Wir wollen hoch hinaus!


Weltretten


zum mitmachen


©  Florian Niethammer / WWF
Junge Russen im Einsatz für ihre Umwelt


von Killari
25.09.2010
1
0
35 P

Hallo ihr Lieben!


Zurück in der Zivilisation kommen wir endlich wieder dazu, regelmäßiger zu schreiben und das nachzuholen, was wir in den letzten Tagen nicht geschafft haben.


An unserem letzten Tag in der Bikinregion kamen wir alle nur schwer aus den Federn, da die Nacht zuvor mal wieder ziemlich kurz gewesen war. Nach einem schnellen Frühstück – wie immer mit Suppe – machten wir uns in Begleitung von Sergey, dem Inhaber des Gästehauses, auf den Weg zu einem Spaziergang an einem Nebenarm des Bikin. Die Landschaft um Krasnoyar ist wunderschön und natürlich ganz anders als die Gegenden, die wir zuvor gesehen hatten: auf den ersten Blick erinnerte die Graslandschaft an Bilder der afrikanischen Savanne, während im Hintergrund auf den bewaldeten Hügeln erste rot gefärbte Bäume erahnen ließen, wie bunt die Taiga im Herbst aussehen wird.
Wie all unsere Unternehmungen hier, war auch der Spaziergang lehrreich und abenteuerlich. Nachdem wir durch einen Seitenarm des Bikin gewatet waren, fuhren wir in einem Boot ein Stück weit den Fluss hinab und konnten die Ruhe genießen, Vögeln zuhören und sogar einen Eisvogel sehen. Am Ufer fanden wir im Schlamm Spuren von Rothirschen und von Ottern, die dort einen Meter lang werden können. Auf dem Rückweg (wir gingen zu Fuß während Sergey das Boot zurück brachte) verliefen wir uns ein bisschen und mussten auf einem kleinen udegischen Bauernhof nach dem Weg fragen, gelangten letztendlich in einem großen Bogen aber doch wieder heil zum Gästehaus.


Am frühen Nachmittag brachen wir im Auto auf in Richtung Luchegorsk, von wo wir die transsibirische Eisenbahn zurück nach Wladiwostok nehmen wollten. Etwa fünf Stunden dauerte die Fahrt über eine holprige staubige Straße vorbei an „halblegalen“ Abholzungsstätten, an denen wir immer wieder anhielten, um uns von unserem WWF-Forstexperten Evgeni die Taktik der Holzfäller erklären zu lassen. Halblegal bedeutet, dass die Holzfäller die Erlaubnis haben, schlechte Bäume aus dem Wald zu entfernen, um die Waldqualität, also den Lebensraum des Tigers, zu verbessern. Stattdessen lassen sie jedoch oft das schlechte Holz stehen und fällen die guten und wichtigen Bäume wie Esche, Koreanische Kiefer und Eiche, die die Nahrungsgrundlage für das Wild bilden, das wiederum dem Tiger als Nahrungsquelle dient. Schlechte Bäume werden am Stamm mit einer Axt gekennzeichnet, aber bei den meisten Baumstümpfen, die wir fanden, fehlte diese Markierung. Unterwegs begegneten uns auch immer wieder vollbeladene Holzlaster, bei denen mir auffiel, dass die geladenen Stämme immer nur wenige Meter lang waren, eine Bestätigung dessen, was Evgeni uns schon gesagt hatte: auch von den guten Stämmen, wird immer nur das beste Drittel mitgenommen.
Als die Holzlaster an uns vorbeifuhren, habe ich versucht, die Fahrer zu erkennen und mir vorzustellen, was in ihren Köpfen vorgeht. Ob sie wissen, was für einen Schaden sie anrichten? Und ob sie eine andere Wahl haben?
Das Spannendste an der Fahrt kam jedoch – zumindest für mich – ganz unerwartet: ein Schwarzbär überquerte wenige hundert Meter vor uns die Straße und verschwand wieder im Wald. Als wir an der Stelle ankamen, stiegen wir aus, versuchten ihn wieder anzulocken und folgten ihm ein Stück in den Wald. Erfolglos. Wie Sergey heute kommentierte, hatte er vielleicht einfach genug von Paparazzi ;).


Am Abend besuchten wir mit einiger Verspätung noch einen sogenannten „Eco-Club“ (einem Club, in dem sich Jugendliche in den Bereichen Umwelt, Medien und Soziales engagieren) in einer Schule bei Luchegorsk, in dem wir mit einem herzlichen Sdrasdwuitje und Kuchen empfangen wurden. Der Club besteht aus 4 Räumen, von denen einer mit Wandbemalungen und Tigerbildern dekoriert ist und einen großen Vogelkäfig beherbergt, und ein anderer als Studio mit Computern, Bücherregalen, etc. dient und von jeder Menge Urkunden von Filmwettbewerben aus verschiedenen Ländern (u.a. Deutschland und Tunesien) geschmückt wird. Nach gemeinsamem Tee und Kuchen zeigten die Jugendlichen uns stolz einige ihrer selbstgemachten Videos über den alltäglichen Wahnsinn in einer Familie und eine Neufassung von Rotkäppchen auf Russisch. Die Videos waren wirklich gut und überhaupt beeindruckte es uns alle, wie engagiert und aktiv die Jugendlichen waren. Punkt neun wurden wir daher auch freundliche gebeten, zu gehen, weil die Gruppe sich am nächsten Morgen um fünf auf den Weg machte, um morgen am Tigertag in Wladiwostok teilzunehmen. Ich hoffe wirklich, dass wir sie alle dort noch einmal treffen.
 

Weiterempfehlen

Kommentare (1)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
30.09.2010
Morgan hat geschrieben:
toller Bericht
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen