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©  Florian Niethammer / WWF
Auf der Jagd nach Wilderern


von Chrisly
25.09.2010
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Seit gegrüßt liebe Community,

seit heute morgen sind wir vier Tigerbotschafter aus der Wildnis am Bikin River, wo wir die letzten 5 Tage verbrachten, nach Wladiwostok zurückgekehrt. Nach einer fünfstündigen Autofahrt und einer neunstündigen Nachtfahrt mit der transsibirischen Eisenbahn, war die warme Hoteldusche eine Wohltat, auch wenn der kalte Bikin River als Morgendusche durchaus seinen Reiz hatte, da man danach entweder hell wach oder Schock gefroren war ☺.
Noch heute Vormittag wurden wir dann von unserem Tigerexperten und Expeditionsleiter der ersten Woche –Sergey erwartet! Dieser nahm uns mit auf eine echte Anti Wilderer Patrouillienfahrt im Jagdschutzgebiet Nadjeschajensri. Wir bekamen also die Möglichkeit einmal live und direkt bei der Jagd nach Wilderern dabei zu sein. Natürlich nicht ungefährlich, aber äußerst spannend und interessant !!
Auf der zweieinhalb stündigen Fahrt dorthin, erzählte uns Sergey noch ein aktuelles Ereignis zum Thema Wilderei. Gerade wurden nämlich in Russland drei chinesische Schmuggler von Tigerteilen zu 2,5 bzw. 3 Jahren Haft verurteilt. Dies ist ein besonderes Ereignis, von welchem jetzt, so kurz vor dem Tigerday, welcher morgen hier in Wladiwostok stattfindet, auch in den russischen Medien berichtet wurde. Besonders deshalb, weil erst zum zweiten Mal überhaupt jemand zu einer Gefängnisstrafe, wegen eines solchen Delikts von der russischen Justiz verurteilt wurde. Das erste Mal 2008.
Wie wir erfuhren, muss der Wert der geschmuggelten Ware nämlich 1Mio Rubel, ungefähr 250000 Euro überschreiten, damit man überhaupt zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden kann. Wenn also ein Schmuggler mit nur einem Tigerfell und anderen Körperteilen an der Grenze erwischt wird, droht ihm keine Gefängnisstrafe, sondern nur ein Bußgeld. Dies hat zur Folge, dass oft nur einzelne illegale Tierteile geschmuggelt werden. In diesem Fall war man sich auf Seiten der Täter wohl aber so sicher bzw. die Kontrollen wohl so lasch, dass man es wagte mehrere Tigerteile von verschiedenen Tieren mit einem Mal über die Grenze schmuggeln, was natürlich auch profitabler ist.
Insgesamt fand man bei den Schmugglern drei unterschiedliche Tiere, welche alle von ein und dem selben Mann bearbeitet wurden. Dies wiederum deutet darauf hin, dass wohl eine professionell organisierte Machenschaft dahinter steht und es sich nicht um allein operierende Einzeltäter handelte.
Und noch eine traurige Wahrheit kann man bei genauerem betrachten der geschmuggelten Ware erkennen. Es wurden von den entsprechenden Wilderern nicht nur drei, sondern aller Voraussicht nach sieben Tiere getötet. Wie kommt man darauf fragt ihr euch vielleicht ?
Bei einem der Felle, handelte es sich um ein weibliches Tier, an welchen an den Zitzen zu erkennen war, dass sie gerade junge Tigerbabies hatte. Tiger bekommen in der Regel mindestens zwei Junge, diese können ohne ihre Mutter nicht überleben, selbst wenn die Wilderer sie nicht auch getötet haben. Bei einem anderen Fell, der insgesamt drei Tigerfelle, war das Tier noch so klein, dass es noch mit der Mutter zusammen gelebt haben muss, also ist diese sicherlich auch getötet werden, da eine Tigermutter ihr Junges niemals im Stich lässt. Also wurden vermutlich sieben Tiger getötet, auch wenn sich das Urteil auf nur die drei gefundenen Felle bezieht.
Sergey, als einer der wenigen Tigerexperten im Land, wurde bei diesem Verfahren, so wie auch schon in anderen Fällen, als Gutachter herangezogen und muss dann auch den Wert der gefundenen Ware bestimmen. Dies ist nicht einfach, da es ja offiziell gar keinen Preis für Tigerprodukte gibt. Deshalb orientiert man sich an den Preisen, welche für Löwenfelle auf dem legalen Markt bezahlt werden. Auf dem Schwarzmarkt ist der Preis aber in aller Regel niedriger.
Sergey erzählte auch, dass der Tigerbestand in den letzen 13 Jahren zurückgegangen ist, Grund zum Einen die Wilderei zum Anderen, damit zusammenhängend, die vielen Verwaltungsreformen, der Schutz und Jagdgebiete in den letzen Jahren. Jeder Wechsel von Kompetenzen und Zuständigkeiten einzelner Behörden hat eine Übergangsphase von ca. einem Jahr, bis alles wider routinemäßig läuft und in dieser Zeit leidet immer auch der Schutz des Tigers, da es beispielsweise weniger Wildereikontrollen gibt. Leider gab es in den letzten fünf Jahren fünf solcher Reformen, also weniger
Antiwilderer Brigarden und somit mehr Wilderei bzw. weniger Tiger.
Schließlich kamen wir dann zum entsprechenden Hunting Estate ( Jagdgebiet, indem aber gegen Wilderei vorgegangen wird), in welchem unsere Patrouille stattfinden sollte.
Wir trafen den Ranger Arill, den wir in den kommenden zwei Stunden auf seiner Suche nach Wilderern im Hunting Estate begleiten durften. Das Gebiet ist ein großes Feuchtgebiet mit einem großen Fluss und viel Schilffbewuchs, da gerade Entenjagdsession in Russland ist, ein idealer Ort für alle Entenwilderer und genau nach diesen hielten wir Ausschau. In der Regel fahren immer zwei und manchmal bis zu vier Rangern in einem größeren geländegängigen Fahrzeug, die entsprechenden Wege durchs Schutzgebiet ab und kontrollieren alle Leute, denen sie begegnen. Eine solche Kontrollfahrt dauert meist vier Tage am Stück, danach haben die Ranger wider zwei ganze Tage Zeit sich zu erholen. Unser Ranger Arill, war früher beim Militär und wechselte dann zur Antiwilderer Brigarde. Die meisten Ranger haben jedoch eine Ausbildung beim Institut für Wildbiologie gemacht oder sind eben ehmalige Soldaten.
Sie sind bewaffnet, Arill hatte eine Pistole und ein Gewehr bei sich. Der Verdienst liegt zwischen 450 und 600 Euro. Auf sehr schlechten, schlaglochgesäumten Wegen fuhren wir so durchs Schutzgebiet und kontrollierten immer wider verschiedene Fahrzeuge. Arill erzählte, dass er meist schon auf den ersten Blick erkennen kann, ob es sich um einen Wilderer handelt oder nicht, einfach von der Art wie sie auf seine Kontrolle reagieren. Nur wenn er ernsthaft Verdacht schöpft, schaut er sich neben den Papieren auch noch genauer den Inhalt des Wagens an. Natürlich ist so ein Rangerjob auch ziemlich gefährlich und es gab auch schon Ranger, die von Wilderern verletzt oder getötet wurden, dies ist allerdings die absolute Ausnahme.
Auf unserem Trip gab es Gott sei Dank keine größeren Zwischenfälle und so fuhren wir nach ca. zwei Stunden Patrouille zurück nach Wladiwostok und zwar mit einer großen Achtung vorm diesem nicht einfachen und manchmal gefährlichen Job eines Rangers.
Jetzt bereiten wir uns auf den morgigen krönenden Abschluss unserer Tigerexpedition, den Tigerday mit über 2000 Teilnehmern vor. Wir freuen uns schon rießig und werden natürlich das WWF Jugend Plakat allen Leuten auf der Straße präsentieren und kräftig für den Tiger werben !!!

Schöne Grüße aus dem Fernen Russland ,

eure Tigerbotschafter
 

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Kommentare (4)
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26.09.2010
Johannes11 hat geschrieben:
@Glühwürmchen: Da hast du natürlich vollkommen Recht. Der Ranger, mit dem wir unterwegs waren und auch Sergej jaben uns erklärt, dass die Patrouille (immer mindestens zwei Ranger) immer per Auto abläuft. Dabei gilt es natürlich schnell und überraschend zu handeln, weshalb auch von Zeit zu Zeit die Autos uter den Rangern selbst getauscht werden, damit sich die Ranger in den versch. Gebieten nicht darauf einstellen können.
25.09.2010
gelöschter User hat geschrieben:
viel Spaß beim TIGERDAY !!!!!!!!!!!!
25.09.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Traurig :-( Wie genau "jagt" man denn Wilderer? Man darf ja nicht auffallen, wenn man sie erwischen will.
25.09.2010
midori hat geschrieben:
Danke für den Bericht! Es ist immer schön, wenn man ab und zu mal kurz bei Euch sein kann! ;o) Ich wünsche Euch morgen ganz viel Spaß und Erfolg beim TigerDay! Lasst uns mitlaufen! ;o)
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