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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
PIWI - Ein Roboter erklärt Kindern, wie der Müll ins Meer kommt


von Cookie
09.10.2015
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Dass es nicht gut sein kann, Müll ins Meer zu werfen, ist ziemlich logisch. Wenn es aber zum Beispiel um die Fragen geht, wie der ganze Plastikmüll nun eigentlich im Meer landet und was um alles in der Welt Mikroplastik ist, wird es schon komplizierter. Wie kann man Kindern solche Themen näherbringen? Eine Antwort auf diese Frage hat Angelika Heckhausen gefunden: Mit einem Bilderbuch. "PIWI und die Plastiksuppe" heißt es und darin erzählt Pool-Reinigungsroboter PIWI davon, wie er feststellen musste, dass es leider nicht überall so sauber zugeht wie in seinem heimischen Swimmingpool. So beginnt für PIWI eine Reise über Bäche und Flüsse bis ins Meer, während der er der Frage auf den Grund geht, wie der ganze Müll in unsere Ozeane gelangt. Kunterbunte Zeichnungen und PIWIs lustige Erzählweise lassen uns die Reise von Seite zu Seite miterleben und am Seitenrand gibt es jede Menge Infos rund um den Müll im Meer. So können Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, für die das Buch gedacht ist, ganz leicht nachvollziehen, was Plastik in Gewässern anrichtet und wie wir verhindern können, dass es überhaupt dort landet. Und das Beste: Das von der Meeresschutzorganisation Project Blue Sea e.V herausgegebene Bilderbuch ist für Kinder komplett kostenlos.
Das Buch ist Teil eines Bildungsprojekts. Dazu gehört auch noch ein Bildungskoffer, den man sich leihen kann. Dieser ermöglichet es den Kindern, unter anderem echtes Mikroplastik direkt vor Augen zu haben und spielerisch noch mehr zum Thema Meeresmüll zu lernen. Momentan sind zwei (baugleiche) Koffer vorhanden. 
Projektleiterin und Autorin Angelika Heckhausen erzählt im Interview, wie PIWI entstanden ist und was jeder von uns selbst tun kann, um für den Schutz der Meere aktiv zu werden.

Ein Blick ins Buch (c) Angelika Heckhausen

Wie lange engagieren Sie sich schon für den Meeresschutz und insbesondere was den Müll im Meer angeht?

Mittlerweile ist es etwas mehr als 5 Jahre her, dass ich auf Unsummen von Plastikmüll in den Spülsäumen an Stränden aufmerksam wurde. Ich fing an, mich mit dem Thema zu befassen und je mehr ich darin eintauchte, umso dringender wurde es für mich, dagegen etwas zu tun.

Wie ist die Idee zu PIWI entstanden? 

Die Idee zu einem Kinderbuch ist schon etwas älter, inspiriert wurde ich jedoch von einem Meeresbiologen, der in Chile lebt und arbeitet und dort sehr gutes Material für Kinder erstellt hat. Sein letztes Buch zum Thema Mikroplastik war der letzte Anstoß für mich, nun endlich das Ganze konkret anzugehen. Mein Buch sollte jedoch den ganzen möglichen Weg des Plastikmülls vom "platten Land" bis ins Meer aufzeigen, sodass sich wirklich alle Menschen im ganzen Land angesprochen fühlen. Die einzelnen Stationen der Reise und die Figuren zu entwickeln war dann der kreative Teil des Projektes. Und wichtig war mir, dass das Buch kostenfrei an Kinder abgegeben werden kann, sodass es unabhängig von finanziellen Mitteln allen Kindern zur Verfügung stehen kann.

Plastikmüll im Spülsaum (c) Angelika Heckhausen

Für welche Art von Veranstaltungen bietet es sich an, einen Bildungskoffer auszuleihen?

Der Koffer ist ein Angebot an Menschen, die mit Kindern zusammen das ganze Thema intensiver bearbeiten möchten. In der Regel gehe ich davon aus, dass das Buch ebenfalls gelesen worden ist (das ist aber keine Voraussetzung zum Einsatz des Koffers). Im Koffer sind Spiele enthalten, die man kreativ einsetzen kann; außerdem Grafiken auf einer großen gedruckten Plane, auf der der Weg von PIWI nachgespielt werden kann; oder kleine Grafiken zu einzelnen Themen wie Mikroplastik oder Pellets, sodass auch speziellere Themen genauer betrachtet werden können. Außerdem sind verschiedene Mikroplastikproben in Lupenbechergläsern enthalten und schließlich einiges „echtes“ Strandfund-Material, an dem man zum Beispiel die Bissspuren von Meerestieren sehen kann. Diese Proben und auch die Bechergläser sind real und können angefasst werden, was zum "Begreifen" beiträgt. Somit kann die "Art der Veranstaltung" sowohl eine Projektwoche sein, aber auch ein Infonachmittag kann mit dem Koffer gestaltet werden. In jedem Fall soll der Einsatz der Spiele und Materialeien von Erwachsenen begleitet werden und der Koffer nicht einfach „zum Spielen“ den Kindern überlassen werden.

Die Bildungskoffer sind so beliebt, dass sie schon für den Rest des Jahres ausgebucht sind. Haben Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet? Und wird es bei der großen Anfrage eventuell noch weitere Koffer geben? 

Ja, ich habe damit gerechnet, dass die Koffer zahlreich angefordert werden. Wenn man sich mal überlegt, wie viele Grundschulen und Kitas mit Vorschulklassen es bundesweit gibt, dann müssten wir eigentlich sehr viele Koffer haben, damit möglichst viele Kinder damit arbeiten können.
Ein Koffer in dieser Form kostet etwa 1000€ in der Herstellung. Wir müssten also Sponsoren finden, die weitere Koffer finanzieren könnten. Über die Verbändeförderung, durch die wir das Bildungsprojekt finanzieren konnten, sind leider keine weiteren Koffer zu finanzieren.
Auf der PIWI-Homepage haben wir begonnen, eine Download-Seite einzurichten, auf der wir die Druckdaten für Grafiken oder Fotos anbieten, sodass man sich auch einen Teil der Materialien selbst erstellen kann und somit einen eigenen Koffer erarbeiten kann.

Blick in den Bildungskoffer (c) Angelika Heckhausen

Was sind bisher die Reaktionen der Kinder auf das Buch und den Koffer?

Da ich selbst nicht dabei bin, wenn der Koffer in Schulen genutzt wird und auch nur ganz wenig direkte Rückmeldungen von Kindern zum Buch erhalte, kann ich das nicht so einfach beantworten. Es sind eher die Rückmeldungen der Lehrer oder Eltern, die durchweg sehr positiv sind. Eine Mutter schrieb mir, dass sie das Buch ihrem 3-jährigen Sohn vorliest oder besser "vorerzählt" und er so begeistert sei: "Zur Zeit wünscht er es sich jeden Tag mehrere Male." Es kommt also entscheidend darauf an, wie Erwachsene die Kinder sowohl an das Buch als auch an den Inhalt der Koffer heranführen.

Ist es für Sie selbst wichtig, im Alltag weniger Plastik zu nutzen? 

Ja, besonders das "Einweg-Plastik" möchte ich vermeiden. Aber es ist gar nicht so einfach, alles so umzusetzen, wie man es gerne möchte. Da ertappe ich mich auch schon dabei, im Biomarkt die in Plastik verpackten Paprika zu kaufen… Auf alle Fälle haben wir als Konsumenten eine viel größere Möglichkeit, durch unser Kaufverhalten Einfluss zu nehmen, als uns manchmal bewusst ist. Und da sind wir gefragt, "nachhaltiger" einzukaufen.

(c) Angelika Heckhausen

Haben Sie einen Tipp für Jugendliche, die sich für den Schutz der Meere engagieren wollen?

Ich denke, dass man sich für den Meeresschutz nicht nur direkt am Meer, sondern überall engagieren kann. Und es gibt so viele Bereiche im Meeresschutz, für die man sich engagieren kann, ob das nun das Thema Meeresmüll ist, oder der Schutz von Meerestieren, oder der zunehmende "Lärm" im Meer, der für Tiere unausweichlich schmerzhaft und schädigend ist, oder die Schadstoffeinleitung in die Meere. Und in jedem Themenbereich gibt es eine Vielzahl von Aktivitäten, die man umsetzen kann, zum Beispiel beim Thema Meeresmüll kann man Aufklärung und Infos weitergeben, denn viele Menschen wissen zum Beispiel nicht, wie lange es dauert, bis sich eine Zigarettenkippe so weit zersetzt hat, dass man sie nicht mehr sehen kann und wie viel Gift sie währenddessen in die Umwelt entlässt. Man kann an Aufräumaktionen teilnehmen, denn der meiste Müll im Meer kommt vom Land. Man kann sich um alternative Verpackung kümmern, über Recycling oder intelligentes Verpackungsdesign. Und man kann sich politisch engagieren und ganz viele Fragen an Entscheidungsträger richten, wenn man sieht, dass etwas verbessert werden könnte, zum Beispiel mehr Mülleimer aufstellen, keine Luftballon-Aktionen erlauben, kein Einweg-Geschirr bei Festen erlauben usw. Und wenn man das nicht alleine machen möchte, kann man entweder eine Gruppe bilden oder sich an schon bestehende Gruppen anschließen. Es gibt mittlerweile eine große Anzahl von Organisationen, die Jugendgruppen und Regionalgruppen haben.
Und, wenn ich mal für unsere Organisation hinzufügen kann: Ich (als älteres Semester) quäle mich zum Teil doch etwas mit der PC-Arbeit herum, wie Homepage einrichten, einen Blog pflegen, und wäre total froh, wenn ein junger Mensch, für den diese Arbeit ein Klacks ist, mir mal helfen würde. Aber zugegeben, diese Arbeiten, die in jeder Umweltschutz-Organisation anfallen, sind nicht so attraktiv und vermitteln einem nicht so wirklich das Gefühl, unmittelbar etwas für das Meer getan zu haben, sind aber doch sehr wichtig. Auch Literatur-Recherche ist so ein Bereich, der notwendig ist, aber anstrengend ist und sich so wie "Schulzeit" anfühlt.
Wer sich also engagieren möchte, sollte sich mal in seinem direkten Umfeld umschauen, was es an Gruppen gibt, seine eigenen Stärken und Vorlieben genau und ehrlich abklopfen, und dann: Machen und tun! :-) 


(c) Angelika Heckhausen

Vielen Dank Frau Heckhausen und noch ganz viel Erfolg mit Ihrem Projekt!

Mehr Infos über PIWI, Material zum Downloaden und die Möglichkeit, Buch und Bildungskoffer zu bestellen, findet ihr hier.

Titelbild: Angelika Heckhausen

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
11.10.2015
simondominik hat geschrieben:
Eine sehr gute Idee. Die Bilder lassen die Kinder die Informationen schneller verstehen. Eine wirklich gute Idee :D
10.10.2015
LaLoba hat geschrieben:
Das klingt wirklich mal nach einen Projekt, mit dem man bei Kindern etwas erreichen kann. Ich denke, gut gestaltete Kinderbücher sind bei dem Kleinen immer beliebt und wenn sie gut aufgebaut sind, können sie schon so früh sehr wichtiges Wissen vermitteln. Ganz davon abgesehen, dass die Eltern ja auch immer ein kleines bisschen mit beeinflusst werden. Dass die Bücher auch noch kostenlos sind und es einen Koffer mit Wissen zum Anfassen dazu gibt, finde ich wirklich genial! Danke für das tolle Interview, Anne und viel Erfolg an Frau Heckhausen mit dem Projekt!
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