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Thema Plastikmüll:


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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Neue Kunststoff-Verbote in den USA und die Lösung der Gurkenfrage


von Cookie
16.07.2015
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt selbst ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Hawaii verbannt Plastiktüten

Als erster US-Staat zeigt Hawaii Plastiktüten nun die rote Karte. Beschlossen wurde das Gesetz schon vor drei Jahren, seit diesem Monat ist es im gesamten Inselparadies nicht mehr erlaubt, Kunden an der Kasse Plastikbeutel auszuhändigen. Dies betrifft vor allem Supermärkte. Wer sich nicht an das Verbot hält, kann bei wiederholtem Verstoß mit bis zu 100 Dollar Strafe pro Tag rechnen. Natürlich gibt es Ausnahmen, so zum Beispiel kompostierbare Tüten sowie Tüten für Obst, Gemüse und Medizin. Außerdem sind Bundesbehörden von der Regelung ausgenommen, haben aber zum Teil freiwillige Teilnahme angekündigt.

Wie gehen die Menschen auf Hawaii mit dem neuen Verbot um? Für die Kunden ist es hauptsächlich Gewohnheitssache. Sie müssen jetzt daran denken, eigene Beutel mit zum Einkaufen zu nehmen. Viele Supermärkte fördern dies, indem man zum Beispiel Rabatte oder Sammelpunkt bekommt, wenn man eine wiederverwendbare Tasche mitbringt. Außerdem rufen sie den Kunden mit Plakaten und Bannern in Erinnerung, eigene Tragemöglichkeiten zu verwenden. Für Läden ist dies eine deutlich bessere Alternative als die Ausgabe von Papiertüten, denn die sind deutlich teurer als Plastiktüten und dem Wetter auf Hawaii außerdem nicht immer gewachsen. Ein T-Shirt-Verkäufer beklagt sich im Interview, dass ihn Papiertüten zwar ein Vielfaches von Plastiktüten kosten, er aber auch kein Geld spart, indem er keine Tüten mehr ausgibt, da die Leute sich einfach gegen den Kauf entscheiden, wenn sie keine Tüte dazubekommen. Problematisch ist allerdings auch, dass es bei Weitem nicht genug Kontrolleure gibt, um jeden einzelnen Händler zu überprüfen, darum auch die Bitte an die Bevölkerung, Verstöße gegen das neue Gesetz zu melden. Doch wie viele Plastiktütenverteiler werden tatsächlich angezeigt und bestraft werden?

Auch Kalifornien hatte vor einiger Zeit ein solches Plastiktütenverbot angekündigthier gelang es der Industrie allerdings, das in Kraft treten des neuen Gesetzes bis zu einer Volksabstimmung im November zu verhindern.

Kein Styropor mehr in New York City

Ihr kennt sie sicher alle: Die To-Go-Becher, die Container fürs Essen zum Mitnehmen, die kleinen erdnussförmigen Schwämmchen, die man zum Schutz des Inhaltes oft in Paketen findet. Zwei Dinge haben diese Gegenstände gemeinsam: 1. Sie bestehen aus Styropor und 2. Sie sind seit Juli in Restaurants, Schulcafeterien und Straßenverkaufswägen in New York City verboten. Damit schließt sich NYC über 70 Städten im ganzen Land an, die den Plastikschaum schon verbannt haben, darunter unter anderem Washington DC, San Francisco und Seattle. Durch das Verbot der nicht recycelbaren Einwegverpackungen hofft Bürgermeister Bill de Blasio jährlich bis zu 30.000 Tonnen Müll einzusparen. Zudem soll sich die Situation der Flüsse und der Wasserfront der Stadt sowie der Meeresbewohner im Atlantischen Ozean verbessern.

(c) www.pixabay.com sipa

Die neue Regelung wird allerdings nicht nur positiv gesehen. Schon 2013, als sie erstmals eingeführt werden sollte, wehrten sich Restaurantbetreiber und die Chemielobby erfolgreich dagegen, indem sie behaupteten, Styropor wäre eigentlich doch recycelbar. Kleine Restaurants wiederum fürchten um ihre Existenz. Keine Frage, auf andere Container umzusteigen, ist für die Restaurants mit Kosten verbunden. Das wird sich vermutlich auch auf die Kunden auswirken, da die Preise fürs Essen to go um 40 bis 60 Prozent steigen könnten. Als das Gesetz Anfang diesen Monats in Kraft trat, ging es in den meisten Restaurants allerdings zu wie gewohnt. Viele sind bereits zuvor auf nachhaltigere Verpackungen umgestiegen. Denjenigen, die diesen Schritt noch machen müssen, stehen Experten zur Seite, die sie in Sachen umweltfreundlicherer Verpackung beraten. Zeit für die Umstellung haben alle Betriebe noch bis Januar 2016, ab dann wird der Verstoß gegen das neue Gesetz bestraft. Der Bürgermeister ist sich außerdem sicher, dass der Preis der Alternativen Verpackungen sinken wird, wenn sich noch mehr Städte dem Styropor-Verbot anschließen. Kleine Lokale mit Einnahmen von unter 500 000 Dollar im Jahr können beantragen, von der Regelung ausgenommen zu werden, wenn sie nachweisen können, dass die Umstellung von Styropor auf andere Materialien für sie zu finanziellen Schwierigkeiten führen würde.

Das bekommt man in NYC hoffentlich nicht mehr zu sehen (c) Anne Zeiß

Einweg-Styroporverpackungen abzuschaffen, ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, vielleicht aber auch nur ein sehr kleiner, denn angeblich machen Essensverpackungen aus Styropor nur 10% des verwendeten Styropors aus. Zudem können weiterhin recycelbare Plastikverpackungen verwendet werden, die auch nicht gerade die optimale Lösung des Plastikmüllproblems darstellen.

Wie seht ihr das? Haltet ihr Verbote wie das Tütenverbot auf Hawaii und das Styroporverbot in verschiedenen amerikanischen Städten für sinnvoll und würdet euch das auch in Deutschland wünschen oder haltet ihr andere Wege für geeigneter, Einwegverpackungen zu reduzieren?

Was macht die Bio-Gurke in der Plastikhülle?

Eine Frage, die wahrscheinlich nicht nur ich mir im Supermarkt dauernd gestellt habe. Warum kann man oft nur konventionelles Obst und Gemüse lose kaufen, während Bio-Ware in Plastik eingeschweißt ist und warum um alles in der Welt sind ausgerechnet die Salatgurken immer eingeschweißt? Der Umweltkommissar des Bayrischen Rundfunks ist der Sache auf den Grund gegangen. Zum einen liegt es daran, dass viele Verbraucher ganzjährig alle möglichen Obst- und Gemüsesorten in Bio-Qualität kaufen möchten. Da aber natürlich nicht alles das ganze Jahr über in Deutschland wächst, fallen oft lange Transportwege an, für die die Produkte die schützende Plastikhülle benötigen, damit sie nicht beschädigt werden und frisch bleiben. Hier gilt ganz klar: Wer auf regionale und saisonale Produkte setzt, wird diese auch eher ohne Verpackung vorfinden.

(c) www.pixabay.com mordyth

Aber was ist nun mit der verdammten Gurke, die einfach immer eingepackt ist, egal, wann und wo sie geerntet wurde? Die hat durch ihre Schale doch auch eigentlichen einen ganz natürlichen Schutz, wozu braucht die noch eine Plastikhülle? Hier kommt eine EU-Verordnung ins Spiel, die eigentlich dem Schutz der Verbraucher dient: Bio-Ware muss klar von herkömmlicher Ware zu unterscheiden sein. Darauf legen auch die Händler wert, schließlich sollen die Kunden die richtigen Preise zahlen. Kann man die Gurken denn nicht auch anders kennzeichnen? Nach Alternativen wird gesucht, bisher aber eher weniger erfolgreich. Banderolen gehen meist schon während des Transports kaputt, bei Aufklebern gibt es das Problem, das Farb- und Klebstoffe in das Gemüse übergehen könnten und eine Laserkennzeichung der Schale wie sie bei Bananen funktioniert, beschädigt die Gurke.

Aber warum packt man dann ausgerechnet die Bio-Gurken in Plastik und nicht die konventionellen Gurken? Ganz einfach: Leider werden von den Bio-Gurken immer noch deutlich weniger verkauft und deshalb werden sie eingeschweißt. Das spart Geld und Material und ist letzten Endes dann ja auch sinnvoller, da auf diese Weise weniger Plastikmüll anfällt, als würde man die herkömmlichen Gurken verpacken. Wer nach unverpackter Bio-Ware sucht, sollte sich am besten im Bio-Laden oder auf Wochenmärkten umsehen, denn da, wo nur Bio-Ware verkauft wird, braucht man auch keine Plastikhülle als Unterscheidungsmerkmal.

(c) www.pixabay.com szjeno09190

Werde selbst aktiv!

Es muss ja nicht gleich ein neues Gesetz sein, auch durch kleine Schritte können wir alle dabei helfen die Welt ein bisschen plastikfreier zu gestalten. Hier nur eine kleine Auswahl vieler Möglichkeiten, die sich momentan anbieten:

Die Anti-Plastik-Kampagne der WWF Jugend geht weiter! Diesmal widmen wir uns den Plastiktüten auf Wochenmärkten. Zu diesem Thema soll im nächsten Jahr eine große Aktion stattfinden. Damit die richtig gelingt, brauchen wir euch: Werdet Marktforscher und führt auf Wochenmärkten in eurer Nähe unsere Plastiktüten-Umfrage durch! Alle Infos findet ihr in diesem Bericht.


Einen Monat lang kein Einwegplastik kaufen – ist das überhaupt möglich? Probiert es selbst aus und macht mit beim Plastic Free July.

Ihr wollt auf Plastikmüll in der Natur aufmerksam machen, tolle Preise gewinnen und euer eigenes Foto in einer Ausstellung bewundern? Dann macht noch bis zum 31. August beim ShoutOutLoud Photo Award mit.

Kosmetikartikel mit Mikroplastik kommen nicht in euren Einkaufskorb? Dann gib hier dein Versprechen ab, dass das auch so bleibt.

Du hast ein paar Euro übrig, um dafür zu sorgen, dass man in Erfurt bald verpackungsfrei einkaufen kann oder kannst vielleicht jemanden mit mehr Geld zum Spenden überreden? Hier geht es zum Crowdfunding von Louise Genießt, dem vielleicht bald ersten verpackungsfreien Laden in Thüringen. Das Funding läuft nur noch 2 Wochen und es fehlt leider noch eine ganze Menge. Jeder Spender bekommt ein cooles Dankeschön oder sollte das Spendenziel nicht erfüllt werden, sein Geld zurück.

So viel erst mal aus der Welt der Kunststoffe. Meine letzte kleine Zusammenfassung zu dem Thema, unter anderem mit Infos zu plastikfressenden Pilzen und Apps, mit denen man Produkte mit Mikroplastik erkennen kann, findet ihr hier und natürlich gibt es nach wie vor unsere Gruppe Gemeinsam gegen den Tütenwahnsinn in der wir uns rund ums Thema Plastik austauschen.

Quellen: 
http://www.huffingtonpost.com/2015/07/01/hawaii-plastic-bag-ban_n_7702382.html?ncid=fcbklnkushpmg00000010
http://www.epochtimes.de/Fuenf-Billionen-Plastikstuecke-im-Meer-Hawaii-verbietet-Plastiktueten-a1253309.html
http://www.trendsderzukunft.de/hawaii-ist-der-erste-us-bundesstaat-mit-plastiktuetenverbot/2015/07/03/
https://www.youtube.com/watch?v=rlJHgch_K9A
http://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/gurke-bio-plastik-verpackung-umwelt-100.html
http://www.huffingtonpost.com/2015/01/08/plastic-foam-ban-new-york-city-_n_6439410.html
http://www.villagevoice.com/restaurants/nyc-enacts-styrofoam-ban-world-does-not-end-7329302

Titelbild: www.pixabay.com geralt

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Kommentare (3)
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25.07.2015
Laura619 hat geschrieben:
Toller Bericht!
Ich wünschte, in mehr Ländern würde Plastik endlich verboten werden ....
19.07.2015
anni95 hat geschrieben:
Sehr cool, dass in den USA so viele Schritte gegen den Plastikwahnsinn unternommen werden. Ich meine, die haben noch viel vor sich, aber es geht in die richtige Richtung. Freut mich :)
17.07.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Danke für den spannenden Bericht! Ich finde diese Schritte sehr erfreulich, auch wenn sie vielleicht eher klein sind. Aber große Schritte brauchen oft kleine als Grundlage! Es wäre super, wenn auch in Deutschland Plastiktüten- und Styroporverbote durchgesetzt würden! :)

Hier noch ein weiteres sehr UNTERSTÜTZENSWERTES PROJEKT zu diesem Thema, das ich auf der Crowdfunding-Seite Starnext gesehen habe (ein plastiktüten- und verpackungsfreier Laden in Köln):

https://www.startnext.com/tuetenloskoeln
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