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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Gute Vorsätze. Oder: Warum schmiere ich mir mit einer Socke Essig ins Gesicht?


von Cookie
06.01.2016
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Das Feuerwerk ist verklungen, der Sekt ausgetrunken. Das neue Jahr hat begonnen und es wird Zeit, sich an die Umsetzung der Neujahrsvorsätze zu machen. Auch ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was ich 2016 ändern will und bin dabei zu folgenden Entschlüssen gekommen:

2016 möchte ich
… meinen Plastikverbrauch weiter reduzieren.
… mehr Dinge selbst herstellen, statt sie zu kaufen.
… mehr auf saisonale und regionale Ernährung achten (auch im Winter!).
… kleine lokale Läden unterstützen statt bei großen Ketten zu kaufen.

(c) Anne Zeiß

 

Mein erster Schritt: Plastikfreie Pickelbekämpfung. Nachdem meine letzte Tube Anti-Pickelcreme aufgebraucht war, habe ich mir keine neue gekauft. Der große Fresswahnsinn über die Feiertage hat aber leider einige dieser Ärgernisse in meinem Gesicht wachsen lassen, die ich ganz schnell wieder loswerden will. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass man Apfelessig gegen Pickel einsetzen kann. Nur wie genau funktioniert das? Das Internet steckt voller Ratschläge. Es herrscht Einigkeit, dass Apfelessig desinfizierend wirkt, Entzündungen hemmt und das Hautbild verbessert. Die Anwendungsmöglichkeiten sind allerdings vielfältig und reichen vom Dampfbad über direkt auf die Haut auftragen bis zum Apfelessigtrunk. Ich entscheide mich schließlich für die Variante Apfelessig-Gesichtswasser, indem ich Apfelessig (eigentlich soll man Bio-Apfelessig nehmen, aber ich hatte nur normalen da) und Wasser 1:1 in einem kleinen Fläschchen mische. Die Mischung soll man mit einem Wattepad auftragen. Da ich sowas nicht besitze, muss eine löchrige, aussortierte (natürlich frisch gewaschene) Socke herhalten. Ein Glück ist mein Freund so sehr mit Zocken beschäftigt, dass er nicht mitkriegt, wie ich im Bad stehe und mir mit einem Socken Essig ins Gesicht schmiere. So komisch ich mich dabei auch fühle, muss ich sagen, dass sich die Wasser-Essig-Mischung auf der Haut ziemlich gut anfühlt. Riechen tut sie allerdings weniger gut und noch lange nach der Anwendung habe ich den Essiggestank in der Nase, auch wenn überall steht, dass dieser schnell verfliegt. Ich bekomme ein bisschen Mitleid mit eingelegten Gurken und bin mir noch nicht ganz sicher, ob das das richtige Parfüm für die Uni ist.

(c) Anne Zeiß

Inzwischen reibe ich mein Gesicht schon seit vier Tagen morgens und abends mit meinem selbstgemachten Apfelessiggesichtswasser ein. Besondere Überwindung kostet es mich, mir die stinkende Soße ins Gesicht zu schmieren, wenn ich gerade sauber und duftend aus der Dusche steige. Wobei die Mischung dann vermutlich besser einzieht wegen der vom Wasserdampf geöffneten Poren und so. Der Geruch verfliegt allerdings tatsächlich und es hat auch noch niemand etwas zu meiner neuen Duftnote gesagt. Ich hoffe mal, dass das auch ein Zeichen dafür ist, dass sie niemand wahrgenommen hat. Verschwunden sind die Pickel leider auch noch nicht ganz, aber es ist immerhin schon besser geworden. 

Kommen wir zum saisonalen und regionalen Essen: Zum Geburtstag habe ich ein Kochbuch namens "Vegan Regional Saisonal" bekommen und konnte es kaum abwarten, endlich Rezepte daraus auszuprobieren. Gestern war es soweit und ich habe mich an Kartoffelspalten mit Sellerieschnitzeln (Eigentlich einfach angebratene Selleriescheiben) versucht. Als ich gerade in der Küche stehe, die Kartoffeln stecken schon im Ofen, und die Sellerieknolle schäle, kommt mein Freund von der Arbeit nach Hause und blickt mir neugierig über die Schulter. "Was gibt’s denn heute? … Ihhhhh, das mag ich gar nicht! Bäh, Sellerie!" Das verleiht meiner Motivation einen gehörigen Dämpfer, aber ich bleibe hart. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Irgendwie kann ich jetzt mit meiner Mutter mitfühlen, die ähnliche Situationen mit mir auch oft genug mitgemacht hat. Mein Freund ist dann auch brav und isst ein paar Selleriescheiben, aber am Ende esse ich doch fast die ganze Knolle alleine. Wenigstens hat es mir geschmeckt. Um des guten Zusammenlebens Willen wird es dieses Gericht aber wohl nicht so schnell wieder geben.

(c) www.pixabay.de Hans

Den Vorsatz, bei kleinen lokalen Geschäften einzukaufen, konnte ich diese Woche auch gleich umsetzen: Für mein Studium muss ich sehr viel lesen. Normalerweise hole ich mir die Bücher aus der Bücherei oder lade sie online runter, wenn die Autoren schon lange genug tot sind, dass man ihre Werke kostenlos bekommt (was bei vielen Büchern, die ich als Germanistikstudentin lesen muss, der Fall ist), aber diesmal brauche ich tatsächlich zwei Bücher, die ich nicht finde und gebraucht bestellen dauert zu lange. Ich widerstehe der Versuchung, einfach zu Thalia gegenüber der Uni zu gehen, wo alle Bücher von meiner Lektüreliste schon im Regal warten und laufe stattdessen weiter zu einer kleinen Buchhandlung. Leider hat die noch bis zum nächsten Tag geschlossen. Muss ich eben morgen bestellen. Zuhause will ich herausfinden, ob das auch telefonisch geht, weil ich am nächsten Tag eigentlich nicht in die Stadt muss. Ich weiß nicht genau, wie die Buchhandlung heißt, finde aber eine, die von der Adresse her passen müsste und stelle erfreut fest, dass ich die Bücher dort sogar online vorbestellen kann. Zwei Tage später will ich sie abholen und marschiere einfach in die Buchhandlung, von der ich denke, dass ich dort bestellt habe, ohne noch mal auf den Namen zu schauen. Die haben allerdings keine Bestellung von mir erhalten und der nette Verkäufer meint, ich hätte mich bei der E-Mailadresse vielleicht vertippt. Ich erkläre ihm, da müsste ich noch mal zu Hause nachschauen, obwohl ich genau weiß, dass ich dann wohl im falschen Laden stehen muss. Denn ich habe keine E-Mail geschrieben, sondern ein Formular ausgefüllt und eine Bestellbestätigung erhalten. Draußen schaue ich mir dann den Namen an und der bestätigt meine Vermutung. Ups, wie peinlich.

(c) www.pixabay.de McLac2000

Ein paar Hundert Meter weiter finde ich dann aber doch die richtige Buchhandlung. Während ich geduldig warte, bis ein alter Mann der Verkäuferin seine Lebensgeschichte zu Ende erzählt hat, mustere ich die Regale und stelle traurig fest, wie viele Bücher in Plastik eingeschweißt sind. Muss das wirklich sein? Der Mann verabschiedet sich schließlich und ich erkläre der Verkäuferin, dass ich Bücher auf den Namen Zeiß bestellt habe. "Ach, wie unser Carl Zeiß? Besteht da eine Verwandtschaft?", will die freundliche Frau wissen. Irgendwie hat es was, in Jena zu wohnen, wenn man mit Nachnamen Zeiß heißt. Jedenfalls bin ich diesmal richtig und die Bücher sind angekommen und glücklicherweise auch nicht eingeschweißt. Ich verzichte auf die Tüte und die nette Buchhändlerin schenkt mir noch ein Stück Schokolade, über das ich mich so freue, dass mir erst draußen auffällt, dass es ja auch in Plastik verpackt ist. Mist. Während ich meine neuen Bücher nach Hause trage, denke ich darüber nach, ob ich die Schokolade abgelehnt hätte, wenn ich schneller dran gedacht hätte, dass ich so ja auch Plastikmüll produziere. Ich stelle fest, dass das eine Situation ist, in der es mir sehr schwer fällt, auf Plastik zu verzichten. Wenn jemand es gut meint und mir etwas schenken will, finde ich es schwer, abzulehnen und stattdessen einen Vortrag zu halten, warum wir keinen Plastikmüll produzieren sollten. Wie geht euch das? 

(c) www.pixabay.de RoDobby

Mein Fazit nach diesen ersten Tagen, in denen ich versucht habe, meine Vorsätze in die Tat umzusetzen, ist, dass man auf jeden Fall auch an die anderen Menschen denken muss, die in irgendeiner Weise davon betroffen sind, wie zum Beispiel mein Freund, der schließlich auch essen muss, was ich koche. Und, dass man genauer lesen sollte, wenn man etwas online bestellt. ;-)

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Kommentare (10)
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14.01.2016
zaziemo hat geschrieben:
Wirklich sehr inspirierende Vorsätze und toll erzählt! Danke für deinen Beitrag zur Blogparade und deine Gedanken zum Thema! Hier drüben sammeln wir übrigens in den Kommentaren alle Beiträge, die eingereicht wurden. Schau doch mal rein, wenn du magst: https://blog.wwf.de/bessere-vorsaetze/

Außerdem gibt es noch eine neue Videoreihe, die auch mit dem Thema #bessereVorsätze zu tun hat :) https://www.youtube.com/playlist?list=PLk4hSXXBG8k_p6g928PzlCwPoZvM1yqA9

LG, Maren vom WWF-Blogteam.
10.01.2016
FabianN hat geschrieben:
Klasse Vorsätze für 2016! Danke für den Bericht, Anne :)

Ich fände es interessant wenn du uns im Laufe des Jahres weiterhin berichten würdest wie es denn läuft mit der Umsetzung und was für Probleme du hattest und ob du vllt einen Vorsatz auf Dauer einfach nicht erfüllen konntest...
08.01.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Super Artikel!
Ich finde, dass ein Schokoladenstück in Plastik verpackt annehmen, vollkommen in Ordnung ist.
Deine Vorsätze haben mich nochmal inspiriert und motiviert, sie auch auszuprobieren. Der Titel ist wirklich spitze :)
08.01.2016
anni95 hat geschrieben:
Ach Annelein, deine Berichte sind immer wieder herlich zu lesen. Sehr interessante Vorsätze, ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetztung! Bei Büchern schaffe ich das mit den kleinen Läden eigentlich immer (bei mir gibt es einen total süßen Laden mit Regalen bis an die Decke!), mit Lebensmitteln hingegen...
Ich finde es auch schwierig, Geschenke, die wirklich gut gemeint sind, abzulehen.
07.01.2016
Kathi.Sunflower hat geschrieben:
Ich muss mich Bjarne anschließen, der Titel ist der Hammer :D

Und nachdem ich den Beitrag gelesen habe, war ich in der Mensa einkaufen und musste entsetzt feststellen, wie viel Plastik verbraucht wird :-(
06.01.2016
Bjarne2000 hat geschrieben:
Du solltest später Titelschreiberin oder so werden... Gibts das? Egal ^^ Aber dieser Titel ist echt gut :D (Der Artikel natürlich auch, aber das wurde ja schon gesagt, ich wollte nur noch mal ausdrücken, wie sehr mir der Titel ins Auge gesprungen ist ;) )
06.01.2016
Hummelelfe hat geschrieben:
Ich gebe mir auch Mühe, die von dir genannten Vorsätze zu machen.
Ich schaue mich mal in der Stadt nach einer kleinen Buchhandlung um.
06.01.2016
Puma hat geschrieben:
Echt schöne Vorsätze und ich hoffe, du kannst sie auch durchhalten :) Wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg und Spaß dabei :D
Und das mit der Buchhandlung ist auch ein schönes Erlebnis. Ich finde gut, dass du bei einer kleinen Buchhandlung bestellt hast. Da es bei uns aufm Dorf keine großen Ketten gibt, mach ich das auch immer. Mittlerweile kennt die Verkäuferin auch meinen Namen *freu*
06.01.2016
KikiFi hat geschrieben:
Sehr schöne Vorsätze! Hoffentlich hast du damit ein wunderbares Jahr 2016 ;)
06.01.2016
midori hat geschrieben:
Sehr süß, Frau Zeiß! ;o) Mir geht das mit dem Schenken oft beim Essen so. Irgendwer will einem immer irgendetwas Gutes tun und weil man weiß, wieviel Mühe sich derjenige damit gemacht hat, isst man dann trotzdem, obwohl man eigentlich pappesatt ist. Ich finde es aber bewunderswert, dass Du den extra Aufwand auf Dich nimmst und bei einer kleinen Buchhandlung bestellst, zwei Tage wartest und dann noch hingehst :D Wenigstens gab es die Schokolade zur Belohnung ;o)
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