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Thema Plastikmüll:


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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Müllstraßen, Meeresmüllabfuhr, Mitmachmöglichkeiten und mehr


von Cookie
19.08.2015
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt selbst ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Kann Plastik Asphalt ersetzen?

Stellt euch eine Straße vor, die man in wenigen Wochen anstelle von Monaten bauen kann. Der Korrosion und Wetter nichts anhaben können und die Temperaturen zwischen -40 und 80°C aushält. Die kaum Instandhaltungsarbeiten benötigt. Die viel billiger ist, aber viel mehr kann als eine normale Straße. Und die gleichzeitig dazu beiträgt, das Plastikmüllproblem in den Weltmeeren zu lösen. Sind die Straßen der Zukunft Straßen aus Plastik?

(c) Anne Zeiß

Wenn es nach dem niederländischen Bauunternehmen Volker Wessels geht, ja. Dieser hat nämlich die Idee, aus Plastikmüll, der aus dem Meer geborgen wurde, kastenförmige Elemente herzustellen, aus denen sich Straßen bauen lassen. Diese Plastikelemente sollen zahlreiche Möglichkeiten und Vorteile gegenüber herkömmlichen Straßen aus Asphalt bieten. Zum einen ist das Plastik natürlich sehr viel leichter, wodurch ein weniger aufwändiges Fundament benötigt wird. Eine Oberfläche aus Sand soll ausreichen. Neben Wettereinflüssen soll die Plastikstraße auch chemischer Korrosion standhalten und nach Schätzungen des Unternehmens etwa dreimal so lange halten wie normale Straßen. Zusätzlich seien Plastikstraßen geräuschärmer. Dadurch, dass die Elemente hohl sind, bieten sie Platz für Rohrleitungen und Kabel oder die Möglichkeit, Regenwasser abzuleiten. Mit Sensoren, die die durch Autos verursachten Vibrationen in elektrische Energie umwandeln, könnten die Straßen eventuell sogar Strom erzeugen.

Die "PlasticRoad" soll zu 100% aus recycelten Materialien bestehen. Eine Möglichkeit, an das Plastik aus dem Meer heranzukommen, wäre eine Zusammenarbeit mit The Ocean Cleanup, das Projekt des jungen Niederländers Boyan Slat, der den Müll aus dem Meer holen will und über den hier schon oft berichtet wurde. Bisher existiert die Plastikstraße nur auf dem Papier, die Stadt Rotterdam hat jedoch schon ihr Interesse an dem Projekt bekundet und will ein Testgelände zur Verfügung stellen. Was mir bei dieser innovativen Straße allerdings Sorgen bereitet, ist die Entstehung von Mikroplastik. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es keinerlei Abrieb gibt, wenn Millionen von Autos über eine Plastikplatte rollen. Dennoch finde ich die Idee sehr interessant, und hoffe, dass sie weiterverfolgt werden wird.

(c) www.pixabay.com kakuko

Eine Müllabfuhr für die Meere?

Nicht nur The Ocean Cleanup beschäftigt sich mit dem Plastik in den Weltmeeren. Wie könnte man die Meere vom Müll befreien und daraus sogar einen kleinen Wirtschaftszweig machen? Darüber hat sich Alexander Reinalter Gedanken gemacht. Er studiert in Graz Industrial Design und will gegen die Meeresverschmutzung vorgehen. Sein Forschungsprojekt "Concept Manta" habe dabei allerdings "nicht den Anspruch, verwirklicht zu werden, sondern Raum für Innovation und Anstöße in neue Richtungen zu geben", so Reinalter. Die Idee der Studenten um Reinalter, besteht darin, dass ein autonomer Katamaran mit einem GPS-Navigationssystem den Müll mit einer Art Rechen aus den Weltmeeren holen soll. Gesammelt wird der Abfall allerdings nicht an Bord, sondern er wird in Säcke gefüllt, die mit einer Senderboje versehen wieder im Meer landen.

(c) Anne Zeiß

Moment mal, wieso sollte man den Müll erst aus dem Meer fischen, um ihn dann wieder hineinzuwerfen? Hier kommt der wirtschaftliche Aspekt der Idee ins Spiel: Vorbeifahrende Schiffe sollen Sack und Boje erkennen, einsammeln und im Hafen eine Prämie für den abgegebenen Müll bekommen. Für Reinalter ist das Plastik aus den Meeren ein wertvoller Rohstoff, da es sich recyceln lässt. Eric Schweizer vom deutschen Rat für nachhaltige Entwicklung zitierend erklärt er, "dass die Recyclingwirtschaft in zehn Jahren einen größeren Stellenwert als die Automobilindustrie besitzen wird." 

Auch, wenn das Projekt nicht mit dem Ziel der Verwirklichung entstand, wer weiß, ob ein ähnliches Konzept nicht vielleicht doch einmal umgesetzt werden wird? Schließlich erhofft sich der Kooperationspartner Komptech durch das Projekt Ideen für innovative Maschinen und Einsatzbereiche. Mich erinnert die Idee übrigens stark an den Roman "Floaters – Im Sog der Meere" von Katja Brandis, den ich vor kurzem gelesen habe. Er spielt im Jahr 2030 und auch hier wird versucht, Plastik mit Schiffen aus dem Müllstrudel im Pazifik zu fischen. Dabei stellt sich heraus, wie wertvoll Plastik als Rohstoff mittlerweile geworden ist.

(c) www.pixabay.com lordlebanon

Monomeer – Plastikfreie Produkte online kaufen

Natürlich hilft es nicht nur, den bereits vorhandenen Müll zu recyceln. Wichtig ist auch, dass wir gar nicht mehr erst so viel Müll produzieren. Für immer mehr Menschen ist das ein Grund, soweit eben möglich auf Plastik zu verzichten. Zu diesen Menschen gehört auch die 38-jährige Susan Rößner aus Hainichen. Der Anstoß für sie, ein plastikfreies Leben zu führen, war der Film Plastic Planet. Ihr Grund, auf Plastik zu verzichten: "Ich kann es deswegen nicht leiden, weil es nicht mehr weggeht." Zudem gibt sie zu bedenken, dass Plastik aus Erdöl besteht und gibt zu bedenken: "Wieso bloß benutzen wir einen verschwindenden Rohstoff zur Herstellung von Dingen wie den Koziol Serviettenring Little Joe transparent pink, Eiswürfelformen mit Herzchenmotiv oder Glimmerserum für die Haare? Das kann doch nicht unser Ernst sein." So beginnt sie im November 2013 soweit eben möglich auf Plastik zu verzichten und steht damit vor dem gleichen Problem wie die meisten, die dieses Unterfangen angehen: An plastikfreie Alltagsgegenstände heranzukommen, ist oft alles andere als leicht. Meist muss man sie sich aus verschiedensten Läden und Online-Shops zusammensuchen und das kostet jede Menge Zeit und Geld.

Da kam Susan Rößner die Idee, einen eigenen Online-Shop zu eröffnen, in dem man nur plastikfreie Produkte kaufen kann. So entstand Monomeer. Hier findet man alle nur erdenklichen Alltagsgegenstände aus den Kategorien Büro, Haushalt und Küche, und Körper und Gesicht. Egal ob man auf der Suche nach plastikfreier Zahnseide oder Locher und Tacker aus Holz ist, bei Monomeer wird man ziemlich sicher fündig. Ihre Ware bekommt Rößner von speziellen Herstellern und Großhändlern, die allerdings oftmals nur durch Zufall Produkte ohne Plastik anbieten, da sie ein neues Design anbieten wollten. Dadurch ist der Markt auch recht begrenzt. Dennoch läuft der Online-Shop besser als gedacht, auch, wenn es Rößner nicht zum Leben reicht. Neben dem Shop findet man bei Monomeer außerdem noch Rößners Blog zum Thema Plastik, der viele interessante Gedanken beinhaltet.

Keine Gratis-Tüten mehr bei Saturn

Als ich diese Woche bei Saturn war (übrigens um einen Glaswasserkocher zu kaufen), fiel mir an der Kasse eine kleine blaue Broschüre ins Auge: "Plastiktüten bewusst reduzieren" lautete die Überschrift auf dem Heftchen, das ich natürlich sofort einstecken musste. Herausgegeben wurde es von Saturn und Utopia und enthält jede Menge wissenswerte Fakten zum Thema Plastiktüte, die uns vermutlich allen wohlbekannt sind. Interessant fand ich vor allem eine Grafik, die zeigt, welche Tragevarianten am nachhaltigsten sind.


(c) Broschüre "Plastiktüten bewusst reduzieren" von Saturn und Utopia

Dass Saturn seine Kunden über das Plastiktütenproblem informiert, finde ich super, leider verrät die Broschüre nicht, was genau der Elektronikhändler tut, um die Tütenflut einzudämmen. Meine Recherche im Internet ergibt, dass Saturn wie einige dm-Filialen (hier geht es zum Bericht über dm) Plastiktüten nicht mehr kostenlos herausgibt. Eine Testphase Ende letzten Jahres ergab, dass sich so rund 80% der Tüten einsparen lassen. Die Tüten kosten nun je nach Größe zwischen 5 und 50 Cent und ich staune einmal wieder, wie viel solche kleinen Beträge bewirken können. Doch nicht jeder freut sich über die Abschaffung der Gratistüten bei Saturn so sehr wie ich. Auf Facebook beschwert sich ein Kunde, dass Saturn nun auch noch mit den Tüten Geld machen will und berichtet, der Mann vor ihm an der Kasse habe seine 399 Euro teure Kaffeemaschine sofort zurückgehen lassen, als er für die Tüte bezahlen sollte. Auch der Kunde selbst möchte nun nicht mehr bei Saturn kaufen, sondern lieber online bestellen. Er findet Unterstützung, eine andere Userin findet es "unmöglich", dass sie "nochmal nach Kleingeld kramen" musste, nachdem sie Waren im Wert von 1000 Euro erstanden hat und behauptet, dass sie diese auch zurückgegeben hätte, wenn sie sie nicht dringend benötigt hätte und unterstellt Saturn, dies sei kein guter Service. Saturn erklärt, dass es sich bei den Tüten um eine Umweltschutzmaßnahme handelt und dass das die Einnahmen für die Tüten an den WWF gespendet würden (hierzu kann ich allerdings keine weiteren Informationen finden). Das hilft allerdings kaum gegen die heftige Kritik. Zum Glück scheinen solche Beschwerden aber nicht allzu häufig vorzukommen, schließlich wurde das Vorhaben, keine Gratis-Tüten mehr anzubieten, nach der Testphase umgesetzt. Und mal ehrlich, wenn man eine CD in einer Plastikhülle kauft, die zusätzlich vermutlich noch in Plastikfolie eingeschweißt ist, braucht man doch wirklich nicht noch eine Plastiktüte dazu, oder? Genau, wie man eine Kaffeemaschine auch im Karton zum Auto tragen kann.


(c) Broschüre "Plastiktüten bewusst reduzieren" von Saturn und Utopia

Werde selbst aktiv!

Unsere Umfrage-Aktion zum Thema Plastiktüten auf Wochenmärkten ist eigentlich schon seit dem 9. August beendet und an dieser Stelle erst mal ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die fleißig Marktforschung betrieben haben! Die Auswertung mussten wir allerdings leider auf Ende August verschieben und deshalb hier noch mal der Aufruf an euch alle: Bis zum 30. August habt ihr noch mal Zeit, auf den Wochenmarkt zu gehen und uns somit eine riesige Hilfe bei der Planung unserer nächsten Aktion zum Thema Plastik zu sein! Alle Infos dazu findet ihr in diesem Bericht.

Erinnert ihr euch noch an den PaperJohn, den Uli mal als Tipp der Woche vorgestellt hat? Es handelt sich dabei um einen Rucksack aus Papier, der hoffentlich bald in den Supermärkten als Alternative zur Plastiktüte zu haben ist. Das Crowdfunding für dieses geniale Projekt ist nun gestartet. Mit 10 Euro könnt ihr mithelfen, es zu realisieren und erhaltet dafür sogar einen PaperJohn. Sollte die benötigte Menge Geld nicht zusammenkommen, erhaltet ihr eure Spende selbstverständlich zurück. Hier könnt ihr den PaperJohn unterstützen.

Greenpeace Österreich hat eine Petition gegen überflüssiges Wegwerfplastik gestartet. Unterschreibe hier

(c) www.trashbusters.de

Trashbusters geht in die nächste Runde! Das Thema diesmal: Plastik im Meer. Die Aktionswoche findet vom 19.09. bis zum 03.10. statt. In diesem Zeitraum soll Müll gesammelt werden und es gibt mal wieder tolle Preise zu gewinnen. Die Aqua Awards gibt es in zwei Kategorien: Öffentlichkeitswirksamste Aktion und aus dem gesammelten Müll erstelltes Kunstwerk. Ich finde, da darf die WWF Jugend auf keinen Fall fehlen! Alle Infos zum Wettbewerb findet ihr hier. Einen Monat haben wir Zeit, um uns eine geniale Aktion einfallen zu lassen. Habt ihr schon Ideen? Dann lasst uns hier gemeinsam planen. Ich freue mich schon auf eure Vorschläge!

Quellen: 

http://www.golem.de/news/plastic-road-niederlaender-wollen-strassen-aus-plastikmuell-bauen-1507-115290.html
http://en.volkerwessels.com/en/projects/detail/plasticroad
http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/MITTWEIDA/Hainichenerin-sagt-dem-Plastik-Planeten-den-Kampf-an-artikel9261477.php
http://www.monomeer.de/index.php?page=about
http://derstandard.at/2000019914007/Grazer-Studenten-entwickeln-lukrative-Muellabfuhr-fuer-die-Meere
http://www.derwesten.de/wirtschaft/saturn-kik-und-rewe-bekaempfen-die-plastiktuete-id10871717.html#plx966196047
https://de-de.facebook.com/SaturnDE/posts/670501649691612

Titelbild: www.pixabay.com Hans

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Kommentare (2)
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24.08.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Sehr interessant, die Idee mit der Straße aus Plastik. Ich kann mir das im Moment noch nicht so ganz vorstellen (kann das Plastik so stabil sein?) aber es klingt auf jeden Fall vielversprechend :-) Danke für die Zusammenfassung!
19.08.2015
Taki hat geschrieben:
Finde ich einfach Klasse
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