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Wie steht's


um die Tiere?


Breitmaulnashörner am Nakuru-See, Kenia © Michael Poliza / WWF
Der Wiederaufbau von Mount Gorongosa


von LaLoba
09.08.2013
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... oder der Nationalpark und der amerikanische Geschäftsmann.

Als der Nationalpark Gorongosa zum ersten Mal das Interesse des reichen, amerikanischen Geschäftsmanns Greg Carr auf sich zog, war er kaum noch als Park zu erkennen. Einst das Juwel von Mosambik mit riesigen Herden von Büffeln, Antilopen und Elefanten war nach jahrelanger Zerstörung durch Soldaten und Wilderer nur noch ein kaputtes Ökosystem übrig. Berührt von Gorongosas Schicksal machte sich Carr mit 40 Millionen Dollar im Gepäck auf, einen ganzen Nationalpark zu retten.

1975. Mosambik im Süden Afrikas erreicht seine Unabhängigkeit von Portugal. Ein Bürgerkrieg erschüttert darauf das ganze Land für 17 Jahre. Doch nicht nur für die Menschen in Mosambik beginnt ein entscheidender Kampf. Ein ganzer Nationalpark kämpft ums Überleben gemeinsam mit zehntausenden von verschiedenen Tierarten. Erst 1960 gegründet, erlebt Gorongosa National Park den Anfang eines möglichen Endes. Die hungrigen Soldaten schießen jedes Großwild, das ihnen vor die Flinte kommt. Das Elfenbein tauschen sie für neue Waffen, denen weitere Tiere und Menschen zum Opfer fallen werden. Auch nach dem Krieg kann Gorongosa nicht durchatmen. Es dauert lange, bis die Ordnung im Park wiederhergestellt ist. In dem Chaos töten Wilderer fast alle übrig gebliebenen großen Tiere. Allein die Krokodile an ihren matschigen Flussufern und tausende von Insekten überleben fast unberührt.

Aber was passiert mit einem Nationalpark, in dem fast jedes Großwild verschwunden ist? Für Gorongosa hatte es große Konsequenzen. Wo Herden von Grasfressern früher die Vegetation in Zaun gehalten haben, wuchert nun Gras und Buschwerk ungebremst und bietet somit Futter für Buschbrände, die den ganzen Park bedrohen. Die Wälder werden fast unbegehbar, da keine Elefanten mehr da sind, die Bäume umknicken, um von den Zweigen zu essen. Schwärme und Rudel von Aasfressern verlassen das Land oder verhungern elendig, da es keine großen Tierkadaver mehr gibt. Der ganze Park leidet unter dem Verlust seines Großwilds.

Da fasste sich 2004 Greg Carr ein Herz, tauschte seinen Anzug gegen Shorts, Boston gegen die Savanne und widmete sein Leben und Vermögen dem Gorongosa Nationalpark. Die Regierung Mosambiks erklärte sich bereit, ihm den Wiederaufbau des Parks zu überlassen und das Ministerium für Tourismus schloss sich mit ihm für die Leitung und den Ausbau Gorongosas zusammen. Seitdem ist der Park Carrs neuer Vollzeitberuf, sein Lebenswerk. Weniger als zehn Jahre später streifen wieder Herden von Großwild wie Büffel und Elefanten durch den Nationalpark. Von Südafrika importiert, vermehrt sich das Wild in der neuen Heimat schnell und scheint sich rundum wohlzufühlen. Langsam erholt sich das Ökosystem und mit ihm kommen die Touristen aus Europa und Nordamerika und schaffen Arbeitsplätze für die Bevölkerung.

Aber die Gefahr ist noch nicht gebannt. Ein überlebenswichtiger Bestandteil des Nationalparks ist der Mount Gorongosa, ein 1860 Meter hohes Gebirge. Durch einen Fehler bei der Ausschreibung des Parks gehört er erst seit 2010 zum Nationalpark. Der Schutz ist aber dringend nötig. Mount Gorongosa ist die Wasserquelle des Nationalparks. Von Ende November bis März wandern Regenwolken vom Indischen Ozean bis nach Mosambik, wo sie an eben diesen Bergen hängenbleiben. Fast zwei Meter an Regenwasser sammelt Mount Gorongosa auf diese Weise in der Regensaison und unterhält damit das ganze Jahr über einen üppigen Regenwald an seinen Hängen und die Savanne in seinem Osten.

Der Regenwald ist eine ökologische Insel zwischen Savanne und Grasland Afrikas und wegen seiner Lage gleichzeitig eine Art weißer Fleck auf der Biologen-Landkarte. Tausende Insekten verstecken sich dort, die meisten noch unbestimmt. Von den Bewohnern Mosambiks wurde der Berg früher verehrt, er ist Teil einer alten Schöpfungslegende. Doch den Schutz des heiligen Berges genießt Mount Gorongosa schon lange nicht mehr. Seit dem Bürgerkrieg siedelten sich Farmer an seinen Hängen an und rodeten große Teile des Waldes. Die Regenwaldfläche wurde schon um mehr als einen Drittel reduziert. Aber ohne Regenwald kein Wasserspeicher und ohne gespeichertes Wasser keine Wasserversorgung das ganze Jahr über – eine Katastrophe für den Park. Umso schlimmer, dass eine komplette Rodung des Regenwaldes bei momentanem Trend schon innerhalb der nächsten zehn Jahre passieren könnte. Wenn es soweit kommt, wird die Regenwasserversorgung nur noch saisonabhängig geschehen und demnach das Leben für Tiere wie auch Menschen erschweren.

Dies zu Verhindern ist eines von Greg Carrs Hauptzielen beim Wiederaufbau des Gorongosa Nationalparks. Die Menschen müssen andere Beschäftigungen bekommen, als Farmen unter Verlust des Waldes zu erhalten. Aber das Leben um den Park ist schwierig, die Menschen sind arm. Mit dem Nationalpark will Greg Carr auch ihre Situation verbessern und errichtet Arbeitsplätze im Ökotourismusbereich und in Aufzuchtstationen für Baumsetzlingen für den Regenwald. Außerdem gründet der Park Schulen und Kliniken für die Bevölkerung und plant den Bau eines Forschungs- und Bildungszentrums.

In Angesicht der Wildereikrise gibt es Hoffnung zu sehen, dass es auch Gegenden gibt, wo es bergauf geht und sich Elefanten, Nashörner und Co. wieder vermehren können. Noch gibt es viel zu tun, aber dank Greg Carr hat der Nationalpark Gorongosa eine zweite Chance bekommen. Drücken wir die Daumen, dass der Amerikaner und seinem Team in Mosambik auch weiterhin Erfolg haben!

 

Quellen:
„The Rebirth of Gorongosa“ by Edward O. Wilson, published June 2013, National Geographic Magazine
http://www.gorongosa.org/our-story/our-team/greg-carr
http://www.sueddeutsche.de/reise/gorongosa-nationalpark-in-mosambik-der-gaertner-von-eden-1.1645949-3
http://aworlddifferent.com/2012/06/greg-carr-and-the-rebirth-of-gorongosa/
Bilder:
Gorongosa Park Gate: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gorongosa_Park_Gate.JPG
Karte: By Rei-artur via Wikimedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File:LocationMozambique.svg
Elefanten: © Martin Harvey / WWF
Mount Gorongosa: By Ton Rulkens via Wikimedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Serra_de_Gorongosa_%284403936386%29.jpg

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Kommentare (4)
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10.09.2013
Wasserjunge hat geschrieben:
Echt super Bericht! Tolles Thema und dazu gut recherchiert :)
Toll, dass sich dieser Mann sein Leben dem Umweltschutz gewidmet hat. Das zeigt auch das Geld nicht immer gierig macht! Großartig! ;)
WIR drücken die Daumen!
09.08.2013
alischmi hat geschrieben:
Der Bericht ist echt super, danke dafür! Und Greg Carr ist, wie ich finde, nur zu bewundern. :)
09.08.2013
Monamona hat geschrieben:
Super Bericht, danke! 40 Millionen Dollar... Dass man so viel Geld haben kann! :)
09.08.2013
Tamina hat geschrieben:
Wow, ein echt super recherchierter Artikel! Es ist wirklich erschreckend, dass der Regenwald schon innerhalb der nächsten 10 Jahre verschwinden könnte - den nächsten Generationen bleiben dann nur noch Bilder aus Büchern...
Aber toll, dass es immer mal wieder Menschen gibt, die das verhindern möchten und wirklich etwas dagegen tun!
Danke für den Bericht! :)
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