Was gibt's Neues?


Thema Plastikmüll:


Aktuelle Artikel


Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Wie Pilze, Warnwesten und Seekühe unser Plastik-Problem lösen könnten


von Cookie
28.02.2016
4
10
100 P

Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Das gibt es diesen Monat:

- Warum wir bald alle unsere Einkäufe in Warnwesten nach Hause tragen
- Gehören Gratis-Plastiktüten bald der Vergangenheit an?
- Plastikfressende Pilze
- Jede Menge neue verpackungsfreie Läden
- Ein Katamaran als Müllabfuhr für die Meere
- Neue Doku über Plastik in unseren Ozeanen
- Selbst aktiv werden

Warum wir bald alle unsere Einkäufe in Warnwesten nach Hause tragen

Seit Juli 2014 muss man sie im Auto haben, wobei man stets hofft, dass sie nicht zum Einsatz kommt, bis sie nach einigen Jahren im Kofferraum schließlich entsorgt wird: Die Warnweste. "Im Grunde eine Fehlinvestition", findet Jens Mörsch aus Reinheim. Deshalb hat er sich Gedanken gemacht, welchen Nutzen so eine Weste noch haben könnte: "Beim näheren Betrachten und unterschiedlichen Liegepositionen einer Weste fiel mir die Ähnlichkeit mit einer Tasche auf." So entstand die Idee, eine Warnweste zu entwickeln, die man gleichzeitig als Tragetasche nutzen kann. Dies ermöglicht ein Reißverschluss, als Griffe dienen die Armlöcher. Diese geniale Erfindung bringt jede Menge Vorteile mit sich: Muss das Auto in die Werkstatt, hat man direkt eine Tasche, um seine Wertgegenstände mitzunehmen, im Dunkeln wird man mit der Warnwestentasche sofort gesehen und vor allem kann sie dabei helfen Plastiktüten einzusparen, da man mit der Warnwestentasche immer eine Verpackungsmöglichkeit für Einkäufe im Auto hat. Die Ausrede Stofftasche vergessen gilt da an der Kasse nicht mehr. Mörsch befasst sich auch im Alltag mit der Reduzierung von Plastik: "Jeder, der der weiß, dass unser Planet einmalig ist, dass er verletzlich und empfindlich ist, der Leben als eine Form des Daseins begreift, das zerstörbar ist, muss wissen, dass jeder einzelne seinen Beitrag leisten muss, um ihn zu erhalten und zu bewahren. Es ist ein egoistisches Verhalten zur Selbsterhaltung. Diesen Egoismus sollten möglichst viele für sich in Anspruch nehmen, dann wird es für alle gut." Leider kann man die Warnwestentasche bisher noch nicht kaufen. Ich drücke Herrn Mörsch allerdings ganz fest die Daumen, dass er bald ein Unternehmen für seine Erfindung begeistern kann und bedanke mich ganz herzlich dafür, dass er sich Zeit für meine Fragen genommen hat.

(c) Jens Mörsch

(c) Jens Mörsch 

Gehören Gratis-Plastiktüten bald der Vergangenheit an?

So eine Warnwestentasche zu besitzen, könnte sich beim Shoppen in Zukunft als ziemlich geldsparend erweisen, denn auch wenn Deutschland es den zahlreichen Ländern, die bereits Tütensteuern oder –verbote eingeführt haben, nicht gleichtut, geben immer mehr Geschäfte Plastiktüten nicht mehr gratis heraus. Nach kik, dm, Tschibo und Saturn und haben nun weitere Ketten angekündigt, auf kostenlose Plastiktüten zu verzichten. Bei Karstadt muss man ab März je nach Größe der Tüte zwischen 5 und 30 Cent zahlen und ab Mai sollen dort dann auch Mehrwegtaschen für 1,50 erhältlich sein. Ab erstem April muss man dann auch bei H&M draufzahlen, wenn man seine Einkäufe in Plastik nach Hause tragen möchte. Bei Media Markt wird noch getestet, wie die kostenpflichtigen Tüten ankommen. Vielleicht bilden diese Ketten ab April keine Ausnahmen mehr, denn der Handelsverband Deutschland kündigte eine freiwillige Selbstverpflichtung für den Einzelhandel an, Plastiküten nicht mehr zu verschenken. Obwohl das sicher ein Schritt in Richtung einer plastikfreieren Zukunft ist, hält die Deutsche Umwelthilfe eine Plastiktütensteuer dennoch für sinnvoller. Sie fordert eine Abgabe von mindestens 22 Cent, denn wenn die Tüten zu billig sind, werden sie trotzdem gekauft und außerdem sollte der Gewinn nicht an die Unternehmen fließen. Übrigens: Nicht nur in Deutschland versuchen Ketten den Verbrauch von Plastiktüten selbst einzudämmen: Nachdem Walmart die Ausgabe von Plastiktüten in anderen Ländern durch eine kleine Gebühr schon um über die Hälfte senken konnte, wurde eine solche Gebühr nun auch bei Walmart in Kanada eingeführt.

(c) www.pixabay.de geralt

Plastikfressende Pilze

Eines der größten Probleme mit Plastik ist, dass es sich nicht biologisch abbauen lässt und so nach meist nur kurzer Nutzdauer teilweise Jahrhunderte lange Schaden in der Natur anrichten kann. Dass Lebewesen Plastik nicht verarbeiten können, liegt daran, dass Stoffe wie Kohlenstoffe so fest im Kunststoff gebunden sind, dass Lebewesen sie nicht herauslösen können. Wirklich alle Lebewesen? So wie es aussieht nicht ganz. Im November habe ich euch schon von styroporfutternden Mehlwürmen erzählt, nun möchte ich euch Pestalotiopsis microspora vorstellen. Was wie ein seltsames Fabelwesen klingt, ist ein Pilz, der eigentlich an Bäumen wächst, wie Forscher der Yale Universität herausgefunden haben, aber auch auf Plastik wachsen kann. Pestalotiopsis microspora ist nämlich mit einem ganz besonderen Enzym ausgestattet, mithilfe dessen es Kohlenstoff, aus der Kunststoffart Polyurethan (PUR), die zum Beispiel für Spülschwämme, Fußbälle und Matratzen zum Einsatz kommt, lösen kann. Für den Pilz reicht das zum Leben und der ehemalige Kunststoff lässt sich ohne den Kohlenstoff abbauen. Da Pestalotiopsis microspora nicht einmal Sauerstoff braucht, könnte er zum Beispiel in ehemaligen Mülldeponien und Müllverbrennungsanlagen zum Einsatz kommen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, das Enzym künstlich herzustellen und auf PUR-Abfälle anzusetzen. Der Pilz ist sicher kein Zaubermittel, das uns in kürzester Zeit von allem Plastikmüll befreit, aber auf jeden Fall eine interessante und nützliche Entdeckung, die uns der Lösung des Plastikmüllproblems etwas näher bringen könnte.

(c) www.pixabay.de Josch13

Immer mehr Möglichkeiten, verpackungsfrei einzukaufen

Wie Pilze aus dem Boden schießen im Moment auch verpackungsfreie Läden. Diesen Monat haben gleich zwei eröffnet. Über Ohne, verpackungsfreien Supermarkt in München, der vergangene Woche seine Eröffnung in der Schellingstraße 42 feierte, hat Gangsterhunnie euch schon berichtet. Geführt wird Ohne von Hannah und Carlo, einem Ehepaar, das nach dem Zero Waste Prinzip lebt, also versucht, möglichst gar keinen Müll zu verursachen. In diesem Video könnt ihr die beiden sympathischen Müllvermeider und Ladenbesitzer kennenlernen. Wer sich für den Zero Waste Lifestyle interessiert, findet im Blog der beiden zudem viele Anregungen, wie man selbst müllfrei leben kann.  
Eine weitere Neueröffnung gab es Mitte des Monats in Hannover: Dort kann man bei Edel Unverpackt in der Nordstadt direkt gegenüber der Haltestelle Christuskirche nun regionale Biolebensmittel sowie einige nachhaltige Non-Food-Produkte plastikfrei erstehen. Das Sortiment ist zunächst klein gehalten, um es besser den Wünschen der Kunden entsprechend ausweiten zu können. Wer dort also Gesuchtes nicht findet, stößt auf offene Ohren für Anregungen. Und wer spontan vorbeikommt und keine Behälter einstecken hat, kann sich über ein Pfandsystem welche ausleihen oder zur Verfügung stehende Recycling-Papiertüten benutzen.
Noch etwas warten aber sich schon freuen dürfen die Trierer und Stuttgarter unter euch. Schüttgut, von deren verzweifelter Ladensuche ich euch schon einmal berichtet habe, haben endlich einen Mietvertrag unterzeichnet, müssen allerdings noch mindestens acht Wochen mit Renovierungsarbeiten verbringen. In Trier planen Sebastian Würth und Stephanie Lampe die Eröffnung von Unverpackt Tier. Ab dem Frühjahr kann man sich dort unter anderem Kaffee, Tee, Drogerieprodukte, Kakao, Süßwaren, Obst, Gemüse, Backzutaten, Gewürze, Öle, Trockenfrüchte, Nüsse, Gries, Müsli, Reis, Hülsenfrüchte, Ölsaat, Teigwaren und Mehl unverpackt selbst abfüllen. Auch Klopapier, welches ganz oben auf der Liste der schwer ohne Plastikverpackung erhältlichen Produkte steht, wird dort verpackungsfrei erhältlich sein.

So denkt die WWF Jugend Community über Unverpackt-Läden 

Die Seekuh räumt die Meere auf

Plastikmüll vermeiden ist ungemein wichtig, aber wie bekommen wir all den Müll aus unseren Meeren, der sich dort schon angesammelt hat? Vielleicht sind Seekühe eine Lösung. Nein, diese Tiere können sich nicht von Plastik ernähren. Die Rede ist von einem neuen Schiff, das Seekuh heißt, mitt Solarenergie betrieben wird und Müll aus dem Meer fischen soll und dessen Prototyp gerade in Lübeck gebaut wird. Dieser Müllsammel-Katamaran hat zwei jeweils zwölf Meter lange Rümpfe, zwischen denen ein engmaschiges Netz gespannt ist, um den im Wasser treibenden Müll bis zu einer Tiefe von etwa drei bis vier Metern einzufangen. Etwa zwei bis drei Tonnen Müll kann die Seekuh aufnehmen. Fischen droht von ihr keine Gefahr, da sie sich nur mit einer Geschwindigkeit von etwa 4 km/h bewegt. Geeignet ist die Seekuh, die von der Organisation One Earth – One Ocean in Auftrag gegeben wurde, vor allem für Binnengewässer und Gebiete in Küstennähe. Nach einer Probefahrt im Frühjahr im Lübecker Hafen und der Ostsee soll es für die Seekuh auf Müllfang in die Welt hinausgehen, nämlich an die Küsten vor Rio und Kapstadt und ins Niger Delta. Möglich ist das, da der Katamaran sich gut auseinanderbauen und so transportieren lässt. Bewährt sich das Meeresmüllauto, werden bald vielleicht noch mehr Seekühe produziert. Dem Vorsitzenden von One Earth – One Ocean Günther Bonin schwerbt schon ein See-Elefant vor, auf dem das geborgene Plastik direkt in Öl verwandelt werden kann.

(c) One Earth - One Ocean

Was wir unseren Ozeanen antun

Was Plastik in den Ozeanen anrichtet zeigt der neue Dokumentarfilm A Plastic Ocean, der innerhalb der letzten vier Jahre an zwanzig verschiedenen Orten auf der ganzen Welt gedreht wurde. In ebenso eindrucksvollen wie erschreckenden Bildern führt der Film das Ausmaß der Plastikverschmutzung vor Augen, stellt aber auch Lösungsansätze vor. Noch ist nicht klar, wann und wo man den Film schauen kann, man kann aber auf der Website seine E-Mailadresse eintragen und wird dann informiert, sobald es Neuigkeiten gibt. Hier ist auf jeden Fall schon mal der Trailer:


Selbst aktiv werden

Leider sind mir in letzter Zeit keine neuen genialen Aktionen gegen die Plastikflut untergekommen, an denen man sich selbst beteiligen kann. Ich möchte aber unbedingt noch mal auf das Projekt Gib Plastik keine Chance aufmerksam machen. Drei Studentinnen aus Weimar haben kleine Demo-Schilder entwickelt, die sich jeder herunterladen und in Plastik verpackte Produkte im Supermarkt damit bestücken kann. Mit dieser Guerilla-Aktion, die jeder ganz leicht nachmachen kann, werden Kunden auf das Plastik-Problem aufmerksam gemacht. Mehr dazu erfahrt ihr in meinem Interview mit den Mädels von Gib Plastik keine Chance.

(c) Gib Plastik keine Chance

Auch wenn die Fastenzeit schon angefangen hat, ist es nie zu spät, eine kleine Plastik-Pause einzulegen. Tipps fürs Plastikfasten hat der BUND hier zusammengefasst. Ihr seid bereits fleißig am Plastikfasten? Dann freue ich mich darauf, von euren Erfahrungen zu hören.
Viele Community-Mitglieder haben im letzten Jahr übrigens auch schon einmal ausprobiert, eine Woche lang ohne Plastik auszukommen. Tipps, wie das klappen kann, haben wir in unserer Gruppe Gemeinsam gegen den Tütenwahnsinn zusammengetragen. Dort sind alle, die sich für das Thema Plastikmüll und wie wir ihn vermeiden können, interessieren herzlich willkommen, um sich gemeinsam auszutauschen und Aktionen zu planen.

In der letzten Ausgabe habe ich euch unter anderem das Kreativstüberl der Giebelwaldhexe, das Mikroplastikverbot in den USA, einen Anti-Plastik-Flashmob und Möglichkeiten zum plastikfreien Einfrieren vorgestellt.

Quellen:

http://www.ems-vechte-news.de/plastik-bald-biologisch-abbaubar/
https://www.die-reale-welt.de/natuerlich/neuer-pilz-frisst-kunststoffe/
http://unverpackt-trier.de/#
http://www.schuettgut-stuttgart.de/
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/unkraut/zero-waste-verpackungsfreier-supermarkt-muenchen100.html#&time=
http://www.ohne-laden.de/
http://edel-unverpackt.de/
https://news.utopia.de/die-kostenlose-plastiktuete-wird-zum-auslaufmodell-12379/
https://news.utopia.de/ab-april-kostenpflichtige-plastiktueten-auch-bei-hm-12454/
http://www.theglobeandmail.com/news/national/walmart-canada-introduces-five-cent-charge-for-plastic-bags/article28370883/
http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Umwelt-Recyclingtechnik/Mit-Seekuh-weltweit-Plastikmuell-im-Meer
http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/7849476/diese--seekuh--soll-plastik-aus-dem-meer-fischen.html
http://aplasticocean.film/index.html 

Titelbild: www.pixabay.de rkit

Weiterempfehlen

Kommentare (4)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
02.03.2016
Stracca hat geschrieben:
Super Artikel! Das mit den Pilzen war neu für mich - eindrucksvoll! Und die Idee mit der Warnwesten-Einkaufstasche ist echt genial! Hoffen wir mal, das dieses Projekt weiter verfolgt wird.
29.02.2016
HelptheWorld hat geschrieben:
Das Video war so wahr, traurig und rührend. Vor allem: ,,The change is possible and it starts with us!" Dieser Satz ist so wichtig! Ich habe ja auch schon 2 Müllsammelaktionen gemacht ( siehe Berichte ). Jeder kann etwas erreichen und beitragen! Danke für deinen Artikel.
29.02.2016
LSternus hat geschrieben:
Das mit den Pilzen hatte ich schon mal im Unterricht, das mit den Warnwesten war mir neu.
Und mit der Seekuh... ;) Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich erst, was eine Seekuh?!?!!?
29.02.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
Toller Bericht! Ich dachte zuerst: Wie sollen Seekühe denn bitte das Plastikproblen Lösen, oder daz beitragen es zu lösen? Aber... Ein Katamaran ist natürlich eine Supertolle Idee.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_221.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen