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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Meine Teilnahme bei der Plastik-Pause Teil 2


von Carina
01.02.2015
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Hier geht es zum ersten Teil.

Tag 4: Donnerstag, der 29. Januar

In dem ersten Teil meines Berichts hatte ich bereits angekündigt, dass mich das Ende der Woche noch vor ein paar Herausforderungen stellen würde. Die erste davon ist diese: Heute ging es direkt nach der Uni mit dem Rad zum Bahnhof. Von da fahre ich mit drei Freundinnen in das kleine Dörfchen Goddelsheim am Rande des Sauerlandes – und werde bis Samstag hier bleiben. Der Grund ist der Skisprung Weltcup in Willingen, den wir uns Freitag ansehen wollen. In Goddelsheim, das etwa eine Halbestunde Autofahrt entfernt liegt, kommen wir auf dem Hof der Eltern meiner Freundin unter.

Tja, nun habe ich ja bereits bemerkt, dass es machbar ist, für mich selbst plastikfrei einzukaufen und zu kochen. Doch in einem fremden Haushalt kann ich ja kaum erwarten, dort auch „plastikfrei“ bekocht zu werden. Daher habe ich mir in weiser Voraussicht ein Vollkornbrot und meinen veganen Aufstrich mitgebracht.

Als wir abends ankommen, hat die Mutter bereits Suppe gekocht: Tomatensuppe und Brokkoli-Gorgonzola. Hach, wie gerne ich so einen heißen Teller Suppe mitessen würde! Doch die ist sicher für mich tabu. Als ich der Köchin von meinem Selbstversuch erzähle, staune ich jedoch, als sie behauptet, die Tomatensuppe wäre völlig plastik-clean: Die Tomaten und die Möhren seien lose gewesen und ansonsten sei nur Olivenöl und Salz und Pfeffer daran. Oh, da ist die Freude groß!

Tag 5: Freitag, der 30. Januar

Das Frühstück an diesem Tag ist erfreulich unproblematisch: Brötchen aus der Papiertüte und Marmelade und veganer Aufstrich aus dem Glas. Bei dem Mittagessen sieht es allerdings anders aus: Den Fisch und die Kartoffeln darf ich nicht essen. Die nette Gastgeberin brät mir aber stattdessen zwei Spiegeleier und ich schmiere mir ein paar Brote. Der Eisbergsalat war leider auch in Plastik, dafür darf ich aber bei den Bohnen und der Roten Beete mitessen – beides kam aus dem Glas.

Nach dem Mittagessen geht es direkt zur Sprung-Schanze.

Der Skisprung-Weltcup ist kalt, aber sehenswert. Insgesamt ca. acht Stunden lang sind wir auf dem Gelände. Ich selbst war das erste Mal bei so etwas dabei – im Gegensatz zu meinen Freundinnen habe ich mit Wintersport eigentlich nicht viel am Hut. Ein Pole, Kamil Stoch, machte das Rennen. Der deutsche Severin Freund wurde Dritter. Für die abendliche Verpflegung habe ich mir mal wieder ein paar Brote geschmiert – obwohl sie mir langsam aus den Ohren rauskommen.

Tag 6: Samstag, der 31. Januar

Heute geht es zurück nach Münster. Zum Frühstück mal wieder Brötchen und zum Mittagessen einen Rest Suppe. Als Nachtisch macht uns die Mutter meiner Freundin aber leckere Waffeln – und versichert mir, dass alle Zutaten aus dem Papier kamen. Insgesamt ist sie sehr bemüht, genug Lebensmittel in ihrem Haushalt zu finden, die ich essen darf. Vor dem Waffeleisen stehend erzählt sie mir: „Man bekommt ja einen ganz anderen Blick auf die Dinge. Heute Morgen habe ich viel bewusster eingekauft als sonst.“ Das freut mich natürlich!

Die Landschaft ist wunderschön winterlich verschneit. Als wir abends wieder in Münster ankommen, ist leider keine einzige Schneeflocke mehr zu sehen.

Tag 7: Sonntag, der 1. Februar

Und heute erwartet mich die nächste Herausforderung: Ich bin zum Brunchen in einem Café eingeladen. Hier feiert eine Freundin von mir ihren Geburtstag. Da ich bei dem Buffet allerdings außer trockenen Brötchen und etwas Butter sicher nichts essen dürfte, bestelle ich mir nur einen Früchtetee. Die anderen Geburtstagsgäste kläre ich natürlich auf und ernte viel Interesse. Dabei zugucken zu müssen, wie sie sich an dem leckeren Buffet bedienen, ist dann allerdings doch ein wenig blöde … Wie gut, dass ich vorher schon ein wenig gegessen hatte.

Mein Fazit:

Ab morgen ist das Anti-Plastik-Experiment beendet, doch ich weiß bereits jetzt, dass ich weiterhin darauf achten werde, möglichst plastikfrei einzukaufen. Ganz so streng wie in der vergangenen Woche werde ich es aber wahrscheinlich nicht mehr weiterführen. Das liegt ganz einfach daran, dass Käse so schwer zu bekommen ist und Milch und Joghurt im Glas auf Dauer zu teuer wären für mich – während den letzten sieben Tagen habe ich einfach komplett auf diese Artikel verzichtet. Sehr erfreulich fand ich vor allem die Reaktionen der Menschen, denen ich von meinem Selbstversuch erzählt habe – seien es nun Bekannte, Fremde oder Verkäufer. Dem Großteil von ihnen war die Plastik-Problematik bewusst und viele erzählten von Dokumentationen, die sie schon darüber gesehen hätten. Auf der anderen Seite jedoch sahen viele erst durch mich, wo überall Plastik drinsteckt. Und ich fürchte, wenn ich ganz genau nachgefragt hätte, wäre das Bund Möhren in der Suppe sicher mit einem Plastikbändchen zusammengehalten worden oder die Milch für die Waffeln aus einer Packung mit Plastikdeckel gekommen. Leider schien auch niemand wirklich gewillt, es einmal selbst auszuprobieren: „Das ist zu schwierig“ oder „Das ist zu anstrengend“ waren Sätze, die ich oft gehört habe.

Doch ich persönlich glaube, dass immer mehr Leute auf diesen Zug aufspringen werden. Ähnlich wie der Vegetarismus wird sich vielleicht bald eine Bewegung des plastikfreien Lebens und Einkaufens verbreiten. Das Bewusstsein über das Problem ist zumindest der erste wichtige Schritt auf diesem Weg.
 

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Kommentare (4)
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02.02.2015
Anais hat geschrieben:
Echt super, dass du da so konsequent warst und schön zu lesen, dass sich die Leute aus deinem Umfeld dafür interessiert und sich zumindest mal Gedanken gemacht haben. Danke für den Bericht ;))
01.02.2015
Cookie hat geschrieben:
Wow, ich bin total beeindruckt, wie konsequent du das Experiment durchgezogen hast! Es freut mich total zu hören, dass du weiter darauf achten wirst und dass du es geschafft hast, deine Mitmenschen auf die Problematik aufmerksam zu machen und zum Nachdenken anzuregen - denn genau das war schließlich eines der Ziele des Experiments! Vielen Dank, dass du mitgemacht hast! :)
01.02.2015
JuliusS hat geschrieben:
Stimmt. Wenn man es erst einmal Probiert und sich ein klein wenig einarbeitet, ist das gar nicht sooo schwer. Also komplett auf Plastik verzichten geht nicht, aber man bekommt erstaunlich viel weg :D
Also sollen die erst probieren, dann meckern. Ich finde das Super von der Mutter von deiner Freundin, dir extra etwas plastikfreies zu kochen :D
01.02.2015
lolfs hat geschrieben:
Schön zu lesen, dass die Mitmenschen Interesse zeigen. Doch schade, dass sie gleich von Anfang an sagen, dass es zu schwierig sei.
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