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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Die Plastik-Schwemme


von Franzi
27.12.2013
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78 P

Es lauert überall, wo wir auch hingehen. Es ist um uns und in uns und egal was wir tun, es gibt kein Entkommen.

Zugegeben, das klingt sehr dramatisch. Dies soll zwar nicht der Beginn einer Horrorgeschichte sein, aber eine ernste Sache ist es schon. Die Rede ist von Plastik. Diesem allgegenwärtigen, nicht mehr wegzudenkenden Wunderstoff, der unser Leben in so vieler Hinsicht erleichtert hat. Und es auch in so vieler Hinsicht bedroht.

Schaut man sich dieser Tage mal in einem herkömmlichen Supermarkt um wird man feststellen, dass es so gut wie keine Produkte mehr ohne irgendeine Form der Plastikverpackung gibt. 80% der Waren die wir täglich kaufen kommt heutzutage mit Plastik in Berührung. Für die Industrie hat der Stoff große Vorteile, er ist universell einsetzbar, stabil, leicht und kostengünstig herzustellen. Pro Jahr werden mehr als 250 Millionen Tonnen Plastik produziert, ganze 65 Millionen Tonnen davon allein in Deutschland. Da Plastik bis zu 500 Jahre braucht um sich natürlich abzubauen belastet es die Natur und uns Menschen. In unseren Ozeanen schwimmen inzwischen sechs Mal mehr Plastikteile als Plankton! Oft verenden Meerestiere an dem übermäßigen Verzehr von Plastik und auch in unseren Speisefischen finden sich immer größere Mengen dieses Stoffes. So und über viele andere Wege gelangt das Plastik auch zu uns den Körper.

Proben haben ergeben, dass das Plastik inzwischen seinen Weg in unser Blut und unseren Urin gefunden hat.
Besonders gefährlich für den Menschen ist unter anderem das synthetische Hormon Bisphenol A (BPA), welches als Monomer dazu dient das Material, hauptsächlich bestehend aus Erdöl oder Erdgas, besonders hart zu machen. Ohne dieses Hormon wäre Hartplastik wie wir es kennen nicht denkbar, es ist die am meisten hergestellte Chemikalie der Welt und trägt so zur Herstellung von CDs, Zahnfüllungen, Spielzeug, Spritzen und Konservendosen bei. Auch in Produkten in denen man es eher nicht vermutet, wie z.B. in Thermopapier, woraus Zugtickets und Kassenzettel gemacht werden, ist es enthalten.
„Die Menschen in industrialisierten Staaten sind mittlerweile zu über 90 Prozent chronisch mit Bisphenol A belastet, also sozusagen „plastiniert“. In nahezu jeder Urinprobe lassen sich nennenswerte Konzentrationen von BPA nachweisen“, sagt Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie II an der Universität Bonn.
Das Hormon hat in unserem Körper östrogene Wirkung und kann so zu Fettleibigkeit, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen führen. Schon Ende der 90er Jahre wurde herausgefunden, dass BPA die Spermienproduktion bei Männern um bis zu 40% verringern kann, die Entwicklung des Gehirns beeinflussen und sogar Veränderungen im Erbgut hervorrufen kann, was wiederum zu Fehlgeburten führt. Anders als bei anderen Stoffen wirkt BPA in kleinen Mengen dabei noch schädlicher als in größeren.
Da BPA sehr fettlöslich ist kann es über die Nahrung und über die Haut in unseren Organismus gelangen, am besten wohl über die Mundschleimhaut.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist aufgrund mehrerer Studien sehr beunruhigt über die derzeitige Entwicklung und bezeichnet hormonell wirksame Chemikalien - wie das BPA - als „globale Bedrohung“. Es ist nicht so leugnen: BPA mag ein schleichendes und leises Gift sein, aber es schadet den Menschen in Industrienationen.

Nicht überraschend ist die Reaktion der Plastik- und Verpackungstechniker auf dieses Neuigkeiten. Dort wird weiterhin behauptet, dass die Verwendung von Kunststoffen geprüft und sicher sei und es schließlich Grenzwerte für verschiedene Chemikalien gebe. Für BPA liegt dieser seit 2006 bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Da aber BPA auch in extrem niedrigen Mengen schon Schäden anrichtet, ist dieser Grenzwert mehr als nutzlos. Hinzu kommt, dass die Wirkung der Chemikalie stark vom Entwicklungsstadium des Menschen abhängt, ob er also ein Baby oder ein Erwachsener ist. Außerdem muss bedacht werden, dass sich die Mengen des konsumierten BPA aus den täglichen Aktivitäten eines Menschen addieren. Es kommen das Bahnticket am Morgen, die Dosensuppe am Mittag und der Fisch am Abend zusammen, sowie andere Weichmacher, welche in PVC-Böden und sogar Kosmetik enthalten sind und eine ähnliche Wirkung haben, zusammen. Nur ein Verbot dieser hormonell hochwirksamen Stoffe würde also wirklich Sinn machen.
Frankreich hat in dieser Hinsicht den ersten Schritt getan: dort soll Bisphenol A ab 2015 zumindest in Lebensmitteldosen komplett verboten sein. Bisher ist das auf europäischer Ebene nur für Babyflaschen der Fall. Ob es zu weiteren Einigungen auf Unionsebene kommen wird, ist derzeit unklar. Deutschland hat sich jedenfalls noch nicht zu dem Thema geäußert.

Wir müssen uns ganz klar von der Illusion verabschieden, in eine Welt ohne Plastik zurückkehren zu können. Wir können uns nur so gut es geht mit der bestehenden Situation arrangieren und darauf achten, selbst möglichst wenig mit Plastik in Kontakt zu kommen. Joghurt, Milch und Tomatensoße gibt es oft auch in Glasflaschen, Gemüse sollte nicht eingeschweißt sein und frisches Obst schmeckt doch eh besser als Dosenfrüchte. Damit tun wir nicht nur der Umwelt einen Gefallen, sondern auch uns selbst.

 

Quelle:

http://www.handelsblatt.com/technologie/das-technologie-update/healthcare/bisphenol-a-in-unserem-blut-fliesst-plastik-seite-all/9012072-all.html

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Kommentare (14)
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31.12.2013
Lulu2000 hat geschrieben:
Ich finde es schlimm das wir so viel Plastik verbrauchen
31.12.2013
Julianne hat geschrieben:
Schöner Bericht, danke dafür!
29.12.2013
Jule97 hat geschrieben:
Toller Bericht! Sehr gut geschrieben :-) Unglaublich, dass Plastik so schädigend für die Umwelt und auch für uns ist und es trotzdem überall um uns herum ist und beinahe jede Verpackung und jedes Ding nur noch aus Plastik bestehen zu scheint. Und so viele Menschen wissen gar nicht, wie schädigend es ist :-/
29.12.2013
schnorrcle hat geschrieben:
Sehr guter Artikel :). Das kleine Plastikteile in unserer Nahrung vergiftet wusste ich schon, aber dass es sowas gibt war mir bisher unbekannt. Vor allem auch, dass dieses Bisphenol A uns in so vielen Lebenslagen begegnet und uns vergiftet ohne irgendwelche Anzeichen oder Warnungen finde ich sehr schockierend.
28.12.2013
FranziL hat geschrieben:
Das Plastik giftig ist, wusste ich schon, aber dass diese Giftstoffe derart große Auswirkungen haben und ich die auch über Bahntickets aufnehmen kann war mir neu und ich finde es echt schockierend. Der Bericht ist echt super, danke, dass du nochmal verdeutlichst warum man Plastik besser meiden sollte!
28.12.2013
Pandafreundin hat geschrieben:
*Gelungener
28.12.2013
Pandafreundin hat geschrieben:
Gelungender Bericht! :)
Es schockiert mich, dass selbst in unserem Körper bereits Plastik nachgewiesen wird - das habe ich noch nicht gewusst.
Ich glaube viele Menschen wissen noch garnicht was dieser Plastikkonsum für starke Auswirkungen hat ... Die Menschen die es wissen sollten auf jeden Fall darauf achten.
28.12.2013
Taki hat geschrieben:
Käse ist auch Plastik, Kasiinlaktat. Soll man auf Käse verzichten.
28.12.2013
SarahU hat geschrieben:
Echt guter und informativer Bericht! :)
Dein Bericht sollte auf einer Seite (z.B Facebook) eingestellt werden, damit es ganz viele Leute lesen und merken, wie schädlich Plastik für alle ist und dann ihren Plastikkonsum reduzieren! Aber wahrscheinlich ist es vielen Menschen trotzdem egal :/
27.12.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Super Bericht! :)

Darüber, dass das BPA auch über Fahrkarten oder ähnliches in den Körper gelangen kann, hab ich mir bisher noch nie Gedanken gemacht...

Wir haben früher mal in der Schule einen Versuch zum Thema BPA durchgeführt.
Wir haben junge Wasserschnecken für einen Monat in Plastik- und in Glasflaschen verfrachtet.
Während die in den Glasflaschen nur ein wenig gewachsen sind, waren die in den Plastikflaschen zum Teil mehr als doppelt so groß!
Das hat mich derart schockiert, dass ich seitdem meinen Plastikverbrauch extrem reduziert hab - und trotzdem muss ich darauf zurückgreifen, weil es oft einfach keine Alternative gibt.
Wobei einige Kunststoffe mittlerweile mit dem "BPA free"-Label zertifiziert sind; immerhin ein Anfang :)
27.12.2013
vince hat geschrieben:
Ja, das ist ein guter Hinweis. Es ist zwar unmöglich gänzlich auf Plastik zu verzichten aber es ist gut ein bisschen darauf zu achten wo es Alternativen gibt.
27.12.2013
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Danke, wirklich guter Bericht! 6 mal mehr Plastik als Plankton? WOW!
Und das es so gesundheitsschädlich ist, hätte ich auch nicht gedacht!
27.12.2013
Lisa18 hat geschrieben:
Vielen Dank für den echt super Bericht. Ist Obst aus der Dose wirklich frisch? Häufig ist es doch mit Zucker extra gesüßt und mich macht die Flüssigkeit, wo es drin schwimmt, doch etwas skeptisch.
27.12.2013
Line hat geschrieben:
wow... echt guter bericht.
dass palstik schädlich ist war ja bekannt aber so extrem?! das ist echt der hammer. wir sollten wirklich besser darauf achten was wir wie kaufen. es geht zwar nicht ohne aber weniger geht immer.
danke für den tollen bericht
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