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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Zum Mitnehmen bitte - Kommt die Coffee-to-go-Steuer?


von Cookie
03.06.2015
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Da ist man hundemüde auf dem Weg zur Uni oder Arbeit, hatte kein ordentliches Frühstück und sehnt sich nach einem duftenden heißen Kaffee, der einen durch den Morgen bringt. In großen Städten lässt sich dieser Wunsch meist ganz einfach erfüllen, denn immer öfter wird der Kaffee auch „to go“ angeboten. In den Pappbechern lässt er sich dann ganz bequem unterwegs schlürfen. Das ist praktisch und spart Zeit – und ist mittlerweile zu einem großen Problem geworden. 23 Milliarden Einwegbecher gehen zurzeit weltweit jedes Jahr über die Theke und es werden immer mehr. Die Becher sind nicht nur aus Pappe, schließlich werden sie mit Flüssigkeit befüllt und damit die nicht ausläuft, sind die Becher zusätzlich mit Kunststoff beschichtet. Deshalb gehören sie in die gelbe Tonne, welche im Stadtgebiet allerdings außer von der Deutschen Bahn nicht aufgestellt wird. So landet ein Großteil der to-go-Becher im Restmüll, oder schlimmer, einfach in der Landschaft.


(c) eismannhans www.pixabay.com

In Berlin gehört weggeworfener Verpackungsmüll laut einer Umfrage mittlerweile sogar zu den Top 10 der größten Ärgernisse und hat damit den Hundekot auf der Straße aus dieser Liste verdrängt. Geschätzt werden in der Hauptstadt jährlich 280 Millionen Kaffeebecher verkauft. Die Berliner SPD will nun gegen die Becherflut auf den Straßen vorgehen, indem sie eine Steuer von 10 bis 20 Cent auf die Einwegbecher fordert. So einfach lässt sich dies allerdings nicht umsetzen. Schon die Ideen, eine Sonderabgabe oder ein Pfand auf die Pappbecher einzuführen, mussten aus rechtlichen Gründen wieder verworfen werden. Dazu müsste nämlich die Verpackungsverordnung geändert werden und dafür ist der Bund zuständig und nicht das Land Berlin. Sonderregelungen für einzelne Länder sind nicht erlaubt. Ob eine Steuer hingegen machbar wäre, ist unklar. Laut dem Bundesumweltamt ist eine Steuer zulässig, 1998 hat das Bundesverfassungsgericht eine kommunale Verpackungssteuer allerdings schon einmal als verfassungswidrig erklärt. Sollte die Berliner SPD die Verpackungssteuer dennoch durchsetzen können, dann aber mit Sicherheit nicht mehr in diesem Jahr, denn zu viele offene Fragen müssen beantwortet werden: Betrifft die Steuer auch Verpackungen im Supermarkt oder nur die Verpackungen für den sofortigen Verzehr gedachter Lebensmittel? Und überhaupt, geht es nur um Getränke oder um alle Nahrungsmittel in Einwegverpackungen?

Danny Freymark, der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, unterstützte die Idee zunächst, wurde aber schließlich von seiner Partei zurückgerufen, die vermutlich um Stimmen fürchtete. Von der CDU heißt es jetzt: "Wir verfolgen keine Erhebung einer Verpackungssteuer, sondern wollen vielmehr intensiv über den richtigen Weg für mehr Sauberkeit in der Stadt beraten." Auch Freymark selbst hält nun ein Anreizsystem, wie es zum Beispiel bei Starbucks schon existiert, wo Kunden Rabatte bekommen, wenn sie den eigenen Becher mitbringen, für die bessere Lösung. Dem stimmt auch Silke Gebel von der Grünen-Fraktion zu.

(c) Dennis www.pixabay.com

Was sagen andere Großstädte zur Idee der Berliner SPD?

Als Reaktion auf die Ankündigung aus Berlin, ging der Kölner Stadtanzeiger auf die Straße, um sich anzuhören, was die Kölner von einer Pappbechersteuer halten. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Die Becher seien zwar schon Umweltverschmutzung, so einer der Passanten, aber darauf verzichten möchte er trotzdem nicht, da er geschäftlich viel unterwegs sei. Wiederverwendbare Becher seien für ihn auch keine Alternative, da die Reste in der Tasche auslaufen würden. Von daher fände er eine Steuer sehr schade. Doch nicht nur aus Eigennutz halten die meisten Passanten eine Steuer für wenig sinnvoll. Einige glauben nicht daran, dass der höhere Preis die Leute dazu bringt, über das Thema nachzudenken oder den Becher richtig zu entsorgen. Stattdessen müssten aber diejenigen mitbezahlen, die ihre Becher ohnehin schon konkret entsorgen. Ein Passant fordert daher statt der Steuer höhere Strafen für diejenigen, die ihren Müll in die Landschaft werfen. Eine Passantin sagte auch, Köln habe ohnehin kein Müllproblem, da die Stadtreinigung ja überall unterwegs sei. Darin sieht auch die Stadt selbst die Lösung. Eine Pappbechersteuer soll nicht eingeführt werden, stattdessen sollen eventuell die Straßen häufiger gesäubert werden, vor allem am Wochenende, mehr Mülleimer aufgestellt und die bestehenden öfter geleert werden. Aber reicht es denn, dass man seinen Müll ordnungsgemäß entsorgt oder sollten wir nicht besser direkt weniger Müll produzieren?

(c) Hans www.pixabay.com

Auch in Kiel wird es wohl nicht zur Coffee-to-go-Steuer kommen, obwohl auch hier die Verunreinigung der Landschaft durch Pappbecher immer stärker spürbar wird und der NABU Schleswig Holstein die Idee der Berliner SPD für äußerst sinnvoll hält. "Wo soll das enden?", fragt sich der CDU-Abgeordnete Johannes Callsen. Wird irgendwann selbst die Alufolie für den Döner besteuert? Und auch Umweltminister Robert Habeck von den Grünen hält die Steuer nicht für die Lösung des Problems, da die Wegwerfkultur schließlich nicht nur die Becher betreffe. Er hält ein Wertstoffgesetz mit ambitionierten Recyclingquoten für wichtiger, sagt aber auch: "Wir müssen schlichtweg weniger Müll produzieren."

(c) asthenop www.pixabay.com

Wie seht ihr das? Was haltet ihr von einer Steuer auf Pappbecher und ähnliche Einwegverpackungen für unterwegs?

 

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/coffee-to-go-berliner-spd-will-die-pappbecher-steuer-1.2494164
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/berlin/article141464948/Koalition-will-Steuer-auf-Pappbecher.html
http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/coffee-to-go-becher-steuer-sorgt-fuer-zoff-in-berlin,7169128,30817644.html
http://www.ksta.de/koeln/to-go-becher-in-koeln-sote-steuer-auf-pappbecher-,15187530,30808544.html
http://www.ln-online.de/Nachrichten/Wirtschaft/Wirtschaft-im-Norden/Coffee-to-go-Berlin-plant-Steuer-auf-Becher-Kiel-zoegert-noch
http://www.tagesspiegel.de/berlin/verpackungsmuell-in-berlin-umweltpolitiker-schlagen-steuer-auf-kaffeebecher-vor/11828694.html

Titelbild: gadost0 www.pixabay.com

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Kommentare (11)
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07.06.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Ich teile zwar die Zweifel, ob ein paar Cent mehr auf den Becher viel bringen würde, allerdings muss man es eben so sehen, wie es ist: nur durch Umdenken und Verständnis der Menschen kommt man nicht weit. Das Kaufverhalten wird nunmal hauptsächlich durch den Preis geregelt. Es ist wie bei den Bio-Produkten: sie sind teurer, dafür ist es bio. Die Vorteile sind zwar bekannt, dennoch greifen viele zur billigeren Alternative. Wären die Produkte gleich teuer, sähe das Kaufverhalten sicherlich anders aus. Vielleicht ist das bei den Coffee-to-go ebenso- vielleicht denken die Menschen, wenn es eine Steuer darauf gibt darüber nach, wie sie ihren Kaffee wieder billiger bekommen. Durch die selbst mitgebrachte Thermoskanne zum Beispiel. Aber wie gesagt, vielleicht ist dem Großteil ein paar Cent mehr auch egal. Mir gefällt die Idee mit dem Anreizsytem sehr gut. Der Kunde kann den Kaffee (am besten zum gleichen Preis natürlich) in einem Becher erhalten, der mehrmals gebraucht werden kann. Bringt er den Becher wieder, bekommt er z.B Stempel und wenn er alle gesammelt hat und seinen Becher immer wieder mitgebracht hat, bekommt er z.B einen Kaffee frei. Ich denke, hätten mehr Coffee Shops dieses Angebot, würde es auch bekannter und mehr Menschen würden es nutzen.
05.06.2015
RichardParker hat geschrieben:
Ich weiß nicht auf wessen Seite ich stehe, ich kann manche Argumente der Passanten in keinster weise nachvollziehen, zum Beispiel, dass die Stadt Köln ja eh ständige gesäubert wird...! Sollen die Reinigungskräfte jetzt etwa Überstunden machen?!
Auf der anderen Seite frage ich mich wirklich, um die Steuer ein Umdenken zur Folge hätte... Aber ich finde die Idee mit der Steuer grundsätzlich nicht verkehrt.
04.06.2015
TobiS hat geschrieben:
Es ist zunächst einmal wichtig, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Erst wenn in der Bevölkerung das Bewusst sein für die Problematik der Umweltverschmutzung durch Einmalverpackungen vorhanden ist, besteht auch ein Wille etwas zu ändern. Dann ist es wichtig, Alternativen anzubieten, die clever sind. Es sollten Verpackungen angeboten werden, die mehrmals benutzbar sind, ohne Komforteinbußen hinnehmen zu müssen. Vielmehr sollte dem Verbraucher ein Mehrwert geboten werden. Das Anreizsystem bei Starbucks finde ich hierfür ein gelungenes Beispiel. Ein anderes Beispiel ist das Unternehmen Retap, dass zur Vermeidung von Müll durch Plastik-Wasserflaschen beiträgt (http://retap.de/about-retap/).
04.06.2015
leseziege hat geschrieben:
Pfand alles gut und schön. Aber die beste Variante ist und bleibt ein To-go Becher, den man von zu Hause mitbringt, sich auffüllen lässt und zu Hause wieder abwäscht für den nächsten Kaffee. Und in den Isolierbechern bleibt er auch länger warm ;D
04.06.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
@lolfs: Ja, ich denke auch, dass ein bundesweites Pfandsystem für die Becher eine gute Lösung darstellen würde. Wenn nicht die Käufer direkt die Becher zurückbringen sollten, würde es trotzdem Menschen geben, die die weggeworfenen Becher zurückbringen, um sich was dazu zu verdienen. Dann reinigt sich das von allein :) Leider würde das nicht so viel zur Müllvermeidung beitragen, deshalb wäre zusätzlich das Anreizsystem gut, dass selbstmitgebrachte Becher Rabatte bekommen :) Ich teile deine Zweifel aber, wie weit das mit der Hygieneverordnung vereinbar ist?
03.06.2015
lolfs hat geschrieben:
Ich halte eine neue Steuer auch nicht für zielführend. Okay, der Preis steigt einmalig um ein paar Cent. Aber würde man hinterfragen, warum das so ist? - Ich glaube nicht, denn schließlich steigen die Preise doch überall. - Nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt und hinterfragt noch weniger. Hallo, Alltag, hallo Routine. - Etwas anderes wäre es bei einem Pfandsystem, wenn man wieder die paar Cent zurück bekommen könnte. Und wenn das auf Bundesebene erhoben wird, wäre das doch noch viel besser ;)

Auch eine nette Idee ist das Anreizsystem. - Aber gbts da keine Probleme wegen der Hygieneverordnungen? - Ich bin auch keine Starbucks-Gänger, daher wusste ich nicht mal, dass man dort solche Rabatte erhalten kann. Wissen das denn die "typischen" Starbucks-Gänger? - Wie prominent ist diese Aktion denn ausgewiesen?
03.06.2015
Luke24 hat geschrieben:
Der "Diskussion" zwischen Cookie und CaelumMeaRegula habe ich nicht mehr viel hinzuzufügen. Die Menschen zum Umdenken und von sich aus zu einem bewussteren Handeln zu bewegen, ist grundsätzlich immer der bessere Weg. Aber da ist eben die Bequemlichkeit der einzelnen Personen :-( .
Ob eine Steuer (sofern diese überhaupt vor Gericht bestand hätte) allerdings den gewünschten Erfolg bringen wird, würde ich auch bezweifeln.
Leider fällt mir spontan keine Lösung ein, wie man das Problem einfach und effektiv in den Griff bekommen kann.
03.06.2015
CaelumMeaRegula hat geschrieben:
@Cookie: Du hast völlig recht. Wenn das so einfach wäre, wie ich es beschrieben habe, dann hätte man es ja längst so gemacht. Dennoch denke ich, dass dies der bessere Ansatz wäre, im Vergleich zur Steuer. Aus den unten genannten Gründen. Grundlage wird aber auch hier die Aufklärungsarbeit sein, die zu einem Umdenken in der Bevölkerung führen sollte. Ohne ein solches Umdenken, blieben vermutlich die meisten der beschriebenen Maßnahmen ohne bedeutende Wirkung.
03.06.2015
Cookie hat geschrieben:
@CaelumMeaRegula: Generell halte ich ein Anreizsystem auch für sinnvoller als eine Steuer, aber ich bezweifle dass es ganz so perfekt funktioniert, wie du es beschreibst. Bei Starbucks gibt es das System schließlich schon, aber ich denke nicht, dass der Anteil der Kunden, die ihre eigenen Becher mitbringen, besonders hoch ist. Das ist wie mit den Plastiktüten, die Leute sind bequem und denken nicht immer dran, den eigenen Beutel oder eben den eigenen Becher mitzunehmen. Hier in England bei Tesco bekommen die Leute Bonuspunkte auf ihre Sammelkarte, wenn sie eigene Taschen mitbringen und trotzdem greifen alle zu den kleinen Gratistüten. Deshalb befürchte ich, dass ein Anreizsystem alleine noch nicht sehr viel bewegen wird.
03.06.2015
CaelumMeaRegula hat geschrieben:
Ich befürchte, dass eine Steuer nicht den gewünschten Erfolg bringen würde. Zunächst einmal sieht es für viele sicherlich so aus, als wolle der Staat durch die Einführung einer Steuer nur an dem massiven Pappbecher-Konsum mitverdienen. Der Umweltschutzgedanke würde durch dieses Ärgernis vermutlich in den Hintergrund rücken. Und auch wenn der Gedanke im Vordergrund steht, würde sich in vielen Köpfen wohl eher ein negatives Bild vom Umweltschutz manifestieren, da er die Bürger ja Geld kostet, ohne dass diese einen direkten Mehrwert spüren. Von ihrem Konsum würde das - ganz nebenbei erwähnt - die wohlhabenden deutschen Bundesbürger außerdem wohl eher nicht abhalten.
Wir wollen ja aber, dass Umweltschutz positiv wahrgenommen wird. Und ich finde, dies lässt sich gut mit den genannten Anreizsystemen verwirklichen. Der Käufer bringt seinen eigenen Becher mit (wer hat heute keinen Thermo-Kaffeebecher aus dem auch in der Tasche nichts ausläuft?), lässt sich diesen mit Kaffee befüllen, hat hierbei das gute Gefühl weniger Müll produziert und etwas für die Umwelt getan zu haben und kann Dank des Umweltschutzes auch noch etwas sparen. Damit hätte man eine Win-Win-Situation, von der alle profitieren.
03.06.2015
Sasha13 hat geschrieben:
Ich fand die Idee Pappbecher zu besteuern immer ganz gut. Immerhin würde es den Leuten einmal vor Augen führen, dass es an der Stelle überhaupt ein Umweltproblem gibt. Ich glaube nämlich, viele denken da im Alltag gar nicht unbedingt drüber nach.
Allerdings wäre ich auch nicht direkt "betroffen", weil ich gar keinen Kaffee trinke und eigentlich nie Pappbecher kaufe. Ich sehe außerdem auch, dass es da rechtliche Probleme gibt und es wohl sobald nicht dazu kommen wird (wenn überhaupt).
Auf jeden Fall aber ist es keine Lösung, einfach die Müllabfuhr häufiger fahren zu lassen. Das oberste Ziel muss doch sein, Müll ganz zu vermeiden!
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