Was gibt's Neues?


Thema Plastikmüll:


Aktuelle Artikel


Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Mein Workshop für Müll(vermeidungs)europameister


von Cookie
13.06.2016
8
14
100 P

"Deutschland ist Europameister!" Obwohl die Fußball-EM erst heute eröffnet wird, begrüße ich so die Schülerinnen und Schüler aus Leipzig und Umgebung, die an meinem Workshop im Rahmen des Demokratietheaters teilnehmen. Um Sport geht es aber auch gar nicht, denn den Titel haben wir Deutschen in einer ganz anderen Disziplin geholt: Im Müllmachen. Mit 17,6 Millionen Tonne im Jahr verursachen wir den meisten Verpackungsmüll in der EU. Nimmt man noch den restlichen Haushaltsmüll hinzu, produziert ein Deutscher im Schnitt 617 Kilo Müll im Jahr, also mehr als anderthalb Kilo jeden Tag. Ganz schön erschreckend, oder? Vor allem, wenn man bedenkt, wie leicht Verpackungen normalerweise sind und wie viele daher zusammenkommen müssen, um ein solches Gewicht zu erreichen. 

Und wo kommt all der Müll hin? Der Biomüll wird kompostiert. Das sind etwa 18% unseres Müllaufkommens. Glas, Papier, Pappe und Karton lassen sich sehr gut recyceln, allerdings werden die Papierfasern mit jedem Recyclingvorgang kürzer. Vom Kunststoff wird leider weniger als die Hälfte recycelt. Insgesamt werden 47% des Mülls in Deutschland recycelt, wobei man aber eher von Downcycling sprechen sollte, da in den meisten Fällen minderwertigere Produkte daraus gemacht werden. Der restliche Kunststoff und der Restmüll werden verbrannt. Dabei entstehen Energie, Schlacke, die für den Straßenbau genutzt werden kann und Asche, die gemeinsam mit nicht brennbaren Materialien auf Deponien eingelagert werden.

Aber wo genau ist jetzt das Problem? Entsorgung und Verwertung des Mülls kosten Energie. Bei der Verbrennung entstehen giftige Gase, die in unsere Umwelt gelangen, sowie unbrauchbare Rückstände wie die bereits erwähnte Asche, die gelagert werden müssen. Während die Müllberge immer weiter wachsen und der Platz für den Müll immer weniger wird, schwinden auch unsere Ressourcen. Zudem gelangt eine Menge Müll in die Natur und belastet die Umwelt sowie unsere Gesundheit. Besonders problematisch ist Plastikmüll, da dieser mitunter Hunderte von Jahren braucht, um zu zerfallen. Weg ist er dann trotzdem nicht, sondern hat sich in gefährliches Mikroplastik verwandelt, das sich schon in alle unserem Wasser befindet.

Nach diesem kurzen Vortrag von mir sind die Workshopteilnehmer gefragt: Gemeinsam wollen wir uns einen eigenen kleinen Müllvermeidungsratgeber erarbeiten. Dazu sollen die Teilnehmer zunächst einmal brainstormen, was in den verschiedenen Lebensbereichen überhaupt an Müll, Einweg- und Plastikprodukten anfällt. Die Teilnehmer teilen sich in 4 Gruppen:

1. Bad, Kosmetik, Pflege
2. Küche, Kochen, Essen
3. Schule, Büro
4. Freizeit, Mode

Da kommt so einiges zusammen: Plastiktüten, Alufolie, Plastikverpackungen, Zahnbürsten, Zahnpasta, Deo, CDs und DVDs, Plastikmappen, Kugelschreiber, Plastikflaschen…

Wie können wir all das vermeiden oder zumindest reduzieren? Hier kommt das Zero Waste Prinzip ins Spiel, von dem ein paar der Schüler sogar schon gehört haben. Ausgegangen von Bea Johnson aus den USA, die den Begriff prägte, wächst die Zero Waste Bewegung immer weiter. In den Medien tauchen immer wieder Berichte über Menschen auf, deren Jahresmüllproduktion in ein Einmachglas passt. Ziemlich beeindruckend, oder? Die Schüler machen jedenfalls große Augen, als sie das Bild mit dem Müll sehen, der bei Bloggerin Shia in einem Jahr anfällt. 

(c) www.wastelandrebel.com 

Die Grundlage für das Zero Waste Prinzip bilden die 5 Rs. Wichtig ist hierbei die Reihenfolge, in denen man die Schritte anwendet. Diese erarbeiten wir im Workshop gemeinsam:

1. Refuse (Ablehnen)
Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht. Darum sollten wir Verpackungen, Einwegprodukte und unnötigen Krimskrams von vorneherein ablehnen. Das gilt auch für kostenlose Pröbchen und die vielen verlockenden Freebies wie Gratis-Kugelschreiber und Schlüsselbänder.

2. Reduce (Reduzieren)
Wir besitzen jede Menge Zeugs, das wir eigentlich nicht brauchen und auch nicht wirklich benutzen. Diese Sachen nehmen nur Platz weg, stauben ein und sind letztendlich verschwendete Ressourcen. Zeit, einmal auszumisten und diese Dinge wieder in Umlauf zu bringen. Überhaupt sollten wir uns viel öfter fragen, was wir wirklich brauchen.

3. Reuse (Wiederverwenden/Reparieren)
Wir sollten großen Wert auf die Langlebigkeit unserer Produkte legen und es erst mal mit Reparieren versuchen, bevor wir kaputte Dinge durch Neue ersetzen. Bevor man etwas Neues kauft, lohnt es sich oft, nachzusehen, ob man nicht schon etwas besitzt, das den gleichen Zweck erfüllen kann.

4. Recycle
Was noch an Müll anfällt, wenn man R1-3 beachtet hat, sollte man ordentlich trennen und zurück in den Wertstoffkreislauf geben.

5. Rot (Kompostieren)
Bleiben letztendlich nur die organischen Abfälle übrig, die kompostiert werden können und so zu Dünger werden.

Mehr Infos und Tipps zum Umsetzen der 5 Rs findet ihr hier.

Jetzt beginnt endlich der wichtigste Teil des Workshops: Wir suchen nach Alternativen für die beim Brainstorming aufgelisteten Gegenstände. Als Inspiration habe ich ein Video und einige Bücher zum Thema mitgebracht. Nebenbei stehe ich den Gruppen natürlich selbst zur Verfügung, erzähle davon, wie ich mein Deo selbst herstelle, informiere über die Unverpackt Läden in Leipzig und gebe meine eigenen Erfahrungen und Ideen rund ums müllfreiere Leben weiter. Damit auf offene Ohren zu stoßen, macht mich richtig glücklich.

Schließlich ist es an der Zeit, dass die Gruppen ihre Ideen präsentieren. Es sind eine Menge Ideen zur Müllvermeidung zusammengekommen. Hier ein Ausschnitt aus der Bad, Kosmetik und Pflege-Gruppe:

Die ausgefüllten Ratgeber könnt ihr euch hier anschauen:
Workshop 1 
Workshop 2  

Ich hoffe sehr, die Teilnehmer hatten genauso viel Spaß an dem Workshop wie ich und haben einige praktische Tipps daraus mitgenommen. Das Feedback war zumindest weitgehend positiv. Ein Kritikpunkt war allerdings, dass ich die Ratgebervorlagen ausgedruckt mitgebracht habe, statt lediglich hinterher die ausgefüllten Versionen digital zur Verfügung zu stellen, da die Ratgeber vermutlich irgendwann auch im Müll landen werden. Ich verstehe das zwar, halte den Lerneffekt jedoch für größer, wenn man den Ratgeber selbst ausfüllt. Er war ja immerhin auf Recyclingpapier gedruckt.

Das Demokratietheater ist jedenfalls eine geniale alljährliche Veranstaltung des StadtSchülerRates Leipzig. Das diesjährige Thema war Nachhaltigkeit und bei den vielen spannenden Workshops rund um Themen wie nachhaltige Ernährung, Kleidung und Neue Ökonomie wäre ich auch gerne als Teilnehmerin unterwegs gewesen. Das war allerdings den Leipziger Schülern ab der 7. Klasse vorbehalten, die für diesen Tag extra freibekommen haben, um zum Demokratietheater zu kommen.

(c) SSR Leipzig

Ich war übrigens nicht alleine von der WWF Jugend: Antonia leitete einen Workshop zum Thema Fleischkonsum.

Ich habe einen derartigen Workshop zum ersten Mal gehalten und es war eine tolle Erfahrung für mich, mein Wissen zu teilen und dabei selbst eine Menge neue Ideen zu bekommen. Wenn ihr selbst eine solche Gelegenheit bekommen solltet oder ein Referat zum Thema Müll halten müsst, stelle ich euch meine Präsentation und die Ratgebervorlage gerne zur Verfügung. Schreibt mir einfach!

Wie wäre es denn zum Beispiel, wenn ihr zur plastiktütenfreien Aktionswoche euren eigenen Zero Waste Workshop veranstaltet? Kreativ auf unser Müllproblem aufmerksam machen könnt ihr übrigens auch mit einer Upcycling-Bude.

Quellen: 

http://www.welt.de/politik/deutschland/article147664176/Deutsche-sind-Europameister-im-Muell-Produzieren.html
http://www.focus.de/immobilien/wohnen/611-kilogramm-muell-pro-kopf-deutschland-deutlich-ueber-eu-durchschnitt-deutschland-muellt-sich-zu-119-kilo-mehr-als-eu-schnitt_id_3959204.html
http://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/abfallwirtschaft/abfallstatistik
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/alltagsprodukte/19838.html
https://utopia.de/ratgeber/zero-waste-leben-ohne-muell/
http://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/verpackungen
http://www.wiwo.de/technologie/umwelt/abfallentsorgung-was-mit-unserem-muell-passiert/9712120.html?p=5&a=false&slp=false#image
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/muell-deutsche-produzieren-mehr-abfall-als-die-meisten-europaeer-a-1040252.html
http://wastelandrebel.com/de/die-5-rs-von-zero-waste/
http://www.naturdetektive.de/fileadmin/NATDET/documents/Kapitel_1-10/15884-17339-1-kapitel_10_muell.pdf

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
19.06.2016
Stracca hat geschrieben:
Ein guter Bericht! Ich finde es auch gut, dass, wie hier auch schon genannt, du Alternativen vorschlägst.
16.06.2016
Papillon hat geschrieben:
Super, das du die Alternativen nennst. Meinen doch viele Leute, das es kaum Alternativen gibt.
15.06.2016
Wasserjunge hat geschrieben:
Sehr, sehr schöner und wichtiger Bericht, Tatze hoch und Lesetipp von mir!

Ich selbst benutze Zahnbürsten von "Hydrophil", aus Bambus, diese sind wirklich super und ich spreche aus Erfahrung nach ca. einem Jahr Benutzung.
Ist mein persönlicher Tip für jeden! :)
14.06.2016
Cookie hat geschrieben:
@Ronja: Danke für den Hinweis! Jetzt sollte es funktionieren.
14.06.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Coole Aktion! Ich bin mir sicher, dass du bei den Schülern einiges bewegt hast.
14.06.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
gleich
14.06.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
Super Bericht! ich finds absolut toll, dass du so auf das Problem aufmerksam machst und den Schülern gleicj noch die alternativen zeigst. ^^
14.06.2016
Ronja96 hat geschrieben:
Klasse, dass du den Workshop geleitet hast. Hört sich klasse an. =)
Der erste Link "Workshop 1" funktioniert bei mir aber leider nicht...
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen