Was gibt's Neues?


Thema Plastikmüll:


Aktuelle Artikel


Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
WWF Jugend trifft NAJU - Eindrücke vom Jugendumweltfestival Crash the Trash


von Cookie
23.05.2016
11
15
100 P

Ich packe meinen Rucksack aus: Ein selbstbedrucktes T-Shirt. Ein Gläschen selbstgemachte Zahnpasta. Ein Buntstift, aus dem eine Thymianpflanze wächst, wenn er aufgebraucht ist. Ein selbstgemachtes Täschchen. Kleine Stoffbeutelchen zum Einkaufen.
All diese Dinge habe ich aus dem Pfingstwochenende mitgenommen und noch so unzählig viele mehr, die man nicht ins Reisegepäck quetschen kann: Zahlreiche neue Bekanntschaften. Eine Menge Inspiration. Tonnenweise Ideen. Das wunderschöne Gefühl, gemeinsam ein fantastisches Wochenende in der Natur verbracht zu haben.
Die Rede ist vom Jugendumweltfestival "Crash the Trash" der NAJU in Hameln. Ein ganzes Wochenende voller Workshops rund um Themen wie Plastik und Müll? Davon kann mich nicht mal die Wettervorhersage für das Wochenende abhalten!

(c) Monamona

Gemeinsam mit einigen anderen WWF Jugend Mitgliedern hatte ich mich schon zu Beginn des Jahres für das Festival angemeldet. Nach und nach stellen wir fest, dass unsere Gruppe sogar noch größer ist als gedacht, und als wir uns am Sonntag zu einem gemeinsamen Gruppenfoto aufstellen, sind wir ganze 17. Wie immer ist es ein tolles Gefühl, die Gesichter hinter den Community-Spitznahmen zu sehen und die Leute persönlich kennenzulernen. Gemeinsam mit den anderen Festivalteilnehmern haben wir so viel erlebt – von Lagerfeuerabenden und Silent Disco über spannende Workshops und Naturschutzeinsätze bis hin zu sportlichen und kreativen Aktivitäten – dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es ist unmöglich, ein ganzes Festival in einen Bericht zu packen, aber ich habe an diesem Wochenende jede Menge geniale Tricks zur Abfallvermeidung gelernt, die ich unbedingt mit euch teilen möchte.

Überspringen wir also das Kennenlernen und das leckere vegane Essen und fangen mit dem ersten Workshop an, an dem ich teilgenommen habe:

Plastikasten mit Shoutoutloud 

"Changing the World Step by Step" lautet das Motto des Frankfurter Vereins Shout Out Loud, die durch verschiedene kleine Projekte lokal Nachhaltigkeit fördern wollen. Zu ihren Themen gehört auch Plastik und die vier Referenten führen uns noch einmal das Ausmaß der Plastikverschmutzung unseres Planeten vor Augen: Praktisch überall in unserem Wasser befindet sich schon Mikroplastik. Wir trinken es aus der Leitung, im Bier, in der Cola… Auf seinem Weg zu uns hat es zahlreiche Umweltgifte wie ein Magnet angesammelt, die sich im Fettanteil unseres Körpers lösen und zu Krebs führen können.
Die Gruppe stellt uns einige Gegenstände vor, mit denen man Plastik im Alltag vermeiden kann: Obst- und Gemüsebeutelchen aus alten Gardinen, Bambuszahnbürsten, plastikfreie Zahnseide, festes Deo und selbstgenähte Abschminkpads sind nur ein Teil davon. Anschließend berichten Anna und Kenan davon, wie sie einen Monat lang plastikfrei gelebt haben. Ich erfahre, dass ich Butter selbst herstellen kann, indem ich Sahne in ein großes Glas fülle und schüttele. Im Internet findet man zahlreiche Anleitungen dazu. Als Basiszutaten zum Putzen nutzen Anna und Kenan nur noch Waschsoda, Kaiser Natron, Zitrone, Kernseife und Ethanol. Damit lassen sich sämtliche Reinigungsmittel ersetzen.

(c) Monamona

Plastiktüten-Upcycling mit Kunst-Stoffe-Berlin  

Kreativ geht es in meinem zweiten Workshop weiter: Wie stellt man nur mit Plastiktüten, Pappe, Backpapier und einem Bügeleisen Handyhüllen, Schulmäppchen, Geldbeutel und vieles mehr her? Indem man die Pappe als Formvorlage nutzt, die Tüten drumwickelt und Schicht für Schicht durch Bügeln zusammenschweißt. Das Backpapier dient dazu, dass das geschmolzene Plastik nicht am Bügeleisen kleben bleibt. Auf diese Weise lässt sich ein ziemlich stabiler Stoff herstellen, den man weiterverarbeiten kann. Hier findet ihr zum Beispiel eine Anleitung für eine Tasche. Handyhüllen lassen sich auch ohne Nähen herstellen, indem man die Tüten um einen Pappblock, der ungefähr die Maße des Handys hat, wickelt. Eine tolle Upcycling-Idee, die jeder, der noch alte Plastiktüten zu Hause hat, ganz leicht nachmachen kann.

(c) Jayfeather

Malen für einen guten Zweck

Auch zwischendurch konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen. Regisseur und Autor Ulrich Thon hatte einen ganzen Stapel weißer Platten und reichlich Farbe mitgebracht, damit wir uns kreativ austoben und so zu seinem Projekt "20.000 Bilder – 20.000 Spenden" beitragen konnten. Dabei geht es darum, seine Zeit zu spenden und ein Bild im Format 30 x 30 cm zu malen und diese dem Projekt zu spenden. Sind 20.000 zusammengekommen, werden sie ausgestellt und versteigert. Das eingenommene Geld fließt dann in Aufforstungsprojekte.
Ihr wollt euch auch gerne beteiligen? Ihr wisst vielleicht von einem Event wie einer Hochzeit oder Ähnlichem, wo man die Leute zum Malen bringen könnte? Dann kontaktiert Ulrich Thon!

(c) Jayfeather

Plastikfrei Einkaufen mit Original Unverpackt 

Am Sonntag durfte ich dann jemanden kennenlernen, der für mich so etwas wie eine kleine Berühmtheit ist, über die ich schon viel gelesen habe: Milena von Original Unverpackt, die uns einen Ausblick auf das Einkaufen der Zukunft gab. Bei ihrem Workshop habe ich einen wertvollen Tipp für alle erhalten, die keinen Unverpacktladen in der Nähe haben: Man kann Einkaufsgemeinschaften gründen und beim Großhändler bestellen. Auf diese Weise spart man nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch Geld. Generell empfiehlt es sich, bei Produkten, die lange halten, wie Reis und Nudeln, zu möglichst großen Packungen zu greifen, um Müll zu sparen.
Milena hat auch eine Info zum Frischetheken-Problem für uns parat: Es ist nicht gesetzlich verboten, Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen abzufüllen, die Geschäftsführer entscheiden darüber, ob sie es erlauben. Es lohnt sich also, zu diskutieren. Da das Problem hauptsächlich darin besteht, dass Bakterien hinter die Theke gelangen können, wenn man seine Dose rüberreicht, kann man das Personal auch bitten, die Waren einfach mit der Zange über die Theke zu reichen.
Auch Milena hat ein paar ihrer persönlichen plastikfreien Alltagsgegenstände mitgebracht, darunter auch ein Stofftaschentuch. Sie gibt uns den Tipp, dass man diese auch selbst aus alten T-Shirts herstellen kann.

Beim Frühstück entdeckt (c) Jayfeather

Kosmetik selbst herstellen mit Alternulltiv 

Den letzten Workshop, den ich besuche, leiten Erdmuthe und Vanessa von Alternulltiv. Die beiden haben uns all den Müll mitgebracht, den sie im Monat April verursacht haben. Bei beiden passt er in ein kleines Aufstrichglas. Nicht mitgezählt wird dabei Müll aus Papier und Glas, da dieser sich komplett recyceln lässt, sowie Biomüll. Eine ziemlich beeindruckende Bilanz. Wie schaffen die beiden das? Indem sie zum Beispiel unverpackt auf dem Markt einkaufen gehen, Produkte in Glas- und Papier- statt in Plastiverpackungen kaufen, für Kaffeebecher, Trinkflaschen und Strohhalme wiederverwertbare Alternativen nutzen und einiges selbst herstellen. Von den von ihnen mitgebrachten Alternativprodukten stießen besonders die Menstruationstasse und die waschbaren Slipeinlagen auf Interesse – und zwar nicht nur bei den weiblichen Workshopteilnehmern.
Neben vielen spannenden Infos haben Erdmuthe und Vanessa uns zwei Rezepte inklusive Zutaten mitgebracht.

Mit nur vier Zutaten stellen wir unsere eigene Zahnpaste her:

- 2 TL Kokosöl
- 1 TL Natron
- 1 TL Birkenzucker
- 10 Tropfen Pfefferminzöl

Da ich oft Probleme mit meinen Zähnen habe, stand ich Zahnpastaalternativen bisher eher skeptisch gegenüber, aber mit dieser werde ich es vielleicht doch einmal versuchen. Auch wenn sie nicht schäumt, habe ich nach dem Putzen damit ein sauberes Gefühl im Mund. Und woher bekommt man die Zutaten? Erdmuthe und Vanessa haben auch hierfür einen Tipp: Bei Hinterauer bekommt man, wenn man es bei der Bestellung angibt, alles plastikfrei geliefert.

Schließlich stellen wir noch ein Spülmaschinenpulver her, indem wir Waschsoda, Natron und Zitronensäure im Verhältnis von 1:1:1 mischen.

Für die Waschmaschine empfehlen die beiden unter anderem Efeu oder zerkleinerte Kastanien. Wenn man die Kastanien im Mixer klein macht und trocknen lässt, halten sie sich länger. Frische Kastanien kann man auch geviertelt zur Wäsche dazugeben. 

(c) Jayfeather

Das war nur ein kleiner Überblick über die Workshops, die ich besucht habe. In anderen Workshops wurden zum Beispiel Heilpflanzen erkundet und Deocreme hergestellt. Es entstand ein großes Plastikmüllkunstwerk und die Natur wurde sowohl an Land als auch an Wasser von Müll befreit.

Da sich das ganze Festival um das Thema Müll drehte, wollten wir natürlich auch wissen, wie viel Müll wir verursacht hatten. So sah unsere Statistik am Montagmorgen aus: 13 kg Plastik, 8,5 kg Restmüll, 15,3 kg Papier und 61,9 kg Biomüll.

Liebe NAJU, vielen Dank, dass ihr dieses fantastische Festival auf die Beine gestellt und uns ein unvergesslich schönes Wochenende bereitet habt! Wir sind jederzeit gerne wieder dabei, wenn die Trashbusters auf Mülljagd gehen!

Weiterempfehlen

Kommentare (11)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
27.05.2016
UliRike hat geschrieben:
Im Wildkräuter Workshop wurde eine Spitzwegerich salbe hergestellt ;)
Es war wirklich super schön, auch euch alle kennen zu lernen
26.05.2016
anni95 hat geschrieben:
Freut mich sehrm dass das Wochenende ein solcher Erfolg war!
25.05.2016
FranziL hat geschrieben:
Es war schon echt genial, wenn auch viel zu kalt, aber naja, man kann eben nicht alles haben ;) Es war wirklich cool, euch alle mal kennen zu lernen :)
25.05.2016
Wasserjunge hat geschrieben:
Sehr coole Ideen! ab über die Links auch direkt etwas für mich gefunden! :)
25.05.2016
Monamona hat geschrieben:
@vince: Samstagnachmittag war das, glaube ich ;) Ich glaube, es wurde auch noch ein zweites Deo am Samstagvormittag in einem Wildkräuter-Workshop hergestellt, aber da bin ich mir nicht ganz sicher....
24.05.2016
SarahU hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! :)
Es war wirklich eine super Zeit in Hameln! :D
24.05.2016
vince hat geschrieben:
Ah, nice! Ist das dieses Deo aus dem Samstagsvormittagsworkshop? @monamona
24.05.2016
Monamona hat geschrieben:
Es war wirklich super schön und die Zahnpasta und das Deo beginnen schon zu schwinden :)

Apropos Deo...

Ein ganz einfaches Rezept von Stay with me (http://www.stay-with-me.de/) für Deo:

1TL Kokosöl
2TL Natron
2TL Kartoffelstärke
10 Tropfen ätherisches Öl (Z.B. Lemongrass)

Das Deo ist zum Auftragen, wenn ihr sprühen wollt, könnt ihr das Kokosöl durch Wasser und etwas Alkohol ersetzen, aber auch an die Creme gewöhnt man sich sehr schnell ;)
24.05.2016
KikiFi hat geschrieben:
Klingt nach einem echt tollen Festival! Und das Wetter sieht doch gar nicht sooo schlecht aus ;)
24.05.2016
Jayfeather hat geschrieben:
Es war echt super! Die Workshops und das ganze drumherum - ich würde auf jeden Fall nochmal hin fahren! :)
23.05.2016
Greenlife hat geschrieben:
Ein wirklich toll geschriebener, interessanter Artikel! Die Ideen sind echt gut und ich werde auf jeden Fall im Internet weiter recherchieren!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen