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Plastik-Pause - Wenn nicht jetzt, wann dann?!


von Charliem
04.02.2015
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Das Experiment „eine Woche ohne Plastik“ Ist schon vorbei. Hier kommt jetzt auch mal mein Resümee.


„Eine Woche ohne Plastik denke ich mir….das wird doch wohl machbar sein“. Soweit meine Einschätzung, bevor das Experiment startete. Nach dem Experiment : Ernüchterung. Oder zumindest eine Mischung aus Ernüchterung und einer kleinen Portion Stolz, dass man den Anfang gewagt hat.
Doch nun von vorne!


Gut vorbedacht ist schon halb gemacht heißt es ja bekanntlich, also mache ich mich an die Planung. Das ist leichter gesagt als getan denn als ich genauer hingucke fällt es mir wirklich schwer irgendwie Struktur in mein Vorhaben zu bringen. Letzten Endes Überlege ich wie mein Tag abläuft und versuche dementsprechend Gebrauchsgegenstände auszusortieren.
Jeder Tag beginnt mit dem unglaublich freundlichen Klingeln meines Handys. Verdammt natürlich ist es zum Teil aus Plastik. Nach langem Überlegen schließe ich die Möglichkeit, darauf zu hoffen pünktlich aufzuwachen, aus und behalte das Handy. Die Schutzhülle kommt weg. Erste Ernüchterung macht sich breit, denn der Lichtschalter den ich danach betätige ist auch aus Plastik genauso wie die Fernbedienung mit der ich dann meist Musik anmache. An dem Lichtschalter lässt sich leider nichts ändern, aber Musik wird es die nächste Woche morgens nicht mehr aus der Anlage geben. Dann lieber selber singen. Bekanntlich hebt das ja auch die Laune und macht wach. Einmal aufgestanden folgt dann der Weg ins Bad. Beflissen versuche ich dabei nicht nach links und rechts zu gucken, da mir sofort gefühlt 1000 Baustellen auffallen. Ist eigentlich alles in meiner Wohnung aus Plastik? Der bisher größte Schock folgt im Bad. Ich bin keiner dieser Menschen die 20 Stunden im Bad verbringen und deren Schrank vor Döschen und Fläschen überquillt, aber selbst das „nötigste“ ist leider in Plastik verpackt. Shampoo und Duschgel kommen mit auf die Liste der Sünden, wie auch Zahnpasta , Zahnbürste und Deo . Als ich beim weiteren sortieren meine Bürste sehe und zum ersten Mal bewusst wahrnehme, dass sie aus Holz ist muss ich grinsen. Wenigstens was. Die Wahl der Klamotten ist Gott sei Dank wesentlich unkomplizierter als gedacht. Nur bei den Hosen habe ich kein Glück . Die gute alte Baumwolle rettet mir in dieser Ansicht den Hintern.
Weiter geht’s in die Küche. Erstmal werden die Müllbeutel aus Plastik gegen Papiertüten ausgetauscht. Beim Biomüll ist das leider nicht so optimal, da die Feuchtigkeit natürlich durchs Papier durchzieht. Leider ist auch der Knopf des Wasserkochers aus Plastik. Auf ihn kann ich verzichten. Dies funktioniert bei den abgepackten Lebensmitteln leider nicht. Schnell überlege ich: Wasser gibt’s in Glasflaschen, Brot bei meinem Bäcker in einer Papiertüte, Obst und Gemüse auf dem Markt in Papiertüten (allerdings nur Samstags), Käse und Wurst direkt an der Theke mit freundlichem Nachfragen ob diese gleich in eine selbstmitgebrachte Glasbox gelegt werden können (Leider bemerke ich dann beim Einkaufen, dass das Etikett, was man zum bezahlen braucht, auch aus Plastik ist). Und natürlich haben sich auch einige Lebensmittelmarken dem Naturschutz verschrieben, sodass es auch einige wenige Lebensmittel abgepackt in Papier zu kaufen gibt. Trotz alledem war meine Ernährung diese Woche zwar gesund, aber auch ein wenig eintönig (Hauptsächlich Obst, Gemüse und Brot). Küchengeräte und allgemein Haushaltsgeräte fallen bei diesem Experiment leider durch. Und so wird auch der Toaster weggestellt.
Fertig angezogen und gefrühstückt kann der Tag jetzt beginnen. Aber nicht bevor alle Anhänger mit Plastikteilen vom Schlüsselbund entfernt und die unwichtigen Plastikkärtchen aus dem Portemonnaie verbannt sind. Da meine Kopfhörer leider auch aus Plastik sind, gibt’s auch keine Musik auf dem Weg zur Arbeit. Gott sei Dank bin ich zu Fuß unterwegs und kein weiteres Hilfsmittel aus Plastik kann mich aufhalten.
Schwieriger wird’s beim Arbeitsplatz. Da bin ich mit jeder Menge Plastik in Kontakt. Computertastaturen, Schutzhandschuhe, Telefone…allein das ganze Schreibtischequipment (Locher, Tacker etc. ) fast alles setzt sich zumindest zum Teil aus Plastik zusammen. Und da ich nun mal FSJtler und kein Chef bin, werde ich es wohl auch nicht durchsetzen können, dass die Anspitzer ab jetzt ein Holzgehäuse haben und keins aus Plastik. Trotzdem versuche ich auch bei der Arbeit größtenteils auf Plastik zu verzichten.
Wieder zu Hause wird mir klar, dass ich diese Woche wohl ohne Fernseher und Laptop auskommen müsste. Der Fernseher stellt kein Problem dar, der Laptop allerdings schon. Traurigerweise schreibe ich ihn mir auf die Liste der Sünden. Ansonsten finde ich es erstaunlich wie einfach sich die Freizeit ohne Plastik gestalten lässt. Natürlich muss man bei Kaffee trinken die Auswahl der Caffees einschränken, aber im Prinzip lassen sich alle möglichen freundschaftlichen Aktivitäten mit ein bisschen Aufwand ohne Plastik organisieren.


Um es mal, wie in der Schule gelernt, wie bei einem guten Aufsatz zusammenzufassen:
Das Experiment hat mir wahnsinnig gut gefallen und das liegt zum Teil auch an der zu Anfang beschriebenen Ernüchterung, die sich bei mir breit gemacht hat. Mir ist viel mehr bewusst geworden, was für ein große Rolle Plastik in unserem Leben spielt. Plastik ist wie ein blöder Zwang, der den Verbrauchern aufgedrückt wird und diejenigen, die sich entscheiden sich dem für kürzere oder längere Zeit zu entziehen, werden schräg angeguckt. Die Zahl der komischen Blicke und der amüsierte Lächeln, die ich diese Woche von Verkäufern verschiedener Läden erhalten habe, als ich versucht habe zu erklären warum ich meinen Käse lieber in einer Glasbox haben möchte, ist viel zu hoch, wenn man bedenkt , dass ich küstennah wohne und das Problem der Bevölkerung dort eigentlich besonders allgegenwärtig sein sollte(Dauernd findet man Plastiktüten und anderen Schrott in Nord- und Ostsee oder auch im Hafenbecken und jeder beschwert sich darüber). Das Experiment hat mir auch geholfen zu verstehen warum es so wenige Menschen gibt, die sich über ihren Verbrauch an Plastik keine Gedanken machen und das ist Faulheit. Was mich auch wirklich aufregt, ist die Tatsache, dass es sich als so schwierig gestaltet komplett auf Plastik zu verzichten, da man als Verbraucher von der Industrie so wenig Möglichkeiten bekommt. Eigentlich sollte es viel normaler sein auch mal auf Plastik zu verzichten und dabei das Portemonnaie nicht zu überstrapazieren. Auch wenn ich bestimmte Artikel nach dieser Woche wieder benutzen werde, werde ich meine Plastikkonsum viel strenger kontrollieren und minimeren.
Vielen Dank für die Möglichkeit! Ohne die Anregung, hätte ich das Experiment vllt. Nicht gestartet.
 

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Kommentare (4)
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11.02.2015
Charliem hat geschrieben:
Lieben Dank für die Kommentare :)
@Iolfs Ich hab jetzt auch gesehen, dass es speziele Beutel dafür gibt...hab leider beim Experiment ganz normal dünne Papiertüten genommen.
@midorin :D in einem Museum in Flensburg
05.02.2015
lolfs hat geschrieben:
Die Biobeutel aus Papier kenne ich auch und finde die auch nicht schlecht. Na klar, man muss aufpassen, dass man nicht zu sehr Nasses rein schmeißt, aber damit habe ich keine Probleme.
04.02.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! Ich bin ganz beeindruckt davon, wie konsequent du vorgegangen bist und es freut mich unglaublich, dass wir dich mit dem Experiment anregen konnten und du Spaß bei der Plastik-Pause hattest! Vielen Dank, dass du dabei warst und noch viel Spaß und Erfolg beim Versuch, ein wenig plastifreier zu leben. :)
04.02.2015
midori hat geschrieben:
Wow - Du hast tatsächlich den Laptop auf die Liste geschrieben? Respekt! Wo machst Du denn FSJ? :o)
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