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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Plastikfressende Mehlwürmer und andere Neuigkeiten aus der Plastikwelt


von Cookie
20.11.2015
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Das gibt es diesen Monat:
- Wissenschaftliche Erkenntnisse: Können Mehlwürmer unser Plastikproblem lösen?
- Immer mehr Tütenverbote in aller Welt
- Städte nehmen die Tüten-Freiheit selbst in die Hand
- Weitere EDEKA-Filialen werden tütenfrei
- Plastikfrei leben: Augsburger Familie verbannt Plastik aus dem Haushalt
- Doku über die Bergung von Geisternetzen
- Bilderbuch: Plastian erzählt Kindern vom Plastik im Meer
- Selbst aktiv werden

Können Mehlwürmer unser Plastikproblem lösen?

(c) www.pixabay.de sipa 

Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers, kannte ich bisher nur als Schädlinge, die zum Ärgernis werden, wenn sie sich in der Küche einnisten. Ausgerechnet diese kleinen Tierchen könnten vielleicht die Lösung unseres Plastikproblems darstellen, wie Forscher an der Stanford University herausgefunden haben. Dort hat man 100 Mehlwürmer einen Monat lang mit Styropor gefüttert – und die kleinen Überlebenskünstler blieben dabei genauso gesund wie normal gefütterte Mehlwürmer. Und nicht nur das: In ihren Ausscheidungen waren keine Kunststoffrückstände mehr zu finden. Im Gegenteil, sie eignen sich sogar als Pflanzendünger. Vermutlich zersetzen Bakterien im Verdauungstrakt der Würmer den Kunststoff. Nun gilt es herauszufinden, ob man diese Bakterien eventuell isolieren und direkt auf Kunststoff ansetzen kann, um diesen ökologisch abzubauen und ob dies auch bei anderen Kunststoffsorten als Styropor möglich ist. Auch wenn es noch viel zu erforschen gibt, ist dem Wissenschaftler Weimin Wu und seinem Team mit dieser ersten Studie, die detaillierte Beweise vom Abbau von Plastik durch Bakterien in Tierinnereien liefert, eine sensationelle Entdeckung gelungen. "Unsere Entdeckungen haben eine neue Tür geöffnet, um das globale Plastikverschmutzungsproblem zu lösen", sagt Wu selbst. Einfach unseren ganzen Plastikmüll von Mehlwürmern aufessen lassen können wir wohl allerdings nicht, denn die Würmchen essen gerade mal 34 Milligramm Styropor am Tag.

(c) https://www.facebook.com/B90DieGruenen/photos/a.103764373218.113604.47217143218/10154298631248219/?type=3&theater 

Immer mehr Tütenverbote in aller Welt

Was haben Irland, Ruanda, Tansania, Mauretanien, Italien, Australien, Bangladesch, China, Südafrika, Indien, Bhutan und Papua-Neuguinea gemeinsam? Es sind alles Länder, in denen schon seit mehreren Jahren Gesetze existieren, die den Verbrauch von Plastiktüten eindämmen oder sogar ganz verhindern sollen. Und die Liste wird immer länger. Schottland hat vor einem Jahr die Regelung eingeführt, dass alle Einweg-Plastiktüten in den Geschäften 5 Pence (ca. 7 Cent) kosten. Jetzt haben die Schotten Bilanz gezogen und die zeigt, was so eine kleine Abgabe alles bewirken kann: Es wurde etwa 650 Millionen weniger Plastiktüten verbraucht, was ungefähr 4400 Tonnen Plastik entspricht. Somit wurden auch 2800 Tonnen CO2 gespart, die wiederverwendbaren Taschen, die statt der Plastiktüten zum Einsatz kamen, schon mit eingerechnet. Zudem gingen die Einnahmen von über 10 Millionen Dollar, die durch den Verkauf der Tüten zusammenkamen, an wohltätige Zwecke. Die meisten Läden melden, dass der Plastiktütenverbrauch bei ihnen um ca. 80% gesunken sei. Die Kette Sainsbury’s schaffte Plastiktüten sogar ganz ab.

Im Oktober haben dann auch die Engländer eine solche 5-Pence-Regelung beschlossen. Davon sind allerdings nur Betriebe mit mindesten 250 Festangestellten betroffen. Diese müssen allerdings auch ihren Tütenverbrauch streng protokollieren. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, dem winken Geld-und ähnliche Strafen. Die Regierung erhofft sich durch das neue Gesetz eine Reduktion des Plastiktütenverbrauchs in den Läden zwischen 50 und 80%, wirtschaftliche Vorteile sowie ebenfalls einnahmen für wohltätige Zwecke.

(c) www.pixabay.de WikimediaImages

Frankreich will ab 2016 kostenlose nicht biologisch zersetzbare oder kompostierbare Einweg-Plastiktüten in Supermärkten und im Einzelhandel verbieten und der Präsident von Puerto Rico hat trotz großer Kritik gerade eine Verfügung unterzeichnet, die den Gebrauch von Plastiktüten ab Mitte 2016 verbietet. Vor Eintritt des neuen Gesetzes soll es in Puerto Rico eine Bildungskampagne geben, um die Bevölkerung aufzuklären. Die Einnahmen, die aus den Strafgeldern bei Zuwiderhandlung entstehen, sollen an Umweltprojekte fließen.

Und was macht Deutschland? Hier bei uns will man trotz der vielen positiven Beispiele bislang kein neues Plastik-Tüten-Gesetz verabschieden. Stattdessen beraten der Handelsverband (HDE) und das Umweltministerium gerade über eine freiwillige Vereinbarung für den Handel. Die Händler sollen sich selbst verpflichten, die Tüten nicht mehr kostenlos, sondern gegen einen selbstgewählten Betrag abzugeben, so wie es schon in den meisten Supermärkten hierzulande der Fall ist.

(c) www.pixabay.de Hans

Städte nehmen die Tüten-Freiheit selbst in die Hand

Während sich die Politik noch Zeit lässt, wollen immer mehr Städte und Gemeinden in Deutschland plastikfrei werden. So wurde in Koblenz vor kurzem der Antrag von den Grünen und der SPD, Plastiktüten in der Stadt abzuschaffen, beschlossen. Diesen Monat startete dort in zwei Geschäften eine Testphase mit Pfand-Jute-Taschen, die man für 3 Euro kaufen und jederzeit zurückgeben kann. Weitere Einzelhändler werden zu ihren Vorstellungen befragt und nächstes Jahr wird dann beraten, wie es weitergehen soll.
Auch in Dormagen konnte ein Bündnis aus Grünen, Piraten und der Linken den Antrag durchbringen, die Stadt plastikfrei zu machen. Hier sollen die Einwohner auf Alternativen aufmerksam gemacht werden und Geschäfte in kleinen Schritten immer weniger Tüten ausgeben.

Weitere EDEKA-Filialen werden tütenfrei

Nicht überall bedarf es Regelungen und Kampagnen, um die Tüten abzuschaffen, ein paar EDEKA-Filialen haben die Plastiktüten schon von sich aus aus dem Sortiment genommen. Dazu gehören seit kurzem auch die von Marco Hauschildt geleiteten Filialen in Rendsburg und Flintbeck. Der Filialleiter hat sich der Umwelt zuliebe entschieden, auf die Einnahmen aus den etwa 100 000 Plastiktüten, die er jährlich verkaufte, zu verzichten und nur noch Tragetaschen aus überwiegend recycelten Materialien anzubieten. Was Hauschildt über die Anschaffungskosten hinaus an diesen Beuteln verdient, fließt an den WWF. Auch in anderen Bereichen seiner Supermärkte soll Plastik weichen, zum Beispiel soweit eben möglich an Fleisch- und Käsetheke, beim Obst und Gemüse und der Salatbar.

(c) www.pixabay.de FraukeFeind

Augsburger Familie verbannt Plastik aus dem Haushalt

Immer öfter stoße ich auf Zeitungsartikel über Menschen, die auf ein plastikfreies Leben umgestiegen sind. Zu diesen gehört auch die 44-jährige Wirtschaftsjournalistin Sylvia Schaab, die mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Augsburg lebt. Als ihr Sonn das Thema Müll in der Schule behandelte, fiel ihr auf, wie viel Plastikmüll die Familie eigentlich produzierte und sie beschloss, etwas zu verändern und den Haushalt Schritt für Schritt vom Plastik zu befreien. So wichen Tetrakpacks und Plastikflaschen zunächst Glasflaschen. Durch viel Überlegen, Recherchieren und Ausprobieren hat Sylvia es mittlerweile geschafft, nahezu plastikfrei zu leben. Auch die Kinder, für die die Umstellung zunächst schwierig war, sind mittlerweile begeistert. In ihrem Blog Grüner wird’s (n)immer?! berichtet Sylvia von ihrem plastikfreien Alltag und gibt Tipps. Wer in Augsburg nach plastikfreien Artikeln sucht, kann sich auch über die Facebookgruppe Plastikfrei in Augsburg informieren. Zudem gibt es dort einmal im Monat einen plastikfreien Stammtisch. Dieser findet immer am ersten Dienstag im Monat um 20 Uhr im Café Anna statt.

(c) Anne Zeiß

Auch hier in der Community ist es vielen wichtig, ihren Plastikverbrauch zumindest zu reduzieren, wie der Ergebnisse der Kurzen Frage zeigen, die 191 Community-Mitglieder in den letzten Wochen beantwortet haben:

(c) Anne Zeiß 

Geschirrspülen nach der Party ist zu viel Aufwand? Dieses tolle Video von Greenpeace zeigt, warum es ironisch ist, aus diesem Grund Plastikbesteck zu benutzen: 

Doku über die Bergung von Geisternetzen

Geisternetze sind im Meer versunkene alte Fischernetze aus Kunststoff, die noch jahrelang weiterfischen und so zur tödlichen Gefahr für Meeresbewohner werden. Aber nicht nur den Unterwasserlebewesen, auch uns können diese Netze gefährlich werden, indem von ihnen abgesonderte Giftstoffe durch die Nahrungskette auf unseren Teller gelangen. Die Geisternetze aus dem Meer zu fischen ist gar nicht so einfach. Auch der WWF ist an einem Projekt zur Bergung der Netze aus der Ostsee beteiligt. Wie genau eine solche Bergungsaktion abläuft, könnt ihr euch in der Doku die nordstory – Abenteuer Ostseerettung vom NDR anschauen.

(c) www.pixabay.de joakant

Plastian erzählt Kindern vom Plastik im Meer

Dass man Kindern die Plastikproblematik sehr gut mithilfe von Kinderbüchern näherbringen kann, zeigt schon Angelika Heckhausens Bilderbuch "PIWI und die Plastiksuppe", das ich hier vor einiger Zeit vorgestellt habe. Auch Nicole Inteman hat ein Bilderbuch geschrieben, dass Kindern zwischen 5 und 10 Jahren vom Plastik im Meer erzählen soll. "Plastian, der kleine Fisch" spielt in einer Zeit, in der vom Regenwald nur noch ein kleines Fleckchen übrig ist, von dem die Uroma Lillian und Mo so lange erzählt, bis sie sich selbst auf die Reise dorthin machen. Dazu bauen sie selbst ein Boot, dessen Motor aber viele kleine Plastikstückchen ausspuckt, die dem Fisch Plastian große Bauchschmerzen verursachen.
Das Buch ist für 12,95 Euro beim Ökom-Verlag erhältlich und mit dem Erlös werden Projekte zur Reinigung der Ozeane unterstützt. Wer also noch ein Weihnachtsgeschenk für die kleinen Geschwister sucht, findet hier eine Leseprobe.

(c) www.pixabay.de bykst

Selbst aktiv werden

Buy No Plastic in Nov 15

30 Tage lang kein Plastik kaufen – eine ziemliche Herausforderung, der sich diesen November über 400 Teilnehmer stellen. Zugegeben, der November und somit auch die Aktion sind schon fast vorbei, aber ich finde, man kann auch unabhängig von der Aktion jederzeit versuchen, einen plastikfreien Monat einzulegen. Und im Dezember ist das sicherlich eine noch größere Herausforderung, vor allem um die Weihnachtszeit…

Workshop Reinigungs- und Pflegemittel selbst machen in Berlin

Am 29.11. könnt ihr bei Original Unverpackt in Berlin lernen, Reinigungs- und Pflegemittel plastikfrei selbst herzustellen. Die Veranstaltung beginnt um 15:00 Uhr und die Kosten betragen 10 Euro. Da es nur begrenzte Plätze gibt, muss man sich zuvor hier anmelden.

(c) Peter Schäfer

Die WWF Jugend aktiv gegen Plastikmüll

Platz für Ideen und zum Austauschen rund ums Thema Plastik ist auch in unserer Gruppe Gemeinsam gegen den Tütenwahnsinn. Ich kann euch schon verraten, dass unsere Plastikkampagne 2016 wieder mehr in den Mittelpunkt rücken wird. Infos, wie genau es weitergeht, folgen bald.

Letzten Monat habe ich euch unter anderem von einem Mikroplastikverbot in den USA, einem Plastikmüllkünstler, fleißigen Müllsammlern und der Idee, Wasser statt Klopapier zu benutzen berichtet. Nachzulesen ist all das und noch mehr hier.

Quellen: 

http://www.usnews.com/news/business/articles/2015/10/30/puerto-rico-to-ban-plastic-bags-through-executive-order
https://netzfrauen.org/2015/11/16/aus-fuer-plastiktueten-in-schottland-650-millionen-tueten-weniger-pro-jahr-scotland-bans-plastic-bags-spares-landfill-650-million-bags-in-just-one-year/
http://www.fastcoexist.com/3052558/scotlands-plastic-bag-ban-saved-650-million-bags-in-its-first-year
http://www.lexology.com/library/detail.aspx?g=f96eec46-20dd-4001-964e-0f38b47ce2b4
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umweltschutz-plastiktueten-sollen-teurer-werden/12490588.html
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/dormagen/auf-dem-weg-zur-stadt-ohne-plastiktueten-aid-1.5534975
http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/koblenz/runder-tisch-in-koblenz-gegen-plastiktueten/-/id=1642/did=16346588/nid=1642/jbrow3/
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Wie-eine-Familie-aus-Augsburg-ohne-Plastik-lebt-id35909442.html
http://www.shz.de/lokales/landeszeitung/supermarkt-sagt-dem-plastikmuell-den-kampf-an-id10072671.html
https://sea-shepherd.de/news/deutschland/1586-plastian
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/die-nordstory-Abenteuer-Ostseerettung-Geisternetze-vor-Ruegen,sendung440536.html?utm_source=infonewsletter
http://news.stanford.edu/news/2015/september/worms-digest-plastics-092915.html
http://www.spektrum.de/news/mehlwuermer-verdauen-styropor/1368822

Titelbild: www.pixabay.de rkit

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Kommentare (4)
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23.11.2015
j.planet.z hat geschrieben:
Ein wirklich sehr informativer und gelungener Bericht! Viele spannende Fakten! Vielen Dank! :) und gerne noch mehr :D
21.11.2015
RichardParker hat geschrieben:
Sehr schöne und interessante Fakten, liebe Anne! :)

Die Welt fängt also doch langsam an mitzudenken, das begrüße ich sehr. So können wir die Welt verbessern :)
20.11.2015
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Ich kann mich nur lolfs anschließen und die Länge ist gerade richtig. ;)
20.11.2015
lolfs hat geschrieben:
Wieder ein gelungener, interessanter Bericht.

Und das Video zum Plastiklöffel ist einfach genial!
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