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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Iss dein Besteck auf! (Und was wir sonst so gegen Plastik unternehmen können)


von Cookie
25.03.2016
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Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Das gibt es diesen Monat:

- Essbares Besteck
- Essbare Verpackungen
- Pilzschaum statt Styropor
- Plastikfressende Bakterien
- Plastikfasten im Odenwald
- Gewinnspiel
- Plastikflaschenverbot in Montreal?
- Selbst aktiv werden

(c) www.pixabay.de kaboompics

Iss dein Besteck auf!

Auf großen Partys, bei Grillfesten, wenn man Essen to go kauft: Bei diesen Gelegenheiten greifen wir leider allzu oft zu Einmalbesteck aus Plastik. Ist es nicht irrsinnig, eine Plastikgabel vielleicht 30 Minuten lang zu benutzen, die dann noch Hunderte von Jahren brauchen wird, um zu zerfallen? Die beste Lösung ist natürlich, normales, wiederverwertbares Besteck zu nutzen und gegebenenfalls auch unterwegs bei sich zu haben. Eine andere Idee hatte Narayana Peesapaty: Was wäre, wenn wir unser Besteck einfach aufessen könnten? Peesapaty kommt aus Indien, einem Land, in dem jährlich 120 Milliarden Teile Plastikeinwegbesteck im Müll landen. Um dem entgegenzuwirken, hat er mit seiner Firma Bakey’s essbares Besteck entwickelt. Es besteht aus verschiedenen Mehlsorten, ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen verfügbar und enthält keine Konservierungsstoffe. Es gibt sowohl süße als auch salzige und scharfe Sorten. Verpackt ist das essbare Besteck bis zu drei Jahre haltbar. Und wenn man so satt ist, dass man sein Besteck nicht auch noch hinunterbekommt? Nicht so schlimm, im Gegensatz zu Plastik verrottet das essbare Besteck in kurzer Zeit. Natürlich ist Mehrweg besser als Einweg, aber trotzdem eine spannende Idee, vor allem für Imbissbuden. 

Essen, das in Essen verpackt ist

Wenn man schon sein Besteck isst, warum nicht auch den Joghurtbecher oder die Plastikflasche? An solchen essbaren Verpackungen forscht der amerikanische Bio-Ingenieur David Edwards. Seine Vorbilder findet er dabei in er Natur: Trauben und Kokosnüsse. Er hat eine natürliche Hülle entwickelt, um Lebensmittel und Getränke zu umschließen. Die essbare Wasserflasche könnte in Entwicklungsändern von großem Vorteil sein, wo die Müllentsorgung noch recht problematisch ist. Durch sie können Menschen dort sauberes Trinkwasser sowie wichtige Nährstoffe enthalten, ohne, dass dabei Müll entsteht. Essbare Perlen mit Kompott sind in den USA schon in einigen wenigen Supermärkten erhältlich, allerdings kommen sie in einer normalen, nicht essbaren Verpackung daher und sind ziemlich teuer. Doch wer weiß, vielleicht ist die Verpackung der Zukunft essbar? In diesem Video könnt ihr die Verpackungsperlen und ihren Entwickler kennenlernen.

(c) Anne Zeiß 

Pilze produzieren Verpackungen

Eine verrückte neue Verpackungsmöglichkeit erhält vermutlich auch bald Einzug bei Ikea: Pilzschaum soll Styropor ersetzen, hat Ikea Großbritannien angekündigt. Dieses Verpackungsmaterial wird bereits von Ecovative aus den USA produziert. Gezüchtet wir die Verpackung auf Agrarabfall wie zum Beispiel Maisblätter. Dieser wird gereinigt und anschließend werden Myzelien, also quasi den Wurzeln von Pilzen, hinzugefügt und die Mischung ein paar Tage in Ruhe gelassen. Die Myzelien sehen den Abfall als Nahrung an, verdauen ihn und Formen dabei ein Netz aus Fasern. Die mit Myzelien überzogenen Partikel werden wieder in lose Partikel aufgebrochen. Diese werden wiederum in ein Werkzeug gesteckt, das Myzelien um sie herumwachsen lässt, wodurch eine feste Struktur entsteht. Dieser Prozess dauert ebenfalls mehrere Tage. Dann wir das Material getrocknet, um das Wachstum und die Produktion von Sporen und Pilzen aufzuhalten. Der getrocknete Pilzschaum behält seine Form bei, sodass genau auf die Produkte zugeschnittene Verpackungen hergestellt werde können. Die nicht mehr benötigte Verpackung zersetzt sich im Garten innerhalb kurzer Zeit. Einige Firmen arbeiten schon mit Ecovative zusammen, darunter auch Computerhersteller Dell. Wir können gespannt sein, ob auch Ikea seine Möbel bald in Pilze statt Plastik verpacken wird.

(c) Ecovative

Plastikfressende Bakterien

Aus Pilzen kann man nicht nur Plastikersatz herstellen, ein paar von ihnen können Plastik sogar abbauen. Forscher vom Kyoto Institute of Technology haben nun die ersten Bakterien gefunden, die das ebenfalls können: Ideonella sakaiensis 201-F6. Diese Bakterien tauchten in einer aus 250 Proben aus einer Recycling-Anlage für PET Flaschen auf und schaffen es mithilfe zweier Enzyme, PET in ungiftige, zersetzbare Stoffe umzuwandeln. Um all die Plastikflaschen aufzufuttern, die sich bereits in unserer Umwelt angesammelt haben, bräuchte Idonella aber ganz schön lange. Die Bakterien benötigen allein 60 Tage, um einen sehr dünnen Plastikfilm abzubauen. Eventuell können Wissenschaftler den Prozess jedoch beschleunigen.

(c) www.pixabay.de Hans

Plastikfasten im Odenwald

Die Fastenzeit ist offiziell zu Ende und eines lag dabei dieses Jahr voll im Trend: Plastikfasten. Nicht nur BUND und NABU riefen dazu auf, sondern auch der Katholische Deutsche Frauenbund. Als ich mal wieder einen Ausflug nach Hause mache, stelle ich mit großer Freude fest, dass auch der Zweigverein in Fürth im Odenwald sich beteiligt und dazu aufruft, 7 Wochen lang nach Möglichkeit auf Plastik zu verzichten. Ein wichtiger Teil des Projektes ist es auch, die Leute auf die mit Plastik verbundenen Probleme aufmerksam zu machen und Alternativen vorzustellen. Dazu lud der Frauenbund zu einem Vortrag mit dem Namen "Plastik – Fluch oder Segen?" ein und zeigte den Film Plastic Planet. In der Apotheke entdecke ich ein Schild, das auf das Plastikfasten hinweist und erfahre, dass auch Geschäfte an der Aktion teilnehmen und so dafür sorgen, dass weniger Plastiktüten ausgegeben werden. Die Apothekerin weist mich auch auf die Ausstellung zum Plastikfasten in der Sparkasse hin. Die darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen und freue mich sehr über die Bemühungen, die der Fürther Frauenbund angestellt hat. Es sind zahlreiche Informationen rund um die von Plastik ausgehenden Gefahren zu finden, aber auch einfache Alternativen für den Alltag angeboten: Auf einem Tisch liegen verschiedene Plastikprodukte und daneben der plastikfreie Ersatz. In dem Flyer "Weniger Plastik und trotzdem mehr Lebensfreude" sind zahlreiche praktische Tipps, den Plastikverbrauch im Alltag zu reduzieren, zum Mitnachhausenehmen aufgelistet. Ich finde, die Ausstellung ist eine geniale Idee zum Nachmachen und hoffe, dass viele Fürther auch nach Ostern noch bewusster mit Plastik umgehen werden.

Habt ihr auch Plastik gefastet? Dann könnt ihr hier noch bis zum 31.03. mit einem Foto von euren Bemühungen den Ratgeber „Besser leben ohne Plastik“, den ich wirklich empfehlen kann, gewinnen.

Plastikflaschenverbot in Montreal?

Wie sinnvoll Plastiksteuern und -verbote sind, ist eine vieldiskutierte Frage. Die Erfahrung zeigt jedenfalls, dass schon kleine Änderungen einen großen Effekt haben können. Schottland führte zum Beispiel 2014 eine geringe Gebühr von 5 Cent auf Plastiktüten ein und schon ein Jahr später war der Verbrauch um ganze 80% zurückgegangen. So konnten in nur einem Jahr ca. 650 Millionen Plastiktüte eingespart werden. Die kleine Gebühr hat also ausgereicht, damit viele Schotten ihre Gewohnheiten änderten und nun eigene Taschen mit zum Einkaufen bringen. Das durch die Tüten eingenommene Geld kommt wohltätigen Zwecken zugute.
Denis Coderre, der Bürgermeister von Montreal, will sogar noch ein paar Schritte weitergehen. Die Abschaffung dünner Plastiktüten bis 2018 ist in der kanadischen Millionenstadt bereits beschlossene Sache. Coderre plant nun, auch Plastikwasserflaschen zu verbieten und die Bewohner dazu aufzufordern, mehr Leitungswasser zu trinken, das in der Stadt sehr gut sein soll. Hiervon würden sowohl die Umwelt als auch die Bürger selbst profitieren, denn Leitungswasser ist sowohl billiger als auch in vielen Fällen gesünder als Wasser in Plastikflaschen. Coderre muss seine Pläne jedoch zunächst gegen die sich wehrende Industrie durchsetzen. Wusstet ihr, das Plastikflaschenverbote tatsächlich schon existieren? Bereits 2009 wurde Bundanoon zu Australiens erster Gemeinde ohne Wasser in Plastikflaschen. Das Dorf Concord in den USA führte 2013 ein Verbot ein, stilles Wasser ohne Geschmack in Flaschen bis zu 1 Liter zu verkaufen. Haltet ihr ein Plastikflaschenverbot für sinnvoll?

Selbst aktiv werden

Die EU bemüht sich schon, den Verbrauch von Plastiktüten zu reduzieren, aber diese sind nur Teil eines viel größeren Plastikmüll-Problems. Wenn du auch findest, dass die europäischen Politiker sich noch mehr mit dem Thema befassen und die Entstehung von Plastikmüll eindämmen sollten, um die Meere zu schützen, unterschreibt diese Petition

Wenn ein Pfandsystem für Mehrwegflaschen gibt, warum nicht auch eines für Coffee to go-Becher? Auf diese Weise könnten wir eine Menge Müll vermeiden und Ressourcen schonen. Unterschreibe hier für ein Mehrweg-Kaffeebecher-Pfandsystem.

Aber auch ohne ein solches System kann man seinen Kaffee unterwegs genießen, ohne Müll zu verursachen, indem man einfach seinen eigenen Mehrwegbecher auffüllen lässt. Eine Übersicht, wo dies unter anderem möglich ist, gibt es hier. Natürlich lohnt es sich aber auch immer, bei nicht auf der Liste aufgeführten Kaffeeverkäufern nachzufragen.

(c) https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1103884989663979&set=gm.1147204051986840&type=3&theater

Jetzt schon planen: Die Europäische Woche der Abfallvermeidung

Vom 19. bis zum 27. November findet mal wieder die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. Bis dahin ist natürlich noch eine Menge Zeit, aber man kann schließlich nie früh genug anfangen zu planen! Das diesjährige Thema lautet "Verpackungsabfälle vermeiden!", aber alle Aktionen rund um die Vermeidung von Abfall sind willkommen. Die Möglichkeiten sind also grenzenlos: Ein Upcycling-Workshop, eine Tauschparty, ein Umsonstmarkt, ein Workshop zum plastikfreien Leben, Plastikfreilebende Leute für einen Vortrag einladen, einen Film zeigen, ein Theaterstück zum Thema aufführen, eine Ausstellung... Vielleicht hat ja eure Bundeslandgruppe Lust, etwas auf die Beine zu stellen. In der Gruppe Gemeinsam gegen den Tütenwahnsinn habe ich auch schon ein passendes Thema eröffnet, in dem wir uns austauschen können. Alle, die die Gruppe noch nicht kennen, aber sich für das Thema Plastik interessieren, sind dort ebenfalls herzlich willkommen, um gemeinsam darüber zu diskutieren und Aktionen zu planen.

Das letzte Plastik-Update, in dem es unter anderem um plastikfressende Pilze, einen Müllsammelkatamaran, eine Warnwestentasche und die neusten verpackungsfreien Läden ging, findet ihr hier.

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=W-2WiqOtlqg
http://www.bakeys.com/
http://www.echo-online.de/lokales/bergstrasse/fuerth/ausstellung-und-filme_16616160.htm
https://www.wnoz.de/Sieben-Wochen-Plastikfasten-5931d39f-f2bf-46ab-b6a9-05f3c4a4ce65-ds
http://www.bbc.com/news/uk-scotland-34575364
http://www.bundyontap.com.au/
http://www.huffingtonpost.com/2013/01/02/plastic-bottles-banned-concord-massachusetts_n_2395824.html
http://www.jetzt.de/netzteil/plastikflaschenverbot
http://matadornetwork.com/life/heres-hope-rid-planet-overwhelming-plastic-pollution/
http://www.dw.com/de/ein-superbakterium-im-kampf-gegen-plastikm%C3%BCll/a-19106710
http://www.telegraph.co.uk/news/earth/businessandecology/recycling/12172439/Ikea-plans-mushroom-based-packaging-as-eco-friendly-replacement-for-polystyrene.html
https://news.utopia.de/pilz-statt-styropor-13431/
http://www.ecovativedesign.com/how-it-works

Titelbild: www.pixabay.de Hans

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
01.04.2016
Sunlight hat geschrieben:
Richtig cool, vor allem das essbare Besteck begeistert mich!
Danke für das schöne Update! :)
29.03.2016
B0uld3r hat geschrieben:
Schöner Bericht, wie immer;)
Ich habe selbst über EcovativeDesign meinen Abiturvortrag gehalten. Als Styroporersatz ist es auf alle Fälle ideal geeignet!
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