"Upcycling-Bude" informiert:


Upcycling kann so bambus sein,


ich krieg mich gar nicht wieder ein!


© iStock / Getty Images
Die Wichtigkeit der Wiederverwertung


von Jayfeather
30.04.2016
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Aufgrund der Ressourcenknappheit, über die ihr im letzten Bericht der Reihe etwas erfahren konntet, ist es enorm wichtig Rohstoffe wiederzuverwerten. Wie viel Wasser, CO2 und Chemikalien durch Upcycling eingespart werden können, möchte ich euch an zwei konkreten Beispielen zeigen. Zuerst werde ich dabei auf den Herstellungsprozess eines Stoffbeutels, dann auf den eines Portemonnaies eingehen.

Stoffbeutel werden aus Baumwolle hergestellt, welche meist im sogenannten Baumwollgürtel angebaut wird. Diese Begriff beschreibt tropische und subtropische Gebiete Mittelamerikas, Indiens und Asiens. Baumwollpflanzen brauchen zum Wachstum extrem viel Wasser. Für ein Kilo Baumwolle werden meist zwischen 10.000 und 17.000 Liter, in extrem trockenen Gegenden sogar bis zu 29.000 Liter Wasser benötigt! Dieser Wasserverbrauch kann durch eine sogenannte Tröpfchenbewässerung auf 7.000 bis 9.000 Liter reduziert werden, indem das Wasser unter der Erdoberfläche verteilt wird. Dadurch kann es von den Pflanzen schneller aufgenommen werden und die Verluste durch Verdunstung werden minimiert. Jedoch wird dieses Verfahren aufgrund der hohen Kosten nur bei ca. einem Prozent der bewässerten Baumwollfelder angewendet. Der hohe Wasserbedarf hat in manchen Gegenden verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. Beispielsweise trocknet der Aralsee als Folge des Baumwollanbaus stets weiter aus. Durch die Bewässerung der Plantagen, für die das Wasser des früher viertgrößten Binnensees verwendet wird, ist heute nur noch ca. ein Drittel der ursprünglichen Wassermenge des Sees vorhanden. Außerdem tritt eine starke Versalzung der Böden ein, da ein Großteil des Wassers verdunstet, die Mineralstoffe jedoch im Boden zurück bleiben.

www.flickr.com/photos/bbcworldservice/

 

Nach der Ernte werden die Baumwollfasern etwa 30 Tage zum Trocknen und Nachreifen gelagert und dann mit einer Entkörnungsmaschine „gekämmt“, um Verunreinigungen zu entfernen. Die Fasern sind von einer Wachsschicht umhüllt, die jedoch meistens entfernt wird, um die hohe Saugfähigkeit der Baumwolle zu ermöglichen. In einer Spinnerei werden die einzelnen Fasern zunächst zu Bändern zusammen gedrückt und dann zu Baumwollgarn gezwirnt. Anschließend wird das Garn gefärbt und zu Stoffen verwebt. Diese Herstellungsschritte können durchaus in verschiedenen Ländern stattfinden, sodass weite Transportwege die CO2-Bilanz in die Höhe treiben. So werden für die Produktion eines Kilos Baumwollstoff ca. 1,7 kg CO2 ausgestoßen. Hinzu kommt der CO2-Ausstoß bei der Produktion der Taschen selbst.
Außerdem werden zur Veredlung der Baumwollfasern oft verschiedene Chemikalien, wie Natronlauge und Schwefelsäure oder Chlorverbindungen, verwendet. Während Natronlauge und Schwefelsäure eine ätzende Wirkung haben, sind die organischen Chlorverbindungen stark giftig und können nur schwer abgebaut werden.
Die verwendeten Chemikalien werden am Ende ausgewaschen, jedoch verbleiben ca. zehn Prozent davon im Gewebe.

Es wird somit deutlich, dass ein Stoffbeutel, der durch Upcycling eines alten T-Shirts hergestellt wurde, tausende von Litern Wasser sowie CO2 und den Einsatz von Chemikalien einspart.

Schauen wir uns nun das Herstellungsverfahren eines Portemonnaies an. Bei einem Portemonnaie kann man sich in der Regel zwischen zwei Materialien entscheiden: Leder oder Kunstleder.
Leder ist Tierhaut, die durch verschiedene chemische Prozesse haltbar gemacht wird. Ohne diese Behandlung würde sie einfach verwesen. Nachdem die Haut vom Rest des Körpers getrennt wurde, wird sie in chemischen Salzen konserviert. Dabei wird häufig das in Deutschland verbotene Pentalchlorphenol eingesetzt. Dieses ist nur schwer biologisch abbaubar, weshalb es als umweltschädlich gilt. Gleichzeitig ist es sehr giftig.
Anschließend wird die Haut mit Natriumcarbonat und – sulfid gereinigt und mit Natriumhydrogensulfid enthaart. Die beiden Sulfide sind ebenfalls umweltschädlich und giftig. Weiter geht es mit der Gerbung. Die bevorzugte Art der Gerbung ist die Mineralgerbung mit Chromsalzen. Mehr als 90 Prozent des verkauften Leders werden so produziert. Durch die Chemikalien wird die Tierhaut widerstandsfähiger und bleibt trotzdem geschmeidig. Verwendet werden hierbei unter anderem Chrom-III- und Aluminum-Salze sowie Fungizide. Diese sind alle umweltbelastend oder giftig. Chromate können bei der Produktion außerdem Allergien auslösen. Sind im Endprodukt Chrom-IV Rückstände enthalten, reicht dafür allerdings auch Hautkontakt, wie zum Beispiel beim Tragen einer Uhr.
Im letzten Schritt wird das Leder mit Azofarbstoffen (z.B. Benzidin, sicher krebserzeugend) gefärbt und geölt. Abschließend wird durch Polyacrylaten, Polyurethanen oder Polyvinylchlorid das sogenannte „Finish und Coating“, also eine letzte Ummantelung, aufgebracht.
Leder ist also nicht das reine Naturprodukt, für das es oft gehalten wird.
Hinzu kommt natürlich die Haltung der Tiere, deren Haut für die Lederproduktion verwendet wird. Dies sind zumeist Rinder, die auch für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Umweltschädlich ist dabei vor allem das Methan, welches Kühe bei ihrer Verdauung ausstoßen. Ein Tier muss außerdem, je nach Futter und Temperaturen, bis zu 70 Liter Wasser pro Tag trinken.
Mit der Haltung und Schlachtung der Rinder geht auch das Leid dieser Tiere mit ein. Für Billigwaren aus z.B. Bangladesch werden Rinder in Indien (wo sie als heilig angesehen werden) billig gekauft und illegal nach Bangladesch transportiert. Der lange Transport ist für die Tiere absoluter Stress. Sie müssen stundenlang auf Transportern stehen, ihnen werden die Schwänze gebrochen und Chili in die Augen gerieben, damit sie weiter laufen. Sind sie dann „endlich“ beim Schlachter angekommen, werden sie auf traditionelle Weise ohne Betäubung getötet. In der Nähe der Gerbereien, die synthetische Gerbstoffe verwenden, sind die Grenzwerte von Blei und Formaldehyd im Grundwasser deutlich überschritten. Bei Verwendung mineralischer Gerbstoffe können Chrom, Aluminium Titan oder Eisen im Abwasser enthalten sein. Außerdem liegt bei den Arbeitern ein erhöhtes Krebsrisiko vor.
Die Lederproduktion ist also nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern sie verursacht auch großes Leid, bei sowohl Mensch als auch bei Tier.

www.flickr.com/photos/bbcworldservice/

 

Wer dies nicht verantworten möchte, greift stattdessen zu einem Kunstleder-Portemonnaie. Doch auch hier entsteht bei der Produktion eine deutliche Umweltbelastung.
Kunstleder besteht meistens aus einem textilen Grundträger, der von einer Kunststoffschicht überzogen ist. Dafür wird häufig Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyurethan eingesetzt.
Um PVC zu produzieren, wird zunächst aus Chlor und Ethen über einen Zwischenschritt Vinylchlorid hergestellt. Dieser Stoff ist krebserregend. Durch Polymerisation wird daraus dann das Polyvinylchlorid gewonnen. Dieses ist jedoch zunächst noch hart und muss durch Zusatz von Weichmachern, wie Phthalsäureester, elastisch gemacht werden. Diese Ester werden hauptsächlich oral (zum Beispiel bei Kleinkindern), aber auch durch Hautkontakt aufgenommen. Durch ihre Hormon-ähnliche Wirkung können sie bei Männern zu Übergewicht, Diabetes und Unfruchtbarkeit führen, darüber hinaus schädigen sie Leber und Nieren.
Um das PVC stabiler gegen Witterungseinflüsse und Hitze zu machen, werden außerdem Schwermetallsalze verwendet.
Polyurethane können Allergien auslösen und stehen im Verdacht krebserregend zu sein.
Ein großer Nachteil des Kunstleders ist, das der verwendete Kunststoff biologisch nicht abbaubar ist.
Auch hier bietet Upcycling die Möglichkeit einiges an Ressourcen zu sparen und nicht zur Umweltverschmutzung durch Chemikalien beizutragen. Man könnte zum Beispiel einen alten Trinkkarton zur Geldbörse umfunktionieren.

https://www.flickr.com/photos/tetra_punk/

 

Wie ihr an den beiden Beispielen seht, kann durch die Wiederverwertung von „Müll“ die Ressourceneffizienz enorm gesteigert werden. Das bedeutet, dass für einen größeren Nutzen weniger Ressourcen verbraucht werden. Dazu gehören nicht nur Energieträger sondern auch Wasser, Metalle und Chemikalien.

Also seid kreativ und macht aus Altem Neues. Denn wie Willi Werkel immer so schön sagt: „Schrott gibt es nicht. Schrott, das sind tolle Sachen, aus denen kann man was Neues machen!“

 

Dieser Bericht entstand im Rahmen der “Upcycling-Bude” - eine Aktion der WWF Jugend um Mitmenschen anzuregen, über die Auswirkungen ihres Konsumverhaltens nachzudenken. Weitere Informationen zur Aktion erhaltet ihr im Bericht, in dem die Upcycling-Bude vorgestellt wurde.

 

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Textquellen:

http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/kleiden-schmuecken
http://www.mehrwege-im-klimaschutz.de/nachhaltige-trageformen/unsere-stofftasche/
http://www.tier-im-fokus.ch/info-material/info-dossiers/leder/1/#zwischentitel_11
http://www.peta.de/videosleder
http://www.peta.de/leder-fakten
https://de.wikipedia.org/wiki/Pentachlorphenol
https://de.wikipedia.org/wiki/Phthalsäureester
http://www.seilnacht.com/Lexikon/k_pvc.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Polyurethane
http://www.ressourceneffizienz.de/fileadmin/user_upload/Dokumente_2015/EFA_Handout_RZ_WEB.pdf
http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_phthalat_weichmachern-186796.html#topic_186799

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Kommentare (2)
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07.05.2016
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Danke für diesen Artikel. Er führt wirklich sehr deutlich vor Augen, wie viel es eben doch ausmacht, wenn man mal auf etwas Neues verzichtet beziehungsweise aus Altem Neues herzustellen.
04.05.2016
Papillon hat geschrieben:
Upcycling kann ja bedeutend die Umwelt entlasten.
Guter Artikel. Mir persönlich war nur etwas zu lang und mit ein bisschen zu viel chemischen Stoffen.
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