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Keine Plastiktüten an der Kasse? - EDEKA Bylitza in Fürth macht's vor


von Cookie
09.04.2015
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Eigentlich wollte mein Vater nur die Öffnungszeiten am Ostersamstag herausfinden, als er auf der Facebookseite der EDEKA Filiale, in der meine Familie immer einkauft, auf so eine Art vorzeitiges Ostergeschenk für mich stieß: EDEKA Bylitza in Fürth im Odenwald verabschiedet sich von der Plastiktüte. Sobald die letzte davon über die Theke gegangen ist, sollen an der Kasse zunächst testweise nur noch umweltschonendere Alternativen angeboten werden. Voller Begeisterung schicke ich sofort eine E-Mail an EDEKA Bylitza und tatsächlich erklärt sich Inhaber Dominic Bylitza gerne zu einem Gespräch bereit.

Erfreuliche Ankündigungen auf Facebook (https://www.facebook.com/bylitza.fuerth?fref=ts)

Als ich Herrn Bylitza am Dienstag treffe, bekommt man in seiner EDEKA Filiale schon seit etwa 3 Wochen keine Plastiktüten mehr an der Kasse. Die Idee dazu habe man schon lange gehabt, erklärt er mir, allerdings habe man sich vor negativen Reaktionen der Kunden gefürchtet. Die blieben allerdings glücklicherweise aus. Die Resonanz sei bisher sehr positiv gewesen, so Bylitza. Auch auf Facebook folgte auf die Ankündigung jede Menge positives Feedback, nur ein Herr hält die Abschaffung der Plastiktüten für "neumodischen Quatsch" und behauptet, bei Umsetzung würde er nicht mehr dort einkaufen. Solche Leute gibt es wohl leider immer, aber an der Kasse selbst hat sich noch niemand beschwert. Wurden bei EDEKA Bylitza vorher jedes Jahr ca. 20.000 bis 30.000 Plastiktüten verkauft, greifen die Leute nun auf Papiertüten und sogar überraschend oft auf Stoffbeutel zurück, die dann wieder mitgebracht werden. Davon werden in Fürth nun nicht mehr nur noch die bekannten weißen Stoffbeutel mit dem EDEKA Logo angeboten, sondern auch eine hübsche bunte Alternative, die nachhaltig und komplett in Deutschland produziert wurde. Auch diese nachhaltigen Taschen verkaufen sich sehr gut. Für Herrn Bylitza steht jetzt schon fest, dass die Plastiktüten nicht in seine Filiale zurückkehren werden.

Hoffentlich wird der Erfolg hier in Fürth zu einem Vorbild für weitere EDEKA Märkte, denn bisher gibt es in Deutschland nur einige vereinzelte Filialen, die die Tüten schon verbannt haben. Dazu zählt auch EDEKA Meyers in Neumünster, wo es seit Februar keine Einweg-Plastiktüten mehr gibt. Dort gibt es nun stattdessen die sogenannte "Bring Bag" aus recycelten PET-Flaschen, mit deren Kauf die Kunden sogar den WWF unterstützen. Momentan gehen 25 Cent pro verkaufter Tasche an das WWF Projekt zur Bergung von Geisternetzen. Ob sie Plastiktüten anbieten, können die Inhaber der EDEKA Filialen selbst entscheiden, wie mir Herr Bylitza erklärt. Im Markt seines Vaters in Birkenau sollen die Tüten ebenfalls abgeschafft werden.

Nachhaltigkeit ist für Herrn Bylitza ein sehr wichtiges Thema und sein Markt soll nach und nach immer nachhaltiger werden. Verpackungsmüll spielt hier eine große Rolle und es soll nicht bei den Tüten an der Kasse bleiben. In der Obst- und Gemüseabteilung sollen ebenfalls Alternativen zu den kostenlosen Einweg-Plastiktüten, die man sich dort einfach abreißen kann, getestet werden. Das ist allerdings ein etwas komplizierteres Unterfangen, erfahre ich von Herrn Bylitza. Wenn die Plastiktüten durch Alternativen aus Papier ersetzt werden, muss das Personal an der Kasse jeden Beutel öffnen und hineinsehen. Zudem gibt es Papiertüten in unterschiedlichen Größen, die sich auch vom Gewicht her unterscheiden.


Dominic Bylitza mit einer der nachhaltig in Deutschland produzierten Taschen 

Ich lerne von Herrn Bylitza, dass es mit der Ware an den Bedientheken noch komplizierter ist. Tatsächlich verbieten es die Hygienevorschriften, dass von Kunden mitgebrachte Behälter hinter der Theke befüllt werden, da so Bakterien von außen in diesen Bereich gelangen können. Tut es das Verkaufspersonal trotzdem, macht es sich strafbar. Was aber möglich ist und sicher ein guter Tipp für alle, die versuchen, plastikfrei einzukaufen, ist, dass zum Beispiel Käse oder Wurst im Einwickelpapier über die Theke gereicht werden und man sie dann in seine mitgebrachte Dose legen kann. Optimal ist diese Lösung natürlich nicht, da immer noch Müll entsteht und sie sich mit Produkten wie beispielsweise Salaten nicht umsetzen lässt. Was das angeht, hat man sich bei EDEKA Bylitza etwas einfallen lassen: Die Plastikschälchen, die an den Bedientheken ausgegeben werden, sind nun wiederverwendbar. Sie lassen sich wasserdicht wiederverschließen und sind für die Spülmaschine und die Mikrowelle geeignet. Diese Mehrwegschälchen kosten die Filiale zwar doppelt so viel wie die alten Einwegschälchen, aber Herr Bylitza hofft, dass durch sie zur Müllvermeidung beigetragen werden kann. An der Theke wieder befüllen lassen kann man sich die Schälchen aufgrund der Vorschriften ja leider nicht, aber an einer Lösung wird gearbeitet. Das Ziel ist es auf jeden Fall, dass Kunden irgendwann mit ihren eigenen Behältern an die Bedientheken kommen können.

Ich verlasse EDEKA Bylitza in Fürth begeistert von den tollen Ansätzen und Ideen, von denen ich dort erfahren habe und hoffe sehr, dass bald noch mehr Supermärkte auf diese Weise gegen Plastik vorgehen werden. Hoffnung macht mir auch, dass "Verpackung" seit diesem Jahr auch ein Schwerpunktthema der Zusammenarbeit von EDEKA und dem WWF ist. Papier-, Papp- und Kartonverpackungen der Eigenmarke zum Beispiel sollen bis Ende des Jahres so weit möglich aus Recycling oder FSC Materialien hergestellt werden. Generell soll der ökologische Fußabdruck der Verpackungen verkleinert werden. Ich bin jedenfalls gespannt, was in nächster Zeit noch passieren wird. Das Beispiel von EDEKA Bylitza zeigt meiner Meinung nach, dass Plastiktüten an Supermarktkassen eigentlich überflüssig sind und ich freue mich, dass durch die Umstellung dort nun jedes Jahr etwa 30.000 Tüten weniger in Umlauf geraten.

Quellen: 
http://www.wwf.de/zusammenarbeit-mit-unternehmen/edeka/engagement-in-den-edeka-regionen/
https://www.facebook.com/bylitza.fuerth?fref=ts
http://www.wwf.de/zusammenarbeit-mit-unternehmen/edeka/edeka-und-verpackungen/

 

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Kommentare (17)
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15.04.2015
SammySahne hat geschrieben:
Ich finde es toll, dass es auch Menschen gibt, die nicht nur an das Geld denken, denn daran scheitert ja es bei den meisten... Das Grauen vor den roten Zahlen.
15.04.2015
anni95 hat geschrieben:
Die Wucht in Tüten- oder eher Taschen ;)
14.04.2015
LaLoba hat geschrieben:
Das ist ja richtig super! Sehr gut gefällt mir an diesem Beispiel, dass Herr Bylitza offensichtlich nicht nur blind einem Trend folgt, sondern sich tatsächlich Gedanken um das Thema zu machen scheint. Die Plastiktüten an der Kasse abzuschaffen ist schließlich eine Sache, aber dass er gleich weitergeht und nach Alternativen für die übrigen Plastikverpackungen sucht, ist wirklich lobenswert!
10.04.2015
Jayfeather hat geschrieben:
Wow, echt toll, wie sehr sich der Inhaber für Müllvermeidung einsetzt!! Vor allem, dass er nicht bei den Tüten an der Kasse aufhört, sondern sich auch Gedanken um Alternativen beim Obst und den Bedientheken macht.
Großes Lob an Sie, Herr Bylitza!!

Da können sich andere Supermärkte eine Scheibe von abschneiden :)
10.04.2015
Luke24 hat geschrieben:
Diese Filiale hat echt Vorbild-Charakter!
Aber genau so ist es richtig, denn Umweltschutz sollte von den Bürgern und Unternehmen aus eigener Initiative entstehen und nicht immer auf gesetzliche Verbote angewiesen sein. Nur wenn sich die Menschen wirklich für die Umwelt interessieren, wird man sie auch nachhaltig schützen können.
10.04.2015
Ria2000 hat geschrieben:
Echt super! Da sieht man mal wieder: es geht doch, wenn man will... :)
10.04.2015
lolfs hat geschrieben:
Man sieht, Supermärkte können auf Plastiktüten verzichten, wenn sie nur wollen. Super Aktion des Edekas.
Dass die Hygienevorschrift verbietet, selbst mitgebrachte Dosen zu befüllen, ist interessant zu wissen und auch (teilweise) nachvollziehbar. Daher finde ich es super, dass das Edeka versucht wiederverwendbare Plastikschälchen einzuführen. Hier könnte man es doch so handhaben wie bei Pfandflaschen: Einen Pfand drauf erheben. Dann würden (hoffentlich) die Menschen die Schalen zurückbringen, welche dann vom Edeka in der Spülmaschine gewaschen und wiederverwendet werden könnten. Oder würde dies dann immernoch gegen eine Hygienevorschrift verstoßen?
09.04.2015
Kiwivonne hat geschrieben:
Ich finde das auch eine echt tolle Aktion vom EDEKA. Hoffentlich nehmen sich noch mehr Märkte ein Beispiel daran! :D
09.04.2015
GwynRoth hat geschrieben:
Echt schön zu hören, dass sich manche Leute trotz so vieler Komplikationen weiterhin Gedanken machen und immer weiter verändern wollen! Ich glaub bei meinem nächsten EDEKA Besuch, frag ich mal unauffällig nach,wann es denn bei uns die neuen Tüten gibt :D
09.04.2015
Puma hat geschrieben:
Ich bin ja richtig begeistert!Und freu mich natürlich riesig,dass es Menschen gibt,vor allem Filialleiter die ja auch ziemlich auf Profit stellenweise angewiesen sind so etwas unterstützen und es sich sogar ausdrücklich wünschen! Das gibt Hoffnung die Zukunft :D
09.04.2015
KikiFi hat geschrieben:
Wie cool. Man sollte die Gelegenheit nutzen und die EDEKA-Filiale in seiner Nähe mal anschreiben oder vorbeischauen und freundlich auf das tolle Beispiel aus Fürth hinweisen... vielleicht gibt das ja dem ein oder anderen den entscheidenden Denkanstoß! Und es wäre ja wirklich toll, wenn möglichst viele Filialen diesem Beispiel folgen.
09.04.2015
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Also ich finde, dass sich Rewe da mal ein Beispiel nehmen sollte. In Köln gibt es insgesammt nur 3 Edeka Fillialen und keine ist auf der Rheinseite, auf der ich wohne...
Wir wohnen voll im Rewe-Einzugsgebiet.
09.04.2015
Anais hat geschrieben:
Hammer coole Sache! Das ist ja echt eine tolle Neuigkeit :))

Und nur mal so am Rande für alle Interessierten: wir planen gerade an einer Aktion in Berlin am 3.7. zum internationalen Anti-Plastiktütentag. Also merkt euch schon mal das Datum ;))
09.04.2015
peacemeinfreund hat geschrieben:
Das ist echt ein super Ostergeschenk! :D Danke, dass du es mit uns teilst.
09.04.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Toller Bericht! Das ist eine tolle Neuigkeit! Ich hoffe, dass das auch in weiteren Filialen umgesetzt wird.
09.04.2015
OekoTiger hat geschrieben:
Toll! Noch besser, wäre es wenn das jeder Edeka-Markt machen würde.
09.04.2015
Janinadl hat geschrieben:
Cool!
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