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Thema Plastikmüll:


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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Müllfreies Leben, ein plastiktütenfreies Land und Computerchips aus Holz


von Cookie
30.09.2015
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt selbst ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Ruanda - Ein Plastiktütenfreies Land

Stellt euch vor, am Flughafen werden eure Koffer durchsucht und eure Plastiktüten beschlagnahmt. Ihr müsst hohe Strafen zahlen, weil man euch ihr eine Tüte importiert oder benutzt habt. Als Ladenbesitzer könnt ihr 6 bis 12 Monate ins Gefängnis wandern, weil ihr Plastiktüten ausgegeben habt. In Ruanda ist dies Realität. Da die Tüten dort in der Monsunzeit zum Überschwemmungsrisiko wurden, weil sie Abwasserkanäle verstopften und das Land nicht über die Möglichkeiten verfügte, die anfallenden Tüten ordnungsgemäß zu recyceln, wurden Plastiktüten dort im Jahr 2008 verboten. Durch die Regelung entstand in dem kleinen ostafrikanischen Land ein Markt für umweltfreundliche Tüten. Eines hat das Verbot auf jeden Fall bewirkt: In Ruanda, vor allem in der Hauptstadt Kigali, ist es sehr sauber. Dennoch hat das Tütenverbot auch seine Schattenseiten. Statt der Plastiktüten kommen nun überall Papiertüten zum Einsatz, die zwar abbaubar sind, aber deren Herstellung mehr Wasser, Energie und Chemie verbraucht. Zudem ist ein Schwarzmarkt für Tüten entstanden und auch lokale Behörden stehen in Verdacht, gegen Schmiergeld Tüten zu verteilen. Das Plastiktütenverbot ist also noch nicht die optimale Lösung, aber dennoch ein Schritt in Richtung des Ziels, bis 2020 deutlich nachhaltiger zu werden, welches Ruanda sich gesetzt hat. Umweltschutz spielt eine große Rolle in Ruandas Verfassung und das Land spielt mit dem Gedanken, weitere Plastikprodukte zu verbannen und vielleicht sogar die erste plastikfreie Nation zu werden. Die Probleme, die mit Plastik zusammenhängen, stehen zumindest auch in den Schulen dort auf dem Lehrplan. Vielleicht hilft das ja auch, künftige Generationen dazu zu bewegen, mit eigenen Beuteln einkaufen gehen und auch nicht mehr auf Papiertüten zurückzugreifen.

(c) www.pixabay.de a889190

Wo wir schon beim Thema informieren sind: Die Organisation Sea at Risk zeigt, wie man auf unterhaltsame Weise auf das Plastik-Problem aufmerksam machen kann:



Coffee to go again

Um noch mal auf Verbote und Steuern zurückzukommen: In letzter Zeit sind neben den Plastiktüten auch Coffee to go-Becher in den Fokus gerückt. Die beliebten Einwegbecher verursachen tonnenweise Müll und verbrauchen wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie, Holz und Erdöl. Die Deutsche Umwelthilfe hat dazu eine eigene Kampagne gestartet. Mehr dazu könnt ihr in diesem Bericht nachlesen.
Auch die Münchner Studentin Julia Post hat sich etwas einfallen lassen, um die Einwegbecherberge in ihrer Stadt zu reduzieren und das Projekt Coffee to go again gegründet. Sie möchte den Verbrauchern zeigen, dass es in ihrer eigenen Hand liegt, das Coffee to go-Problem zu lösen. So wie den eigenen Beutel zum Einkauf mitzubringen, sollen sie auch ihre eigenen Becher mitbringen. Um die Kunden dazu zu ermutigen, hat Julia einen Sticker entwickelt, den Münchner Gastronomen an ihre Fenster kleben können, um zu zeigen, dass man sich hier auch eigene Becher befüllen lassen kann. Das Projekt kommt gut an, schließlich sparen auch die Gaststättenbetreiber Geld und Platz, wenn sie weniger Becher kaufen müssen. Wäre das nicht auch was für eure Städte?

(c) www.pixabay.de tookapic 

Der Chip aus dem Wald

Jeder von uns hat sicher ein paar Gegenstände aus Plastik, auf die er einfach nicht verzichten kann. Für die meisten gehören dazu sicherlich Geräte wie Computer, Laptops und Smartphones. Ob es jemals komplett plastikfreie Alternativen zu diesen Dingen geben wird, ist fraglich, doch einen wichtigen Bestandteil all dieser Geräte bekommt man vielleicht demnächst aus Holz: Den Chip. Normalerweise bestehen Computerchips zum größten Teil aus Silikon, nämlich zu ca. 99%. Dieser Teil dient allerdings nur als Stütze für das andere 1%, das die aktive Komponente des Chips ausmacht. Forscher an der University of Wisconsin haben nun allerdings einen Weg gefunden, den Silikon-Teil der Chips aus einem Material namens cellulose nanofibril (CNF) zu bauen. Hergestellt wird dieses Material aus Holz, indem dieses in winzig kleine Teile gespalten wird, noch kleiner, als die Fasern für die Papierproduktion. Aus den so entstehenden Einheiten lässt sich ein sehr starkes und flexibles Material herstellen. Eine dünne Schicht Kleber verhindert, dass der Holzchip sich verformt. Diese Erfindung würde nicht nur Erdöl sparen, sondern auch Müll reduzieren, denn die Holzchips sind biologisch abbaubar. Dass sie noch nicht in allen unseren Geräten stecken, liegt hauptsächlich daran, dass ihre Herstellung momentan noch teurer ist als die herkömmlicher Chips. Wissenschaftler arbeiten übrigens auch an Akkus auf Basis von Holzfasern, die auf etwa ein Millionstel ihrer ursprünglichen Größe verkleinert werden. Das schaumstoffartige Material, das sich so herstellen lässt heißt Aerogel und erhält seine elektrischen Eigenschaften durch eine besondere Tinte. Da das Material unempfindlich gegen Stöße und Aufprälle ist, lassen sich die Akkus besonders gut in Autos oder im Futter von Kleidung einsetzen. Eine beeindruckende Möglichkeit, Plastik zu ersetzen, die allerdings nur dann sinnvoll ist, wenn das verwendete Holz aus nachhaltigen Quellen stammt. Was bringt es schließlich, abbaubare Computerchips zu produzieren, wenn dafür die Wälder weichen müssen?

(c) www.pixabay.de derRenner

In einer Zeit, in der wir Deutschen im Durchschnitt jährlich 617 Kilo Haushalts- und Verpackungsabfälle und somit am viertmeisten Müll in Europa produzieren, scheint sich ein neuer Trend zu entwickeln: Zero Waste. Eine Lebensweise, die darauf ausgelegt ist, nach Möglichkeit keinen Müll zu produzieren. Wenn ich an die vollen Mülleimer denke, die ich jede Woche zu den Mülltonnen im Keller schleppe, scheint das unvorstellbar. Doch es ist möglich. Das wohl bekannteste Gesicht dieses neuen Lebensstils ist die 24-jährige New Yorkerin Lauren Singer, über die hier auch schon berichtet wurde. Das Bild von einem Marmeladenglas, in dem all der Müll steckt, den Lauren innerhalb von zwei Jahren verursacht hat, geht um die Welt. Wie man das anstellt, könnt ihr in ihrem Blog trash is for tossers nachlesen.



Auch hier in Deutschland wagen Menschen das Experiment, müllfrei zu Leben. Zu ihnen gehören auch die 31-jährige Bochumerin Shia Su und ihr Mann. Für die beiden bedeutet Zero Waste allerdings nicht nur, verpackte Produkte durch unverpackte zu ersetzen, sondern generell weniger zu konsumieren. So hat Shia zum Beispiel auch ihren Kleiderschrank aussortiert, in dem sich wie bei den meisten von uns zuvor Kleidungsstücke stapelten, die sie eigentlich nie trug. Von 80% ihrer Kleidung trennte die Bochumerin sich deshalb. Shia und ihr Mann trennten sich auch von ihrem Auto und stellten fest, dass in ihrer Wohnung viel mehr Platz ist, als sie eigentlich benötigen. Durch ihre Zero Waste Lebensweise sparen die beiden eine Menge Geld und können es sich so leisten, nur Bio-Produkte zu kaufen. Und wenn sie einkaufen gehen, haben sie immer ihre eigenen Gläser dabei, die sie an der Kasse abwiegen und mit dem Gewicht beschriften lassen. Leider klappt das aber nicht in jedem Laden, da nicht überall das Gewicht des Glases an der Kasse abgezogen werden kann. Losen Tofu bekommt man aber zum Beispiel beim Asia-Markt Shop. Nur wenige grundlegende Dinge wie zum Beispiel Mehl haben die beiden Bochumer bisher noch nicht verpackungsfrei entdeckt. Ansonsten stellt Shia vieles selbst her, zum Beispiel Zahnpasta, Wasch- und Spülmittel. Ihre Lebensqualität leidet ihrer Meinung nach nicht unter ihrem Zero-Waste-Lebensstil. Im Gegenteil, sie habe sogar an Lebensqualität gewonnen. Auch Shia hat einen Blog, in dem ihr mehr über ihre Lebensweise erfahren könnt.

(c) www.pixabay.de ALTEREGOINTELIGENCIA

Inspiriert wurde Shia übrigens von der Amerikanerin Bea Johnson, die bereits seit 2008 gemeinsam mit ihrer Familie ein müllfreies Leben führt und sogar ein Buch namens Zero Waste Home darüber geschrieben hat. Johnsons Buch diente auch als Ratgeber für Food-Redakteurin Jenny, die das Experiment startete, 28 Tage ohne Einwegverpackungen auszukommen. Wie es ihr dabei ergangen ist, könnt ihr hier nachlesen.

Selbst aktiv werden

Die Trashbusters-Aktionswochen der NAJU neigen sich dem Ende zu, doch noch bis zum 03.10. könnt ihr mitmachen und die Natur von Müll befreien. Die WWF Jugend hat sich schon fleißig beteiligt, wie ihr in den Berichten über die Aktionen in Leipzig, Köln und Karlsruhe nachlesen könnt. Liebe Teilnehmer, bitte vergesst nicht den Einsendeschluss für die Aqua Awards am 31. Oktober! Für alle, die den Aktionszeitraum verpasst haben: Müllsammeln kann man immer. Wenn ihr nicht gleich eine große Aktion starten wollte, nehmt doch einfach beim nächsten Spaziergang einen Beutel mit, in den ihr den Müll stopfen könnt, auf den ihr unterwegs stoßt.

(c) www.pixabay.de coombesy

Aktiv werden geht auch ganz bequem von zu Hause aus, indem ihr die folgenden beiden Petitionen unterschreibt:

Plastik ist alles andere als Bio und trotzdem sind viele Bioprodukte immer noch darin verpackt. Unterschreibt hier wenn ihr findet, dass sich das ändern muss.

Nicht nur Coffee to go-Becher sorgen für riesige Müllberge, auch durch Kaffeekapseln entsteht jede Menge unnötiger Abfall. Fordert deshalb hier Nestlé auf, sein Nachhaltigkeitsprogramm ernst zu nehmen und Nespresso-Kapseln abzuschaffen.


In Deutschland gibt es bisher 5 verpackungsfreie Läden. Du bist der Meinung, dass es in Hannover unbedingt auch einen geben sollte? Dann unterstütze hier das Crowdfunding für LoLa, den LoseLaden. Den Spendern winken tolle Dankeschöns und wenn die benötigte Summe nicht zusammenkommt, kriegt ihr euer Geld zurück.

(c) Original Unverpackt

Und wenn ihr auf der Suche nach noch mehr Ideen im Kampf gegen Kunststoffe seid und zum Beispiel wissen wollt, wie man den Müll aus dem Meer holen und Straßen daraus bauen könnte, dann schaut mal hier nach.

Denkt immer dran: You are not too young to make a difference! 

Quellen:

http://www.fastcoexist.com/3048802/this-wooden-computer-chip-could-make-recycling-electronics-a-lot-easier
http://www.trendsderzukunft.de/der-umwelt-zuliebe-computerchips-aus-holz/2015/05/28/Formularbeginn
http://www.pcwelt.de/news/Akkus-und-Computerchips-aus-Holz-Umweltfreundliche-IT-9694494.html
http://www.rp-online.de/leben/ratgeber/verbraucher/zero-waste-in-diesem-glas-stecken-zwei-jahre-muell-aid-1.5309852
http://www.mission-frische.de/mehr-mit-weniger/
http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/feb/15/rwanda-banned-plastic-bags-so-can-we
http://www.fluter.de/de/139/thema/13185/
https://www.muenchen.tv/mediathek/video/mit-coffee-to-go-again-schuetzt-muenchen-die-umwelt/

Titelbild: www.pixabay.de bogitw

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Kommentare (2)
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01.10.2015
Sunlight hat geschrieben:
Großartig, danke für die inspirierenden Nachrichten!
Chips aus Holz, wie genial ist das denn? :)
01.10.2015
Marcel hat geschrieben:
Fantastische News und Infos - vielen Dank für den super Bericht, Anne!
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