Aktuelles zur Wilderei


Wie steht's


um die Tiere?


Breitmaulnashörner am Nakuru-See, Kenia © Michael Poliza / WWF
"Die Wilderei ist außer Kontrolle"


von MatthiasAdler
14.08.2012
7
0
6 P

Afrika erlebt derzeit die schlimmste Wildereikrise seit Jahrzehnten. Der illegale Handel mit Elfenbein boomt, die Zahlen von getöteten Elefanten schnellen in die Höhe. Immer öfter kommt es zu blutigen Massakern, wie am Anfang des Jahres 2012, als bis zu 400 Elefanten in einem Nationalpark in Kamerun abgeschlachtet wurden. Lamine Sebogo, der WWF-Leiter des Afrikanischen Elefantenprogrammes, erklärt im Gespräch, die dramatische Situation der Afrikanischen Elefanten, warum die Wildereikrise eine Wertekrise ist und wie sie bekämpft werden kann.

 

WWF Deutschland: Wie steht es um Afrikas Elefanten?

Lamine Sebogo: Global gesehen, ist die Situation derzeit sehr ernst. Die Wilderei nimmt stark zu. Besonders dramatisch ist es momentan in Zentralafrika. Was dort passiert, habe ich noch niemals zuvor gesehen. Wir sind in sehr großer Sorge um die Waldelefanten. Die illegale Jagd ist in einigen zentralafrikanischen Ländern regelrecht explodiert, wie in der Demokratischen Republik Kongo. Hinzu kommen „neue“ Transitländer, die den illegalen Handel unterstützen – Nationen wie Kenia, Mosambik und Uganda. Es ist erschreckend anzusehen, wie immer mehr Nationen in den Sog dieser Wildereikrise geraten. 

Im Mai 2012 kam es zum bislang schrecklichen Höhepunkt dieser Wilderei-Krise. Was genau passierte in Kameruner Bouba-N'Djida-Nationalpark?

Ende letzten Jahres erreichte uns die Information, Wilderer wären auf dem Weg in den Nationalpark. Keine lokalen Wilderer, sie würden aus dem Tschad kommen, hieß es. Heute wissen wir, sie stammten aus dem Sudan. Sie waren auf Pferden unterwegs, schwer bewaffnet und offensichtlich auch militärisch ausgebildet. Die Wilderer sind im Januar 2012 in den Nationalpark eingedrungen. Es hat dann schließlich drei ganze Monate gedauert, bis die Regierung Kameruns reagiert hat. Bis dahin starben mehr als 200 Elefanten. Insgesamt haben wir bis zu 400 verloren – nur aus einem einzigen Grund: Elfenbein.

 


Kann man davon ausgehen, dass sich solche Fälle wiederholen?

Die Situation ist momentan sehr schwierig und leider müssen wir immer wieder damit rechnen. In Kamerun gibt es ein Netzwerk chinesischer Geschäftsleute, das sich auf den Handel mit Elfenbein spezialisiert hat. Es gibt viel Geld zu verdienen. Optimistisch stimmt mich aber die Tatsache, dass erst im Juni zehn zentralafrikanische Staaten einen länderübergreifenden Aktionsplan unterzeichnet haben, um in solchen Fällen schneller reagieren zu können. Der politische Wille, solche Fälle zu verhindern, ist durchaus vorhanden, aber wir haben in Afrika große Schwächen in der Umsetzung.

Elefanten sind in der afrikanischen Kultur stark verwurzelt. Auf der einen Seite gibt es diese tiefe Liebe zu den Tieren und auf der anderen Seite solche grausamen Ereignisse. Wie verträgt sich das?

In ganz Zentralafrika ist der Elefant ein wichtiges Symbol für Kraft und Stärke. Es ist gar nicht einfach, einen Elefanten überhaupt zu töten. Für viele wäre eine solche Handlung unvorstellbar. Ich glaube, dass die lokalen Gemeinden nur allzu gerne die Wilderer im Gefängnis sehen würden. Die Menschen haben schon immer mit Elefanten zusammengelebt und wünschen sich, dass auch ihre Kinder das noch tun werden. Aber in dieser Wildereikrise steckt eine Wertekrise. Tatsache ist, dass es in den staatlichen Nationalparks wesentlich öfter zu Wilderei kommt als in den privaten. Die staatliche Politik ist nach wie vor stark von kolonialistischen Werten bestimmt. Die Natur wird eher als Eigentum des Staates behandelt und nicht als Eigentum der Menschen.
Wilderei ist natürlich stark verknüpft mit Armut. Elfenbein bringt viel Geld ein. Wenn der Staat nichts tut, dann nehmen sich die Menschen, was ihnen aus der Armut hilft – das ist eine weit verbreitete Haltung.
Für mich ist immer wieder überraschend zu hören, wie viel Unwissenheit existiert. Viele verweigern sich zu glauben, dass es eines Tages keine Elefanten mehr geben könnte, darunter auch nicht selten Intellektuelle. Elefanten sind doch ein Geschenk, es würde sie immer geben, heißt es oft.

Und wer sind die Wilderer?

Ein Teil jagt natürlich, um der Armut zu entkommen. Es gibt aber auch Wilderer, die schon immer gejagt haben, also eher aus Gewohnheit. Es gibt Wilderer, die sich einfach nur bereichern wollen. Sie sind nicht arm, nur gierig. Elfenbein ist sehr lukrativ. Unter den Wilderern sind inzwischen auch viele Ex-Soldaten.


Mit welchen Konzepten kann die Wildereikrise vor Ort in Afrika bekämpft werden?

Wir müssen die Gemeinden für uns gewinnen, darin liegt eine ganz zentrale Bedeutung. Das ist schwierig, denn finanzieller Nutzen für die lokalen Gemeinschaften stellt sich nicht sofort ein. Und es nur sehr schwer zu vermitteln, dass der Schutz der Elefanten nach ein paar Jahren auch finanzielle Vorteile erzielen kann. Elfenbeinjagd wirkt wesentlich unmittelbarer. Enorm wichtig ist die Bereitschaft der Politik, die Gemeinden einzubinden. Botswana ist derzeit ein ganz starker Partner, die Regierung kämpft sehr erfolgreich gegen die illegale Wilderei.

...beispielsweise mit Quotensystemen…

Ich weiß von meinen Kollegen, dass dieses Thema in Deutschland sehr schwierig zu erklären ist: Wie man mit dem gezielten Töten einzelner Elefanten ihre Populationen schützen kann. Ich weiß, für viele besteht darin kein Unterschied zur Wilderei. Das ist nicht nur in Deutschland schwierig, sondern insgesamt eine sehr europäische Denkweise. Die Kontroverse um Juan Carlos zeigte diese Position sehr deutlich. Ungerecht war in diesem Zusammenhang allerdings die Kritik an Botswana, einem der Vorreiter für den Elefantenschutz.
Trophy Hunting“ kann in der Tat ein recht erfolgreiches Konzept sein, wenn die Gemeinden unmittelbar davon profitieren. Reiche Leute bezahlen viel Geld dafür, dass sie Elefanten oder auch andere Tiere jagen dürfen. Diese Form der Jagd wird meist gut dokumentiert, beobachtet und basiert auf wissenschaftlichen Errechnungen. Dort, wo es gestattet ist, sind die Populationen in der Regel stabil, und die Abschussquoten liegen mitunter im Promillebereich. Wilderei hingegen ist das komplette Gegenteil - sie ist außer Kontrolle. Es ist unmöglich vorherzusehen, was passiert, wie viele Tiere sterben und was mit dem Elfenbein passiert.

Das Gespräch wurde am 10. August auf www.wwf.de veröffentlicht. 

Bildcredits: 

© WWF / Green Renaissance

© Matthias Adler / WWF

© Michael Poliza / WWF

 

 

Weiterempfehlen

Kommentare (6)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
17.08.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist so schlimm!
Und sie tun das alle nur wegen dem Geld!
Unfassbar... :(
15.08.2012
LSternus hat geschrieben:
Ich bleib dabei, die Ranger sollten von UN-Truppen trainiert werden.
15.08.2012
Christina1107 hat geschrieben:
Es gibt nur ein Wort: Schrecklich!!!!!!!
es wundert mich immer wieder was die Menschen bereit sind für Geld alles zu tun....
15.08.2012
Viveka hat geschrieben:
Schrecklich!
Ich finde vor allem schlimm, dass viele der Wilderer nicht zu der Einsicht kommen, dass es nicht unendliche viele Elefanten gibt und dass man sie nicht einfach so abschlachten kann mit der Hoffnung, dass es ja noch genug andere geben würde!
14.08.2012
neongruenerengel hat geschrieben:
Ich habe so das Gehfühl das nicht wir Menschen sondern das Geld dier welt regiert. =( Ist echt schlimm was wegen geld alles gemacht wird.
14.08.2012
EllenC hat geschrieben:
das ist echt grausam!!!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil