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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Guerilla-Einsatz für nackte Lebensmittel


von Cookie
12.02.2016
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Du gehst durch den Supermarkt und willst gerade nach einer Salatgurke greifen, da siehst du, wie sie dir ein kleines gelbes Schild entgegenhält: "Lieber nackt als in Plastik!" Als du dich verwundert umschaust, entdeckst du, dass die ganze Obst- und Gemüseabteilung gegen ihre Plastikverpackungen demonstriert: "Plastik! Plastik! Plastik an euren Händen!", verkünden die eingetüteten Bananen und fordern: "Das Plastik muss weg!" Hier war die Anti-Plastik-Guerilla am Werk: Melanie, Anja und Lisa haben vor wenigen Wochen in Plastik verpackte Lebensmittel in einem Weimarer Supermarkt mit kreativen kleinen Demo-Schildchen bestückt. Die drei studieren an der Bauhaus-Universität in Weimar und haben im Rahmen eines Semesterprojekts das Projekt "Gib Plastik keine Chance!" ins Leben gerufen.

Wie kam es dazu, dass ihr euch für das Thema Plastik entschieden habt?

In unserem Projekt beschäftigen wir uns mit einer Vielzahl von Umweltproblemen. Dabei wurde es uns am Anfang komplett freigestellt, was wir thematisieren wollen. Bei unseren gruppeninternen Brainstormings kam dann immer wieder das Thema Plastik auf und es wurde schnell klar, dass dieses Problem uns alle beschäftigt. Darum haben wir uns entschieden, zu versuchen, die Leute auf das Problem aufmerksam zu machen.

Was ist das Ziel eurer Guerilla-Aktion?

Unser Ziel ist in erster Linie, die gewohnten Einkaufsmuster der Konsumenten zu durchbrechen, weil wir glauben, dass man sich mittlerweile einfach an die vielen Plastikverpackungen gewöhnt hat. Das Format einer Lebensmittel-Demonstration haben wir gewählt, weil es das Thema auf eine frische und ungewohnte Weise kommuniziert.

Und wie haben Supermarktpersonal und Kunden auf eure Aktion reagiert?

Das Supermarkt-Personal wusste gar nicht, wie ihm geschah, wir haben uns relativ schnell aus dem Staub gemacht, als wir das Gefühl hatten, dass sie auf uns aufmerksam geworden sind. Über einen Redakteur der TLZ (Thüringische Landeszeitung) der uns begleitet hat, haben wir im Nachhinein erfahren, dass sie natürlich nicht sehr begeistert davon waren. Aber da es ein Uniprojekt ist, wurden nochmal beide Augen zugedrückt. Die Kundenreaktionen konnten wir bei dieser Aktion leider nicht festhalten, da wir sehr damit beschäftigt waren, nicht entdeckt zu werden. Für unser Projekt haben wir das Ganze aber zuvor schon einmal mit Drehgenehmigung durchgeführt, hier haben wir viele positive Reaktionen bekommen. Die Kunden sind stehen geblieben, waren neugierig auf die Schildchen und haben gelesen, was darauf steht. Das hatte meist ein Schmunzeln und Zustimmung als Reaktion. Einige haben uns auch direkt angesprochen, als wir die Schilder gesteckt haben, und gesagt, dass sie das auch so sehen. Oder, dass sie z.B. auf Plastiktüten verzichten.

(c) Gib Plastik keine Chance

Nachmachen der Aktion ist übrigens ausdrücklich erwünscht. Die drei haben einen Bastelbogen entwickelt, den ihr hier herunterladen und mit dem ihr eure eigenen Demo-Schilder basteln könnt.

Was sollte man beachten, wenn man die Aktion selbst durchführen will?

Man sollte auf jeden Fall beachten möglichst, unauffällig zu agieren, damit die Schilder nicht sofort entdeckt werden und so auch die Chance haben, von den Konsumenten gesehen zu werden. Außerdem ist uns wichtig, dass keine Lebensmittel zu Schaden kommen, denn wir wollen ja nicht den Märkten schaden, sondern die Konsumenten auf das Problem aufmerksam machen. Und sie dazu bewegen vielleicht doch die plastikfreie Alternative, die es meist ja gibt, zu kaufen.

Außerdem wichtig zu erwähnen ist vielleicht noch, dass man die Aktion sofort beenden muss, wenn das Supermarktpersonal einen dazu anweist. Von ähnlichen Aktionen in anderem Zusammenhang weiß ich, dass die bei so was mitunter ganz schön sauer werden können.


(c) Gib Plastik keine Chance

Abgesehen von eurem genialen Projekt, spielt Plastikvermeidung auch in eurem Alltag eine Rolle?

Wir haben uns teilweise schon vor dem Projekt mit der Reduzierung von Plastik beschäftigt, beispielsweise mit der Vermeidung von Plastik im Haushalt durch die Aufbewahrung von Lebensmitteln in Glasbehältern, die Wiederverwendung von Plastiktüten als Müllbeutel oder den Verzicht auf Plastikflaschen. Seit wir uns mit dem Projekt intensiv beschäftigen, hat sich unsere Wahrnehmung natürlich nochmal verschärft, vor allem beim Einkaufen. Es könnte sein, dass wir einigen Freunden schon auf die Nerven gehen mit unserem ständigen Hinweisen: Das ist aber auch unnötig in Plastik verpackt! Oder: Schau dir das mal an!

Neben den Guerilla-Aktionen gibt es eine Facebookseite zum Projekt. Anja, Lisa und Melanie spielen mit einer bekannten Kampagne für Kondome als Schutz gegen Aids. Statt "mach’s mit" heißt es hier allerdings "kauf’s ohne". In diesem Sinne haben die Studentinnen auch Postkarten mit Motiven wie einer Gurke, bei der die Plastikhülle halb abgerollt ist, entworfen, denn: "Nicht jede Gurke muss verpackt sein!"

(c) Gib Plastik keine Chance

Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für mich und meine Fragen genommen habt! Ich wünsche euch, dass euer Projekt für euch Erfolg im Studium und im Kampf gegen den Plastik-Wahnsinn bedeutet!

Titelbild: Gib Plastik keine Chance

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Kommentare (9)
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23.02.2016
Puma hat geschrieben:
Die Idee ist echt klasse! Ich würde mich das wahrscheinlich auch nicht trauen, doch dass die drei den Mut dazu hatten, Respekt!
21.02.2016
Chewbacca hat geschrieben:
Top idee und aktion! Schilder gleich ausgedruckt ????
20.02.2016
Hannah2000 hat geschrieben:
Coole Aktion!!!
Weiß aber auch nicht ob ich mich das trauen würde:)
19.02.2016
Hummelelfe hat geschrieben:
Wie glaubt ihr, würden die Mitarbeiter von dem Supermarkt reagieren, wennn sie einen dabei sehen?
17.02.2016
Anais hat geschrieben:
Schöne Aktion :))
13.02.2016
RichardParker hat geschrieben:
Klasse, das finde ich super. Sei frech - sei anders! :D
Ein bisschen Nervenkitzel ist ja auch dabei, ein bisschen die Supermarktmitarbeiter hinters Licht führen, ich kann es nicht leugnen, dass ich das genial finde... :D
12.02.2016
Hummelelfe hat geschrieben:
@midori: ich würde mich das auch nicht so trauen, aber für die Welt mache ich das gerne :)
12.02.2016
Peet hat geschrieben:
Kann mich Uli nur anschließen! Klasse Sache :)
12.02.2016
midori hat geschrieben:
Ich finde die Aktion richtig klasse! Weiß allerdings nicht, ob ich mir das trauen würde - bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch und hätte echt Bammel vor den Supermarktmitarbeitern :D
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