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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Plastikfilmnacht und Aktionstag


von JuliusS
12.01.2015
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“Habe ich eigentlich einen Tick??” Als mein Wecker um 6 Uhr morgens klingelt und ich nach nur 5 Stunden Schlaf aufwache, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Doch alles von Anfang an.
Es beginnt Ende November, mit einem Vogel und einem Müllberg und dem dazugehörigen Aufruf von Anais. Die ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung) hat ein Info Wochenende am 13. und 14.12. zum Thema Plastik organisiert und zum kommen und mitmachen eingeladen.

Da dieses Thema auch hier in der Community immer wieder gerne und heiß diskutiert wird, und es so aussah, als könne man die Fahrtkosten erstattet bekommen, war ich mir schnell sicher, dass ich dort hingehen wollte. Doch ganz so einfach wurde es dann doch nicht. Denn es mussten vorher noch einige Sachen geklärt werden. Fahrtkostenerstattung: Ja/Nein (es war in dem Artikel nicht so hundert prozentig sicher und die Fahrtkosten von Bonn nach Potsdam sind ja nicht ganz ohne). Das zu klären dürfte eigentlich kein Problem sein. Schnell eine Nachricht an Anais schreiben und warten: “Ja also ich glaub schon, aber frag sicherheitshalber mal bei den Organisatoren nach”. Gesagt getan. Antwort: “Leider nein. Das wird vom Ministerium finanziert und deckt nur die Kosten aus Berlin/Brandenburg”. Das war's dann. Denn so gerne ich da hinfahren wollte, aber das wäre einfach zu teuer. Ich war etwas traurig und so fiel mir die nächste Nachricht auch nicht leicht. Ich musste Anais antworten: “Hey, klappt leider nicht mit der Kostenerstattung. Wird mir zu teuer. Trotzdem viel Spaß euch”. Diejenigen von euch, die etwas mitdenken, werden merken, dass das so nicht ganz stimmt. Denn einen Artikel über Aktionen, bei denen ich nicht mitmache, das ist dann doch nicht mein Stil :)

Wenig später meldete sich Anais zurück: “Schade. Aber guck doch mal bei Busliniensuche.de, vielleicht gibt es da eine billige Alternative.” Lustiger Weise hat mein Bruder zwei Tage vorher ziemlich genau das selbe gesagt. Also guckte ich mir das mal an. Erst von Bonn nach Potsdam. Da kamen aber nur sehr schlechte Verbindungen bei raus. Also von Köln nach Berlin. Die Verbindungen passten und waren sogar schön billig (20€ hin, 15€ zurück). Und damit war ich wieder zurück. :)
In der Zwischenzeit hatte sich ergeben, dass ich an dem Montag danach frei haben würde und dann noch einen Sightseeing-Tag einlegen konnte. Und meine Möglichkeit zum Übernachten von Sonntag auf Montag kam und ging, aber zum Glück bin ich hier bei der WWF Jugend. Und so war es kein Problem bei Anais zu übernachten :) (An dieser Stelle noch mal ein großes Danke). So kam es, dass ich an jenem Samstag um 6 Uhr morgens im Bett lag und mich fragte, ob ich wohlmöglich einen Tick habe.
Doch spätestens 12 ½ Stunden später, kurz vor Berlin, als wir mit einer Stunde Verspätung angekamen, waren alle Zweifel verflogen. Jetzt noch von Berlin nach Potsdam (Ampeln oder so was braucht ihr in Berlin nicht, oder? :) ). Die S-Bahn (Sie war tatsächlich pünktlich, so was bin ich ja gar nicht gewöhnt) kam und brachte mich zu der richtigen Haltestelle. Um 19:25 stand ich also in Potsdam an einer verlassenen Haltestelle, versuchte den Plan zu entschlüsseln und schaffte es tatsächlich die richtige Adresse zu finden.
Ein großes, dunkles, verlassen wirkendes Haus. Ja, es war das Richtige. Und um 19:45 komme ich endlich in einen kleinen Raum, in dem außer mir noch acht weitere Menschen um einen Tisch sitzen und essen. Essen. Etwas wundervolles. :) Und bevor ich mich richtig vorstellen kann, sitze ich schon mit einem Teller am Tisch und esse.

Ein gedeckter Tisch zur Begrüßung ist immer eine Freude :)

Allmählich werden mir die anderen Personen vorgestellt. Von der WWF Jugend sind noch Anais und Anni dabei. Und nach einem sehr leckeren Abendessen, geht es dann auch schon mit der Filmnacht los. Alles getreu dem Motto, wir haben zwar einen Zeitplan, aber nee :) TOP1: Plastik: Fluch oder Segen (von Quarks und Co). Ein guter Film und eine angenehme Diskussion, die eher einem Wissensgleichstand gleicht, denn Frauke (von der Naturfreundejugend) und ich kennen uns sehr gut mit der wissenschaftlichen Seite von Plastik aus und so wird nach dem ersten Film geklärt, was eigentlich Duroplasten, Thermoplasten oder Elastomere sind, welche Phthaltate, was bedeuten, und wofür man die überhaupt braucht oder eben nicht, warum Recycling schwer ist, und so weiter. Im nächsten Film ging es um Plastik im Meer, und wie es dorthin gelangt.
Nach diesem Film, der sehr informativ war, gingen die richtigen Diskussionen los. Sind die Experimente, die gemacht wurden, realistisch, was sagen sie aus, und war der Film schlau strukturiert oder eher nicht. Nach all dem Input gönnen sich manche eine kurze Pause, während der Rest der Gruppe munter weiter diskutiert. Die Diskussion dreht sich nun um die Frage ob Wissenschaft nicht eigentlich verlogen und unsinnig sei. Der nächste Film handelt von Cradle to Cradle und die anschließende Diskussion, ob es Greenwashing auf höchstem Niveau oder doch sinnvoll sei, wurde fürs Erste verschoben, denn darüber würde es am nächsten Tag noch einen Workshops geben, wo man mit einer Expertin diskutieren könne. Und damit ist der erste Tag Vorbei. Um halb zwei sind wir alle im Bett und schlafen müde und glücklich ein.

Um acht Uhr geht es nach einer relativ kurzen Nacht wieder weiter und nach einem ausgewogenen Frühstück ohne Milch, Eier, Fleisch und Co geht es mit den Workshops los.

Den Anfang macht Anais und erzählt uns ein bisschen über Abfallvermeidung ( PREcycling). Unter Precycling werden Maßnahmen verstanden, die dazu dienen die Menge des anfallenden Abfalls zu reduzieren. Wir lernen, dass zwischen zwei Arten von Precycling unterschieden wird. Zum einen gibt es Vorkehrungen, die qualitativ zur Abfallvermeidung beitragen (Mehrwegsysteme, weniger kaufen, etc.) und zum anderen welche, die quantitativ, also schon bei der Produktion auf die Verminderung der später anfallenden Abfallmenge abzielen (wie bessere Verarbeitung, längere Lebensdauer, ...). Das leuchtet allen ein und nachdem alle weiteren Fragen geklärt sind geht es mit dem angekündigten Cradle to Cradle-Workshop weiter. Die Diskussion lässt sich wie folgt zusammenfassen. Pro: Wir werden alle vergiftet und deshalb ist es gut, wenn alles nochmal neu erfunden wird. Contra: Verrottung (unter unrealistischen Bedingungen) ist eher schlecht und hat wenig mit Umweltfreundlichkeit zu tun. (Darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben, falls das gewünscht ist einfach unten in die Kommentare schreiben).

Cradle to Cradle Workshop: Woraus besteht eigentlich eine Kaffemaschine?

Nach dieser Diskussion geht es nach einer kurzen Pause mit Workshops zum Selbermachen weiter. Dazu wird die Gruppe aufgeteilt. Es gibt die Wahl zwischen Zahnpasta-Ersatz und Handytaschen. Wir entscheiden uns für die Zahnpasta. Und so beginnen wir mit der Analyse der Inhaltsstoffe einer herkömmlichen Zahnpasta und womit wir uns eigentlich normalerweise vergiften (Ja vergiften ist hier sicherlich das richtige Wort). Und dann geht es ans Zahnsalz. Eine biologische Alternative zu Zahnpasta. Es wird also gemörsert, Gesiebt und gemischt. Nach sehr viel Spaß muss das natürlich auch ausprobiert werden. Aber mit normalen bösen Plastikzahnbürsten? Nicht bei uns. Denn wir sind jetzt alle stolze Besitzer einer Bambuszahnbürtse. Und nach dem sehr ungewohnten Gefühl, dass dieses mal beim Zähne putzen entsteht, wird über eben jenes diskutiert. Mit dem Ergebnis (Ja es gab tatsächlich ein Ergebnis. Eine Seltenheit bei unseren Diskussionen) dass es sich auf jedenfalls lohnt.
Hier könnt ihr das Rezept nachlesen.

Da wir mit dem Zeitplan ein wenig hinterher hängen haben wir im Anschluss, statt zu wechseln, wie ursprünglich geplant, nur kurz in die Handytaschengestaltung reingeschnuppert, um das Konzept zu verstehen. An sich ganz einfach, man bastelt eine Handyschablone aus Pappe und wickelt sie in eine alte Plastiktüte und bügelt sie fest. Man muss nur darauf achten, dass man die Temperatur nicht zu hoch stellt und man keine Löcher in die Tüte einbrennt.
Eine Genaue Anleitung findet ihr zum Beispiel hier.

Das war's dann auch schon mit den Workshops. Zum Abschluss wurde noch einmal gegessen und vor dem großen Abschied haben wir uns noch die neue Website der ANU angeschaut und Verbesserungsvorschläge gemacht. Als dann alles geklärt war und die Betten abgezogen waren, war es dann an der Zeit sich zu verabschieden. Insgesamt lässt sich sagen, dass es ein sehr, sehr schönes Wochenende war, wobei es schön gewesen wäre noch mehr Zeit zu haben .

Ein Essen zum Abschied

Und um nochmal auf die Frage vom Anfang zurück zu kommen: Habe ich eigentlich einen Tick? Ich denke, hier kann man getrost mit Ja antworten. Die meisten von uns haben einen Tick. Einen PlasTick. Denn, auch das wurde an diesem Wochenende klar, egal wie viele Nachteile dieser Stoff hat, er hat auch unglaublich viele Vorteile. Es ist also nicht alles schlecht an diesem Plastik. Dennoch sollte man nicht zu viel davon benutzen und das was man benutzt wieder ordentlich weiter verwenden.
In diesem Sinne ein frohes, neues Jahr euch allen, in dem ihr hoffentlich noch etwas mehr auf den (Plastik-) Konsum achtet, als ohnehin schon.


Euer Julius.

 

Quellen und sonstiges:

Alle Bilder Rechte liegen bei der ANU

wie man genau Plastiktüten Bügelt, sagt euch Google oder Ecosia oder welche Suchmaschine ihr auch verwendet.

gleiches gilt für die Zahnpasta :D

Und zum Abschluss noch einen kurzen Verweis auf unsere Plastikfreie Woche:

Hier findet ihr das wichtigste zum Experiment Plastik Pause

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Kommentare (4)
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14.01.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht! Das hört sich wirklich toll. Da wird man ja richtig neidisch, dass man nicht dabei war.
12.01.2015
KikiFi hat geschrieben:
Hört sich cool an! Schön, dass du uns so ausführlich darüber berichtest.
12.01.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht! Ich wäre zu gerne bei diesem interessanten Wochenende dabei gewesen, aber die Reisekosten von England aus waren dann leider wirklich zu hoch. ;-) Umso mehr freue ich mich jetzt natürlich, so genau nachlesen zu können, was ihr alles Tolles gemacht habt. Und auch wenn mir die tollen Filme und Diskussionen wohl leider entgangen sind, habe ich Lust bekommen, das mit Zahnpasta und Handyhüllen selbst einmal auszuprobieren.
12.01.2015
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Hay, Danke Julius! Ein echt gelunger Bericht. Also ich bin schon neidisch geworden! Ich hatte auch überlegt zu kommen, aber meine Dezember-Wochenenden sind immer so voll mit Vorweihnachtsfeiern und ähnlichem... Aber ich denke, dies war nicht das letzte Info-Wochenende der ANU.
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