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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Wie der Müll in den Strudel kommt - Ein Modell, das die Grenzen der Ozeane neu definiert


von Cookie
13.09.2014
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1997 wurde der Great Pacific Garbage Patch entdeckt. Er befindet sich zwischen Hawaii und der kalifornischen Küste und ist der Größte und wohl auch Bekannteste der fünf bisher entdeckten Müllstrudel im Meer. In diesen Strudeln sind deutlich mehr Plastikabfälle als Plankton und andere Meereslebewesen zu finden. Doch wo kommt all dieser Müll eigentlich her?

Dieser Frage sind der Mathematiker Gary Froyland und sein Team von der University of News South Wales (UNSW) in Sydney nachgegangen und haben dabei überraschende Ergebnisse zu Tage gefördert, die vielleicht die Grenzen der Meeresbecken ganz neu definieren. Das Netzwerkmodell, das die Forscher aus Australien entwickelt haben, zeigt, wie Strömungen verschiedene Bereiche der Meere miteinander verbinden. Der Studie liegt ein älteres, aber weniger gut entwickeltes Online-Tool zugrunde, das ermöglicht, zu sehen, wie sich ins Meer geworfene Gegenstände im Laufe von zehn Jahren vermutlich verbreiten. Man klickt einfach an eine beliebige Stelle im Meer und kann zusehen, wie sich der Plastikmüll im Laufe der Zeit verteilt. Probiert es hier selbst aus.

Des weiteren bedienten die Forscher sich einer mathematischen Methode namens Ergodentheorie, die normalerweise dazu genutzt wird, um Verbundsysteme wie das Internet, Computerchips oder auch die menschliche Gesellschaft zu unterteilen. Sie teilten den gesamten Ozean in sieben Regionen ein, deren Wasser sich nur äußert wenig vermischt. Die gesamte Studie mit all ihren mathematische Vorgängen wurde im Chaos-Magazin veröffentlicht und kann hier angesehen werden.

Das Modell ermöglicht, zu erkennen, wo sich das Wasser der Meere eher vermischt und wo durch Strömungen eine Art Barriere entsteht. So fanden die Wissenschaftler der UNSW heraus, dass die Grenzen im Meer eigentlich ganz anders verlaufen als bisher vermutet. Zum Beispiel sind einige Regionen des Indischen und Pazifischen Ozeans viel enger, mit dem Südatlantik verbunden als mit ihren restlichen eigenen Meeresgebieten, während ein Teil des Indischen Ozeans von den Strömungen her betrachtet eher zum Südpazifik gehört.

Was den Plastikmüll im Meer angeht, zeigte sich, dass auch sehr weit entfernte Länder durch den Verlauf der Strömungen zu den Müllstrudeln beitragen können. Madagaskar und Mozambique liegen am Indischen Ozean, Müll aus diesen Ländern wird jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit im Müllstrudel im Südatlantik landen. "Kein Ozean ist abgeschottet und lokale Begebenheiten können auch Auswirkungen weit entfernt vom Geschehen haben", so Froyland. Auch wie lange der Müll unterwegs ist, lässt sich mithilfe des neuen Modells feststellen.

Und was kann man mit diesen Erkenntnissen nun anfangen? Zum einen kann man die Hauptquellen des Meeresmülls ermitteln und versuchen, zu verstopfen. Auch im kleineren Rahmen ist die neue Modelltechnik anwendbar, zum Beispiel, um nachzuvollziehen, wie sich ein Ölteppich im Golf von Mexiko verteilen würde. Außerdem wurden durch die Studie wichtige Informationen für ökologische Studien, beispielsweise über die Verbreitung oder Wanderung von Meeresorganismen gewonnen.

Da nun bewiesen ist, dass Verschmutzung Stellen im Meer überqueren kann, die Wissenschaftler bisher für Grenzen gehalten hatten, erhofft sich das Forschungsteam nun eine Reaktion von der Politik. Gary Froyland sagte dazu: "Die Erkenntnis, dass sogar die Müllstrudel untereinander Abfall austauschen, wird die Regierungen vielleicht verstehen lassen, dass wir alle im selben Boot sitzen, und hoffentlich weltweit zum Handeln führen." Denn wie Meeresökologe Andres Cozar Cabanas sagt: "Plastikverschmutzung ist ein globales Problem, das man nur auf globaler Ebene angehen kann."

Wenn euch du etwas gegen den Plastikwahnsinn unternehmen möchtest, schau doch mal hier auf der Seite unserer Anti-Plastik-Kampagne vorbei.

Quellen:
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17973-2014-09-03.html
http://www.aip.org/publishing/journal-highlights/giant-garbage-patches-help-redefine-ocean-boundaries
http://www.nbcnews.com/science/environment/math-might-help-nail-oceans-plastic-garbage-patch-polluters-n192346

Bildquellen: 
Titelbild: (c) Anne Zeiß 
Bild1: www.adrift.org.au 
Bild2: http://marinedebris.noaa.gov/sites/default/files/GPmap_2012_NOAAMDP.jpg

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Kommentare (9)
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08.10.2014
marius.inderwisch hat geschrieben:
Sehr intressant ! :D
21.09.2014
Morgentau hat geschrieben:
Das ist ja cool (oder eher seeeehrsehr uncool) - da klickt man auf eine Stelle im Meer und nach zehn Jahren ist der Müll auf der halben Welt! Hoffentlich öffnet das dem ein oder anderen Politiker die Augen. Danke für den richtig informativen Bericht!
14.09.2014
OekoTiger hat geschrieben:
Guter Bericht, guter Link.
14.09.2014
Bea1997 hat geschrieben:
Der Link ist Super :D danke dafür ... erschreckend was in 10 jahren passiert
14.09.2014
Sonnenschein99 hat geschrieben:
Super Bericht :)
danke für die verlinkungen, habs gleich ausprobiert
14.09.2014
Chillkroete hat geschrieben:
Toller Bericht... sehr interessant
14.09.2014
Jayfeather hat geschrieben:
Tatzen Hoch :D
sehr interessant
13.09.2014
Taki hat geschrieben:
Danke für die Guten Modelle.
13.09.2014
Lisa18 hat geschrieben:
Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel!! Ich hoffe ebenfalls, das die Politiker endlich aufwachen und einsehen: Die Umwelt zu beschützen, egal in welchem Bereich, geht uns ALLE an!
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