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Thema Plastikmüll:


Aktuelle Artikel


Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Plastik: Was sich tut und was du tun kannst


von Cookie
23.10.2015
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt selbst ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Strenges Mikroplastik-Verbot in Kalifornien

Ganz schön fies, diese winzigen Plastikteile, was? Aber es gibt Hoffnung! Diesen Monat wurde in Kalifornien ein ganz besonderes Gesetz gegen Mikroplastik verabschiedet: Es ist das bisher strengste seiner Art. Auch in anderen US-Staaten und Ländern wurden Produkte, die Mikroplastik enthalten, schon verboten, doch all diese Gesetze bieten Schlupflöcher für Firmen. Diese können zum Beispiel behaupten, das Mikroplastik in ihren Produkten sei biologisch abbaubar und dürfen ihre Produkte somit weiterverkaufen. Ob dem wirklich so ist, konnte bisher allerdings noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Dieser Schwindel ist in Kalifornien dank dem neuen Gesetz nun nicht mehr möglich. Hier sind jetzt absolut alle Mikroplastikbestandteile verboten. Wer biologisch abbaubares Mikroplastik einsetzen will, muss dessen Sicherheit erst beweisen.

(c) stevepb www.pixabay.de

Zu Fuß durchs Land und gegen den Müll

Wer schon mal an einer Müllsammelaktion teilgenommen hat, weiß, wie lange es dauern kann, einen einzigen Ort vom herumliegenden Müll zu befreien. Jetzt stellt euch einmal vor, wie lange es dauern muss, ein ganzes Land aufzuräumen. Und zwar nicht irgendein Land, sondern die USA. Die Antwort: 208 Tage. Diese Zeit benötigten Keith Edwards und Reina Emerson, um einmal vom Atlantik bis zum Pazifik zu laufen und unterwegs Müll zu sammeln, den sie mithilfe von Freunden ordnungsgemäß entsorgten. Die beiden leben auf Oahu (Hawaii) und waren schon immer sehr abenteuer- und reiselustig. Keith hatte die USA schon fahrend erkundet, fand aber, dass man auf diese Weise zu wenig vom Land mitbekommt. Für Reina war Laufen schon immer ihre Lieblingsart, sich fortzubewegen. So beschlossen sie schließlich, dass Projekt, die USA zu Fuß zu durchqueren, gemeinsam anzupacken. Sie nannten sich American Wayfarers und finanzierten ihre Reise durch Crowdfunding. Doch es sollte nicht nur ein Abenteuer werden, sie wollten auf diese Weise auch etwas für die Umwelt tun und Bewusstsein für die Meeresverschmutzung und die mit Einwegplastik verbundenen Probleme schaffen. Deshalb sammelten sie unterwegs Müll. Zurück in Oahu beschlossen sie, ihre Heimatinsel auf gleiche Art vom Müll zu befreien und machten sich auf eine einwöchige Tour entlang der Küste. In die unzähligen Müllsäcke, die das Paar auf ihren beiden Reisen füllte, wanderte vor allem eine erschreckende Menge Plastikmüll. Nach der Aufräumaktion auf Oahu sagte Reina: "Es war wirklich traurig, den ganzen Müll auf der Insel zu sehen, aber es war gut, Leuten erzählen zu können, was wir tun, und zu versuchen, etwas zu verändern." Die American Wayfarers brauchen nun verständlicherweise eine Erholungspause, aber ihre Arbeit ist noch nicht getan. Am 19. November werden Keith und Reina erneut die Wanderschuhe schnüren. Ihr nächster Fußmarsch soll sie an der Küste entlang von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada führen. Diesmal werden sie unterwegs an verschiedenen Orten Strand-Aufräumaktionen organisieren. Die Reisen der beiden könnt ihr auf ihrer Website verfolgen.

(c) piper60 www.pixabay.de

Mit Kayak und Kunst für saubere Flüsse

Fotodesigner, Installationskünstler und Hobby-Paddler Stephan Horch zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie man die Liebe zur Kunst, zum Meer und zum Sport vereinen und so auf den Müll in unseren Flüssen aufmerksam machen kann. Seit 2012 fischt er während seiner Paddeltouren Müll aus Gewässern und verarbeitet diesen zu Kunstwerken, die er abfotografiert, bevor er den Müll ordnungsgemäß entsorgt. Auf einer zweistündigen Paddeltour kommt etwa ein halber gelber Sack Abfall zusammen. Solche Touren unternimmt Horch ein bis zwei Mal die Woche. Zusätzlich paddelt er einmal im Monat zu sogenannten Müll-Hot-Spots, um diese zu säubern. Dafür braucht er dann im Durchschnitt schon zwei gelbe Säcke. Auf seinen Sammeltouren stößt Horch unter anderem hauptsächlich auf Plastikflaschen und – tüten, sowie auf Nahrungsmittelverpackungen und Styropor. Aber auch verrückte Funde wie einen Barbieschuh, eine alte Schreibmaschine und Sexspielzeug hat er schon gemacht. Er hofft, durch sein Projekt CLEANRIVERPROJECT.DE auf den Flussmüll aufmerksam zu machen und andere zum Handeln zu bewegen. Seine Motivation: "Ich fühle mich tief mit dem Meer verbunden und freue mich wirklich über jedes Plastikstück, das nicht im Meer landet. Als Vater will ich ein Vorbild sein. Mein Sohn, der inzwischen schon fleißig Müll mit einsammelt, ist für mich ein großer Ansporn. Alle Menschen, die ich bisher mit meinem Projekt zum Handeln bewegen konnte, erfreuen mich und motivieren mich zum Weitermachen." Stephan Horchs Kunstwerke könnt ihr auf seiner Homepage bewundern oder euch vom 29.11.2015 bis zum 09.01.2016 in einer Ausstellung im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg anschauen.

(c) MrClarke www.pixabay.de

Doku über Boyan Slat

Von Boyan Slat haben die meisten von euch vermutlich schon einmal gehört: Der junge Niederländer hatte mit 18 Jahren schon eine geniale Idee, wie man die Ozeane vom Plastikmüll befreien könnte. Mittlerweile widmet er sich voll und ganz seinem Projekt The Ocean Cleanup, damit 2020 mit der Säuberung der Meere begonnen werden kann. Zeit für ein Studium oder eine Beziehung bleiben da nicht. Eine Doku gibt nun Einblick in Alltag und Expeditionen bei The Ocean Cleanup und erzählt, wie das Projekt entstand. Wer die Ausstrahlung am 11. Oktober verpasst hat, kann sich den kompletten Film hier online anschauen. Es warten knapp 45 sehr spannende Minuten auf euch.

(c) Anne Zeiß 

Unplastic Billerbeck – Eine Gemeinde wird plastiktütenfrei

Eine Gemeinde mit ihren 11.000 Einwohnern innerhalb eines Jahres weitgehend plastiktütenfrei zu bekommen – das ist das Ziel des letzten Monat gestarteten Modellprojekts Unplastic Billerbeck. Erreicht werden soll dieses Ziel im in der Nähe von Münster gelegenen Billerbeck allerdings nicht durch Steuern und Verbote, sondern durch Unterhaltung, Kunstaktionen und Humor. So geht zum Beispiel die Symbolyfigur Mr. Unplastic von Haus zu Haus, sammelt die letzten Plastiktüten der Bewohner ein und lässt sie Abschiedsgrüße an diese schreiben. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Aktionskünstler und Regisseur Thomas Nufer und Projektentwickler Dirk Schubert, die das Konzept schon 2012 erarbeiteten. Seit 2013 verhandeln sie mit den ansässigen Geschäften und haben bereits die meisten von ihrer Idee überzeugt. Der Besitzer eines Modeladens weigert sich allerdings noch, da er über einen Vorrat an Plastiktüten für zwei Jahre verfügt und seinen Kunden nicht zumuten möchte, die erstandenen Waren im Regen ohne Tüte nach Hause zu tragen. Aber auch er möchte auf Papiertüten umsteigen, wenn sein Plastiktütenvorrat zu Neige geht. Im Laufe des Aktionsjahres ist noch eine ganze Menge geplant. So soll zum Beispiel der Film Plastic Planet mehrmals gezeigt werden und es soll eine Projektschulwoche, einen Wettbewerb und eine eigene Stadt-Tüte geben. Unplastic Billerbeck hat bereits zahlreiche Unterstützer und Befürworter gefunden und wird hoffentlich dazu beitragen, den Plastiktütenverbrauch der Gemeinde enorm zu reduzieren.

Tütenverzicht lässt neue Bäume wachsen

Die Pelikan-Apotheke in Reichenbach hat sich für den Oktober eine besondere Aktion ausgedacht: Für jeden Kunden, der auf eine Tüte verzichtet, werden 5 Cent für eine Baumpflanzung im Stadtpark Reichenbach gespendet.

(c) Pelikan Apotheke Reichenbach

Wasser statt Klopapier?

"[…] macht den Klogang beinahe zu einem Höhepunkt des Tages." Als ich den Satz höre, muss ich irgendwie erst mal lachen. So heißt es aber tatsächlich auf der Seite von Sensibo, "der sanften Revolution für untenrum". Diese Revolution, deren Werbesprüche mich so zum Schmunzeln bringen, ist vielleicht tatsächlich eine Lösung für ein heißes Diskussionsthema unter plastikfrei Lebenden: Klopapier. Dieses bekommt man leider nur in der Plastikverpackung und in der Facebook-Gruppe Plastik frei leben – Tipps und Tricks wird immer wieder wild debattiert, was man denn als Alternative nutzen könnte. Die einen schwören auf wiederverwendbares Toilettenpapier aus Stoff, einige wenige schlagen vor, ganz mittelalterlich die Hand zu benutzen, und manche strecken den Hintern nach dem Klogang unter die Dusche. Den Intimbereich nach Erledigung des Geschäfts mit Wasser zu reinigen, ist allerdings keine so abwegige, sondern eher eine sehr hygienische Idee, die in einigen Kulturen ohnehin praktiziert wird. Wer sich nun aber kein japanisches Superklo zulegen oder jedes Mal unter die Dusche hüpfen möchte, kann es mit Sensibo versuchen. Es handelt sich hierbei um eine kleine Plastikflasche mit einer Art Duschkopfaufsatz, mit der man sich nach dem Toilettengang sauber machen kann. Wenn man keine nasse Hose möchte, empfiehlt sich allerdings, hinterher noch mal mit Klopapier trocken zu wischen. Laut der Website kann man seinen Klopapierverbrauch mit Sensibo auf ein Drittel reduzieren. So werden auch Kläranlagen, Flüsse und Gewässer entlastet. Bestellen kann man Sensibo online für 14,99. Wer nicht zufrieden ist, bekommt sein Geld wieder zurück. Vielleicht findet sich hier ja ein mutiger Tester, der uns von der portablen Klodusche berichten kann?


(c) Kaz www.pixabay.de

SELBST AKTIV WERDEN 

Engagieren kann man sich manchmal mit nur wenigen Klicks. Zum Beispiel, in dem ihr diese Petitionen unterschreibt:

Du möchtest, dass Mikroplastik nicht nur in Kalifornien, sondern auch in Deutschland verboten wird? Dann unterzeichne diese Petition.

Kaffeekapseln kennen wir, aber wusstet ihr, dass es auch Softdrinks bald in Getränkekapseln geben soll? Unterschreibe hier, um einen riesigen Müllberg zu vermeiden.

Plastikfrei-Pakete zu gewinnen

Plastikfreie Alternativen sind nicht immer günstig. Bei diesem Gewinnspiel hast du die Chance, ein großes Paket davon zu gewinnen. Alles, was du dafür tun musst, ist, dich für den Newsletter zu registrieren und einen Tipp zum plastikfreien Leben in den Kommentaren zu posten. Teilnahmeschluss ist der 30.10.15.

Auch auf der Facebook-Seite von plasno findet ihr ein solches Gewinnspiel. Hier muss man zur Teilnamhe die Seite liken, den Beitrag liken und einen Freund in den Kommentaren verlinken. Gewinnt man ein Paket, beommt der verlinkte Freund ebenfalls eines. Das Gewinnspiel endet am 06.11.15.

(c) HebiFot www.pixabay.de

Für alle, die etwas mehr Zeit investieren möchten:

Werde ein Teil von The Ocean Cleanup

Du hast den Film über Boyan Slat gesehen, bist Feuer und Flamme und möchtest bei The Ocean Cleanup mitmischen? Dann bewirb dich als Freiwilliger! Hier kannst du angeben, auf welchen Gebieten du dich auskennst, welche Fähigkeiten du hast, die hilfreich sein könnten, und wie viel Zeit du investieren kannst. Und wer weiß, vielleicht sucht die Organisation ja nach jemandem mit deinen Stärken und kommt auf dich zurück.

Starte deine eigene Aktion zur Abfallvermeidung

Vom 21. Bis zum 29. November 2015 findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt, denn der beste Abfall ist schließlich derjenige, der gar nicht erst entsteht. Der Aktionszeitraum bietet jedem die Möglichkeit, eigene Ideen und Projekte zur Abfallvermeidung vorzustellen und eigene Aktionen zu starten. Das Schwerpunktthema lautet "Nutzen statt Besitzen", aber jeder kann das Thema und die Art seiner Veranstaltung selbst wählen. Hast du auch Lust, eine Aktion zu starten? Es gibt so viele Möglichkeiten: Floh- oder Umsonstmärkte, eine Kleidertauschparty (oder vielleicht mal eine andere Tauschparty? Zum Beispiel mit Büchern?), ein Essen mit geretteten Lebensmitteln, einen Vortrag oder eine Podiumsdiskussion (Es gibt so viele Menschen, die sich mit Abfallvermeidung beschäftigen: Die Autorin des Blogs Wasteland Rebel, die Leute von Foodsharing…. Bestimmt gibt es auch in eurer Gegend Menschen, die ich zu so einer Veranstaltung einladen könntet), eine Film- oder Theatervorführung, einen Upcycling-Workshop… Wenn ihr also Lust, Zeit und Ideen habt, dann trommelt doch eure Bundeslandgruppe oder eure Schulklasse zusammen und veranstaltet eine Aktion. Diese muss bis zum 6. November hier angemeldet werden. Den besten Aktionen winken eine Auszeichnung sowie Preise. Außerdem gibt es noch eine Auftaktveranstaltung in Berlin am 23. November, die sicher auch sehr interessant wird. Auch hierzu muss man sich anmelden. Alle Infos zur Woche der Abfallvermeidung findet ihr hier. Außerdem könnt ihr in unserer Anti-Plastik-Gruppe Aktionsideen austauschen.

(c) mermyhh www.pixabay.de

Ich wünsche euch allen ganz viel Spaß beim Aktivwerden! Hier findet ihr meine letzte Plastik-Zusammenfassung, in der es unter anderem um Computerchips aus Holz geht.

Quellen: 

http://www.kitv.com/news/oahu-couple-walks-for-days-picking-up-trash/35972792
http://americanwayfarers.com/
http://cleanriverproject.de/wp-content/uploads/2015/07/CRP_PROJEKTINFO_WEB.pdf
http://www.binnenschifffahrtsmuseum.de/?p=2418
http://www.der-pelikan.de/
https://www.facebook.com/1421223958188708/photos/a.1424555014522269.1073741829.1421223958188708/1502823083362128/?type=3&theater
https://netzfrauen.org/2015/10/10/radikaler-mikroplastik-verbot-in-kalifornien-california-approves-nations-toughest-ban-on-plastic-microbeads/
http://storyofstuff.org/blog/plastic-microbeads-win-why-what-happens-in-california-matters-everywhere/?utm_source=microbeads_action_page&utm_medium=website%22%20target=%22_blank%22
http://www.3sat.de/page/?source=/film/dokumentarfilm/182948/index.html
http://www.sensibo.de/
http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/plastiktueten-verzicht--billerbecks-kampf-gegen-den-plastikmuell-6472530.html
http://www.unplastic-billerbeck.de/
http://www.wochederabfallvermeidung.de/fileadmin/bilder/ewav/Einladung_EWAV2015.pd

Titelbild: skeeze www.pixabay.de

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Kommentare (1)
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26.10.2015
Marcel hat geschrieben:
Eine wahnsinnig tolle Sammlung an inspirierenden Geschichten, Initiativen und Mitmach-Aktionen. Danke hierfür, Anne!
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