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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Dreck am Ring - Die Festivals und der Müll


von Cookie
11.06.2016
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Einmal zu Rock am Ring fahren. Sich einmal drei Tage lang ungeduscht vor der Bühne drängen und die Haare zu wilden Gitarrenklängen schütteln. Sich einmal stolz das Festivalbändchen überstreifen und nie wieder abnehmen. Mein Freund und ich haben beschlossen, uns diesen Rock'n'Roll-Traum dieses Jahr endlich zu erfüllen. Einmal ganz davon abgesehen, dass unsere Träume im Schlamm begraben wurden, hat mich noch etwas ziemlich beschäftigt: Die unglaublichen Müllberge, die durch Rock am Ring verursacht werden und wie viel ich selbst gezwungenermaßen dazu beigetragen habe.

Schon als wir am Donnerstagmorgen auf dem Parkplatz aus dem Auto klettern und unser Gepäck zum Zeltplatz schleppen, ist der Weg mit zerquetschten Bierdosen gepflastert. Wen interessiert schon Dosenpfand oder gar die Umwelt? Wer zu RaR geht, will ein Wochenende lang unbekümmert Spaß haben. Literweise Dosenbier gehört für einen Großteil der Festivalbesucher dazu. Glasgefäße sind schließlich gar nicht erst erlaubt. Das bedeutet auch für mich, statt meiner geliebten Glastrinkflasche auf eine Plastikwasserflasche umzusteigen. Immerhin kann ich diese auf dem Gelände immer wieder mit kostenlosem Trinkwasser auffüllen. Spätestens, als ich barfuß durch den Matsch waten muss, weil meine Schuhe nach dem heftigen Unwetter am Freitag völlig untragbar geworden sind (Merke: NIEMALS ohne Gummistiefel auf ein Festival gehen), bin ich ganz froh über das Glasverbot, da es meine Füße vor Scherben bewahrt.

Das Packen hat es dennoch erschwert. Da wir zunächst mit dem Zug nach Gießen fahren mussten, konnten wir nur so wenig wie möglich mitnehmen. Beim Einkaufen sind Dinge in meinem Korb gelandet, um die ich sonst einen großen Bogen mache: Nussnougatcreme im kleinen Plastikbecher, kleine Plastikfläschchen Shampoo (Ich wollte nicht riskieren, mein teures neues festes Shampoo in einer Festivaldusche zu verlieren) und Spülmittel, Dosenravioli… Insgesamt haben sich unsere Vorräte in Grenzen gehalten, da wir kaum die Möglichkeit hatten, etwas zu transportieren. Immerhin haben wir unser Pesto-Glas reingeschmuggelt. Vor Ort gab es dann ein riesiges Lidl-Zelt. Zu meiner Überraschung wurden dort nur Papier- statt Plastiktüten ausgegeben, die verwandelten sich bei der nassen Wetterlage aber schnell in unbrauchbare Fetzen und lagen bald überall herum. Geduld, bei der Pfandrückgabe zu warten, hatten wohl auch nur wenige, denn nur ein paar Meter weiter häuften sich die leeren Pfanddosen an. Die meisten Dosen endeten zerquetscht im Matsch. Teilweise wurde gewissermaßen auch Upcycling betrieben und die Dosen in Skulpturen, Hüte und Ähnliches verwandelt. Die Produkte bei Lidl waren natürlich vom Obst einmal abgesehen fast alle in Einwegplastik verpackt. Wer sich also nicht nur von Brot, Bananen, Äpfeln und Melonen ernähren will, hat schlechte Karten. Reist man mit dem Auto an, kann man sich allerdings sicher gut Vorräte in eigene Behälter abfüllen und so jede Menge Müll sparen. 

Doch selbst bei so guter Vorbereitung eröffnet sich ein neues Problem: In den Bereich bei den Bühnen darf man nur originalverschlossene Tetrapaks bis zu 0,5 Liter mitnehmen. Meine wiederbefüllte Wasserflasche muss im eine halbe Stunde entfernten Zelt bleiben. Immerhin gibt es Getränke in Mehrwegbechern zu kaufen, allerdings zu horrenden Preisen: 4 Euro für Bier oder Softdrinks, 2,30 Euro für Wasser. An zahlreichen Buden kann man außerdem Essen erstehen. Auf der Internetseite heißt es zwar: "Alle Speise- und Getränkestände verwenden entweder Mehrweggeschirr mit Pfandsystem oder kompostierbare Einweggeschirr aus Stärke", doch das meiste, was ich gesehen habe, sah mir nach ganz normalem Einweggeschirr aus. Da Mülleimer Mangelware sind, lässt man die Verpackungen einfach fallen. Der Schlamm verschlingt ohnehin alles. Was einmal fallen gelassen wurde, ist mehr oder weniger verloren und so tragen neben den Verpackungen auch noch zahlreiche Kleidungsstücke, Schuhe und Campingaccessoires zur Müllmenge bei.

Um die Müllmenge einzudämmen, hatten die Veranstalter das Müllpfand im Vergleich zum letzten Jahr erhöht: 10 Euro des Ticketpreises erhält zurück, wer die beiden Müllsäcke, die er bei seiner Ankunft erhält, gefüllt wieder abgibt. Irgendwie traurig, dass damit gerechnet wird, dass alle 90.000 Festivalbesucher innerhalb von vier Tagen je zwei große Säcke Müll produzieren. Bei einem Ticketpreis von mindestens 185 Euro kommt es allerdings kaum jemandem auf diese 10 Euro mehr oder weniger an. Da verwendet man die Müllsäcke lieber als Gratis-Regenschutz. Wir geben uns Mühe unseren Müll zu sammeln und bekommen zu acht zweieinhalb Säcke zusammen. Wir hätten auf dem Gelände sicher auch unsere anderen Säcke in kürzester Zeit füllen können. Darauf verzichteten wir allerdings, da wir nicht mal für unseren Müll Pfand bekamen, da wir vor Sonntag um 12 Uhr abreisten. Als das Festival abgebrochen wurde, öffneten die Pfandstellen zwar noch in der Nacht, aber in Anbetracht der Umstände wird sich wohl kaum noch jemand um die ordentliche Entsorgung seines Mülls gekümmert haben. Im Gegenteil, durch die vielen Unwetter und die vorzeitige Abreise wurde vermutlich noch viel mehr zurückgelassen, als sonst. Zahlreiche Zelte haben dem Wetter wahrscheinlich gar nicht erst standgehalten. Insgesamt sind wohl zwischen 700 und 900 Tonnen Müll liegen geblieben. Eine erschütternde Bilanz. So ein großes Festival ist ein unvergessliches Erlebnis, aber das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht den Schaden, den es der Umwelt zufügt.

Von den Veranstaltern würde ich mir für die kommenden Jahre folgendes Wünschen: Mehr Mülleimer, mehr Mehrweggeschirr an Verkaufsständen, mehr Pfandautomaten und eine Aufhebung der Tetrapak-Regel.

Trotz allem gibt es Menschen, die es ohne Einwegplastik durch Rock am Ring schaffen:

(c) Unverpackt Trier

Meinen Respekt! Daran sollten wir uns alle ein Beispiel nehmen.

Ein paar Tipps, um Festivals etwas müllfreier zu überstehen:

- Wenn du entsprechende Transportmöglichkeiten hast, nimm dir deine eigenen Vorräte mit und fülle sie in Beutel und Dosen ab bzw. um (oder verstecke deine Glasbehälter gut ;-) ).
- Hebe dir kleine Fläschchen oder ähnliches auf, in die du dein Spülmittel, Shampoo usw. abfüllen kannst, falls du nicht ohnehin festes Shampoo mitnimmst.
- Nimm eine Trinkflasche zum Auffüllen mit.
- Nimm lieber einen Wasserkanister zum Auffüllen mit statt literweise Wasser in Plastikflaschen anzuschleppen.
- Nimm Campinggeschirr- und –besteck bzw. normales Geschirr und Besteck mit statt Einweggeschirr und Plastikbesteck.
- Falls du grillen möchtest, nimm lieber einen kleinen Kugelgrill mit, statt Einweggrills zu nutzen.
- Wenn du vor Ort etwas kaufst, halte nach Ständen mit Mehrweggeschirr Ausschau.
- Nutze für den Müll, der dennoch anfällt, die Entsorgungsmöglichkeiten vor Ort.
- Nimm ordentliche Regenkleidung mit, um nicht auf Einwegponchos (oder Müllsäcke) zurückgreifen zu müssen.
- Lass dein Zelt und Campingzubehör nicht zurück.
- Verdiene dir den Eintrittspreis zurück, indem du herumliegendes Pfand aufsammelst oder Leuten ihre Müllpfandmarken abschwatzt. ;-)

Quellen:

http://www.rock-am-ring.com/info/umwelthinweise
http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/nach-abbruch-von-rock-am-ring-tonnenweise-muell-von-abgereisten-fans/-/id=1682/did=17567458/nid=1682/1dgl3il/index.html

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Kommentare (10)
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18.06.2016
Weltverbesserer hat geschrieben:
Ich finde es traurig, dass manche Leute so wenig auf ihre Umwelt und nächste Generation achten.)-:
Wenn alle ein wenig auf die Umwelt achten würden, dann würde auch bei wenigen Mülleimer kein Müll auf dem Boden liegen. Aber die feine Gesellschaft ist meistens zu faul ein paar Meter zu einem Mülleimer zu gehen. Oder noch schlimmer einfach mal den Arm zu strecken und den Müll in den Eimer fallen zu lassen.
16.06.2016
Ronja96 hat geschrieben:
Das ist echt enorm, was da an Müll zusammenkommt. Da muss echt was passieren. Ich finde alleine schon bei Konzerten erschreckend, was da teilweise für Müll liegen bleibt. Aber das ist natürlich überhaupt kein Vergleich zu den Mülllbergen, die dort auf den Festivals entstehen...
14.06.2016
Cookie hat geschrieben:
@Johanna: Das ist so eine coole Idee, bitte schreib an die Veranstalter und schlage ihnen das vor! :D Wobei die nach dem Abbruch im Moment wohl andere Sorgen haben... Ist ja noch nicht mal sicher, ob es überhaupt ein nächstes RaR geben wird. :(
14.06.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Danke für den etwas anderen Blick auf das Festival. Ich denke gerade bei solchen Festivals wären große Müllmengen von Seiten der Veranstalter vermeidbar. Wenn diese beispielsweise Rock-am-Ring-Mehrwegtrinkflaschen herstellen und an die Besucher im Ticketpreis enthalten verteilen würden, dann hätte jeder am ende ein stylisches Souvenir und könnte sich vielleicht auch etwas billiger an Auffüllstationen über die gesamte Festivalzeit mit Getränken versorgen.
12.06.2016
Marielle hat geschrieben:
Von Festivals kann ich nichts berichten, aber Stadion Konzerte sind auch so ne Sache. Ich war vor nem Jahr auf einem und habe ewig lang vor Konzertbeginn dort angefangen zu warten um gute Plätze zu bekommen. In dem gesamten Wartebereich gab es noch nichtmal Mülleimer also musste man den Kram auf den Boden werfen und beim Einlass ist man dann durch die Müllberge der anderen gelaufen was ziemlich eklig war. Und meine Wasserflasche musste ich halb voll im Gebüsch loswerden, weil man nur mit TetraPacks reinkam. Das ist immer so eine Verschwendung. Als würde ich jemanden mit meiner Plastikfalsche erschlagen...
12.06.2016
Hawkeye hat geschrieben:
Hallöle. Wow .. das sieht heftig aus. Ich war selbst noch nie auf so einem Festival ( aber nächstes Jahr bin ich auch dort und auf Wacken) aber ich weiß zumindest worauf ich achten sollte bzw. muss.
12.06.2016
Akatsuki hat geschrieben:
Nen Kumpel von mir war vor nen paar Jahren mal auf Wacken und hat ebenfalls berichtet, dass es da ziemlich schlimm war mit dem Müll. Ich selber war zwar noch nie auf nem Festival aber nächstes Jah werde ich das mal tun und mich vermutlich ziemlich ähnlich über den Müll aufregen.
12.06.2016
anni95 hat geschrieben:
Sehr traurig das Ganze :( Auf dem ImmerGut ging das mit dem Müll, aber dort war Glas auf dem Campingplatz erlaubt und es waren nur etwa 5000 Leute dort. Fast alle haben ihr Essen mitgebracht (gab kein Händlerzelt, man musste zum Einkaufen in die Stadt fahren). Am Ende sah der Campingplatz ganz gut aus; man konnte sich statt Müllpfandgeld auch einen Festival-Beutel abholen, ich glaub, das war ein ganz guter Reiz. Generell ist das auf kleineren Festivals sicherlich alles leichter als auf größeren.
12.06.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
Super Bericht! ich finde es traurig, dass es die meisten Menschen gar nicht interessiert, wo sie ihren Müll hinschmeißen. Vermutlich wissen sie nicht mal, wie groß das problem ist. Mir fehlen die Worte! Natürlich ist das auf einem Festival nicht ganz winfach, da stimme ich dir schon zu, aber die Leute könnten schon so wie du versuchen möglicht wenig Müll zu produzieren.
Und übrigens: Die Tipps sind echt gut. ^^
12.06.2016
thogie hat geschrieben:
Hallo Cookie,
vielen Dank für deinen Beitrag. Ich war letztes Jahr beim Highfield Festival. Dort war es genauso schlimm, es gab einen "grünen" Campingplatz, bei dem sich alle Camper verpflichteten, dass sie ihren kompletten Müll abgeben. Nur war das reinste Utopie, der Platz sah hinterher schlimmer aus als der reguläre Zeltplatz, denn niemand hat auch wirklich etwas kontrolliert. Da ich zum Teil auch viele Konzerte absichere, ist mir aufgefallen, dass bei Konzerten mit älteren Fans die Halle wesentlich sauberer aussieht (obwohl auch diese gut trinken) als bei Jüngeren. Ich glaube auch nicht wirklich, dass sich das ändert. Mehr Verantwortungsgefühl würde gut tun.
LG Thomas
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