicht aus der Natur entwendet wurden. Genauere Auskünfte über diese Bescheinigungen gibt der Zoll oder das Bundesamt für Naturschutz.

Und natürlich der wichtigste Hinweis, den ich ja bereits sagte: Eindrücke sammeln statt Andenken!

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Tipps!

Weitere Informationen rund um die Einfuhr von Tierprodukten gibt der Zoll auf seiner Website unter dem Abschnitt „Artenschutz“.

Weitere Informationen zu Infoaktionen und der Artenschutzarbeit des Dortmunder Zoos, erhaltet ihr auf dessen Website.

Text & Fotos: Maxim Podobed

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
11.08.2015
midori hat geschrieben:
Schlimm zu wissen, dass alles was dort ausgebreitet liegt, irgendwann mal gelebt hat :/ Danke Maxim für das interessante Interview! Dass tatsächlich der Großteil unwissend eingeführt wird, hätte ich nicht gedacht.
11.08.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für das tolle Interview, Maxim!
Bei der Sache mit der Bärengalle dreht sich mir der Magen um, kann ich nicht nachvollziehen, dass man so was haben will. Super Sache, dass auf Veranstaltungen wie dem Artenschutztag Aufklärung betrieben wird. Bleibt zu hoffen, dass der Rückgang "echt" ist und nicht nur daran liegt, dass weniger entdeckt wird. Und natürlich, dass in Zukunft noch viel weniger geschmuggelt wird.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil