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Thema Plastikmüll:


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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Müllfressende Haie, sprechende Flaschen und deine Möglichkeit, aktiv zu werden


von Cookie
29.09.2016
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Das gibt es diesen Monat:
- Sprechende Flaschen
- Müllfressende Haie
- Neue Unverpacktläden
- Innovative Supermärkte
- Hilfreiche Gesetze
- Engagierte Schüler
- Selbst aktiv werden!

Sprechende Glasflaschen

Stellt euch vor, ihr geht durch den Supermarkt, als euch plötzlich eine Weinflasche anspricht – und zwar mit der Stimme von Kaya Yanar. Die Flasche will von euch gekauft und recycelt werden. Die Olivenölflasche erzählt euch von ihren vorigen Leben als Orangensaftflasche und Gurkenglas. Und warum nicht mal der Bierflasche ein High Five geben und ein Selfie mit ihr machen? Einigen Menschen ist dies tatsächlich passiert. Hinter der Kampagne steckt das Projekt Friends of Glass, das sich dafür einsetzt, dass mehr Menschen zur Glasflasche greifen, da sich Glas unendlich oft recyceln lässt. Für einen Werbefilm zum Projekt liehen verschiedene europäische Prominente Glasflaschen mit eingebauten Lautsprechern in Supermärkten ihre Stimme. Die Reaktionen der Kunden wurden mit versteckter Kamera gefilmt und sind in diesem lustigen Video zu sehen:

Apropos starke Stimmen gegen Plastikmüll: Wusstet ihr, dass sich auch Musiker und Surfer Jack Johnson gegen die Müllflut einsetzt? Hier findet ihr seine Top 10 Tipps für ein plastikfreies Leben.

Die Müllhaie von Rotterdam

Wo wir schon vom Surfen sprechen: Wie sorgen wir dafür, dass weniger Plastik im Meer landet? 90% des Meeresmülls beginnt seine Reise in urbanen Gebieten. Die Stadt Rotterdam in Holland will etwas dagegen tun und startet einen Testlauf: Für ein halbes Jahr werden vier Haie im Hafenbereich eingesetzt, die dort den Plastikmüll auffressen sollen. Moment mal, soll nicht eigentlich verhindert werden, dass Haie sich den Bauch mit Plastik vollschlagen? Bei den Waste Sharks handelt es sich natürlich nicht um richtige Haie, sondern um Drohnen in der Größe eines Autos, die bis zu 500 Kilo Müll aufnehmen können und so das Plastik im Bereich bis zu 35 Zentimeter unter der Wasseroberfläche aus dem Wasser fischen. Aufräumen sollen die Mülldrohnen vor allem dort, wo das Müllsammeln für Menschen zu beschwerlich oder gefährlich ist.

Unverpackt einkaufen für alle

Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht und deshalb sind neben der Schadensbegrenzung, wie man sie mit den Müllhaien betreiben kann, auch Ideen gefragt, die den Verpackungsmüll insgesamt reduzieren. Mit Original Unverpackt in Berlin hat am letzten Wochenende der erste Unverpackt-Laden Deutschlands seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Mittlerweile kann man längst nicht mehr nur in der Hauptstadt verpackungsfrei einkaufen, immer mehr Unverpackt-Läden eröffnen im ganzen Land. Während Tara Unverpackt Genießen letzte Woche in Osnabrück aufgemacht hat, sucht in Freiburg die Glaskiste noch nach einem passenden Laden, um ihre unverpackten Produkte anzubieten. Wer in Zukunft auch im hohen Norden lose Ware erstehen möchte, hat noch gut zwei Wochen Zeit, um das Crowdfunding von Stückgut zu unterstützen und die Eröffnung in Hamburg möglich zu machen.

Original Unverpackt (c) Elizabeth Rush

Die Supermärkte ziehen mit

Aber auch in normalen Supermärkten kommt das Konzept an: Im Edeka in Bad Krozingen kann man an der Frischetheke nun Wurst und Käse in der eigenen Dose kaufen. Um den Hygienevorschriften gerecht zu werden, müssen die Dosen auf ein Edelstahltablett gestellt werden. So wird vermieden, dass der Hygienebereich hinter der Theke durch Bakterien verunreinigt wird. Inhaber Dieter Hieber glaubt, der Kunde sei so weit, dass er auf die Plastiktüte komplett verzichten kann. Diese Meinung teilt überraschenderweise auch Lidl. Der Discounter hat angekündigt, dass dort ab dem Frühjahr 2017 nur noch Stoffbeutel und Papiertüten angeboten werden. Das gilt nicht nur für die Filialen in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz. So möchte das Unternehmen um die 100 Millionen Plastiktüten im Jahr und somit 3500 Tonnen Plastik einsparen. Vielleicht werden wir Deutschen unseren Titel als Müll-Europameister in nächsten Jahren ja doch wieder los. Wir sind ja schließlich verdammt umweltbewusst, wie dieses Video beweist. ;-)

Mit Steuern und Verboten gegen Plastikmüll

Nach diesem ironischen Blick auf den Wergwerfwahnsinn schauen wir mal über den Tellerrand, wie andere Ländern gegen die Plastikflut vorgehen. England zum Beispiel hat eine Steuer von umgerechnet etwa sieben Cent auf Plastiktüten erhoben und so den Verbrauch um 85% gesenkt. In ganz Großbritannien wurde Anfang des Monats ein Mikroplastikverbot beschlossen. Ab Ende nächsten Jahres dürfen keine mikroplastikhaltigen Körperpflegeprodukte mehr verkauft werden. Die USA scheinen über ein Verbot von Einwegplastiktüten nachzudenken. Ein solches gibt es in Frankreich bereits seit ein paar Monaten und die Franzosen haben noch mehr vor: Als erstes Land verbieten sie Einweggeschirr und -besteck aus Plastik. Ab 2020 ist nur noch Einweggeschirr aus organischem Material erlaubt, das im eigenen Kompost abbaubar ist. Die europäische Lobbygruppe für die Verpackungsindustrie sieht in dem Gesetz allerdings einen Verstoß gegen den freien Warentransport in Europa und kündigte an, sich dagegen zu wehren. Auch von anderer Seite erntete das Gesetz Kritik: Es benachteilige einkommensschwache Familien, die oft auf Plastikeinweggeschirr zugreifen würden, erwecke den Anschein, man könne das abbaubare Geschirr einfach in der Natur liegen lassen und zudem sei noch nicht erwiesen, dass Bio-Plastikgeschirr tatsächlich ökologisch sinnvoller ist. Es sollten also vielleicht noch ein paar Aspekte des Verbotes überdacht werden, aber es ist auf jeden Fall ein guter Ansatz.

(c) www.pixabay.de

Schüler aktiv gegen den Wegwerfbecherwahn

Dass man Menschen auch ohne Steuern und Verbote dazu bringen kann, zum Mehrwegbecher zu greifen, zeigen Schüler aus Kulmbach, die dort ein Kaffeebecherpfandsystem entwickelt haben. Mit ihrem Projekt HEIR („Hey, the earth isn’t renewable“) haben Patrick Bär, Thomas Henning, Nicolas Landgraf und Josias Neumüller aus der achten und elften Klasse des Markgrafen-Georg-Friedrich Gymnasium sogar einen Preis beim Schulwettbewerb Ressourcenkönige gewonnen. Das System funktioniert ganz einfach: Man kauft sich einmal einen Mehrwegkaffeebecher und lässt ihn bei einem der teilnehmenden Betriebe befüllen. Als Pfandmarke fungiert eine rote Filzbanderole, die gleichzeitig dafür sorgt, dass man sich an dem heißen Becher nicht die Pfoten verbrennt. Spülen muss man die benutzten Becher nicht selbst, sondern kann sie bei den teilnehmenden Betrieben abgeben und erhält dort beim Kaffeekauf mit der Pfandmarke einen sauberen Becher. So einfach kann man Coffee to go müllfrei genießen, ohne einen eigenen Becher mitzuschleppen.

(c) www.pixabay.de

Selbst aktiv werden

Manchmal kann man schon mit ein paar Klicks von zu Hause aus aktiv werden. Nehmt euch zum Beispiel einfach zwei Minuten, um die folgenden beiden Petitionen zu unterschreiben:

Weniger unnötige Verpackungen bei dm

Wer komplett plastikfreie Kosmetik haben will, dem bleibt oft nur selbst herstellen, denn in Drogerien sieht man meist Plastik so weit das Auge reicht. Entwicklungs-Ökonomin Katharina Lehmann aus Berlin richtet nun eine Petition an dm mit der Aufforderung, die Verpackungen zu reduzieren und ineffiziente Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Wenn auch ihr dafür seid, dass dm die Plastikflut in den Filialen reduziert und unzähligen Menschen den Einkauf von müllfreien Drogerie-Artikeln ermöglicht, unterschreibt hier.

Ein Pfandsystem für Kaffeekapseln

Die Welt ist voller Erfindungen, die kein Mensch braucht und ganz weit oben in der Liste stehen Kaffeekapseln, die für horrende Müllberge verantwortlich sind. Es gibt noch kein richtig funktionierendes Recycling-System für die Dinger, sodass sie meistens auf der Deponie oder sogar in der Natur landen. Ganz zu schweigen von den vielen wertvollen Ressourcen, die für ihre Herstellung draufgehen. Eine Möglichkeit, das Kaffeekapselproblem einzudämmen, ist ein Pfandsystem für die Kapseln einzuführen. Hier könnt ihr euch mit eurer Unterschrift für die Umsetzung dieser Idee stark machen.

Unterstütze Activist Abby mit deiner Spende

Ihr habt ein paar Euro übrig, um ein beeindruckendes Projekt zu unterstützen? Dann helft Activist Abby mit eurer Spende! Bereits seit sie 12 Jahre alt ist setzt sich Abby in ihrer Heimatstadt gegen Plastiktüten ein und das mit Erfolg: 170.000 Menschen unterzeichneten ihre Petition, wodurch verhindert werden konnte, dass Tütenverbote in ihrer Region verboten werden. Sie hat schon mehrere Orte davon überzeugt, einen Monat zum „Bring Your Own Bag Month“ zu ernennen. Mehr über Abby erfahrt ihr in diesem WWF Jugend Interview. Um ihre großartige Kampagne auszuweiten und die Läden in ihrer Region mit Schildern zu bestücken, die darauf hinweisen, die eigenen Tüten mitzunehmen und nicht im Auto zu vergessen, wie es oft passiert, benötigt Abby finanzielle Unterstützung. Helft mit, dass sie ihr 500$-Ziel erreicht, indem ihr hier spendet (leider nur mit Kreditkarte möglich) oder den Spendenaufruf teilt.

(c) www.pixabay.de

 

Plastikfrei-Workshop in Nürnberg

Wenn ihr nicht nur vor dem Bildschirm aktiv werden möchtet, habt ihr 8. Oktober bei Grape Food in Nürnberg die tolle Gelegenheit, Nadine Schubert, eine der Autorinnen von „Besser leben ohne Plastik“ kennenzulernen und an ihrem Workshop zum plastikfreien Leben teilzunehmen. Der Kurs startet um 14:30 Uhr und kostet 15 Euro inklusive Materialkosten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, also schnell über das Kontaktformular anmelden.

Europäische Woche der Abfallvermeidung

Nürnberg ist zu weit weg? Dann startet doch eure eigene Aktion zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung starten. Dabei handelt es sich um die größte Kommunikationskampagne rund um das Thema Abfallvermeidung und Wiederverwertung in Europa. Im Aktionszeitraum vom 19. bis zum 27. November wollen wir mindestens zehn WWF Jugend Aktionen zur Abfallvermeidung starten. Erste Aktionsideen und -pläne findet ihr hier. Wenn ihr mitmachen möchtet, euch aber noch Ideen fehlen, warte einfach noch zwei Wochen ab, denn wir arbeiten gerade an einem Leitfaden mit Aktionsideen für euch.

(c) www.pixabay.de

Letzten Monat hat euch Ronja berichtet, warum wir bald unsere Verpackungen essen und kein Mensch mehr Einwegbecher braucht.

 

Quellen: 
https://www.change.org/p/dm-keine-unn%C3%B6tigen-verpackungen-schlussmitdemmuell-dmdrogeriemarkt
https://www.cleancoffeeproject.org/de/
http://www.glaskiste-unverpackt.de/supermarkt/
http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/767203/verpackungslos-einkaufen-bei-tara-unverpackt-in-osnabrueck#gallery&0&0&767203
https://www.startnext.com/stueckgut
https://mpora.de/articles/tipps-von-jack-johnson-zum-plastikfreien-leben.html
http://allatonce.org/
http://www.friendsofglass.com/de/
http://swrmediathek.de/player.htm?show=7029ee10-6ede-11e6-aa6d-0026b975f2e6
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Lidl-stoppt-Plastiktueten-Verkauf-article18677901.html
https://www.facebook.com/events/1465971056751472/
https://www.facebook.com/NowThisNews/videos/1124164337673689/
http://www.nachhaltigleben.ch/1-blog/3811-byebye-mikroplastik-briten-verbieten-die-gefaehrlichen-kuegelchen
http://www.cnsnews.com/news/article/susan-jones/obama-protecting-5k-square-miles-new-england-ban-plastic-bags-also-expected
http://bigstory.ap.org/article/54a14fa0bee742618906007606a39166/france-bid-adieu-plastic-dishes-controversial-ban
http://www.bento.de/nachhaltigkeit/frankreich-verbietet-plastikgeschirr-868281/
http://www.antenne.de/nachrichten/bayernreporter/kulmbacher-schueler-erfinden-pfandsystem-fuer-coffee-to-go-becher
http://www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/coffee-to-go-alternativen-100.html
http://www.zmescience.com/ecology/pollution-ecology/waste-sharks-61016/

Titelbild: www.pixabay.de

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
01.11.2016
Mareikeee hat geschrieben:
Sehr interessanter Artikel, ich habe gleich die beiden Petitionen unterschrieben!
01.10.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Danke für das Update!
Ich finde es cool, dass du auch Karikaturen oder zum Beispiel das Extra 3 Video einbaust. Besonders das Projekt HEIR und die dm-Petition haben mich beeindruckt. Es ist faszinierend, wie viel das Engagement einzelner bewirken kann!
30.09.2016
Wasserjunge hat geschrieben:
Wirklich wiedermal ein toller Bericht zum Thema Plastik! Ich werde langsam zum Fan von dieser Berichtreihe. :D
Es sind wirklich tolle Nachrichten über Gesetzesänderungen, hoffentlich ziehen nun auch endlich viele andere Länder mit - natürlich auch Deutschland!
Ich finde eine Steuer auf Kaffekapseln angebracht. Es sollte, wenn es kein generelles Verbot gibt, ersteinmal damit beginnen. Ein Verbot wäre angesichts der riesigen Verschwendung von Rohstoffen, durch diese Kapsel, natürlich mehr als angebracht.
Besonders cool finde ich die Idee mit den drei Plastik-Haien..

Danke für diesen interessanten Artikel, Anne. :)
30.09.2016
Seni hat geschrieben:
Toller Artikel mit sehr vielen Infos und Motivationen gegen die Verpackungen vorzugehen! Der Original Unverpackt Laden in Berlin bei mir genau um die Ecke und ich freue mich sehr darauf das nächste Mal dort einkaufen zu gehen. Werde berichten! Danke Cookie :-)))
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