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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Ein Alltag ohne Plastik?! - Familie Krautwaschl lebt es vor


von Gluehwuermchen
14.05.2011
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Tags: Plastik, Leben

Schon gewusst?
Pro Minute werden weltweit eine Million Plastiktüten konsumiert. Der Traum von unberührter Natur ist längst zu einer Illusion geworden: Plastik durchdringt unsere Welt und ist an den entlegensten Stränden fein zermahlen im Sand zu finden. In den Weltmeeren schwimmt derzeit sechs mal so viel Plastik wie Plankton und selbst unser Körper ist betroffen: Plastik wurde auch schon in unserem Blut nachgewiesen. Dass man unseren Planenten mit dem bisher erzeugten Kunsstoffmengen mittlerweile sechs mal in Plastikfolie einwickeln könnte, ist ja allgemein bekannt.

Was sich nun viele fragen: Was kann ich tun, dass die Plastikverseuchung aufhört? Es scheint utopisch, bestehen doch unsere meisten Gebrauchsgegenstände aus Plastik. Jeder Einkauf im Supermarkt wäre eine Niederlage. Selbst wenn wir wollten, Plastik ist aus unserem Leben nicht wegzudenken.
Oder doch?

Die fünfköpfige Familie Krautwaschl aus dem österreichischen Eisbach hat das Experiment versucht: Ausgehend vom Film plastic planet ließ sie sich auf ein Experiment ein und versuchte, einen Monat lang ohne Plastik auszukommen. Aus dem Monat sind mittlerweile anderthalb Jahre geworden. Der Haushalt wurde komplett ausgemistet und der alte Plastikstapel wohtn nun im Stall – die Krautschals leben sehr ländlich.

Allerdings geht es dabei keinesfalls fanatisch zu. Fernseher und Handy sind nicht im Müll gelandet und die Playmobil Ritterburg des Kleinsten kehrte ebenfalls nach einer Weile ins Kinderzimmer zurück.
Sandra Krautwaschl sagt selbst: „Bei aller Liebe zu Experimenten braucht man also auch Mut zur Unvollkommenheit, wenn man im nahezu plastikfreien Einkaufsalltag nicht die Motivation verlieren will. Denn auch wenn man sich hin und wieder ein Packerl Chips oder Mozarella gönnt und es tatsächlich nirgendwo plastikfreie Sonnenschutzmittel gibt, macht es dennoch Sinn, alle unnötigen (Plastik)verpackungen prinzipiell zu vermeiden.“

Doch wie kann man sich den Einkauf von Lebensmitteln ohne Plastik vorstellen?
Wer beim Gang durch die Supermarktreihen schon mal genau hingeschaut hat, dem wird auffallen, dass so gut wie alles in Plastik eingepackt ist. Oft wird das mit der Hygiene begründet, nur dann fragt man sich: Ist das nicht ein Trugschluss? Mal ganz ehrlich....wenn ihr euch eine Chipstüte kauft geht ihr euch nicht erst die Hände waschen, weil ihr vorher mit Geld hantiert habt. Und wer die Tüte aufreißt und reinlangt, der transportiert sowieso alle Bakterien, die auf der Tüte waren in die Tüte. Aber geschadet hat es wohl noch keinem und früher ging es doch auch ohne Plastiktüten - warum also dieser Plastikwahn? Warum sogar Gurken einschweißen, die doch von den meisten vor Verzehr sowieso gewaschen werden?
Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr fällt einem ein. Und das, obwohl unsere Welt schon derart verseucht ist.

So sollte man Familie Krautwaschl wirklich als Vorbild nehmen:
Milch und Joghurt werden in Glasflaschen gekauft, wobei man allerdings ein bisschen Plastik im Deckel hinnehmen muss. Butter, Käse und Fleisch lässt sich Sandra in Metalldosen packen, die sie von Zuhause mitbringt.
In Bioläden ist es oft so, dass die Lebensmittel weniger eingeschweißt sind als in den Billigdiscountern.Müsli ist dort oft „pur“ zu erhalten.
Wer sich zu einem solchen Schritt entscheidet, der muss allerdings vorher gut planen. Doch nach ein bisschen suchen lässt sich für vieles eine Alternative finden und wer bei Großhändlern nachfragt, kann sogar Nudeln ohne Plastiktüte erhalten.
Selbst bei der Suche nach Gewürzen ist Sandra Krautwaschl in Graz fündig geworden.

Wie ist es mit dem Spülen?
Die Spülmaschine scheidet ja direkt aus. Erstens besteht sie von innen hauptsächlich aus Plastik, zweitens sind die Chemikalien, die zum Spülen verwendet werden die reinsten Gifte.
Familie Krautwaschl lässt sich im Bioladen Spülmittel aus einem Großkanister abfüllen. Zuhause wird das ganze in einen Seifenspender umgeschüttet, was den Vorteil hat, dass sich das Spülmittel viel leichter dosieren lässt. Dadurch vermeidet man nicht nur Plastik, sondern spart sogar Spülmittel.

Klopapier aus Plastiverpackungen wird ersetzt durch Papierhandtücher, die man ein bisschen zurechtschneidet.
Im Grunde spart man sogar Geld bei dieser Art zu leben. Ein gutes Beispiel dafür sind Sandras Kinder im Grundschulalter: minderwertige Stifte, Kugelschreiber, die nicht schreiben, Plastikspitzer die sofort kaputt gehen, Lineale die brechen, all das muss in regelmäßigen Abständen so oft neu gekauft werden, dass es billiger ist, einmal ein bisschen mehr für plastikfreies, solides Schreibzeug auszugeben. Und gesünder ist es auch: Klebstoffe, Farben und Radiergummis gelangen auf die Haut der Kinder oder werden sogar in den Mund genommen.

Sandra Krautwasch sagt dazu: „Bei Klebstoffen gibt es zum Beispiel von UHU eine ganze Palette von nachfüllbaren und Lösungsmittel freien Produkten, die mir auch für Schulklassen sehr geeignet erscheinen.Vielleicht gelingt es mir, so etwas zumindest für die Volksschulklasse von Leonard durchzusetzen.
Außerdem werde ich in Zukunft unlackierte Stifte mit gut eingeleimter Mine (bricht nicht so leicht!), Radiergummis aus Naturkautschuk, Metallspitzer, Holzlineale, nachfüllbare Textmarker und Wachsmalstifte mit Papierumhüllung kaufen. Um die hochwertigeren Stifte auch wirklich gut aufbrauchen zu können, werde ich außerdem noch so genannte „Stiftverlängerer“ besorgen.“

Wie die Kinder das sehen?
Die sind Mamas Kontrolleure und schauen ganz genau hin:

„Nichts desto trotz muss ich gestehen, dass ich in den letzten Monaten 2 oder 3mal schwach geworden bin und mich am Ende eines anstrengenden Tages mit einem Packerl Chips „belohnt“ habe. Der Versuch diesen Ausrutscher vor meinen Kindern geheim zu halten, ist allerdings gnadenlos gescheitert.
Kinder haben ja prinzipiell Antennen dafür, wenn Eltern heimlich naschen. Aber als Marlene diesmal kopfschüttelnd und mit einem strengen: „Mama, also wirklich….Plastikchips!“ hinter mir stand, während ich in unserer finsteren Abstellkammer, versuchte, möglichst geräuschlos die Chips aus dem Sackerl in meinen Mund zu befördern, war das wirklich ziemlich peinlich!“

Hier könnt ihr euch die Familie in einem Video anschauen:

Mehr über Familie Krautwaschl findet ihr auf dieser Seite:

www.keinheimfuerplastik.at/familie-krautwaschl/

 Dort gibt es noch weitere interessante Texte von Sandra Krautwaschl, in denen sie von ihrem Verusch, plastikfrei zu leben, erzählt.

Hut ab vor Familie Krautwaschl! Es sollte mehr Menschen geben, die ein bisschen mehr auf ihr Konsumverhalten achten. Vielleicht seid ihr ja jetzt ein bisschen motiviert?

 

Quellen:

"zeo2", 02/2011. "Ein Leben ohne Plastikhülle" von Klaus Höfler

http://www.keinheimfuerplastik.at/category/kuche-ohne-plastik-inkl-lebensmitteleinkauf/

http://www.keinheimfuerplastik.at/category/schulkinder-ohne-plastik-lernen-spielen-sport/

http://www.youtube.com/watch?v=whnDBRlP-3A

 

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Kommentare (15)
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14.06.2011
Oekojule hat geschrieben:
WAAAAAAAAAAAAAAHNSINN!!!!!! Die Frau geht sogar noch arbeiten! Ich dachte, sie ist Hausfrau. Ich ziehe meinen Hut vor denen! Also so sehr ich Plastik hasse, ich könnte es glaube nicht durchhalten komplett darauf zu verzichten. Das Mögliche mache ich ja - wie z.B. auf die Plastetüten verzichten. Beim Bäcker lehne ich immer die Plastetüten ab. Und da ich selber kein Fleisch esse, muss ich auch kein/e eingeschweiste/s Wurst und Fleisch kaufen. Aber was ist denn mit Briefen mit Fenster? Oder mit dem Handy? An meinem Fahrrad ist Plaste und in der ganzen Wohnung! Es gibt soviele Dinge, die lassen sich einfach nicht vermeiden. Ich hätte es glaube auch nicht drauf, mit den Einweggläsern in den Supermarkt zu gehn. Dadurch, dass die ganzen Leute so gefrustet sind, würde mindestens jeder zweite rummeckern, was das denn so lange dauert. Die Kassiererinnen wissen ja nicht bescheid und haben keine Ahung, wie sie den Einkauf abscannen sollen. Ich stell mir das alles tooooooootal schwierig vor. Besonders in der Stadt. Auf dem Dorf mag das noch gehen, aber selbst da gehört viel Mut, Kraft und Ausdauer, Zeit und die richtige Lebensphilosopie dazu, nicht aufzugeben.

Ich finde es auch wahnsinn, alles, was schon vorhanden ist an Plastik, zu entsorgen oder nie wieder anzurühren, bis es wegwerfreif ist. Das ist dann auch nicht gerade umweltfreundlich.

Trotzdem find ich die Familie echt klasse. Vor allem, was das Durchsetzungsvermögen angeht! Und vielleicht machts den ja jmd. nach ;).
Asche auf mein Haupt und ganz viel Respekt vor der Familie!
31.05.2011
Tworster hat geschrieben:
Sehr gut :) doch man kann nicht kommplett von plastik nein sagen in elektronik autos haushaltgeräte ( aber nur noch bis jetzt aus oil). Ich spiel mit Freunden Softair und dafür braucht man auch plastik...dachtet ihr. wir nehmen nur Biokugeln die sind biologisch abbaubar und dopplet besser :)
28.05.2011
Leslie hat geschrieben:
sehr guter bericht !
schon krass, dass 'ne ganze familie sowas durchzieht, vorallem über den zeitraum. klar dass es nicht ganz ohne plastik geht, aber trozdem echt genial :)
26.05.2011
Immy hat geschrieben:
Richtig gut!
25.05.2011
Lars0220 hat geschrieben:
guter bericht und gutes video
24.05.2011
LaLoba hat geschrieben:
Das ist echt genial! Ein Hoch auf Familie Krautwatschl!
17.05.2011
deby90 hat geschrieben:
Sehr guter Bericht. Ich schließ mich auch an: Den Verbrauch von Plastik zu reduzieren ist einfach, ganz auf Plastik zu verzichten jedoch unheimlich schwer. LEIDER.
16.05.2011
Puma hat geschrieben:
Guter Bericht.Plastik ist generell nicht gut,das geb ich zu.Aber wenn man hundert Gramm Wurst in ein Paket packt,in das locker 500 Gramm gepasst hätten,ist mir das ein bisschen zu übertrieben.
16.05.2011
Anni09 hat geschrieben:
Guter Bericht. Ich kann mich den anderen nur anschließen. Ganz auf Plastik verzichten geht einfach nicht aber den Verbrauch reduzieren ist ganz einfach. Die Sache mit der Spülmaschine ist schon etwas schwierig, denn vielen Leuten fehlt einfach die Zeit um selbst zu spülen, vorallem bei einer Großfamilie stell ich mir das ziemlich schwierig vor. Ich persönlich würde nicht die Spülmaschine nicht missen wollen ;)

Aber es gibt schon viele Punkte an denen man den Verbrauch drastisch und ohne viel Aufwand reduzieren kann :D
15.05.2011
nera8 hat geschrieben:
Danke für den Bericht Gluehwuermchen! Da sind echt viele Anregungen dabei wie man sein eigenes Leben umgestalten kann :) Wenn ich mich hier in meinem Zimmer so umschaue sehe auch so einiges aus Plastik und ich glaube darauf zu verzichten wäre nicht immer ganz einfach. Trotzdem kann man den Verbrauch deutlich reduzieren!
14.05.2011
Cookie hat geschrieben:
Ein wirklich toller Bericht! Sehr interessant und es ist einfach immer schön zu hören, dass es solche Leute wie die Familie Krautwaschl gibt! Diese Menschen sind wirklich zu bewundern! Ich stell es mir aber relativ schwer vor, ohne Plastik auszukommen... Ich war zufällig grade eben im Supermarkt und wenn ich da so zurückdenke hab ich dort echt kaum was ohne Plastikverpackung gesehen. :( Wir versuchen ja schon meistens, Glasflaschen zu kaufen, aber ein Problem hatten wir da: Mein Papa trinkt unglaublich gern den O-Saft von Hohes C, aber den gibts nur in Einwegplastikflaschen. Wir haben mal die Firma angeschrieben und die haben uns erklärt, das läge daran, dass die Nachfrage nach Mehrwegprodukten minimal wäre und sie sich ja den Kunden anpassen müssten. So was find ich traurig. :(
14.05.2011
gelöschter User hat geschrieben:
danke gluehwuermchen ;)
14.05.2011
easii hat geschrieben:
Interessanter bericht, so was öffnet die Augen, wenn ich an meine Einkäuf denke ;D
14.05.2011
Marielle hat geschrieben:
Der Bericht ist gut und wenn man ganz genau darüber nachdenkt, ist es wirklich nicht so schwer auf plastik zu verzichten.
Obst aus dem Supermarkt muss man nämlich wirklich nicht in eine plastiktüte stopfen. Die Idee mit der Stofftasche fand ich eigentlich sehr gut.
Aber es gibt auch Dinge wo man sagen, kann das Plastik total okay ist. Zum beispiel wenn mann wusrt oder Käse an der Frische Theke holt und sich dass dann in ne Tupperbox einpacken lässt. Das ist ja eher eine art von Plastik, die man länger als ne einkaufstüte nutzt.
14.05.2011
HatTrick hat geschrieben:
Toller Bericht! Habe Ähnliches von einer Familie aus England gesehen. Hoffe das wird zum Trend :)
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