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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Ist mein Duschgel gefährlich? - Kläranlagen sind machtlos gegen Mikroplastik


von Cookie
02.11.2014
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Uta Schlautmann vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft hält einen kleinen Glasbehälter in der Hand. Darin befinden sich winzige blaue und weiße Kügelchen. Ganze 2,82g der kleinen Plastikpartikel, die wie Schlautmann erklärt alle in einer einzigen Flasche Duschgel mit der Aufschrift "Mineral-Massage" gefunden wurden. Eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) im Auftrag des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat nun ergeben, dass Kläranlagen gegen dieses sogenannte Mikroplastik machtlos sind.

Aber was ist Mikroplastik überhaupt und was hat es in einer Flasche Duschgel zu suchen?

Als Mikroplastik bezeichnet man Plastikpartikel mit einer Größe von weniger als 5 mm. Man unterscheidet zwischen zwei Arten. Es gibt zum einen sekundäres Mikroplastik, welches beim Zerfall von größeren Kunststoffteilen entsteht. Zum anderen gibt es das primäre Mikroplastik. Dazu gehören sowohl die Pellets, aus denen Plastikprodukte hergestellt werden als auch Granulate, die man in Kosmetik- und Hygieneprodukten wie Zahnpasta und Duschgels findet. Sie sollen zur besseren Reinigung beitragen und für einen Peeling-Effekt sorgen, sodass die Zähne weiß strahlen und die Haut samtweich wird.

Und was ist jetzt das Problem am Mikroplastik?

Die kleinen Plastikpartikel können hunderte von Jahren in Gewässern existieren und dort Giftstoffe anreichern. Diese werden von den Mikroplastikteilchen nämlich angezogen wie von einem Magneten. Wenn die Plastikpartikel nun von Tieren gegessen werden, wird nur eine geringe Menge der Giftstoffe ausgeschieden, der Rest reichert sich im Fettgewebe an. Das ist nicht nur für die Tiere gefährlich, die erkranken oder sogar sterben können, sondern auch für uns Menschen, da Mikroplastik und Giftstoffe durch die Nahrungskette bis zu uns wandern. Die genauen Auswirkungen auf den menschlichen Körper sind noch nicht erforscht, aber es wird vermutet, dass Mikroplastik Entzündungen oder sogar Krebs auslösen kann.

Wie gelangt das Mikroplastik in die Umwelt?

Zum einen natürlich durch achtlos weggeworfene Plastikgegenstände, die sich durch den Einfluss von Wasser und Sonnenlicht immer weiter zersetzen. Zum anderen, wie sich nun herausgestellt hat, durch Kläranlagen, deren herkömmliche Filtermethoden den die winzigen Plastikpartikeln nicht gewachsen sind. Im Rahmen der Studie des AWI, der ersten ihrer Art in Deutschland, wurden die Wasserabläufe von zwölf Kläranlagen in Niedersachsen untersucht. In den Proben fanden die Forscher pro Kubikmeter Wasser zwischen 86 und 714 Plastikpartikel und zwischen 98 und 1479 Plastikfasern. In einer Anlage konnte sogar die unfassbare Summe von 13.000 Plastikpartikeln auf einem Kubikmeter Wasser ausgemacht werden.
Die gute Nachricht: Das Trinkwasser in der Gegend ist noch nicht belastet. Die schlechte: Da die Kläranlagen das Abwasser nicht von Mikroplastik befreien kann, gelangt es in Flüsse und ins Meer. Man schätzt, dass dort jährlich 93 Millionen bis 8,2 Milliarden Plastikpartikel landen. Außerdem befindet sich das Mikroplastik auch im Klärschlamm (zwischen gut 1000 und mehr als 24.000 Teilchen pro Kilogramm Trockenmasse), der als Dünger auf Feldern verteilt wird.



Was kann man dagegen tun?

Nur eine einzige Kläranlage war fähig, ca. 97% des Mikroplastiks aus dem Abwasser herauszufiltern, da sie eine spezielle Technik nutzt, die sogenannte Tuchfiltration. Bei dieser durchläuft Abwasser ganz am Ende des Filterprozesses spezielle Textilien. Alle Kläranlagen mit dieser Technik auszustatten, ist momentan gesetzlich noch nicht möglich und wäre zudem sehr teuer und zeitaufwendig. Daher sieht das NLWKN nur den Verzicht der Verbraucher auf Plastik und Gesetze gegen Mikroplastik in Produkten als eine Lösung an. Dazu Andreas Körner vom OOWV: "Der Eintrag von Mikropartikeln muss viel früher, schon bei der Herstellung von Produkten, vermieden werden." Körner fordert außerdem die Verbraucher dazu auf, weniger Kunststoffbekleidung zu tragen. Was Kosmetikprodukte angeht, so gibt es jede Menge Alternativen zu Plastikpartikeln, zum Beispiel Küglechen aus Bio-Wachs und Aprikosenkerne

Es kann also jeder von uns selbst aktiv gegen Mikroplastik vorgehen, indem wir Kunststoffbekleidung und Kosmetikprodukte, die Mikroplastik enthalten, meiden. Leider ist es oft nicht einfach, zu erkennen, ob ein Produkt Plastikpartikel enthält. Hilfreich ist hier der Einkaufsratgeber Mikroplastik vom BUND, in dem Produkte, die Mikroplastik enthalten, aufgelistet sind. Ich war sehr überrascht, dort einige Hersteller zu finden, die ich bisher als umweltfreundlich erachtet habe.



Und wenn ihr euch noch aktiver gegen Plastikmüll einsetzen wollt, dann schaut doch mal auf unserer Kampagnenseite oder in der Gruppe Gemeinsam gegen den Tüten-Wahnsinn vorbei!

Quellen:

http://www.focus.de/wissen/natur/wasser/studie-weist-mikroplastik-im-auslauf-von-klaeranlagen-nach-wasser-filtern-wird-immer-schwerer_id_4236880.html
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Klaeranlagen-sind-mit-Mikroplastik-ueberfordert,mikroplastik226.html
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/meere/131119_bund_meeresschutz_mikroplastik_produktliste.pdf

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Kommentare (11)
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04.12.2014
Marielle hat geschrieben:
Mikroplastik war auch beim JuZuVie Kongress ein Thema und ich darf hier mal unsere Bundesministerin für Umwelt ect. zitieren: "Mikroplastik hat noch nicht die Ausmaßen, dass man etwas machen müsste."

Wie schlimm muss es denn werden, damit man gegen Mikroplastik was machen muss Frau Hendricks?!
18.11.2014
anni95 hat geschrieben:
Interessant. Hab gleich mal meine eigenen Produkte überprüft, aber die stehen nicht auf der Liste. Puh.
Du hast in deinem Bericht geshrieben, dass Mikroplastik auch in Zahnpasta ist. Im Ratgeber sind keine Zahnpasten aufgeführt (auch wenn sie schreiben, dass Primärmikroplastik in Zahnpasta vorkommt) und irgendwie kann ich mir auch schlecht vostellen, dass wir uns mit Plastik die Zähne putzen. Versteh ich das falsch- sind damit allgemein Granulate gemeint oder sind diese kleinen Körnchen in meiner Zahnpasta tatsächlich Plastik?
12.11.2014
Sunlight hat geschrieben:
Spannender Artikel, mit wirklich trauriger Botschaft, da kommt man sich wieder so machtlos vor, weil das Mikroplastik so eine unbekannte Gefahr ist... Aber zum Glück bekommt man ja mit dem Einkaufsratgeber direkt Möglichkeiten aufgezeigt, bestimmte Produkte zu boykottieren und meine Naturkosmetik war auch gar nicht dabei :)
09.11.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Was!? Sogar in The Body Shop und treaclemoon Produkten ist Mikroplastik enthalten!?
09.11.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
04.11.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den interessanten, aber auch leider etwas erschütternden, Artikel. Ich werde mir denrRatgeber auf jeden Fall mal anschauen.
04.11.2014
Carinaa hat geschrieben:
Interessanter Bericht.. Leider keine so tollen Nachrichten. Ich finds immer wieder schockierend, wenn man liest, wieviel Plastik in Flüsse und Meere gelangt! Ich kann mir das kaum vorstellen....
02.11.2014
RichardParker hat geschrieben:
Oh mein Gott, dass ist echt heftig, dieses Plastik ist echt ein Fluch.
Vielen Dank für diesen wirklich interessanten Bericht, der toll geschrieben ist. Danke auch für den Link mit dem Ratgeber, ich werde gleich mal reinschauen. :) Dass sind wirklich mehr als erschreckende Zahlen und es muss unbedingt etwas getan werden, so kann es doch unmöglich weitergehen...!
02.11.2014
regentag hat geschrieben:
Wirklich angsteinflößend. Warum unser Trinkwasser noch nicht verseucht ist, leuchtet mir zwar nicht ein, aber hoffentlich stimmt es... Das Problem ist, glaube ich, wirklich noch ziemlich unbekannt, aber da es so drastische Auswirkungen hat, sollte sich das auf jeden Fall schnell ändern...
02.11.2014
Chrissy97 hat geschrieben:
Wenn man sich solche Beiträge mal durchliest wird einem bewusst, in wievielen Produkten gefährliche Sachen stecken, die wir zudem meist täglich benutzen. Man gefährdet deshalb die Umwelt auch unbewusst. Viele wissen nicht was alles schädlich für die Erde ist.
Mich würde auch mal interessieren, in welchen Marken genau Mikroplastik steckt, bzw. welche Produkte ohne Mirkoplastik sind.
02.11.2014
LSternus hat geschrieben:
Ach du meine Güte.
Der Ratgeber ist sicherlich ganz hilfreich, aber ich wüsste noch gerne in welchen Produckten kein Mikroplastik drin ist.
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