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©  Florian Niethammer / WWF
Was, wenn der Tiger um die Ecke kommt...


von Johannes11
15.09.2010
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Hallo liebe Community-Leser,

"Der Tiger ist mit nur noch 3200 in freier Wildbahn lebenden Exemplaren extrem gefährdet", "Es ist die größte lebende Großkatze überhaupt", Ein beeindruckendes und kraftvolles Lebewesen" ... All dies sind Aussagen, die wir im Vorfeld unserer Reise immer wieder gehört und auch selbst verwendet haben. Doch was ist eigentlich, wenn diese majestätische Kreatur, die gleichzeitig allerdings auch unvergleichbar schnell, muskulös und tödlich für den Menschen sein kann im tiefen Dschungel plötzlich und unerwartet tatsächlich vor dir steht? Das klingt jetzt vielleicht etwas blöd, aber über diese eigentlich sehr simple Frage hatten wir, vielleicht im Gegensatz zu euch uns mehr oder weniger keine Gedanken gemacht, bis wir gestern Nachmittag eine kurze Verhaltenslektion in Sachen Tiger und Bär von Sergej bekommen haben -bis dato waren wir allerdings schon drei Tage vergangen - aber ihr wisst ja : besser spät als nie!

Also, Sergej, der Leiter des Artenschutzes des WWF-Büros Wladivostok und absoluter Tiger- sowie generell Naturkenner erzählte uns von seinen Erfahrungen, aber auch von wahren Begebenheiten, die er über Tier- und Bärbegegnungen kennt. Generell muss man von diesen beiden Arten von Begegnungen verschieden ausgehen. Ich will versuchen in den kommenden Zeilen die "Hauptspielregeln" zusammenfassen und damit hoffentlich auch die Verhaltensbiologie von Tiger und Bär euch ein wenig näherzubringen. Zunächst zu den Spielregeln im Umgang mit Bären: Entscheidend hierbei ist die grundlegende Unberechenbarkeit der Bären. Diese wollen zwar oftmals "nur" spielen- jedoch hält der menschliche Körper auch diesen scheinbar nur halbstarken Spielversuchen keineswegs stand. Weil Bären häufig aus dem Rücken des Menschen angreifen bemerken ihn die Menschen meist zu spät und schlimme Kopfverletzungen, oftmals tödliche, sind die Folge. Wenn man denn das Glück hat den Bären vor sich zu sehen gilt es Ruhe zu bewahren- panische Bewegungen vermeiden und niemals ein Laufduell mit dem deutlich schnelleren Bären zu provozieren. Stattdessen gilt es sich so groß wie möglich zu machen (am besten den Rucksack über den Kopf halten), laut und mit kräftiger, aber nicht hysterischer, Stimme auf den Bären einreden. Wenn sich dieser auch davon nicht abhalten lässt und immer näher kommt, gibt es noch eine Variante für ganz Mutige: Totstellen, in der Hoffnung das der Bär den Menschen als " Aas " wahrnimmt, das er für gewöhnlich nicht gleich frisst und irgendwo im Wald als "Vorrat" ganz leicht einbuddelt. Laut Sergej habe es schon Menschen gegeben, die diesen Trick erfolgreich angewandt haben und später flüchten konnten!!!

Das bestmögliche Verhalten beim Antreffen eines Tigers deckt sich zwar zum Großteil mit dem eben Beschriebenen, steht jedoch unter einen anderen Vorraussetzung. Anders als bei Bären, die durch ihre teils etwas schläfrige Art und die deutlich weniger ausgeprägten Sinne oftmals auch ihrerseits unerwartet vor einem Menschen stehen, nehmen die Tiger den Menschen immer zuerst wahr und wissen daher genau auf was sie sich einlassen. Der Tigercharakter ist daher zwar berechenbarer, jedoch muss man mit der Tatsache rechnen, dass der Tiger einen Menschen als Gefahr wahrnimmt, wenn er plötzlich auftaucht- was fast gleichbedeutend das Todesurteil darstellt. Dabei ist der Tiger kein überaus aggressives Tier, sondern macht nur aus dreierlei Gründen Jagd auf Menschen. Entweder er hat gerade Beute erlegt und sieht den Menschen als Konkurrent für diese an oder er führt Junge bei sich, die er mit allen Mitteln verteidigen will. Die dritte Möglichkeit, die Sergej uns erzählte hat mich stark an ein ebenfalls imponierendes Großtier, den Elefanten, erinnert. Wie auch diese sollen Tiger nämlich ein so ausgeprägtes Gedächtnis besitzen, dass sie genau wissen wer ihnen in der Vergangenheit Schaden zugefügt hat. Hat ein Tiger schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht besteht die Gefahr einer Racheattacke, oftmals sogar gegen die gleiche Person, die der Tiger auch nach Jahren nicht vergessen hat. Die Chance einem gesichteten Tiger zu entkommen ist, wie Sergej zusammenfasst, sehr gering, jedoch gibt es Möglichkeiten einem Zusammentreffen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Unterwegs gefundenen Tigerspuren, die in eine Himmelsrichtung gehen, sollte man keinesfalls folgen, da sich der Tiger zu diesem Zeitpunkt meist schon wieder im eigenen Rücken befindet. Stattdessen sollte man umkehren um so dem scheuen Tiger wieder entgegenzukommen. Kommt es schließlich doch zu einer Konfrontation gelten im Groben die gleichen Regeln wie bei den Bären - keine Panik, groß machen und unter keinen Umständen versuchen davon zu laufen. Auf die Frage eines möglichen Schusses, der den Tiger ausschalten könnte meinte Sergej nur schmunzelnd: " Der Tiger ist so schnell, selbst ein erfahrener Jäger müsste einen Glücksschuss landen um bei dem Tiger auch nur einen Streifschuss landen zu können. Und nicht einmal das würde genügen, da der Tiger sogar mit starken Verletzungen noch nach fast 30 Sekunden in der Lage ist einen Menschen mühelos umzubringen. Ihr seht also, eine wirkliche Strategie scheinen auch die absoluten Tigerexperten nicht zu kennen. Die Gefahr einer Bären-oder Tigerattacke, und das sagen hier sämtliche Wildhüter und Jäger, ist also trotz der extrem scheuen Lebensweise nie ganz auszuschließen. Aber allein der Gedanke, dass diese beeindruckenden Tiere tatsächlich durch diese Wälder streifen und nicht nur irgendeine Saga sind, übertüncht dieses Gefühl um ein Vielfaches und macht die Wanderungen durch die Amurwälder zu einem noch aufregenderen und spezielleren Erlebnis.

So viel zu möglichen Begegnungen mit Tiger und Bär. Aber ihr habt bestimmt schon ähnlich aufregende Erfahrungen in der Natur bei uns in Deutschland gemacht, beispielsweise eine Begegnung mit einem Wildschwein. Was waren eure aufregendsten, kuriosesten oder auch schönsten und faszinierendsten Naturerlebnisse, bei denen es am meisten gekribbelt hat und die ihr ganz sicher nie mehr vergessen werdet. Ich fände es superspannend davon zu hören, vielleicht gibt es ja sogar Parallelen zu den oben beschriebenen Situationen. Meldet euch einfach per Kommentar!

Viele Grüße aus dem Fernen Osten Russlands,

Euer Tigerbotschafter Johannes. #tt10

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Kommentare (7)
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20.09.2010
Janine hat geschrieben:
Ich habe mal neben dem Kölner Zoo gewohnt. Eines nachts bin ich aufgewacht. Erst wusste ich nicht wieso. Irgendwann hörte ich, dass jemand schrie. Auf den Balkonen sammelten sich Menschen und alle fragten sich, woher diese heftigen Schreie kamen. Jemand hat dann die Polizei angerufen. Auch sie haben die Quelle der Schreie nicht ausfindig machen können. Irgendwann kam jemand auf die Idee, dass sie aus dem Zoo kommen könnten. Und tatsächlich. Jemand hatte (völlig betrunken) den Weg nach Hause gesucht und wollte eine Abkürzung durch den Zoo gesucht. Dabei war er im Tigergehege gelandet. Am nächsten morgen war sein Bild in der Zeitung. Da die Tiger im Zoo selber nie auf Beutejagd gegangen waren, sondern ihr Fressen immer leblos in den Käfig gelegt bekamen, haben die Tiger nicht gewusst, was sie mit dem Eindringling tun sollten. Sie haben ihn lediglich untersucht. Dabei hat der Mann einige z.T. schwere Verletzungen hinnehmen müssen. Er hat das Ganze aber überlebt.
16.09.2010
HannaS hat geschrieben:
Hi, spannender Artikel... Ganz schön unheimlich, sich das vorzustellen, so schön die Tiere auch sind. War grade für 2 Tage im Yosemite Park in Kalifornien und da musste man auch alles was riecht (Essen und Kulturtasche) in einen " Bear Locker" vor der Hütte einschließen. Es kommt häufiger vor, dass Bären mit ihrem super Geruchssinn Nahrung in Autos wittern und dann dort einbrechen. Entsprechende Schilder und Warnvideos gab es überall - sicher auch ein wenig Vermarktungstaktik, aber man sollte wirklich vorsichtig sein. Berglöwen gibt es dort auch. Aber natürlich ist es gerade im sehr bevölkerten Yosemite Park sehr unwahrscheinlich, sie zu sehen.
16.09.2010
gelöschter User hat geschrieben:
Ups, na ja dreimal hält besser. Gruß aus Sibirien, Johannes #tt10
16.09.2010
gelöschter User hat geschrieben:
Hi Morgan- weiß nicht wo du das gelesen hast, aber das ist eigentlich das Schlimmste, was man machen kann! Sagt hier jeder aus dem einfachen Hrund, dass man den Jagdinstinkt der Raubtiere weckt... Kannst mir ja mal deine Quelle angeben
16.09.2010
gelöschter User hat geschrieben:
Hi Morgan- weiß nicht wo du das gelesen hast, aber das ist eigentlich das Schlimmste, was man machen kann! Sagt hier jeder aus dem einfachen Hrund, dass man den Jagdinstinkt der Raubtiere weckt... Kannst mir ja mal deine Quelle angeben
16.09.2010
gelöschter User hat geschrieben:
Hi Morgan- weiß nicht wo du das gelesen hast, aber das ist eigentlich das Schlimmste, was man machen kann! Sagt hier jeder aus dem einfachen Hrund, dass man den Jagdinstinkt der Raubtiere weckt... Kannst mir ja mal deine Quelle angeben
15.09.2010
Morgan hat geschrieben:
Ich hab mal irgendwo gelesen,das man,wenn man einem bären näher als 20 meter kommt und der bär einen bemerkt,etwas möglichst großes fallenlassen sollte und wegrennen muss...
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