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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Plastik: Wo ist eigentlich das Problem?


von Carina
08.01.2015
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Wir leben in einem Zeitalter der Kunststoffe. Kein Wunder, sind sie doch unschlagbar vielfältig, günstig, sehr lange haltbar und praktisch. Sie finden sich in unseren Zahnbürsten wieder, in unserer Kleidung, unserem Toaster, Autoreifen, Telefone, Trinkflaschen, Kinderspielzeug … die Liste ist scheinbar endlos. Seit seiner Erfindung vor etwa einem bis anderthalb Jahrhunderten wurde so viel Plastik produziert, dass man die Erde sechsmal komplett darin einpacken könnte.

Und so weit entfernt davon sind wir gar nicht: Plastik ist längst nicht mehr nur auf Müllhalden und in Supermärkten zu finden. Mikroplastik schwimmt in unseren Flüssen und gelangt auf vielerlei Art und Weise in unsere Ökosysteme. Forscher fanden heraus, dass 95 von 100 Österreichern Kunststoffrückstände in ihrem Blut aufweisen. Riesige Müllstrudel haben sich im Ozean gebildet. Im Nordpazifik ist so ein Teppich aus Kunststoffabfällen mit einer Größe von mehreren 100 Quadratkilometern angewachsen. (Die Größenangaben in verschiedenen Quellen schwanken stark, was daran liegen kann, dass etwa 70% der Kunststoffteilchen auf den Meeresboden herabsinken.) Die lange Haltbarkeit wird hier vom Segen zum Fluch, denn es braucht viele Jahre bis das Plastik zersetzt ist.

Das bleibt nicht ohne Folgen für die Umwelt. Tiere beispielsweise fressen den Plastik oder verheddern sich darin und verenden. Der WWF hat dazu eine eindrucksvolle Fotostrecke herausgebracht, von der ich hier ein paar Beispiele zeigen möchte:

Etwa eine Million Seevögel sterben jedes Jahr durch unseren Müll im Meer. Die Tiere verwechseln die bunten Plastikteile im Wasser mit Nahrung. Sie erleiden tödliche Verstopfungen, ersticken oder verhungern bei vollem Magen. Auch Jungtiere werden von ihren Eltern mit dem Plastikmüll gefüttert. Viele Vögel sterben außerdem, weil sie sich selbst mit den Kunststoffabfällen erwürgen. (© Sascha Regmann)

Dieser Seelöwe konnte glücklicherweise gerettet werden, nachdem er sich in einem herrenlos umhertreibenden Fischernetz verfangen hatte. Doch der Seelöwe ist nur eines von Hunderten Meerestieren, die sich jedes Jahr in solchen Geisternetzen verstricken. Geisternetze nennt man verloren gegangene oder weggeworfene Fischernetze im Meer. Das Problem: Sie fischen noch jahrzehntelang unkontrolliert weiter. (© Kanna Jones)

Diese Grüne Meeresschildkröte lebt noch. Taucher entdeckten das Tier, das sich offensichtlich einst in einem Plastikband verfangen hatte. Der Körper der Schildkröte war um das Band herum gewachsen. Nachdem die Taucher das Plastik entfernt hatten, schwamm die Schildkröte unversehrt weiter - allerdings mit einer sehr unüblichen Taille. (© John Chinuntdet)

Der Mageninhalt dieses Albatrosses sieht alles andere als natürlich aus. Auf der Suche nach Futter im Meer hat der Vogel jede Menge Plastikteile mit Nahrung verwechselt. Gerade das Midway-Atoll im Nordpazifik, Brutstätte hunderttausender Seevögel, wird immer unerbittlicher vom Müll unserer Zivilisationsgesellschaft heimgesucht. Bilder wie dieses sind hier keine Seltenheit. (© NOAA/NMFS/Marine Photobank)

Viele Kunststoffe schaden auch durch ihre Inhaltsstoffe der Umwelt, darunter das Polyvinylchlorid. Es enthält bis zu 57 Prozent Chlor. Verbrennt es, entstehen hochgiftige Chlorverbindungen und Säure. Die Schadstoffe zu entsorgen, ist sehr aufwändig und teuer.

Wissenschaftler vermuten, dass Plastik auch uns Menschen gesundheitliche Gefahren bringen kann. Hier einige Beispiele:
PAKs (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) stecken in vielen Produkten aus Gummi oder Kunststoff. Sie stammen aus billigen Teerölen und stehen in Verdacht, krebserregend zu sein. Trotzdem gibt es bisher keine Grenzwerte.
• Mehrere unabhängige wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Bisphenol A eine hormonartige Wirkung hat und in Tests Missbildungen bei Tieren verursacht hat. Die Chemikalie kann beim Erhitzen von Fertiggerichten von der Verpackung in die Nahrung übergehen.
Phthalate machen Kunststoffe weich und geschmeidig und gehören somit zu den wichtigsten Industriechemikalien. Sie stehen jedoch schon seit langem im Verdacht, den Hormonhaushalt zu stören. Sie wurden von der EU als fortpflanzungsgefährdend eingestuft, können also die Fortpflanzungsfähigkeit und das Kind im Mutterleib schädigen. Wir nehmen sie über die Luft und die Nahrung auf. Phthalate sind fast bei jedem Menschen im Urin nachweisbar.

Glücklicherweise werden diese Gefahren jedoch immer besser erforscht und den Menschen bewusst. Viele Konsumenten achten darauf, weniger Plastik zu verbrauchen und es richtig zu entsorgen: Ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung. Zudem wird über Alternativen wie beispielsweise Biokunststoffe diskutiert. Diese könnten aus den Schalen von Krebstieren hergestellt werden – ein natürlicher Abfall, der im Überfluss vorhanden ist.

Über mehr Alternativen und Aktionen gegen Plastikmüll, wird jedoch am 22. Januar im fünften und letzten Artikel dieser Reihe berichtet.

Hier noch ein Filmtipp zum Thema:

 

Ist ein Leben ohne Plastik überhaupt noch möglich? Wir wollen es mit euch gemeinsam herausfinden. Hast du Lust das Experiment zu wagen? Dann sei dabei bei der WWF Jugend Plastik-Pause vom 26.01. bis zum 01.02.2015. Alle Infos zum Experiment findest du in diesem Bericht.


Quellen:
http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/werkstoffe/kunststoff/index.jsp
http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/gesundheit/weichmacher-kunststoffe-bisphenol-a102.html
http://www.plastic-planet.at/
http://www.wwf.de/fotostrecke/toedliches-plastik/
 

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Kommentare (4)
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08.01.2015
Luke24 hat geschrieben:
Das ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass es kaum eine Erfindung oder Entdeckung gibt, die nicht ihre Kehrseiten hat. Die Frage ist eben immer, wie man mit den Dingen umgeht.
Beim Plastik wurde es leider total versäumt, seine Verbreitung außerhalb den gewünschten Anwendungsbereichen unter Kontrolle zu halten :-( .
Ein sehr interessanter Bericht!
08.01.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den sehr informativen und interessanten Bericht! Es ist wirklich grausam, wie sehr Tiere unter dem Plastikmüll leiden müssen.
08.01.2015
Ria2000 hat geschrieben:
Danke für den echt interressanten Bericht! :)
08.01.2015
julchen.blubb hat geschrieben:
Sehr guter Bericht !! Danke :)
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